Geirangerfjord
Inhaltsverzeichnis
- 1 Der Geirangerfjord im Überblick
- 2 Die Sieben Schwestern und andere Wasserfälle
- 3 Flydalsjuvet und Ørnesvingen
- 4 Kreuzfahrten durch den Geirangerfjord
- 5 Kajak auf dem Geirangerfjord
- 6 Wandern rund um den Geirangerfjord
- 7 Das Dorf Geiranger
- 8 Anreise und praktische Tipps
- 9 Häufige Fragen zum Geirangerfjord
Der Geirangerfjord gehört zu den bekanntesten Naturwundern Norwegens und zählt seit 2005 zum UNESCO-Weltnaturerbe. Dieser 15 Kilometer lange Fjord in der Region Møre og Romsdal ist ein Meisterwerk der Natur. Steile, bis zu 1.700 Meter hohe Felswände fallen direkt ins smaragdgrüne Wasser ab. Wasserfälle stürzen hunderte Meter in die Tiefe. Und verlassene Bergbauernhöfe kleben an Hängen, die so steil sind, dass man sich fragt, wie dort jemals Menschen leben konnten.
Jedes Jahr besuchen rund 800.000 Menschen den Geirangerfjord, was ihn zu einer der meistbesuchten Naturattraktionen Skandinaviens macht. Trotz der Besucherzahlen hat der Fjord nichts von seiner Magie verloren. Wenn man frühmorgens am Ufer steht, bevor die ersten Kreuzfahrtschiffe einlaufen, und der Nebel langsam von den Bergflanken steigt, versteht man sofort, warum die UNESCO diesen Ort unter Schutz gestellt hat.
Der Geirangerfjord im Überblick
Der Geirangerfjord ist ein Seitenarm des Sunnylvsfjords, der wiederum ein Arm des großen Storfjords ist. Er erstreckt sich über 15 Kilometer von der Mündung bei Hellesylt bis zum Dorf Geiranger am innersten Ende. Die Wassertiefe erreicht an der tiefsten Stelle 258 Meter, und die Felswände ragen bis zu 1.700 Meter über die Wasseroberfläche hinaus. Diese Dimensionen machen den Geirangerfjord so beeindruckend.
Die Entstehung des Fjords geht auf die Eiszeit zurück. Über Jahrtausende hinweg grub sich ein gewaltiger Gletscher durch das Gestein und formte das U-förmige Tal, das heute vom Meer geflutet ist. Die Erosionskraft des Eises war so gewaltig, dass die Fjordwände fast senkrecht in die Tiefe fallen. An einigen Stellen hat die Verwitterung schmale Felsbänder hinterlassen, auf denen sich im Lauf der Jahrhunderte Erde ansammelte und Vegetation wachsen konnte.
Zusammen mit dem Nærøyfjord wurde der Geirangerfjord 2005 in die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes aufgenommen. Die Begründung der UNESCO hob die außergewöhnliche landschaftliche Schönheit hervor, die von den steil aufragenden Felswänden und den zahlreichen Wasserfällen geprägt wird. Der Schutzstatus hat dazu beigetragen, dass die Umgebung des Fjords weitgehend frei von Bebauung geblieben ist.
Die Sieben Schwestern und andere Wasserfälle
Die Wasserfälle des Geirangerfjords gehören zu den stärksten in ganz Norwegen. Der berühmteste ist "De Syv Søstrene" (Die Sieben Schwestern), ein Wasserfall auf der Südseite des Fjords, der in sieben einzelnen Strömen über die Felswand stürzt. Die Fallhöhe beträgt bis zu 250 Meter, und in der Schneeschmelze im Frühsommer sind alle sieben Ströme mit voller Kraft gefüllt. Im Hochsommer können einige der dünneren Ströme versiegen, weshalb der Frühsommer die beste Zeit ist, die Sieben Schwestern in ihrer ganzen Pracht zu erleben.
Direkt gegenüber, auf der Nordseite des Fjords, liegt der Wasserfall "Friaren" (Der Freier). Der Legende nach hat der Freier versucht, eine der Sieben Schwestern zu umwerben, wurde aber abgewiesen und ergoß sich vor Kummer in den Fjord. Ob man die Geschichte glaubt oder nicht, die Gegenüberstellung der beiden Wasserfälle ist stark und gibt dem Fjord eine romantische Note.
Ein weiterer bemerkenswerter Wasserfall ist der "Brudesløret" (Brautschleier), der seinen Namen der feinen, schleierartigen Form verdankt, die das Wasser annimmt, wenn es über die breite Felswand rieselt. An windigen Tagen wird der Wasserfall zu einem nebligen Schleier, der in der Sonne in allen Regenbogenfarben schimmert. Von den Ausflugsbooten aus kann man sich dem Brautschleier so weit nähern, dass die feinen Wassertropfen auf der Haut zu spüren sind.
Flydalsjuvet und Ørnesvingen
Wer den Geirangerfjord von oben erleben möchte, hat mehrere wilde Aussichtspunkte zur Wahl. Der bekannteste ist Flydalsjuvet, ein Felsvorsprung etwa 300 Meter über dem Fjord, der den klassischen Postkartenblick auf den Geirangerfjord und das Dorf Geiranger bietet. Von hier aus sieht man den gesamten inneren Fjord, die umliegenden Berge und bei guten Bedingungen auch die Kreuzfahrtschiffe, die wie Spielzeugboote auf dem grünen Wasser wirken.
Flydalsjuvet ist leicht zu erreichen: Der Aussichtspunkt liegt direkt an der Straße, die von Geiranger nach Eidsdal führt. Ein kurzer Fußweg von wenigen Minuten bringt Besucher zum Felsrand, wo ein markanter, glatt geschliffener Felsen über die Kante ragt. Dieser Felsen ist wahrscheinlich der meistfotografierte Punkt am gesamten Fjord. Wer sich traut, setzt sich auf die Felskante und lässt die Beine über den Abgrund baumeln, während der Fjord weit unten in der Sonne glitzert.
Noch höher gelegen ist der Aussichtspunkt Ørnesvingen (Adlerkurve) auf der Adlerstraße, die in elf Haarnadelkurven von Geiranger auf die Hochebene hinaufführt. Auf etwa 620 Metern Höhe bietet die Aussichtsplattform einen weiten Blick den Fjord hinunter. Von hier oben wirkt der Geirangerfjord wie ein schmaler, grüner Strich zwischen gewaltigen Bergmassen. An der Plattform informieren Tafeln über die Geologie und Geschichte des Fjords.
Die Fahrt über die Adlerstraße (Ørnevegen) ist schon für sich genommen ein Erlebnis. Die elf Haarnadelkurven winden sich steil den Berg hinauf, und mit jeder Kurve eröffnet sich ein neuer Blickwinkel auf den Fjord. Im Frühsommer, wenn die Schneewände die Straße säumen und die Wasserfälle in voller Kraft sind, ist die Adlerstraße eine der wildesten Passstraßen Europas.
Kreuzfahrten durch den Geirangerfjord
Der Geirangerfjord ist einer der beliebtesten Anlaufpunkte für Kreuzfahrtschiffe an der norwegischen Küste. Zwischen Mai und September laufen regelmäßig große Schiffe in den Fjord ein und ankern vor dem Dorf Geiranger. Die Einfahrt in den Fjord, vorbei an den Wasserfällen und den steil aufragenden Felswänden, gilt als einer der Höhepunkte jeder Norwegenkreuzfahrt.
Für Besucher, die nicht mit einem Kreuzfahrtschiff unterwegs sind, gibt es lokale Fjordtouren. Die Autofähre zwischen Geiranger und Hellesylt bietet eine günstige Möglichkeit, den gesamten Fjord vom Wasser aus zu erleben. Die Überfahrt dauert etwa eine Stunde und führt direkt an den Sieben Schwestern, dem Freier und dem Brautschleier vorbei. Kleinere Ausflugsboote bieten Rundfahrten an, die näher an die Wasserfälle heranfahren und mehr Zeit für Fotostopps lassen.
In den letzten Jahren hat der Kreuzfahrttourismus allerdings auch kritische Diskussionen ausgelöst. Die großen Schiffe stoßen erhebliche Mengen an Abgasen aus, die sich in dem engen Fjordtal stauen und die Luftqualität beeinträchtigen können. Die norwegische Regierung hat deshalb beschlossen, ab 2026 nur noch emissionsfreie Schiffe in den UNESCO-geschützten Fjorden zuzulassen. Diese Entscheidung macht den Geirangerfjord zum Vorreiter für nachhaltigen Kreuzfahrttourismus in Norwegen.
Kajak auf dem Geirangerfjord
Wer den Geirangerfjord wirklich hautnah erleben möchte, setzt sich in ein Kajak. Vom Wasser aus wirken die Felswände noch gewaltiger, die Wasserfälle noch lauter, und die Stille zwischen den Naturgeräuschen noch tiefer. Mehrere Anbieter in Geiranger organisieren geführte Kajaktouren, die von zweistündigen Schnuppertouren bis zu ganztägigen Expeditionen reichen.
Die klassische Kajaktour führt von Geiranger den Fjord hinaus bis zu den Sieben Schwestern und zurück. Die Paddler gleiten lautlos über das grüne Wasser, vorbei an den steilen Felswänden, und können sich den Wasserfällen so weit nähern, wie es die Sicherheit erlaubt. Das Gefühl, allein auf dem Wasser zu sein, während hunderte Meter hohe Felswände links und rechts aufragen, ist überwältigend.
Für erfahrene Paddler gibt es die Möglichkeit, den gesamten Fjord von Hellesylt bis Geiranger oder umgekehrt mit dem Kajak zu durchfahren. Die Strecke von 15 Kilometern erfordert Ausdauer und eine gewisse Erfahrung im Seekajak, bietet aber ein Naturerlebnis, das man so von keinem Boot und keiner Aussichtsplattform bekommt. Der Vorteil des Kajaks: Man kann an Stellen anlegen, die mit keinem anderen Fortbewegungsmittel erreichbar sind, und verlassene Bergbauernhöfe erkunden, die seit Jahrzehnten unbewohnt sind.
Wandern rund um den Geirangerfjord
Die Berge rund um den Geirangerfjord bieten sehr gute Wandermöglichkeiten. Eine der beliebtesten Touren führt zum verlassenen Bergbauernhof Skageflå, der auf einem schmalen Felsband hoch über dem Fjord liegt. Der Hof wurde bis in die 1930er Jahre bewohnt, und man fragt sich unwillkürlich, wie die Bewohner ihr tägliches Leben auf diesem exponierten Fleckchen Erde bewältigten. Der Aufstieg von Geiranger dauert etwa anderthalb Stunden und ist teilweise steil, aber der Blick vom Hof auf den Fjord ist die Mühe wert.
Ein weiterer lohnender Wanderweg führt zum Storseterfossen, einem Wasserfall, hinter dem man entlanggehen kann. Ein schmaler Pfad führt hinter den Wasservorhang, und das Erlebnis, den Wasserfall von innen zu sehen, während das Licht durch die Wassermassen bricht, ist so, dass man es nicht vergisst. Der Weg zum Storseterfossen beginnt am Campingplatz Homlong und dauert etwa eine Stunde.
Für ambitionierte Wanderer bietet sich die Tour auf den Dalsnibba (1.476 m) an. Der Gipfel ist auch mit dem Auto über eine mautpflichtige Straße erreichbar, aber der Aufstieg zu Fuß gibt einem die Möglichkeit, die Landschaft intensiver zu erleben. Vom Dalsnibba hat man einen weiten Blick über den Geirangerfjord, die umliegenden Berge und bei klarem Wetter bis zu den schneebedeckten Gipfeln des Jostedalsbreen-Gletschers.
Die Wanderwege rund um den Geirangerfjord sind gut markiert und in verschiedenen Schwierigkeitsgraden verfügbar. Im Touristenbüro in Geiranger bekommt man Karten und Informationen zu den einzelnen Routen. Wer eine geführte Wanderung bevorzugt, kann sich lokalen Gruppen anschließen, die regelmäßig Touren anbieten.
Das Dorf Geiranger
Am innersten Ende des Fjords liegt das Dorf Geiranger, ein winziger Ort mit rund 250 ständigen Einwohnern. Im Sommer verwandelt sich das Dorf in einen geschäftigen Touristenort, wenn die Kreuzfahrtschiffe anlegen und die Tagesbesucher die Straßen füllen. Doch abseits der Hauptstraße findet man nach wie vor die ruhigen Ecken, die den Charme des Dorfes ausmachen.
Das Norwegische Fjordcenter in Geiranger ist ein modernes Museum, das die Entstehung der Fjorde, die Geschichte der Besiedlung und die Bedeutung des UNESCO-Welterbes erklärt. Die Ausstellung ist interaktiv gestaltet und eignet sich auch für Kinder. Besonders eindrucksvoll ist die Nachbildung eines Bergbauernhofs, die zeigt, wie die Menschen in den steilen Hängen über dem Fjord lebten und arbeiteten.
In den Restaurants des Dorfes wird frischer Fisch aus dem Fjord serviert, und auf dem kleinen Markt am Kai kann man lokale Produkte wie Ziegenkäse, Brot und Marmelade kaufen. Die Bäckerei in Geiranger ist für ihre Zimtschnecken (Kanelboller) bekannt, und wer nach einer Wanderung ins Dorf zurückkehrt, wird von dem Duft frisch gebackenen Gebäcks empfangen.
Anreise und praktische Tipps
Der Geirangerfjord liegt in der Region Møre og Romsdal in Westnorwegen. Der nächste Flughafen ist Ålesund, rund zwei Stunden Fahrt entfernt. Von Oslo aus dauert die Autofahrt über die E6 und die Rv15 etwa sechs bis sieben Stunden. Die Anreise über die Gebirgsstraßen ist Teil des Erlebnisses, denn die Strecken über die Trollstigen und den Geirangerfjorden gehören zu den schönsten Passstraßen Europas.
Die Fähre zwischen Hellesylt und Geiranger verkehrt von Mai bis Oktober mehrmals täglich und bietet die Möglichkeit, den gesamten Fjord vom Wasser aus zu erleben. Die Überfahrt dauert etwa eine Stunde und kostet für ein Auto mit Insassen rund 300 NOK. In der Hochsaison kann es zu Wartezeiten kommen, daher empfiehlt sich eine frühzeitige Ankunft an der Fährstelle.
Die beste Reisezeit für den Geirangerfjord ist von Juni bis August. Die Straßen über die Gebirgspässe (Trollstigen, Dalsnibba) sind erst ab etwa Mitte Mai geöffnet und schließen im Oktober. Im Frühsommer, wenn die Schneeschmelze die Wasserfälle mit voller Kraft speist, ist die Landschaft am stärksten. Im Hochsommer (Juli) sind die meisten Besucher unterwegs, weshalb Juni und August die bessere Wahl für ruhigere Erlebnisse sein können.
Für Unterkünfte stehen in Geiranger und Umgebung Hotels, Campingplätze und Ferienhäuser zur Verfügung. Das historische Hotel Union, das seit 1891 besteht, ist die bekannteste Unterkunft am Fjord und bietet von seiner Terrasse aus einen Blick auf den Fjord und die Wasserfälle. Frühzeitiges Buchen ist in der Hauptsaison unbedingt empfehlenswert.
Häufige Fragen zum Geirangerfjord
Wann ist die beste Zeit, den Geirangerfjord zu besuchen?
Die beste Reisezeit ist von Juni bis August. Im Frühsommer (Juni) sind die Wasserfälle am eindrucksvollsten, da die Schneeschmelze sie voll speist. Im Juli ist Hochsaison mit den meisten Besuchern. August bietet stabiles Wetter bei etwas weniger Andrang. Die Passtraßen sind in der Regel von Mitte Mai bis Oktober geöffnet.
Ist der Geirangerfjord im Winter zugänglich?
Das Dorf Geiranger ist ganzjährig bewohnt und erreichbar, allerdings sind die Gebirgsstraßen (Trollstigen, Dalsnibba) im Winter gesperrt. Die Fähre verkehrt nur von Mai bis Oktober. Im Winter ist der Zugang auf die Straße von Eidsdal beschränkt. Die Winterlandschaft ist reizvoll, aber die touristischen Angebote sind stark eingeschränkt.
Kann man den Geirangerfjord als Tagesausflug besuchen?
Ja, ein Tagesausflug ist möglich, wenn man von Ålesund oder der näheren Umgebung anreist. Für ein umfassendes Erlebnis mit Wanderungen, Kajaktouren und Aussichtspunkten empfehlen sich jedoch mindestens zwei bis drei Tage. So hat man genügend Zeit, die verschiedenen Facetten des Fjords zu entdecken.
Was ist der Unterschied zwischen Geirangerfjord und Nærøyfjord?
Beide Fjorde sind UNESCO-Welterbe, unterscheiden sich aber im Charakter. Der Geirangerfjord ist breiter und bekannt für seine Wasserfälle und Kreuzfahrtschiffe. Der Nærøyfjord ist enger (an der schmalsten Stelle nur 250 Meter) und wirkt dadurch noch dramatischer und wilder. Beide Fjorde sind einen Besuch wert.
Braucht man ein Auto, um den Geirangerfjord zu erleben?
Ein Auto ist sehr empfehlenswert, um die Aussichtspunkte und Passtraßen flexibel zu erkunden. Es gibt allerdings auch organisierte Bustouren ab Ålesund und von den Kreuzfahrtschiffen. Die Fähre zwischen Hellesylt und Geiranger nimmt auch Fußgänger mit, und im Dorf selbst sind viele Sehenswürdigkeiten zu Fuß erreichbar.
Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026