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Lappland mit Kindern
Familienurlaub im hohen Norden

Lappland mit Kindern

12 Min. Lesezeit

Als ich zum ersten Mal mit meinen Kindern nach Lappland geflogen bin, war die Reaktion meiner Nachbarin: "Im Winter? Mit Kindern? Seid ihr wahnsinnig?" Drei Wochen später standen die Kinder vor dem Weihnachtsmann, hatten Huskys gestreichelt, Rentiere gefüttert und wollten auf gar keinen Fall wieder nach Hause. Lappland ist kein Reiseziel, das man trotz Kindern besucht. Es ist ein Reiseziel, das man gerade wegen der Kinder besuchen sollte.

Was Lappland von anderen Winterreisezielen unterscheidet: Hier wird der Schnee nicht zur Kulisse degradiert. Er ist Teil des Programms. Kinder dürfen im Tiefschnee versinken, auf zugefrorenen Seen schlittern und sich von Huskys durch die Wildnis ziehen lassen. Das sind keine arrangierten Touristenspektakel, sondern Erlebnisse, die in dieser Landschaft seit Jahrhunderten zum Alltag gehören.

Warum Lappland für Familien funktioniert

Lappland klingt nach Abenteuer für Hartgesottene, nach Polarexpedition und Survival. In Wirklichkeit ist die Region sehr gut auf Familien eingestellt. Gerade in Finnland hat sich rund um Rovaniemi eine Infrastruktur entwickelt, die Familien mit Kindern ab drei Jahren problemlos nutzen können. Die Finnen nehmen ihre eigenen Kinder im Winter mit nach draußen, sobald sie laufen können. Das merkt man an der Ausstattung: Thermoanzüge in Kindergrößen, beheizte Umkleidekabinen vor Schlittenhundtouren, kindgerechte Portionsgrößen in den Restaurants.

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Familie mit zwei Kindern beim Spielen im tiefen Schnee in Lappland
Lapplands Schnee ist für Kinder der größte Spielplatz der Welt (KI-generiert)

Die Temperaturen schrecken viele Eltern ab. Im Dezember und Januar kann es in Nordfinnland minus 25 Grad werden. Aber trockene Kälte fühlt sich ganz anders an als feuchte Kälte in Mitteleuropa. Mit der richtigen Kleidung sind Kinder draußen erstaunlich zufrieden. Wichtig sind Thermounterwäsche aus Merinowolle, eine Mittelschicht aus Fleece und eine wind- und wasserabweisende Außenschicht. Dazu gefütterte Stiefel, Fäustlinge statt Fingerhandschuhe und eine Sturmhaube unter der Mütze.

Die beste Reisezeit für Familien ist Anfang Dezember oder Mitte Februar bis Anfang März. Im Dezember lockt die Weihnachtsstimmung, die Dunkelheit hat ihren eigenen Reiz und die Chance auf Polarlichter ist hoch. Im Februar und März gibt es mehr Tageslicht, mildere Temperaturen und trotzdem garantierten Schnee.

Santa Claus Village in Rovaniemi

Das Santa Claus Village liegt acht Kilometer nördlich von Rovaniemi, direkt auf dem Polarkreis. Man kann darüber streiten, ob es Kitsch ist. Man kann aber nicht leugnen, dass Kinder hier außer sich vor Freude sind. Mein Sechsjähriger hat den Weihnachtsmann gefragt, ob er wirklich alle Briefe liest. Die Antwort kam auf Deutsch, in perfektem Tonfall, ohne eine Sekunde Zögern. Ob man daran glaubt oder nicht: Die Umsetzung ist professionell.

Der Eintritt ins Santa Claus Village ist kostenlos. Das Treffen mit dem Weihnachtsmann ebenfalls. Das offizielle Foto kostet allerdings rund 40 Euro. Wer sein eigenes Handy zücken möchte, muss schnell sein, denn die Elfen achten darauf, dass das offizielle Fotoangebot nicht unterlaufen wird. Mein Tipp: Das Foto kaufen. Die Kinder werden es in zehn Jahren noch hervorholen.

Beleuchtetes Santa Claus Village in Rovaniemi bei Dämmerung im Winter
Das Santa Claus Village auf dem Polarkreis bei Rovaniemi (KI-generiert)

Neben dem Weihnachtsmannbüro gibt es das Postamt des Weihnachtsmanns, wo Kinder Briefe mit dem offiziellen Polarkreisstempel verschicken können. Ein Brief nach Deutschland kostet 1,90 Euro. Daneben bietet das Village eine Schneemobil-Strecke für Kinder, Rentier-Kurzfahrten und die "Snowman World", eine Eisskulpturenausstellung mit Rutsche und Eisbar. Der Eintritt dort kostet 9 Euro für Kinder und 19 Euro für Erwachsene.

Wer es ruhiger mag, findet 25 Kilometer südlich den SantaPark, eine unterirdische Weihnachtswelt in einem Stollen. Der Eintritt liegt bei 39 Euro für Erwachsene und 32 Euro für Kinder ab 3 Jahren. Unter Dreijährige kommen kostenlos hinein. Dort gibt es eine Elfenschule, eine Lebkuchenbäckerei und eine Eisgalerie. Der SantaPark ist von November bis Mitte Januar geöffnet.

Hundeschlittenfahrten mit Kindern

Hundeschlittenfahrten gehören zu den Erlebnissen, die Kinder noch Jahre später erzählen. In Lappland gibt es Dutzende Anbieter, von großen Touristenbetrieben bis zu kleinen Farmen mit 30 Huskys. Die kleinen Farmen sind für Familien oft die bessere Wahl, weil die Gruppen kleiner sind und die Kinder mehr Zeit mit den Hunden verbringen dürfen.

Eine typische Familientour dauert zwei bis drei Stunden und kostet zwischen 90 und 150 Euro pro Erwachsenem. Kinder unter 12 zahlen meist die Hälfte. Die Tour beginnt mit einer Einweisung: Wie man den Schlitten lenkt, wie man bremst, wie man die Hunde behandelt. Bei Familientouren sitzt ein Erwachsener am Steuer, die Kinder sitzen eingepackt in Rentierfelle vorne im Schlitten. Ab etwa zehn Jahren dürfen Kinder bei manchen Anbietern einen eigenen kleinen Schlitten lenken.

Wichtig zu wissen: Die Huskys bellen laut, bevor es losgeht. Das kann kleine Kinder erschrecken. Sobald der Schlitten sich in Bewegung setzt, wird es still. Man hört nur noch die Kufen im Schnee und das Hecheln der Hunde. Dieser Moment, wenn die Huskys durch verschneiten Wald galoppieren und die Kinder mit offenem Mund staunen, gehört zu den stärksten Eindrücken, die ich von meinen Reisen mitgebracht habe.

In der Region Rovaniemi empfehle ich die Bearhill Husky Farm (ab 119 Euro/Erw.) und die Arctic Circle Husky Park (ab 95 Euro/Erw.). Beide bieten Familientouren mit kleinen Gruppen. In der Gegend um Levi und Saariselkä gibt es weitere gute Anbieter. Wer auf schwedischer Seite unterwegs ist, findet rund um Kiruna und Abisko vergleichbare Angebote.

Rentiere hautnah erleben

Kinder füttern Rentiere auf einer Farm in Lappland
Rentiere füttern gehört zu den Highlights für Kinder in Lappland (KI-generiert)

Rentiere sind in Lappland keine Zootiere. Es gibt in Finnland allein rund 200.000 halbwilde Rentiere, die von samischen und finnischen Rentierzüchtern gehalten werden. Viele dieser Züchter bieten Besuche auf ihren Farmen an. Die Samen verbinden diese Besuche oft mit Geschichten über ihre Kultur, ihre Sprache und ihre Lebensweise.

Für Kinder ist der Kontakt mit Rentieren unkompliziert. Die Tiere sind an Menschen gewöhnt und lassen sich mit Flechten füttern. Sie sind ruhiger als Pferde, weniger hektisch als Huskys und groß genug, dass auch kleine Kinder keine Angst haben müssen. Eine Rentierschlittenfahrt ist gemächlicher als eine Hundeschlittentour. Die Tiere traben gemütlich durch die Landschaft, während ein Züchter nebenher läuft und erklärt.

Ein Besuch auf einer Rentierfarm dauert etwa zwei Stunden und kostet 50 bis 80 Euro pro Person, Kinder unter 4 oft kostenlos. Im Preis enthalten sind meist das Füttern, eine kurze Schlittenfahrt und ein heißes Getränk in der Kota, dem traditionellen samischen Zelt. Einige Farmen bieten auch einen "Rentierführerschein" für Kinder an, eine Urkunde, die bestätigt, dass das Kind ein Rentier gelenkt hat.

Rund um Rovaniemi gibt es mehrere Farmen. Die Sirmakko Reindeer Farm liegt 30 Minuten vom Stadtzentrum entfernt. In Schwedisch-Lappland bieten samische Familien in Jokkmokk Besuche an, besonders während des traditionellen Wintermarkts im Februar.

Winteraktivitäten für die ganze Familie

Neben Hundeschlitten und Rentieren gibt es in Lappland eine ganze Palette an Winteraktivitäten, die sich für Kinder eignen. Schneeschuhwanderungen sind ab etwa fünf Jahren möglich. Die meisten Anbieter haben Schneeschuhe in Kindergrößen. Eine geführte Tour durch den verschneiten Wald dauert ein bis zwei Stunden und kostet 40 bis 60 Euro pro Person.

Schneemobilfahrten sind in Finnland ab 15 Jahren erlaubt, wenn man selbst fahren will. Kinder unter 15 sitzen als Beifahrer auf dem Rücksitz oder in einem angehängten Schlitten. Eine Familien-Schneemobiltour kostet 100 bis 180 Euro pro Fahrzeug für zwei Stunden. Die Geschwindigkeit wird bei Familientouren gedrosselt, aber der Spaßfaktor bleibt hoch.

Eisfischen ist überraschend kindertauglich. Man bohrt ein Loch ins Eis, setzt sich auf einen Schemel und wartet. Klingt langweilig? Für Kinder ist das Bohren schon das halbe Abenteuer. Und wenn dann ein Barsch anbeißt, ist die Aufregung groß. Geführte Eisfischentouren kosten 60 bis 90 Euro pro Person und dauern drei bis vier Stunden. Heißer Kakao und Würstchen am Lagerfeuer sind fast immer dabei.

Kinder auf einem Schneemobil-Schlitten in der verschneiten Landschaft Lapplands
Schneemobiltouren lassen sich auch mit kleinen Kindern unternehmen (KI-generiert)

Wer Polarlicht sehen will, braucht Geduld und ein bisschen Glück. Die besten Chancen bestehen zwischen September und März, abseits der Lichtverschmutzung. Viele Hotels und Unterkünfte bieten einen Polarlicht-Alarm an: Wenn die Nordlichter am Himmel erscheinen, werden die Gäste geweckt. Kinder finden es aufregend, mitten in der Nacht rausgeholt zu werden, um grüne Lichter am Himmel zu sehen. Die Aurora Borealis in Lappland ist so hell, dass man sie oft mit bloßem Auge erkennt.

Sommerabenteuer in Lappland

Lappland im Sommer ist ein völlig anderes Erlebnis. Ab Juni scheint die Mitternachtssonne, die Temperaturen liegen bei 15 bis 25 Grad und die Landschaft verwandelt sich in endloses Grün. Für Familien hat der Sommer praktische Vorteile: keine Thermoanzüge nötig, längere Tage, niedrigere Preise und weniger Touristen.

Kanufahren auf den Flüssen und Seen Lapplands ist ab etwa sechs Jahren gut machbar. Die Gewässer sind ruhig, das Wasser klar und die Ufer menschenleer. Ein Kanu für zwei Erwachsene und zwei Kinder kostet 50 bis 70 Euro am Tag. Anbieter in Rovaniemi, Inari und Muonio vermieten Kanus inklusive Schwimmwesten und wasserdichten Tonnen für das Gepäck.

Beerenpflücken ist in Finnland dank des Jedermannsrechts überall erlaubt. Ab Ende Juli reifen Blaubeeren, ab August Preiselbeeren und Moltebeeren. Kinder lieben es, durch den Wald zu streifen und Beeren zu sammeln. Ein Eimer voll Blaubeeren ist nach einer Stunde zusammen, und abends gibt es Pfannkuchen mit der selbst gesammelten Ernte.

Wandern in Lappland ist im Sommer auch mit jüngeren Kindern möglich. Die Nationalparks in Finnisch-Lappland haben gut markierte Wege mit Feuerstellen und Schutzhütten. Der Pallas-Yllästunturi Nationalpark bietet kurze Rundwege von zwei bis fünf Kilometern, die für Kinder ab vier Jahren geeignet sind. Die Wege sind nicht steil, der Untergrund ist fest und alle paar Kilometer wartet eine Feuerstelle zum Grillen.

Familienfreundliche Unterkünfte

Die Unterkunftswahl in Lappland reicht vom einfachen Campingplatz bis zum Glasiglu. Für Familien sind Ferienhütten (Mökkis) die beste Option. Sie bieten Platz, eine eigene Küche und meistens eine Sauna. Eine Hütte für vier bis sechs Personen kostet in der Nebensaison 80 bis 120 Euro pro Nacht, in der Hauptsaison im Dezember 150 bis 300 Euro.

In Rovaniemi gibt es mehrere Familienhotels direkt am Santa Claus Village. Das Santa Claus Holiday Village bietet Blockhütten ab 180 Euro pro Nacht mit Platz für vier Personen. Das Arctic TreeHouse Hotel ist teurer (ab 350 Euro), bietet aber Suiten mit Panoramafenstern, durch die man nachts nach Nordlichtern Ausschau halten kann.

Glasiglu-Unterkunft in Lappland bei Nacht mit Blick auf den Sternenhimmel
Glasiglus bieten Familien die Chance auf Nordlicht-Beobachtung vom Bett aus (KI-generiert)

Glasiglus sind für Familien dann geeignet, wenn die Kinder alt genug sind, um die Erfahrung zu schätzen. Die meisten Glasiglus haben Platz für zwei Erwachsene und ein oder zwei Kinder. Die Preise liegen bei 250 bis 500 Euro pro Nacht, je nach Anbieter und Saison. Kakslauttanen Arctic Resort, Levin Iglut und Arctic Snow Hotel in Rovaniemi gehören zu den bekanntesten Anbietern.

Wer es authentisch mag, übernachtet in einer samischen Kota. Einige Anbieter bieten Familienübernachtungen in traditionellen Zelten mit offenem Feuer an. Die Kinder schlafen auf Rentierfellen, und morgens gibt es Frühstück über dem Lagerfeuer. Preise liegen bei 100 bis 150 Euro pro Familie und Nacht.

Zur Anreise fliegen Finnair und Norwegian von Helsinki nach Rovaniemi, Kittilä oder Ivalo. Die Flugzeit ab Helsinki beträgt anderthalb Stunden. Von Deutschland gibt es in der Wintersaison auch Direktflüge mit Eurowings, Lufthansa und Condor nach Rovaniemi und Kittilä. Flüge ab 150 Euro pro Person sind möglich, wenn man früh bucht. Wer mit dem Auto fahren möchte, nimmt die Fähre von Stockholm nach Turku oder Helsinki und fährt von dort rund 800 Kilometer nach Norden.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter lohnt sich Lappland für Kinder?

Ab etwa drei Jahren können Kinder die meisten Aktivitäten mitmachen. Sie sitzen im Hundeschlitten, füttern Rentiere und spielen im Schnee. Jüngere Kinder genießen zwar den Schnee, aber die langen Transfers und die Kälte können für Babys und Kleinkinder anstrengend werden. Das beste Alter liegt zwischen vier und zwölf Jahren, wenn die Begeisterung für Tiere, Schnee und den Weihnachtsmann am größten ist.

Wie kalt wird es wirklich und schaffen das auch Kinder?

Im Dezember und Januar können die Temperaturen auf minus 20 bis minus 30 Grad fallen. Kinder vertragen trockene Kälte aber besser als man denkt, vorausgesetzt die Kleidung stimmt. Wichtig sind mehrere Schichten: Merinowolle als Unterwäsche, Fleece als Mittelschicht und ein winddichter Thermoanzug außen. Die meisten Aktivitätsanbieter verleihen Thermoanzüge, Stiefel und Handschuhe in Kindergrößen kostenlos oder gegen geringe Gebühr.

Was kostet eine Woche Lappland-Urlaub für eine Familie?

Für eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern sollte man mit 3.000 bis 5.000 Euro für eine Woche rechnen. Flüge kosten ab 600 Euro für die ganze Familie (bei früher Buchung). Eine Ferienhütte ab 120 Euro pro Nacht. Aktivitäten wie Hundeschlitten, Rentierfarm und Schneemobil zusammen 400 bis 600 Euro. Dazu kommen Essen und Transfers. Im Sommer sind die Kosten deutlich niedriger, weil Unterkünfte günstiger und viele Aktivitäten wie Wandern und Beerenpflücken kostenlos sind.

Braucht man in Lappland einen Mietwagen?

Empfohlen ja, Pflicht nein. In Rovaniemi kommt man mit Bussen und Taxis gut zurecht. Wer aber flexibel sein will und mehrere Orte besuchen möchte, ist mit dem Auto besser bedient. Ein Mietwagen mit Winterreifen kostet ab 50 Euro pro Tag. Die Straßen in Lappland sind gut geräumt, aber man sollte Erfahrung mit winterlichen Fahrbedingungen mitbringen. Alternativ bieten viele Hotels Shuttle-Services zu Aktivitäten an.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.