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Trollstigen Norwegen
Die berühmteste Serpentinenstraße Skandinaviens

Trollstigen Norwegen

15 Min. Lesezeit

Es gibt Straßen, die fährt man, um von A nach B zu kommen. Und dann gibt es den Trollstigen. Hier geht es nicht um das Ankommen, sondern um jede einzelne Kurve, jeden Meter Höhenunterschied, jeden Blick in den Abgrund. Der Trollstigen ist Norwegens berühmteste Bergstraße, elf Haarnadelkurven, die sich eine fast senkrechte Felswand hinaufschrauben, vorbei an einem 320 Meter hohen Wasserfall. Es ist eine Straße, bei der man das Lenkrad fester hält, als man eigentlich müsste.

Meine erste Fahrt über den Trollstigen war an einem Julimorgen, kurz nach der Öffnung. Die Wolken hingen tief in den Bergen, die Wasserfälle donnerten nach dem Regen der vergangenen Nacht, und die Straße war noch fast leer. Ich fuhr langsam, Kurve für Kurve, und mit jeder Kehre wurde der Blick ins Tal weiter und weiter. In der fünften Kurve hielt ich an, stieg aus und stand einfach nur da. Unter mir das Tal, die Serpentinen wie ein gezeichnetes S, das Rauschen des Stigfossen in den Ohren. In solchen Momenten versteht man, warum manche Leute immer wieder nach Norwegen kommen.

Strecke, Lage und Zahlen

Der Trollstigen liegt in Møre og Romsdal, mitten in Fjordnorwegen, und verbindet den Ort Åndalsnes im Romsdal mit dem Isterdalen und weiter mit Valldal am Norddalsfjord. Die Straße überwindet auf einer Strecke von etwa fünf Kilometern einen Höhenunterschied von 852 Metern. Die Steigung beträgt stellenweise 10 Prozent, und die elf Haarnadelkurven haben einen Radius, der besonders bei größeren Fahrzeugen echte Fahrkunst erfordert.

Die elf Haarnadelkurven des Trollstigen von oben
Die elf Haarnadelkurven des Trollstigen schlängeln sich die steile Felswand hinauf (KI-generiert)

Der Name "Trollstigen" bedeutet "die Leiter der Trolle". In der norwegischen Mythologie sind Trolle riesige, etwas tollpatschige Wesen, die in den Bergen leben. Die Berge rund um den Trollstigen tragen passende Namen: Kongen (der König), Dronninga (die Königin) und Bispen (der Bischof) ragen wie Wächter neben der Straße auf. Der Trolltindane-Kamm, der den Trollstigen überragt, sieht aus einer bestimmten Perspektive tatsächlich aus wie eine Reihe von versteinerten Trollen.

Der Trollstigen unterscheidet sich von anderen Serpentinenstraßen durch die enge Fahrbahn, das steile Gefälle und den Stigfossen-Wasserfall, der direkt über die Fahrbahn stürzt. Dazu die Bergkulisse rundherum. Es gibt Bergstraßen in den Alpen, die höher sind, und Serpentinenstraßen in Südamerika, die mehr Kurven haben. Aber so viele Eindrücke auf nur fuenf Kilometern findet man nirgendwo sonst.

Geschichte: Bau einer unmöglichen Straße

Die Idee, eine Straße durch die steile Trollstigen-Wand zu bauen, gab es schon im 19. Jahrhundert. Der erste Vorschlag wurde 1885 gemacht, aber das Parlament lehnte ab. Zu steil, zu teuer, zu gefährlich. Der zweite Vorschlag kam 1905, wieder eine Ablehnung. Erst 1916 wurde der Bau genehmigt, und die Arbeiten begannen 1920.

Der Bau dauerte elf Jahre. Die Arbeiter sprengten sich durch den Fels, Meter für Meter, ohne die modernen Maschinen, die heute zur Verfügung stehen. Dynamit, Schaufeln, Spitzhacken und Muskelkraft. Im Winter lagen die Arbeiten still, weil die Lawinen- und Steinschlaggefahr zu groß war. Es gab Unfälle und Verletzungen, aber erstaunlicherweise keine Todesfälle während des Baus.

Am 31. Juli 1936 wurde der Trollstigen von König Haakon VII. eröffnet. Die Straße war damals einspurig, ohne Leitplanken und mit Schotterbelag. In den folgenden Jahrzehnten wurde sie mehrfach ausgebaut: Asphaltierung, Verbreiterung an den engsten Stellen, Steinmauern als Absturzsicherung. 2012 wurde die große Aussichtsplattform am oberen Ende gebaut, die heute eines der beliebtesten Fotomotive Norwegens ist.

Die Fahrt: Von unten nach oben

Die meisten Reisenden nähern sich dem Trollstigen von Åndalsnes her, also von unten. Die Fahrt von Åndalsnes bis zum Fuß des Trollstigen dauert etwa 15 Minuten. Man fährt durch das Isterdalen, ein grünes Tal mit Bauernhöfen und einem Fluss, der durch Felsen rauscht. Am Fuß des Trollstigen gibt es einen Parkplatz, von dem man den ersten Blick auf die Serpentinen nach oben hat. Von hier sieht die Straße absurd steil aus. Man fragt sich, ob das Auto das wirklich schafft. (Es schafft es.)

Auto auf dem Trollstigen zwischen Felswänden
Die Fahrt über den Trollstigen: Eng, steil und nichts für schwache Nerven (KI-generiert)

Die ersten Kurven sind noch relativ gemütlich. Die Straße ist hier breit genug, dass zwei Autos aneinander vorbeikommen. Ab der dritten Kurve wird es enger. In einigen Kehren muss man bei Gegenverkehr anhalten und den anderen durchlassen. Es gibt Ausweichbuchten, die durch Schilder markiert sind. Der Grundsatz lautet: Wer bergauf fährt, hat Vorfahrt.

In der fünften oder sechsten Kurve überquert man eine einspurige Steinbrücke, die direkt über den Stigfossen führt. Hier donnert das Wasser nur wenige Meter neben der Fahrbahn in die Tiefe. Die Gischt ist so stark, dass man manchmal die Scheibenwischer anstellen muss. Es ist ein Moment, in dem man gleichzeitig Ehrfurcht und einen leichten Nervenkitzel spürt.

Die letzten Kurven sind die engsten. Hier wird die Straße so schmal, dass Busse und große Wohnmobile echte Schwierigkeiten bekommen. Die Felsüberhänge sind so nah, dass man sie aus dem Seitenfenster fast berühren kann. Und dann, plötzlich, ist man oben. Die Straße wird flacher, die Landschaft öffnet sich, und vor einem liegt eine Hochebene mit Seen und Mooren.

Die Aussichtsplattform am Trollstigen

Die Aussichtsplattform am Trollstigen ragt über den Abgrund
Die Aussichtsplattform am oberen Ende des Trollstigen (KI-generiert)

Am oberen Ende des Trollstigen liegt das Besucherzentrum mit der berühmten Aussichtsplattform, entworfen vom norwegischen Architekturbüro Reiulf Ramstad Arkitekter. Die Plattform ragt über den Abgrund hinaus und bietet einen Blick nach unten, der einem den Magen umdreht. Man sieht die gesamte Serpentinenstraße unter sich, die Kurven wie eine Schlangenzeichnung im Fels, den Stigfossen, der über die Klippe stürzt, und das grüne Tal in der Tiefe.

Das Besucherzentrum wurde 2012 eröffnet und ist Teil des Programms "Nationale Touristenstraßen". Neben der Aussichtsplattform gibt es ein Café und einen Souvenirladen. Der Zugang ist kostenlos, Parkgebühren fallen an (etwa 100 NOK für PKW). Von Mai bis September ist der Parkplatz oft schon am Vormittag voll, besonders an Wochenenden und bei gutem Wetter. Frühes Kommen lohnt sich.

Von der Plattform aus führt ein Weg weiter zum oberen Rand des Stigfossen. Hier kann man den Wasserfall von oben sehen und spürt die Vibration des stürzenden Wassers im Boden. An regnerischen Tagen, wenn der Wasserfall besonders viel Wasser führt, ist das Erlebnis noch intensiver. Die Gischt steigt wie eine Nebelwand auf, und man wird innerhalb von Sekunden nass. Regenjacke ist Pflicht.

Stigfossen: Der Wasserfall neben der Straße

Der Stigfossen-Wasserfall am Trollstigen
Der Stigfossen stürzt 320 Meter neben der Straße in die Tiefe (KI-generiert)

Der Stigfossen ist 320 Meter hoch und einer der höchsten Wasserfälle Norwegens. Er fällt in mehreren Stufen über die Felswand, direkt neben der Straße. In der fünften Kurve des Trollstigen überquert die Straße den Wasserfall auf einer Brücke. Wer dort anhält, steht im Wassernebel und spürt die Wucht des Wassers.

Die Wassermenge des Stigfossen variiert stark mit der Jahreszeit. Im Mai und Juni, wenn der Schnee in den Bergen schmilzt, ist der Wasserfall am mächtigsten. Dann stürzt so viel Wasser über die Kante, dass man die Gischt schon vom Parkplatz am Fuß des Trollstigen aus sieht. Im Spätsommer und Herbst wird der Wasserfall dünner, besonders in trockenen Jahren. Aber selbst dann ist er eindrucksvoll.

Für Fotografen ist der Stigfossen ein dankbares Motiv. Der beste Standpunkt für Fotos, die sowohl die Serpentinen als auch den Wasserfall zeigen, ist die Aussichtsplattform oben. Von hier kann man mit einem Weitwinkel die gesamte Szenerie einfangen. Ein Polfilter hilft, die Reflexionen auf dem nassen Fels zu reduzieren und die Farben zu verstärken. Für Langzeitbelichtungen, bei denen das Wasser seidig wird, braucht man ein Stativ und einen Graufilter.

Öffnungszeiten und Wetter

Der Trollstigen ist nicht das ganze Jahr über befahrbar. Im Winter und Frühjahr ist die Straße wegen Schnee und Lawinengefahr gesperrt. Die Öffnung erfolgt in der Regel Ende Mai oder Anfang Juni, je nach Schneelage. Die Schließung ist meistens Mitte bis Ende Oktober. Genaue Termine werden auf der Website der norwegischen Straßenverwaltung (vegvesen.no) bekannt gegeben.

Auch in der Saison kann die Straße kurzfristig gesperrt werden, wenn das Wetter zu schlecht ist. Starker Nebel, Steinschlag oder Starkregen können dazu führen, dass die Straße für einige Stunden oder Tage geschlossen wird. Es lohnt sich, am Morgen die aktuelle Lage zu prüfen, bevor man sich auf den Weg macht.

Das Wetter am Trollstigen ist typisch für die norwegische Westküste: wechselhaft. Regen und Nebel sind keine Seltenheit, auch im Sommer. Die beste Chance auf klares Wetter hat man im Juni und Juli. Aber auch Wolken und Nebel haben ihren Reiz. Wenn die Wolken zwischen den Bergen hängen und nur die oberen Kurven des Trollstigen aus dem Nebel ragen, wirkt die Szenerie wie aus einem Fantasy-Film.

Die Temperaturen am oberen Ende des Trollstigen sind deutlich niedriger als im Tal. Selbst im Hochsommer kann es oben nur 5 bis 10 Grad warm sein, während es unten 20 Grad hat. Warme Kleidung einpacken, auch wenn es unten sommerlich ist.

Wanderungen am Trollstigen

Wanderer mit Panoramablick vom Trollstigen
Wandern am Trollstigen: Ausblicke, die man nicht vergisst (KI-generiert)

Rund um den Trollstigen gibt es mehrere Wanderwege, die den Besuch zu einem ganztägigen Erlebnis machen. Die beliebteste Wanderung führt vom Besucherzentrum am oberen Ende des Trollstigen zum Gipfel des Bispen (1.462 Meter). Der Aufstieg dauert etwa drei Stunden und belohnt mit einem Rundumblick über das Romsdal, den Trollstigen und die umliegenden Berge. Die Wanderung ist anspruchsvoll: Der Weg ist steil, teilweise ausgesetzt, und man braucht gute Wanderschuhe und alpine Erfahrung.

Eine einfachere Alternative ist die Wanderung entlang der alten Trollstigen-Straße, die parallel zur heutigen Straße verläuft. Dieser Weg ist teilweise asphaltiert und bietet immer wieder neue Perspektiven auf die Serpentinen und den Wasserfall. Die Wanderung vom Fuß des Trollstigen nach oben dauert etwa zwei Stunden und ist auch für weniger geübte Wanderer machbar.

Vom Fuß des Trollstigen aus kann man ins Isterdalen wandern, ein ruhiges Tal mit Bauernhöfen und einem klaren Fluss. Die Wanderung zum Istersee dauert etwa eineinhalb Stunden pro Strecke und führt durch Birkenwald und über Wiesen. Es ist eine gemütliche Wanderung, bei der man die Ruhe genießen kann, die im Kontrast zum Trubel am Trollstigen selbst steht.

Für erfahrene Bergsteiger bieten die Gipfel rund um den Trollstigen ernst zu nehmende Herausforderungen. Die Trollveggen (Trollwand), die höchste senkrechte Felswand Europas mit über 1.000 Metern, liegt nur wenige Kilometer entfernt und ist ein Ziel für Kletterer aus aller Welt. Normalsterbliche können die Wand vom Talgrund aus bestaunen, wo ein Aussichtspunkt eingerichtet ist.

Anreise und Kombinationsmöglichkeiten

Der nächste Ort zum Trollstigen ist Åndalsnes, das am Ende des Romsdalsfjords liegt. Von Åndalsnes bis zum Fuß des Trollstigen sind es etwa 12 Kilometer, die man in 15 Minuten fährt. Åndalsnes hat einen Bahnhof (Endstation der Rauma-Bahn aus Dombås), Hotels und Restaurants. Einen Supermarkt und ein Touristenbüro gibt es ebenfalls.

Von Oslo aus erreicht man Åndalsnes mit dem Auto über die E6 und die E136 in etwa sechs Stunden. Die Rauma-Bahn von Dombås nach Åndalsnes gilt als eine der schönsten Bahnstrecken Norwegens. Sie führt durch das Romsdal, vorbei an der Trollveggen und durch die dramatische Kylling-Brücke. Von Bergen aus fährt man etwa sieben Stunden, über die E39 und dann durch das Valldal.

Die beliebteste Kombination ist Trollstigen plus Atlantikstraße. Von der Nordseite des Trollstigen fährt man über Valldal nach Ålesund und weiter zur Atlantikstraße bei Kristiansund. Die Strecke dauert etwa fünf Stunden reine Fahrzeit, mit Stopps einen ganzen Tag. Eine andere Option ist die Kombination mit dem Geirangerfjord. Von Valldal aus fährt man die Panoramastraße Ørnevegen hinunter nach Geiranger.

Für eine Rundreise durch Fjordnorwegen empfehle ich die Route Ålesund, Trollstigen, Geirangerfjord, Dalsnibba, Lom, Sognefjellsvegen, Bergen. Diese Route verbindet vier Nationale Touristenstraßen miteinander und zeigt die ganze Bandbreite der norwegischen Landschaft. Man braucht dafür mindestens vier Tage, besser eine Woche.

Häufige Fragen

Wann ist der Trollstigen geöffnet?

In der Regel von Ende Mai bis Mitte Oktober. Das genaue Datum variiert je nach Schneelage. Im besonders schneereichen Jahr 2022 öffnete der Trollstigen erst Anfang Juni. Aktuelle Informationen gibt es auf vegvesen.no unter "Vegstatus".

Können Wohnmobile den Trollstigen befahren?

Ja, aber es gibt eine Längenbegrenzung von 12,4 Metern. Größere Fahrzeuge dürfen die Straße nicht befahren. Auch mit einem kleineren Wohnmobil sind die engen Kurven eine Herausforderung, besonders bei Gegenverkehr. Wer unsicher ist, sollte die Straße mit dem PKW oder Mietwagen fahren.

Gibt es Parkgebühren am Trollstigen?

Am oberen Besucherzentrum kostet das Parken etwa 100 NOK für PKW und 300 NOK für Wohnmobile (Stand 2025). Am Fuß des Trollstigen gibt es einen kostenlosen Parkplatz. Die Straße selbst ist mautfrei.

Ist der Trollstigen gefährlich?

Die Straße ist steil und eng, aber gut gesichert. Es gibt Steinmauern als Absturzsicherung, und die Fahrbahn ist in gutem Zustand. Bei schlechtem Wetter (Nebel, Starkregen, Steinschlag) wird die Straße gesperrt. Wer langsam und aufmerksam fährt, hat nichts zu befürchten. Fahren Sie bergauf in einem niedrigen Gang und bremsen Sie bergab gleichmäßig.

Sollte man den Trollstigen von unten oder von oben befahren?

Beide Richtungen haben ihren Reiz. Von unten (von Åndalsnes her) ist die Fahrt dramatischer, weil man die Steilheit der Straße erlebt und der Wasserfall direkt neben einem auftaucht. Von oben (von Valldal her) hat man den Vorteil, die Aussichtsplattform sofort nutzen zu können. Mein Tipp: Von unten rauffahren, oben die Plattform genießen, und dann entscheiden, ob man weiterfährt oder umkehrt.

Wann ist die ruhigste Zeit am Trollstigen?

Frühmorgens (vor 9 Uhr) und am späten Nachmittag (nach 17 Uhr) ist es am ruhigsten. Die meisten Reisebusse kommen zwischen 10 und 16 Uhr. Im Juni und September ist es generell weniger voll als im Juli und August. Wenn möglich, einen Wochentag wählen statt Samstag oder Sonntag.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026