Ostsee mit Kindern
Die Ostsee gehört zu den Regionen, in denen ein Familienurlaub ohne großes Risiko gelingt. Das Wasser ist flach, die Strände breit, und die Infrastruktur ist auf Familien ausgerichtet. Zwischen Flensburg und Usedom, auf Bornholm oder in den schwedischen Küstenorten finden sich hunderte Orte, die sich auf Gäste mit Kindern eingestellt haben. Strandkörbe, Spielplätze, Ferienwohnungen mit Kinderbetten: All das ist Standard und muss nicht erst umständlich organisiert werden.
Was die Ostsee von anderen Urlaubszielen unterscheidet, ist die geringe Entfernung. Wer in Norddeutschland wohnt, ist in zwei bis vier Stunden da. Aber auch aus Süddeutschland oder Österreich bleibt die Anreise überschaubar, weil man mit dem Auto fahren kann und das Gepäck kein Problem ist. Kinderwagen, Sandspielzeug, Gummistiefel, Fahrräder: An der Ostsee braucht man keinen Koffer, sondern einen Kofferraum.
Warum die Ostsee für Familien funktioniert
Die Ostsee hat kaum Gezeiten. Das bedeutet: Der Strand ist morgens derselbe wie nachmittags, und das Wasser zieht sich nicht plötzlich zurück oder kommt schneller als erwartet. Für Eltern mit kleinen Kindern ist das ein großer Vorteil gegenüber der Nordsee, wo Ebbe und Flut den Tagesrhythmus bestimmen.
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Die Wassertiefe nimmt an den meisten Stränden langsam zu. In den Boddengewässern hinter Rügen, Usedom und dem Darß steht man noch 50 Meter vom Ufer entfernt nur hüfttief im Wasser. Das macht diese Gewässer ideal für Kinder zwischen zwei und sechs Jahren, die planschen wollen, ohne dass die Eltern ständig in Griffweite sein müssen.
Die Wassertemperatur erreicht im Juli und August 18 bis 22 Grad. Kälter als das Mittelmeer, aber warm genug, damit Kinder eine halbe Stunde im Wasser bleiben können, ohne zu frieren. In den flachen Boddengewässern erwärmt sich das Wasser sogar auf 24 Grad, weil die geringe Tiefe die Sonnenwärme speichert.
Ein weiterer Punkt: Die beste Reisezeit fällt in die Sommerferien. Anders als bei Fernreisezielen gibt es keine Nebensaison-Problematik oder Monsunzeiten. Juni bis September funktioniert zuverlässig, wobei Juli der wärmste Monat ist.
Die besten Familienstrände
Binz auf Rügen: Vier Kilometer langer, feiner Sandstrand, der flach ins Wasser abfällt. Die Seebrücke ist 370 Meter lang und bietet einen guten Überblick. Am Strand gibt es bewachte Abschnitte mit DLRG-Rettungsschwimmern (Juni bis September). Strandkorbvermietung direkt vor Ort, Tagessatz 12 bis 15 Euro. In Binz selbst befinden sich Eisdielen, Spielplätze und ein Minigolfplatz entlang der Promenade.
Boltenhagen: Drei Kilometer Sandstrand, ruhiger und weniger überlaufen als Rügen. Der Strand hat Abschnitte mit flachem Zugang, die sich für kleine Kinder eignen. Die Steilküste bei Boltenhagen ist ein lohnender Spaziergang: Kinder suchen dort nach Fossilien und Donnerkeilen. Am Yachthafen gibt es einen Abenteuerspielplatz.
Zingst: Am breiten Ostseestrand von Zingst gibt es einen eigenen Kinderabschnitt mit Spielgeräten, Trampolin und Strandspielplatzbereich. Die Boddenküste auf der Südseite der Halbinsel ist nur knietief und eignet sich zum Keschern und Krabben fangen. Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft liegt direkt vor der Tür.
Scharbeutz: An der Lübecker Bucht gelegen, mit einem breiten Sandstrand und guter Infrastruktur. Besonders für Familien mit Teenagern interessant, weil es SUP-Verleih und Beachvolleyballfelder Wasserski-Park gibt. Die Ostsee-Therme in Scharbeutz hat einen Kinderbereich mit Rutschen und Wellenbecken (Tageskarte Erwachsene 27 Euro, Kinder 6-15 Jahre 16 Euro).
Damp: Das Ostseebad Damp in Schleswig-Holstein hat einen eigenen Kinderclub, einen Indoor-Spielplatz und einen flachen Strandabschnitt. Die Ferienhausanlage ist komplett auf Familien ausgerichtet: Kinderbetten und Babyfons können dazugebucht werden. Der Strand ist bewacht und hat einen Nichtschwimmerbereich.
Bornholm: Die dänische Insel Bornholm hat mit dem Dueodde-Strand im Süden einen der feinsten Sandstrände der gesamten Ostsee. Das Wasser ist flach und klar, der Sand so fein, dass er einst für Sanduhren verwendet wurde. Die Anreise erfolgt per Fähre ab Sassnitz (Rügen, 3,5 Stunden) oder ab Ystad in Schweden (1,5 Stunden).
Freizeitparks und Erlebniszentren
Hansa-Park in Sierksdorf: Norddeutschlands größter Freizeitpark liegt direkt an der Ostsee bei Lübeck. 35 Attraktionen auf 46 Hektar, darunter Achterbahnen und Wildwasserbahnen Kinderland für die Kleinsten. Der Park hat einen eigenen Strandabschnitt. Tageseintritt: Erwachsene 49 Euro, Kinder (4-11 Jahre) 39 Euro. Geöffnet von Ende März bis Anfang November. In der Hochsaison kommen bis zu 15.000 Besucher pro Tag, Vormittags ist es ruhiger.
Ozeaneum in Stralsund: Eines der besten Meeresmuseen Europas und ein Muss für Familien. Das Museum zeigt die Unterwasserwelt der Ostsee und des Nordatlantiks in riesigen Aquarien. Das Schwarmfischbecken (2,6 Millionen Liter Wasser) ist der Höhepunkt. Auf dem Dach gibt es eine Humboldt-Pinguin-Anlage. Kinder können an interaktiven Stationen Meeresströmungen simulieren und Walgeräusche nachahmen. Eintritt: Erwachsene 19 Euro, Kinder 12 Euro. Ideal als Regentag-Programm, Besuch dauert 2 bis 3 Stunden.
Karl's Erlebnis-Dorf in Rövershagen bei Rostock: Ein Erlebnishof mit Traktorbahn und Kartoffelsackrutschen, in denen man bei der Herstellung von Marmelade und Bonbons zuschauen kann. Der Eintritt ins Dorf ist kostenlos, einzelne Attraktionen kosten zwischen 2 und 6 Euro. Die Tages-Flatrate liegt bei 19 Euro für Erwachsene und 15 Euro für Kinder. Im Sommer und in den Ferien sehr voll.
Experimentarium in Zingst: Ein Mitmach-Museum für Kinder ab 4 Jahren. Physikalische Experimente, optische Täuschungen und Klanginstallationen auf 600 Quadratmetern. Eintritt 8 Euro für Erwachsene, 5 Euro für Kinder. Gut für einen Vormittag bei schlechtem Wetter.
Jolos Kinderwelt auf Rügen: In Bergen auf Rügen steht einer der größten Indoor-Spielplätze Mecklenburg-Vorpommerns. Klettergerüste, Trampolinanlage, Bällchenbad, Kart-Bahn. Für Kinder von 2 bis 14 Jahren. Eintritt 10 bis 13 Euro je nach Tag und Alter. Geöffnet ganzjährig.
Ausflüge bei Regen
Die Ostsee hat durchschnittlich 12 bis 14 Regentage pro Monat im Sommer. Ein Regentag pro Woche ist realistisch, und wer darauf vorbereitet ist, verliert keinen Urlaubstag. Die Region hat eine dichte Infrastruktur an Indoor-Aktivitäten.
Die Badewelten und Erlebnisbäder an der Ostsee sind zahlreich. Die Wonnemar-Therme in Wismar hat ein Wellenbecken und Riesenrutschen Kleinkinderbereich (Tageskarte Familie ab 45 Euro). Die Ostseetherme in Usedom (Ahlbeck) bietet neben Schwimmbecken auch eine Saunalandschaft für die Eltern. In Kühlungsborn gibt es das Aqua-Bad mit Kinderplanschbecken und Außenbereich.
Museen für Kinder: Das Nautineum in Stralsund (Außenstelle des Ozeaneums) zeigt historische Boote und Fischereiwerkzeuge. Das Phaenomenta in Flensburg ist ein Hands-on-Wissenschaftsmuseum mit über 170 Experimentierstationen. Das Spielzeugmuseum in Peenemünde auf Usedom zeigt Spielzeug aus der DDR-Zeit und lässt Kinder in einer Werkstatt selbst Holzspielzeug bauen.
An Regentagen funktionieren auch die Schiffsausflüge. Von Stralsund und Sassnitz fahren Ausflugsboote rund um die Kreideküste von Rügen. Die Fahrt dauert 2 bis 3 Stunden und kostet 20 bis 25 Euro für Erwachsene, 10 bis 15 Euro für Kinder. Bei leichtem Regen sitzen die Passagiere unter Deck, bei Sonnenschein draußen.
Familienfreundliche Unterkünfte
Ferienwohnungen sind für Familien an der Ostsee die erste Wahl. Sie bieten Platz, eine eigene Küche (wichtig, wenn Kinder Sonderwünsche haben) und meistens einen Garten oder eine Terrasse. Auf Rügen und Usedom der Lübecker Bucht gibt es tausende Angebote. Die Preise in der Hochsaison (Juli, August) liegen bei 80 bis 150 Euro pro Nacht für eine Wohnung mit zwei Schlafzimmern. In der Nebensaison (Mai, Juni, September) sinken die Preise um 30 bis 40 Prozent.
Ferienhäuser bieten noch mehr Platz und eignen sich besonders, wenn zwei Familien gemeinsam reisen. Die Ferienhäuser an der Ostsee gibt es in allen Größen: von der kleinen Holzhütte für vier Personen (ab 70 Euro pro Nacht) bis zum Strandhaus mit Sauna und Kamin für acht Personen (ab 200 Euro pro Nacht). Anbieter wie Novasol und FeWo-direkt haben große Portfolios entlang der gesamten Küste.
Campingplätze sind an der Ostsee besonders familienfreundlich. Der Campingplatz Ostseecamp Rostocker Heide liegt direkt am Strand und hat einen eigenen Kinderspielplatz, Kinderanimation in den Ferien und saubere Sanitäranlagen. Der Regenbogen-Campingpark in Boltenhagen bietet Mobilheime für Familien, die zelten zu umständlich finden. Stellplätze kosten 25 bis 40 Euro pro Nacht, Mobilheime 70 bis 120 Euro.
Familienhotels sind an der Ostsee seltener als in Südtirol oder Österreich, aber es gibt sie. Das Strandhotel Fischland in Dierhagen hat einen Kinderclub, Babysitter-Service und kinderfreie Bereiche für die Eltern. Das Kinderresort Usedom in Trassenheide ist komplett auf Familien ausgerichtet: Wasserrutsche, Streichelzoo, Kinderbuffet. Preise ab 120 Euro pro Nacht für ein Familienzimmer inklusive Halbpension.
Anreise und Fortbewegung
Die meisten Familien fahren mit dem Auto an die Ostsee, weil es das Gepäck-Problem löst und vor Ort flexibel macht. Die Anfahrt von Hamburg zur Lübecker Bucht dauert eine Stunde, nach Rügen oder Usedom drei bis vier Stunden, von Berlin nach Usedom zweieinhalb Stunden. Staus gibt es am Samstag bei den Ferienwechseln auf der A1 Richtung Lübeck und auf der A20.
Die Bahn fährt nach Rostock und Stralsund nach Binz auf Rügen (mit ICE-Anbindung). Die Fahrt Berlin-Binz dauert etwa vier Stunden und kostet mit dem Super-Sparpreis ab 18 Euro. Kinder unter 15 Jahren fahren kostenlos mit, wenn sie auf der Fahrkarte der Eltern eingetragen sind. Vor Ort kommt man mit lokalen Buslinien und der Rügener Bäderbahn (Rasender Roland) gut zurecht.
Fahrräder sind an der Ostsee das beste Fortbewegungsmittel für Familien. Die Küstenradwege sind flach und gut ausgebaut. Kinderanhänger und Fahrradsitze können in den meisten Urlaubsorten ausgeliehen werden (Tagespreis 10 bis 15 Euro). Der Ostsee-Radweg eignet sich in Abschnitten auch mit Kindern: Die Etappe von Zingst nach Stralsund (40 km) ist flach und hat wenig Autoverkehr.
Packliste für den Familienurlaub
Die Ostsee verlangt andere Ausrüstung als ein Mittelmeer-Urlaub. Regenkleidung gehört immer ins Gepäck, auch im Hochsommer. Eine leichte Regenjacke und wasserfeste Schuhe für jedes Kind reichen aus. Gummistiefel sind für Wattwanderungen und Strandtage bei Wind praktisch.
Sonnenschutz ist trotzdem wichtig. Die UV-Strahlung an der Küste ist durch die Reflexion auf dem Wasser stärker als im Binnenland. Sonnencreme mit LSF 50, UV-Shirts für Kinder und eine Strandmuschel als Schattenspender sind Standard. Strandmuscheln kann man vor Ort kaufen (ab 20 Euro) oder von zu Hause mitbringen.
Strandspielzeug kauft man am besten vor Ort. Jeder Strandkiosk verkauft Eimer und Schaufeln. Das spart Platz im Auto und die Kinder können sich aussuchen, was sie wollen. Allerdings sind die Preise in den Ferienorten 20 bis 30 Prozent höher als im Baumarkt.
Neoprenanzüge lohnen sich für Kinder, die gerne lange im Wasser bleiben. Bei 18 Grad Wassertemperatur hält ein dünner Shorty-Neopren (3 mm) die Körperwärme und verlängert die Badezeit von 20 Minuten auf eine Stunde. Kurze Neoprenanzüge für Kinder gibt es ab 25 Euro.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter lohnt sich ein Ostsee-Urlaub mit Kindern?
Ab dem Krabbelalter. Die flachen Strände und das ruhige Wasser machen die Ostsee auch für Kleinkinder ab einem Jahr geeignet. Babys profitieren von der salzhaltigen Luft und dem milden Reizklima. Für Kinder ab drei Jahren wird es richtig interessant, weil sie im Sand bauen, im Wasser planschen und die Natur erkunden können. Die meisten Freizeitparks und Erlebniszentren richten sich an Kinder ab vier Jahren.
Welcher Ort an der Ostsee ist am besten für Familien?
Das hängt vom Alter der Kinder ab. Für Kleinkinder eignen sich die flachen Boddengewässer auf dem Darß (Zingst, Prerow) oder an der Südküste von Rügen. Für Schulkinder sind Binz auf Rügen und die Lübecker Bucht (Scharbeutz, Sierksdorf mit dem Hansa-Park) gute Optionen. Teenager fühlen sich in den größeren Orten wie Warnemünde oder Heringsdorf wohl, wo es mehr Abwechslung gibt. Boltenhagen und Kühlungsborn bieten einen guten Mittelweg für gemischte Altersgruppen.
Was kostet eine Woche Ostsee-Urlaub mit einer vierköpfigen Familie?
In der Hauptsaison (Juli, August) sollte man mit 1.200 bis 2.000 Euro rechnen. Der größte Posten ist die Unterkunft: Eine Ferienwohnung für vier Personen kostet 600 bis 1.000 Euro pro Woche. Dazu kommen Verpflegung (Selbstversorgung ca. 300 Euro, Restaurant ca. 500 Euro), Strandkorbmiete (80 bis 100 Euro pro Woche), Ausflüge und Eintrittsgelder (100 bis 200 Euro) und Benzin. In der Nebensaison (Mai, Juni, September) sind die Unterkünfte 30 bis 40 Prozent günstiger.
Gibt es bewachte Strände an der Ostsee?
Ja, die meisten größeren Seebäder haben von Juni bis September DLRG-Rettungsschwimmer im Einsatz. Bewachte Strände gibt es unter anderem in Binz, Sellin, Heringsdorf, Zinnowitz, Warnemünde und Kühlungsborn. Die bewachten Abschnitte sind durch Flaggen gekennzeichnet. Grün bedeutet sicheres Baden, Gelb eingeschränktes Baden, Rot Badeverbot. Außerhalb der bewachten Zeiten (in der Regel 9 bis 18 Uhr) badet man auf eigene Verantwortung.
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Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.