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Kreuzfahrt Skandinavien
Reise & Transport

Kreuzfahrt Skandinavien

13 Min. Lesezeit

Vom Schiff aus sieht Skandinavien anders aus. Steil aufragende Felswände an den Fjorden, Holzhäuser am Ufer, Möwen über dem Heck. Eine Kreuzfahrt durch Nordeuropa gehört zu den gefragtesten Routen der Branche. Und das aus gutem Grund: Man erreicht Orte, die auf dem Landweg Stunden dauern würden, und wacht morgens in einem neuen Hafen auf.

Ich habe mir die verschiedenen Routen, Reedereien und Häfen genauer angeschaut. Dieser Artikel hilft dir bei der Entscheidung, welche Tour zu dir passt und worauf du bei der Buchung achten solltest.

Kreuzfahrt nach Skandinavien: Was erwartet dich?

Skandinavien-Kreuzfahrten lassen sich grob in zwei Kategorien teilen: Ostsee-Kreuzfahrten und Fjord-Kreuzfahrten. Die Ostsee-Routen führen durch die Hauptstädte, also Kopenhagen, Stockholm, Helsinki und oft auch Tallinn oder St. Petersburg. Die Fjord-Routen konzentrieren sich auf die norwegische Küste mit Stopps in Bergen, Stavanger, Ålesund und den Lofoten.

Tipp: Berechne dein persönliches Reisebudget mit unserem Skandinavien-Reisekostenrechner.

Kreuzfahrtschiff in einem norwegischen Fjord zwischen steilen Felswänden
Kreuzfahrtschiffe fahren tief in die norwegischen Fjorde hinein, oft bis zum Ende des Gewässers (KI-generiert)

Die meisten Kreuzfahrten starten ab Hamburg, Kiel oder Warnemünde. Das ist ein großer Vorteil für deutsche Reisende: kein Flug nötig, man steigt direkt aufs Schiff. Die Touren dauern zwischen 7 und 14 Tagen. Kürzere Schnuppertouren von 4 bis 5 Tagen gibt es ab Kiel nach Norwegen.

Ein Pluspunkt gegenüber Kreuzfahrten im Mittelmeer: Die Häfen liegen oft mitten in der Stadt. In Kopenhagen legt man an der Langelinie an, fünf Minuten zu Fuß von der Kleinen Meerjungfrau. In Bergen steht man direkt am Bryggen-Viertel. Lange Transferfahrten vom Hafen in die Innenstadt fallen meistens weg.

Die beliebtesten Routen

Hier sind die vier gängigsten Routentypen mit typischen Reiseverläufen.

Ostsee-Metropolen (10 bis 12 Tage)
Kiel/Hamburg → Kopenhagen → Stockholm → Helsinki → Tallinn → (St. Petersburg) → Kiel/Hamburg. Der Klassiker. Ideal für alle, die mehrere Hauptstädte in einer Reise sehen wollen. Zwei bis drei Seetage sind eingebaut. In den Städten hat man meist 8 bis 12 Stunden Aufenthalt.

Norwegische Fjorde (7 bis 10 Tage)
Hamburg/Kiel → Bergen → Hellesylt/Geirangerfjord → Ålesund → Molde → Stavanger → Kiel/Hamburg. Die landschaftlich abwechslungsreichste Route. Die Durchfahrt durch den Geirangerfjord, vorbei an Wasserfällen und steilen Felsen, ist der Höhepunkt vieler Norwegen-Kreuzfahrten.

Nordkap und Lofoten (12 bis 14 Tage)
Hamburg → Bergen → Tromsø → Honningsvåg/Nordkap → Lofoten → Trondheim → Hamburg. Die längste Route, aber auch die, die am weitesten nach Norden führt. Im Sommer erlebt man die Mitternachtssonne. Viele Seetage, dafür lohnen sich die Stopps im Norden richtig. Der Bus zum Nordkap (ab Honningsvåg, 35 km) kostet etwa 60 Euro als organisierten Ausflug.

Island und Britische Inseln (12 bis 16 Tage)
Hamburg → Lerwick (Shetland) → Reykjavik → Ísafjörður → Akureyri → Färöer → Bergen → Hamburg. Eine Expeditionsroute mit viel See und wenig anderen Schiffen. Island lässt sich von der Wasserseite aus erleben. Die Anlandungen sind wetterabhängig.

Reedereien im Vergleich

Welche Reederei passt zu wem? Hier ein Überblick der wichtigsten Anbieter auf Skandinavien-Routen.

Kreuzfahrtschiff im Hafen von Stockholm mit Altstadt im Hintergrund
Stockholms Hafen liegt nah an der Altstadt Gamla Stan (KI-generiert)

AIDA Cruises richtet sich an ein jüngeres, deutschsprachiges Publikum. Die Schiffe sind leger, es gibt keine festen Essenszeiten, und die Bordsprache ist Deutsch. Preise ab etwa 900 Euro pro Person für eine Woche (Innenkabine). AIDA fährt regelmäßig Ostsee- und Norwegen-Routen ab Kiel und Warnemünde.

TUI Cruises (Mein Schiff) liegt preislich etwas über AIDA, dafür ist Premium-All-Inclusive enthalten (Getränke, Restaurants). Ebenfalls deutschsprachig. Mein Schiff fährt Nordeuropa-Routen ab Hamburg und Kiel. Preise ab circa 1.100 Euro pro Person für 7 Tage.

MSC Cruises bietet oft die günstigsten Preise, ab 700 Euro für eine Woche. Die Schiffe sind groß, das Publikum international. MSC fährt Ostsee-Routen ab Kiel und Warnemünde. Die Bordsprache ist Englisch und Italienisch, Deutsch wird aber ebenfalls angeboten.

Hapag-Lloyd (Hanseatic) ist die Premium-Alternative. Kleinere Schiffe, maximal 400 Passagiere, Expeditionscharakter. Die Hanseatic nature und Hanseatic inspiration fahren Routen nach Spitzbergen, Island und zu den Lofoten. Preise ab 4.000 Euro pro Person. Dafür kommt man in Häfen, die für große Schiffe zu klein sind.

Costa Cruises und Norwegian Cruise Line fahren ebenfalls Skandinavien-Routen, starten aber oft ab Amsterdam oder Southampton. Für deutsche Reisende weniger praktisch, es sei denn, man will die Anreise mit einem Citytrip verbinden.

Die wichtigsten Häfen und Landausflüge

In jedem Hafen stellt sich die Frage: Organisierter Ausflug über die Reederei oder selbst erkunden? Mein Rat: In den Städten selbst erkunden, bei Naturzielen den organisierten Ausflug buchen.

Kopenhagen: Vom Hafen (Langelinie oder Oceankaj) kommt man in 15 bis 30 Minuten zu Fuß oder per Bus in die Innenstadt. Nyhavn, Tivoli, Rundetårn sind auf eigene Faust gut machbar. Ein Copenhagen Card lohnt sich für den Tagesbesuch (ab 55 Euro), da Bus, Bahn und viele Museen enthalten sind.

Stockholm: Der Kreuzfahrthafen Stadsgården liegt direkt in der Stadt. Gamla Stan ist in 10 Minuten zu Fuß erreichbar. Wer das Vasa-Museum sehen will, nimmt die Fähre zur Insel Djurgården (10 Minuten). Kosten: rund 5 Euro.

Bergen: Der Hafen liegt am Bryggen, den historischen Holzhäusern. Man steht praktisch mittendrin. Die Standseilbahn auf den Fløyen kostet 6 Euro und bietet einen guten Überblick. Für den Fischmarkt braucht man 5 Minuten zu Fuß.

Kreuzfahrthafen Bergen mit den bunten Bryggen-Häusern
In Bergen liegt der Kreuzfahrthafen direkt neben den historischen Bryggen-Häusern (KI-generiert)

Helsinki: Vom Hafen Hernesaari sind es 3 km in die Innenstadt, ein Shuttlebus fährt regelmäßig. Die Markthalle, der Dom und die Felsenkirche Temppeliaukio sind die Highlights. Wer die Festungsinsel Suomenlinna besuchen will, braucht mindestens 3 Stunden.

Geirangerfjord: Hier lohnt sich der organisierte Ausflug. Vom Tender-Anleger fahren Busse zu den Aussichtspunkten Flydalsjuvet und Dalsnibba (1.500 m Höhe). Auf eigene Faust kommt man ohne Auto kaum hin. Kosten für den Reederei-Ausflug: 80 bis 120 Euro.

Stavanger: Die Altstadt mit den weißen Holzhäusern (Gamle Stavanger) ist in 5 Minuten vom Hafen erreichbar. Wer zum Preikestolen (Kanzelberg) will, braucht einen ganzen Tag. Die organisierte Tour kostet rund 150 Euro, ist aber bei 8 Stunden Aufenthalt zeitlich knapp.

Beste Reisezeit für Skandinavien-Kreuzfahrten

Die Kreuzfahrtsaison in Nordeuropa läuft von Mai bis September. Außerhalb dieser Monate fahren nur wenige Schiffe nach Skandinavien, weil das Wetter zu unbeständig wird.

Mai und Juni sind meine Empfehlung. Das Wetter ist oft stabil, die Tage werden lang (in Nordnorwegen geht die Sonne ab Ende Mai gar nicht unter), und es sind weniger Touristen unterwegs als im Juli. Die Preise liegen 10 bis 20 Prozent unter der Hochsaison.

Juli und August sind Hochsaison. Warmste Temperaturen (15 bis 25 Grad), die meisten Schiffe unterwegs, volle Häfen. In Bergen können an einem Tag drei Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig liegen. Die Preise sind am höchsten, aber das Wetter ist am verlässlichsten.

September ist für Nordlicht-Kreuzfahrten nach Nordnorwegen interessant. Ab Mitte September sieht man mit etwas Glück die ersten Nordlichter. Das Wetter kann rau sein, die Stimmung dafür besonders. Preislich ist September oft am günstigsten.

Kosten und Buchungstipps

Was kostet eine Skandinavien-Kreuzfahrt wirklich? Hier eine realistische Aufstellung für eine 7-Tage-Tour ab Kiel oder Hamburg (pro Person).

  • Innenkabine: 700 bis 1.200 Euro (AIDA, MSC) bzw. 1.000 bis 1.500 Euro (TUI Cruises)
  • Balkonkabine: 1.200 bis 2.000 Euro. Für Fjord-Kreuzfahrten lohnt sich der Aufpreis, weil man von der Kabine aus die Landschaft sieht.
  • Getränkepakete: 200 bis 400 Euro pro Woche (bei AIDA und MSC nicht inklusive). Bei TUI Cruises sind Getränke im Preis enthalten.
  • Landausflüge: 50 bis 150 Euro pro Ausflug. Bei 4 bis 5 Hafenstopps summiert sich das auf 200 bis 600 Euro.
  • Trinkgelder: 10 bis 14 Euro pro Tag werden bei den meisten Reedereien automatisch abgebucht.

Spartipps: Frühbucher-Rabatte gibt es ab 12 Monate vor Abfahrt, Last-Minute-Angebote ab 4 bis 6 Wochen vorher. Die Webseiten kreuzfahrten.de und dreamlines.de vergleichen Preise verschiedener Anbieter. Wer flexibel beim Datum ist, spart oft 200 bis 400 Euro pro Person.

Sonnenuntergang auf der Ostsee vom Deck eines Kreuzfahrtschiffs
Auf der Ostsee geht die Sonne im Sommer erst gegen 22 Uhr unter (KI-generiert)

Kreuzfahrt vs. Hurtigruten: Was passt besser?

Die Hurtigruten sind keine klassische Kreuzfahrt, sondern eine Postschifflinie, die seit 1893 die norwegische Küste von Bergen bis Kirkenes bedient. Der Unterschied ist deutlich.

Auf einer Kreuzfahrt ist das Schiff der Mittelpunkt. Entertainment, Restaurants, Pool, Shows. Die Landgänge sind kurz (6 bis 10 Stunden). Man sieht viel in kurzer Zeit, aber oberflächlich.

Auf den Hurtigruten ist die Route der Mittelpunkt. Das Schiff ist kleiner, es gibt weniger Entertainment, dafür mehr Nähe zur Landschaft. Die Schiffe legen an 34 Häfen an, oft nur für 30 Minuten. Man sieht die Küste aus der Nähe, erlebt den Alltag der kleinen Hafenstädte und hat mehr Kontakt zur Natur.

Meine Einschätzung: Wer Städte sehen will und Bordunterhaltung mag, ist mit einer klassischen Kreuzfahrt besser bedient. Wer Norwegen intensiv erleben will und kein Problem mit kleinen Kabinen hat, sollte die Hurtigruten nehmen. Die Hurtigruten-Tour Bergen nach Kirkenes und zurück dauert 12 Tage und kostet ab 2.500 Euro pro Person in der Innenkabine.

Häufige Fragen zur Skandinavien-Kreuzfahrt

Wird es auf einer Skandinavien-Kreuzfahrt seekrank machend?

Auf der Ostsee ist der Seegang meistens gering, besonders im Sommer. Die Nordsee (Abschnitt Hamburg bis Norwegen) kann bei Westwind rauer sein. Wer empfindlich ist, sollte eine Kabine in der Schiffsmitte auf einem niedrigen Deck buchen, dort spürt man den Seegang am wenigsten. In den Fjorden ist das Wasser fast immer ruhig.

Brauche ich warme Kleidung auf einer Sommerkreuzfahrt?

Ja, unbedingt. Selbst im Juli können die Temperaturen an Deck bei 10 bis 15 Grad liegen, besonders abends und in den Fjorden. Eine wind- und regenfeste Jacke, ein Fleece-Pullover und lange Hosen gehören ins Gepäck. Für die Landgänge reichen bequeme Wanderschuhe. Abendgarderobe hängt von der Reederei ab, bei AIDA ist es leger, bei Hapag-Lloyd gibt es Gala-Abende.

Lohnt sich eine Balkonkabine bei einer Fjord-Kreuzfahrt?

Für Fjord-Routen auf jeden Fall. Die Durchfahrten durch Geirangerfjord oder Sognefjord dauern mehrere Stunden, und vom Balkon aus hat man einen privaten Logenplatz. Auf Ostsee-Routen mit viel Seetag ist der Mehrwert geringer. Tipp: Steuerbordseite (rechts) buchen, wenn die Route nordwärts entlang der norwegischen Küste führt, dann sieht man die Fjorde.

Kann ich die Landausflüge auch selbst organisieren?

In den Städten (Kopenhagen, Stockholm, Bergen, Helsinki) auf jeden Fall. Dort sind die Sehenswürdigkeiten fußläufig oder per ÖPNV erreichbar, und man spart gegenüber den Reederei-Ausflügen 50 bis 70 Prozent. Bei Naturzielen (Nordkap, Preikestolen, Gletscherwanderungen) ist der organisierte Ausflug sicherer, weil das Schiff auf die Teilnehmer wartet. Wer selbst organisiert und zu spät zurückkommt, wird nicht auf das Schiff gewartet.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026