Ostsee-Kreuzfahrt
Eine Kreuzfahrt durch die Ostsee ist nicht zu vergleichen mit einer Karibik-Kreuzfahrt. Hier geht es nicht um Palmenstrände und Dauerbespaßung. Die Ostsee bietet etwas anderes: Hauptstädte, die man zu Fuß erkunden kann. Häfen mit Geschichte. Landschaften, die sich jeden Tag verändern. Und Seetage, an denen das Meer so ruhig ist, dass man die Bordkante nicht von einem Parkplatz unterscheiden kann. Seekrankheit ist auf der Ostsee selten, und das macht die Route auch für Kreuzfahrt-Neulinge interessant.
Die Ostsee verbindet neun Anrainerstaaten. Eine Kreuzfahrt kann an einem Tag in Stockholm beginnen, am nächsten in Helsinki halten, dann weiter nach St. Petersburg und Tallinn führen. Die Distanzen sind kurz, die Nächte auf See selten länger als 12 Stunden. Das bedeutet: Mehr Zeit an Land, weniger Zeit auf dem Wasser. Für viele Reisende ist genau das der Punkt.
Warum eine Kreuzfahrt durch die Ostsee
Die Ostsee-Kreuzfahrt hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Kreuzfahrtgebieten: Man besucht in einer Woche bis zu sechs verschiedene Länder, ohne den Koffer mehr als einmal auszupacken. Der Koffer bleibt in der Kabine, man geht morgens von Bord, erkundet eine Stadt und kommt abends zurück. Am nächsten Morgen liegt ein anderes Land vor dem Fenster.
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Ein weiterer Vorteil: Die Ostsee ist ein Binnenmeer. Der Wellengang ist deutlich geringer als auf dem Atlantik oder im Mittelmeer. Besonders im Sommer kann das Wasser tagelang spiegelglatt sein. Für Menschen, die Angst vor Seekrankheit haben, ist die Ostsee die beste Wahl unter den europäischen Kreuzfahrtgebieten.
Die kulturelle Dichte ist auf keiner anderen Kreuzfahrtroute so hoch. Stockholm, Helsinki, Kopenhagen, Tallinn, Riga, Danzig, St. Petersburg. Jede Stadt hat eine eigene Identität, eine eigene Küche, eine eigene Architektur. Man kommt als Tourist und fährt als jemand ab, der sechs Kulturen angetastet hat. Nicht tiefgreifend, aber genug, um zu wissen, wohin man wiederkommen will.
Die beliebtesten Routen
Die meisten Ostsee-Kreuzfahrten starten in Kopenhagen, Kiel, Warnemünde oder Stockholm. Eine typische Route dauert 7 bis 14 Tage. Die Klassiker im Überblick:
Route 1: Die Skandinavische Schleife (7 Tage)
Kiel oder Warnemünde - Kopenhagen - Oslo - Kristiansand oder Stavanger - Göteborg - Kiel. Diese Route konzentriert sich auf Schweden, Norwegen und Dänemark. Ideal für einen ersten Einstieg in die Ostsee-Kreuzfahrt, weil die Fahrzeiten kurz sind und die Häfen gut erreichbar.
Route 2: Die Große Ostseerunde (10-14 Tage)
Kopenhagen - Stockholm - Helsinki - Tallinn - (St. Petersburg) - Riga - Danzig - Kopenhagen. Die umfassendste Route, die fast alle Ostsee-Anrainer abdeckt. Die Liegezeit in den großen Hauptstädten beträgt meist einen ganzen Tag (8-12 Stunden), was ausreicht für eine gründliche Erkundung der Innenstadt.
Route 3: Norwegische Fjorde und Ostsee (12-14 Tage)
Kiel - Bergen - Geirangerfjord - Ålesund - Nordkap - Tromsø - Lofoten - Kiel. Streng genommen verlässt man die Ostsee und fährt an Norwegens Atlantikküste entlang. Diese Routen werden aber oft als "Ostsee und Fjorde" vermarktet und sind bei deutschen Passagieren beliebt.
Reedereien im Vergleich
Auf der Ostsee sind zahlreiche Reedereien unterwegs, von klassisch bis modern, von Budget bis Luxus. Die wichtigsten im Überblick:
AIDA Cruises: Die deutsche Reederei bietet mehrere Ostsee-Routen ab Kiel und Warnemünde an. Das Konzept ist legerer als bei klassischen Reedereien: Buffet-Restaurants, Clubatmosphäre, deutschsprachig. Schiffe: AIDAmar, AIDAdiva, AIDAprima. Preise ab 799 Euro pro Person für 7 Tage (Innenkabine).
TUI Cruises (Mein Schiff): Deutschsprachig, Premium-Segment. Die Mein-Schiff-Flotte bietet ein "Alles Inklusive"-Konzept mit Getränken, Trinkgeldern und Spezialitätenrestaurants. Stärke: Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Ostsee-Routen ab Kiel. Preise ab 999 Euro pro Person für 7 Tage.
MSC Cruises: Internationale Reederei mit großen Schiffen (bis 6.000 Passagiere). Eher günstig, großes Entertainment-Angebot, mehrsprachig. Ostsee-Routen ab Kiel oder Kopenhagen. Preise ab 599 Euro pro Person für 7 Tage.
Hapag-Lloyd Cruises: Luxus-Segment. Die Schiffe Europa und Europa 2 bieten kleine Passagierzahlen (400-500), gehobenen Service und anspruchsvolle Routen. Preise ab 3.500 Euro pro Person für 10 Tage.
Viking Ocean Cruises: Skandinavische Reederei mit Fokus auf kulturelle Erlebnisse. Kleine bis mittelgroße Schiffe (930 Passagiere), keine Kinder unter 18. Gehobenes Niveau ohne Protz. Ostsee-Routen ab Stockholm oder Bergen. Preise ab 2.500 Euro pro Person für 7 Tage, inklusive Ausflüge in jedem Hafen.
Die wichtigsten Häfen
Kopenhagen: Einer der beliebtesten Startpunkte. Der Hafen liegt zentral, die Kleine Meerjungfrau ist zu Fuß erreichbar. Ein Tag in Kopenhagen reicht für Nyhavn, Tivoli und Schloss Amalienborg.
Stockholm: Das Kreuzfahrtterminal liegt in Stadgården, 15 Minuten zu Fuß von der Altstadt (Gamla Stan). Stockholm braucht mindestens einen ganzen Tag. Das Vasa-Museum, Djurgården und die Altstadt sind die Hauptziele. Wer den Stockholm Pass kauft (ab 669 SEK), spart bei Museen und öffentlichem Nahverkehr.
Helsinki: Der Hafen liegt am Marktplatz, mitten in der Stadt. Vom Schiff läuft man direkt in die Innenstadt. Der Dom, die Felsenkirche, die Markthalle und die Festungsinsel Suomenlinna (Fähre 15 Minuten, Hin und zurück 5 Euro) sind die Hauptattraktionen. Helsinki ist in vier bis fünf Stunden gut zu schaffen.
Tallinn: Die mittelalterliche Altstadt gehört zum UNESCO-Welterbe und liegt 15 Minuten Fußweg vom Hafen entfernt. Der Domberg, die Alexander-Newski-Kathedrale und die Stadtmauer mit den Türmen sind sehenswert. Tallinn ist günstiger als die skandinavischen Hauptstädte. Ein Mittagessen in der Altstadt kostet 10 bis 15 Euro.
Warnemünde und Kiel: Die wichtigsten deutschen Abfahrtshäfen. Warnemünde liegt bei Rostock und hat einen eigenen Bahnhof mit ICE-Anbindung. Kiel ist über die A7 erreichbar. Beide Häfen bieten Parkplätze für die Dauer der Kreuzfahrt (60-90 Euro pro Woche).
Kosten und Preise
Die Kosten einer Ostsee-Kreuzfahrt variieren stark je nach Reederei und Kabinenkategorie. Ein Überblick:
- Budget (Innenkabine, MSC/AIDA): 600-1.000 Euro pro Person für 7 Tage
- Mittelklasse (Balkonkabine, TUI/AIDA): 1.200-2.000 Euro pro Person für 7 Tage
- Premium (Suite, Viking/Celebrity): 2.500-4.000 Euro pro Person für 7 Tage
- Luxus (Hapag-Lloyd/Silversea): 4.000-8.000 Euro pro Person für 10 Tage
In diesen Preisen enthalten sind Kabine, Vollpension (Hauptrestaurants) und Unterhaltungsprogramm an Bord. Nicht enthalten sind in der Regel: Getränke (außer bei "Alles Inklusive"-Reedereien), Landausflüge (30-150 Euro pro Ausflug), Trinkgelder (10-15 Euro pro Tag), Wellness und Spezialtätenrestaurants.
Spartipp: Frühbucher-Rabatte liegen bei 10 bis 30 Prozent (Buchung 6-12 Monate vorher). Last-Minute-Angebote gibt es ab 4 Wochen vor Abfahrt, dann oft 20 bis 40 Prozent günstiger, aber die Kabinenwahl ist eingeschränkt. Wer Landausflüge selbst organisiert statt über die Reederei zu buchen, spart 30 bis 50 Prozent. In den meisten Häfen kommt man problemlos auf eigene Faust in die Stadt.
Die beste Reisezeit
Die Ostsee-Kreuzfahrtsaison läuft von Mai bis September. Die Hauptsaison ist Juni bis August, wenn die Tage am längsten sind und die Temperaturen am angenehmsten.
Mai und Juni: Die Tage werden lang, in Skandinavien geht die Sonne kaum unter. Das Wetter ist noch frisch (12-18 Grad), aber die Häfen sind weniger überlaufen. Wer um den 21. Juni reist, erlebt die Mittsommernacht, wenn in Stockholm und Helsinki die Sonne nicht untergeht.
Juli und August: Hochsaison. Temperaturen 18-25 Grad, wenig Regen, lange Abende. Die Häfen sind voller, die Preise am höchsten. Wer Menschenmassen in Tallinn oder Kopenhagen vermeiden will, geht früh morgens von Bord.
September: Nachsaison. Die Temperaturen sinken auf 12-16 Grad, die Tage werden kürzer. Dafür sind die Preise 20 bis 30 Prozent niedriger als im Hochsommer. Die Häfen sind ruhiger. Das Licht ist weicher, ideal zum Fotografieren. September ist für viele der beste Kompromiss zwischen Wetter und Kosten.
Wetter an Bord: Auch im Sommer kann es auf der Ostsee windig und kühl werden. Eine winddichte Jacke gehört ins Gepäck. Regentage kommen vor, aber selten mehr als zwei am Stück. Die Ostsee ist generell ruhiger als offene Meere, schwerer Seegang ist selten.
Tipps für die Buchung und an Bord
Kabinenwahl: Eine Balkonkabine lohnt sich auf der Ostsee mehr als auf anderen Routen, weil man die Küsten und Schären vom eigenen Balkon aus sieht. Die Einfahrt nach Stockholm durch die Schären dauert drei Stunden und gehört zu den schönsten Erlebnissen der Reise. Wer das von der Innenkabine aus verpasst, verpasst viel.
Landausflüge: Die meisten Häfen auf der Ostsee liegen stadtnah. In Tallinn und Helsinki braucht man keinen organisierten Ausflug. Man geht von Bord und läuft in die Stadt. In Stockholm empfiehlt sich ein Hop-on-Hop-off-Bus oder die Fähre nach Djurgården. Nur in abgelegeneren Häfen wie Visby auf Gotland oder in kleineren norwegischen Orten ist ein organisierter Ausflug sinnvoll.
Bordwährung und Bezahlen: An Bord zahlt man bargeldlos über die Bordkarte. Die Abrechnung erfolgt in Euro oder Dollar, je nach Reederei. An Land in den skandinavischen Ländern kann man fast überall mit Kreditkarte zahlen. Etwas Bargeld in lokaler Währung schadet nicht, ist aber selten nötig.
Kleidung: Die meisten Reedereien auf der Ostsee haben keinen strengen Dresscode mehr. Sportlich-elegant reicht für das Abendessen. Für Galaabende (1-2 pro Woche auf klassischen Schiffen) genügt ein Hemd mit Stoffhose für Herren und ein Kleid oder Hosenanzug für Damen. Auf AIDA und MSC gibt es keinen formellen Dresscode.
Internet an Bord: WLAN ist auf allen modernen Schiffen verfügbar, aber teuer (10-25 Euro pro Tag) und langsam. Für schnelles Internet wartet man bis zum nächsten Hafen und nutzt das WLAN in Cafés oder die eigene mobile Datenverbindung. In der EU (Skandinavien und Baltikum) gilt der EU-Roaming-Tarif. Auf See zahlt man Satellitenpreise.
Häufige Fragen
Wird man auf der Ostsee seekrank?
Seekrankheit ist auf der Ostsee deutlich seltener als auf offenen Meeren. Die Ostsee ist ein Binnenmeer mit geringem Wellengang, besonders im Sommer. An manchen Tagen ist das Meer so ruhig, dass man die Bewegung des Schiffes kaum spürt. Bei starkem Wind im Herbst kann es etwas unruhiger werden. Wer anfällig für Seekrankheit ist, wählt eine Kabine in der Mitte des Schiffes auf einem niedrigeren Deck, dort ist die Bewegung am geringsten.
Lohnen sich die organisierten Landausflüge der Reederei?
In den meisten Ostseehäfen kann man die Stadt problemlos auf eigene Faust erkunden. Kopenhagen, Stockholm und Tallinn haben Häfen, die nah an der Innenstadt liegen. Organisierte Ausflüge kosten 50 bis 150 Euro pro Person und bieten einen Guide, aber man ist an feste Zeiten gebunden. Wer flexibel bleiben will, spart Geld und erkundet auf eigene Faust. Eine Ausnahme: Bei Häfen abseits der Stadt, wo man ohne Bus nicht ins Zentrum kommt, lohnt sich der Ausflug über die Reederei.
Ist eine Ostsee-Kreuzfahrt auch für Familien geeignet?
Ja, besonders auf AIDA und TUI Cruises gibt es Kinderbetreuung und altersgerechte Programme. Die kurzen Seetage bedeuten, dass Kinder sich nicht langweilen, weil fast jeden Tag ein neuer Hafen wartet. Tallinn mit seiner Burgmauer, Kopenhagens Tivoli und Stockholms Junibacken-Museum sind für Kinder spannend. Viking Ocean Cruises ist die einzige größere Reederei, die keine Passagiere unter 18 Jahren akzeptiert.
Wie lange sollte eine Ostsee-Kreuzfahrt dauern?
Sieben Tage reichen für eine Schnupperroute mit drei bis vier Häfen. Zehn bis 14 Tage sind ideal, um die gesamte Ostsee zu umrunden und in jedem Hafen genug Zeit zu haben. Wer nur eine kurze Auszeit sucht, findet auch Minikreuzfahrten von drei bis vier Tagen (Kiel - Kopenhagen - Oslo - Kiel). Diese geben einen Vorgeschmack, aber die Highlights der östlichen Ostsee fehlen dann.
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Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.