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Reiten in Norwegen
Fjordpferde, Touren und Hoefe im norwegischen Fjell

Reiten in Norwegen

13 Min. Lesezeit

Der Fjording unter mir stapft durch knietiefes Heidekraut. Links ein See, rechts eine Felskante, dahinter Berge bis zum Horizont. Kein Pfad, kein Zaun, kein Schild. Nur das Fjell und ein Pferd, das den Weg kennt. Der Guide sagt: "Lass ihn machen, er war schon hundert Mal hier." Also lasse ich die Zuegel locker und vertraue einem norwegischen Pferd, das robuster ist als ich.

Norwegen und Pferde gehören zusammen. Das Fjordpferd ist eine der ältesten Pferderassen der Welt. Die Wikinger brachten sie auf ihren Schiffen mit. Heute gibt es rund 6.000 registrierte Fjordpferde in Norwegen, und Reithoefe vom Suedkap bis zum Nordkap bieten Ausfluege durch eine Landschaft, die man vom Pferderuecken aus noch intensiver erlebt als zu Fuss.

Das Fjordpferd: Norwegens vierbeiniges Nationalsymbol

Das Fjordpferd (Fjording) ist klein, aber zaeh. Stockmass 135 bis 150 Zentimeter. Immer falb (gelb-braun) mit dunklem Aalstrich auf dem Ruecken und dunkler Maehne. Die Maehne wird traditionell hochstehend geschnitten, damit der Aalstrich sichtbar bleibt. Das ergibt die typische Buerstenmaehne, die man auf jedem Norwegen-Foto sieht.

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Norwegisches Fjordpferd auf einer gruenen Weide
Das Fjordpferd: Kompakt, stark und gutmuetig (KI-generiert)

Fjordpferde sind Gebirgspferde. Trittsicher auf Fels, ausdauernd im steilen Gelaende, unerschrocken bei Wind und Wetter. Sie wurden jahrhundertelang als Arbeitspferde auf Bergbauernhoefen eingesetzt: Holz ziehen, Heu transportieren, pflegen. Heute sind sie vor allem Reit- und Freizeitpferde, aber ihre Arbeitsgene sind immer noch da. Ein Fjording traegt ohne Probleme auch schwere Reiter über Stock und Stein.

Ihr Charakter macht sie ideal für Touristen: gutmuetig, ruhig, geduldig. Sie testen Anfänger nicht so wie ein Vollblut. Gleichzeitig sind sie klug genug, um eigenstaendig Entscheidungen zu treffen, wenn der Reiter überfordert ist. Im Gelaende weichen sie Hindernissen von selbst aus, und auf schmalen Bergpfaden gehen sie von allein in Schritttempo.

Neben dem Fjording gibt es in Norwegen den Dolehest (Gudbrandsdalspferd), ein größeres, staerkeres Arbeitspferd, und den Nordlandshest/Lyngshest, eine kleinere Rasse aus Nordnorwegen. Auf den Reithofen trifft man alle drei, plus importierte Rassen wie Islaender und Warmblut.

Die besten Regionen zum Reiten

Hallingdal und Hemsedal

Das Hallingdal liegt zwischen Oslo und Bergen und ist eine der beliebtesten Reitregionen Norwegens. Die Landschaft wechselt zwischen weiten Talgründen, offenen Fjellflaechen und bewaldeten Haengen. Mehrere Reithoefe bieten Tages- und Mehrtagestouren an. Die Hoehe (800 bis 1.200 Meter) sorgt für kühle Temperaturen auch im Hochsommer, was den Pferden und den Reitern entgegenkommt.

In Hemsedal gibt es den Hof Gravdal Rideleir, der seit über 30 Jahren Reittouren anbietet. Halbtaegige Ausritte kosten 950 NOK, Ganztagestouren 1.800 NOK. Die Pferde sind Fjordpferde und Islaender, alle gelaendeerfahren. Das Terrain: offenes Fjell mit Panoramablick auf die Berge des Jotunheimen.

Roros und Femundsmarka

Roros ist eine UNESCO-Welterbestadt im Osten Norwegens. Die Umgebung ist duenn besiedelt, mit endlosen Waeldern, Seen und Mooren. Reittouren fuehren durch die Wildnis der Femundsmarka, eine der abgelegensten Regionen Suednorwegens. Hier trifft man eher auf Rentiere als auf andere Reiter.

Reitergruppe im norwegischen Fjell mit Bergpanorama
Ausritt im Fjell: Weite, Stille und das Schnauben der Pferde (KI-generiert)

Die Reithoefe in der Region Roros sind kleiner als im Hallingdal. Persoenlicher, familiaeser. Man reitet in kleinen Gruppen von vier bis sechs Personen und übernachtet in Huetten oder Zelten. Eine Drei-Tages-Tour mit Vollverpflegung und Unterkunft kostet ab 6.500 NOK.

Lofoten

Reiten auf den Lofoten verbindet Berge, Straende und Meer. Die Hoefe auf den Lofoten sind klein, die Herden überschaubar. Dafür reitet man durch eine Landschaft, die es so nirgendwo sonst gibt: weisse Sandstraende mit türkisem Wasser, dahinter steile Berge. Im Sommer unter der Mitternachtssonne, im Winter unter dem Nordlicht.

Hov Gard auf Gimsoya ist der bekannteste Reithof der Lofoten. Der Hof liegt direkt am Meer und bietet Strandausritte auf Islaendern an. Ein Zwei-Stunden-Ausritt kostet 1.200 NOK. Der Hof hat auch Unterkuenfte, sodass man Reiten mit einem Lofoten-Aufenthalt verbinden kann. Die Pferde gehen im Toelt über den Strand, eine Gangart, die sich anfuehlt, als würde man schweben.

Valdres und Jotunheimen

Valdres liegt nördlich des Hallingdal und grenzt an den Jotunheimen-Nationalpark. Das Gelaende ist anspruchsvoller: steilere Anstiege, schmale Pfade, Flussüberquerungen. Die Reittouren hier richten sich an erfahrenere Reiter. Die Belohnung: Blicke auf Gletscher und 2.000er-Gipfel, die man auf keiner Wanderung in dieser Form bekommt.

Ryfoss Ridesenter in Valdres bietet Mehrtagestouren durch das Fjell an. Vier Tage, drei Nächte in DNT-Huetten, taegliche Reitzeit vier bis sechs Stunden. Preis: 9.800 NOK inklusive allem. Die Pferde sind Dolehester, größer und kraeftiger als Fjordpferde, und perfekt für das steile Gelaende.

Mehrtaegige Reittouren

Wer Norwegen wirklich vom Sattel aus erleben will, braucht mehr als einen Nachmittag. Mehrtaegige Reittouren fuehren durch Gebiete, die man zu Fuss in der gleichen Zeit nicht erreichen würde. Man deckt mehr Strecke ab, weil das Pferd die Arbeit übernimmt. Und man erlebt eine Verbindung zum Tier, die bei einem Zwei-Stunden-Ausritt nicht entsteht.

Die typische Mehrtages-Reittour in Norwegen dauert drei bis sieben Tage. Man reitet tagsübers vier bis sechs Stunden, mit Pausen für Mittagessen und Fotografieren. Die Pferde tragen das Gepäck (oder ein Packpferd laeuft mit). Abends übernachtet man in Huetten, auf Hofen oder in Zelten.

Die intensivste Tour, die ich gemacht habe, war fünf Tage im Fjell bei Roros. Wir schliefen in Sami-Gammen (traditionellen Torfhuetten), assen am Lagerfeuer und sahen keinen einzigen anderen Menschen. Am vierten Tag wateten die Pferde durch einen Fluss, das Wasser reichte bis zum Sattel. Das Pferd ging seelenruhig hindurch. Ich weniger ruhig.

Kosten für Mehrtagestouren variieren stark:

  • 3-Tages-Tour (Fjell, Huettenübernachtung): 5.500 bis 7.500 NOK
  • 5-Tages-Tour (Wildnis, Zeltübernachtung): 8.000 bis 12.000 NOK
  • 7-Tages-Tour (Expedition, Fernreitroute): 12.000 bis 18.000 NOK
  • Inklusive: Pferd, Ausrüstung, Guide, Verpflegung, Unterkunft
  • Nicht inklusive: An-/Abreise zum Hof

Strandreiten in Norwegen

Norwegen hat Sandstraende. Lange, breite Sandstraende. Im Sueden bei Jaeren suedlich von Stavanger, auf den Lofoten und an der Helgelandsküste. Und auf diesen Straenden kann man reiten.

Reiter auf einem norwegischen Sandstrand
Galopp am Strand: Reiten auf Jaeren bei Stavanger (KI-generiert)

Jaeren hat die längsten Sandstraende des norwegischen Festlands. Borestranden und Solastranden zusammen ergeben über 5 Kilometer ununterbrochenen Sand. Der Reithof Jaerryttaren bietet Strandausritte an, die je nach Könnensstand im Schritt, Trab oder Galopp stattfinden. Ein 90-Minuten-Strandritt kostet 1.100 NOK. Im Galopp über nassen Sand zu preschen, mit dem Atlantik zur Linken und den Duenen zur Rechten, gehört zu den besten Momenten, die man auf einem Pferd haben kann.

Auf den Lofoten bietet Hov Gard Strandausritte auf der Insel Gimsoya an. Der Strand dort ist kleiner als auf Jaeren, aber die Kulisse wilder: Türkises Wasser, weisser Sand und im Hintergrund die Lofoten-Berge. Im Sommer reitet man unter der Mitternachtssonne, was den Ausritt auf 22 oder 23 Uhr verlegt. Preis: 1.200 NOK für zwei Stunden.

Winterreiten: Im Schnee durch die Berge

Reiten im Winter ist in Norwegen möglich und wird unterschätzt. Die Pferde sind Winterhaerter als ihre Reiter. Fjordpferde und Dolehester wachsen dickes Winterfell und laufen auch bei minus 15 Grad ohne Decke durchs Gelaende.

Winterausritt durch verschneite norwegische Landschaft
Reiten im Schnee: Die Pferde tragen dickes Winterfell (KI-generiert)

Winterausritte fuehren durch verschneite Waelder und über zugefrorene Seen. Die Pferde tragen spezielle Winterbeschlaege mit Stollen, die auf Eis und Schnee Halt geben. Manche Hoefe bieten Ausritte mit Fackelschein an: Man reitet in der Daemmerung los, mit Fackeln an den Saetteln, und kehrt nach zwei Stunden zum warmen Stall zurück. In Nordnorwegen kann man unter dem Nordlicht reiten, wenn die Bedingungen stimmen.

Winterausritte kosten ähnlich wie im Sommer: 800 bis 1.200 NOK für zwei Stunden. Warme Kleidung ist Pflicht. Manche Hoefe stellen Thermoanzuege und isolierte Stiefel zur Verfuegung. Die Hände müssen warm bleiben, sonst kann man die Zuegel nicht halten. Beheizbare Handschuhe sind eine gute Investition.

Reithoefe und Anbieter

Norwegen hat rund 200 registrierte Reithoefe, die Touristenritte anbieten. Die Qualität ist insgesamt hoch. Der Norsk Hestesenter (Norwegisches Pferdezentrum) in Starum zertifiziert Anbieter und stellt Sicherheitsstandards auf.

Norwegischer Reithof mit Fjordpferden auf der Koppel
Ein typischer norwegischer Reithof: Fjordpferde auf der Sommerkoppel (KI-generiert)

Einige der bekanntesten Hoefe:

  • Hov Gard (Lofoten): Strandausritte auf Islaendern. 2 Stunden ab 1.200 NOK. Auch Übernachtung möglich.
  • Gravdal Rideleir (Hemsedal): Fjell-Ausritte auf Fjordpferden. Halber Tag ab 950 NOK, ganzer Tag ab 1.800 NOK.
  • Ryfoss Ridesenter (Valdres): Mehrtagestouren auf Dolehestern. 4 Tage ab 9.800 NOK.
  • Jaerryttaren (Jaeren/Stavanger): Strandreiten auf Halbblut. 90 Minuten ab 1.100 NOK.
  • Borton Gard (Roros): Wildnistouren im Femundsgebiet. 3 Tage ab 6.500 NOK.
  • Lyngen Lodge (Troms): Winterreiten unter Nordlichtern. 2 Stunden ab 1.500 NOK.

Buchen sollte man mindestens eine Woche vorher, in der Hochsaison (Juli) zwei bis drei Wochen. Viele Hoefe haben Online-Buchungssysteme. Telefonisch erreicht man die meisten taeglich außer montags (traditioneller Ruhetag auf norwegischen Pferdehofen).

Reiten für Anfänger

Die gute Nachricht: Man braucht keine Reiterfahrung, um in Norwegen auf ein Pferd zu steigen. Die meisten Hoefe bieten Anfängerritte an, bei denen die Grundlagen erklaert werden: Aufsitzen, Zuegelhaltung, Sitzposition, Lenken, Anhalten. Die Fjordpferde machen den Rest.

Anfängerritte dauern ein bis zwei Stunden und finden im Schritt statt. Das Gelaende ist einfach: breite Wege, sanfte Anstiege, kein dichter Wald. Ein Guide reitet voraus, ein zweiter schließt die Gruppe ab. Die Pferde kennen die Strecke und laufen von allein. Man muss nur oben bleiben.

Für Kinder gibt es Ponyritte auf kleineren Pferden oder gefuehrte Ritte, bei denen ein Erwachsener das Pferd am Strick fuehrt. Ab 6 Jahren duerfen Kinder auf den meisten Hofen allein im Sattel sitzen. Unter 6 Jahren sitzen sie vor einem Erwachsenen auf dem gleichen Pferd.

Kleidung: Lange Hose, feste Schuhe (keine Sandalen, keine Turnschuhe mit weicher Sohle). Reithelme werden von allen Anbietern kostenlos gestellt. Bei Regen: Regenjacke. Die Pferde stört das Wetter nicht, und Ausritte finden auch bei Regen statt, es sei denn, es gewittert.

Kosten und praktische Tipps

Reiten in Norwegen ist nicht guenstig, aber es gehört auch nicht zu den teuersten Aktivitäten. Die Preise sind fair, wenn man bedenkt, dass hinter jedem Ausritt ein lebendiges Tier steckt, das gefuettert, gepflegt und trainiert werden muss.

Preise im Überblick:

  • Anfängerritt (1 Stunde): 600 bis 800 NOK
  • Halbtagesausritt (3 bis 4 Stunden): 900 bis 1.500 NOK
  • Ganztagesausritt (6 bis 7 Stunden, mit Mittagessen): 1.500 bis 2.200 NOK
  • Strandritt (90 Minuten): 1.000 bis 1.300 NOK
  • Kinderritt (30 bis 45 Minuten): 400 bis 600 NOK
  • Mehrtages-Tour pro Tag: 1.800 bis 2.500 NOK (alles inklusive)

Trinkgeld ist in Norwegen nicht ueblich, auch nicht für Reit-Guides. Wenn man sehr zufrieden war, freut sich der Guide über ein Trinkgeld von 100 bis 200 NOK, aber es wird nicht erwartet.

Gewichtslimit: Die meisten Hoefe setzen ein Maximalgewicht von 90 bis 100 Kilogramm für Reiter. Fjordpferde können mehr tragen, aber für längere Ausritte ist eine Gewichtsgrenze sinnvoll. Wer schwerer ist, sollte vorher anfragen. Manche Hoefe haben größere Pferde (Dolehester, Warmblut), die auch schwerere Reiter tragen.

Haeufige Fragen

Braucht man Reiterfahrung für einen Ausritt in Norwegen?

Nein. Die meisten Hoefe bieten spezielle Anfängerritte an. Die Fjordpferde sind geduldig und trittsicher, und der Guide passt die Tour an das Könnens-Level der Gruppe an. Für Mehrtagestouren ist etwas Erfahrung empfehlenswert, damit man nicht nach dem ersten Tag Muskelkater hat, der den Rest der Tour verderbt.

Wann ist die beste Zeit zum Reiten in Norwegen?

Juni bis September ist die Hauptsaison. Juli und August bieten die waermsten Temperaturen und die längsten Tage. Im Juni bluehen die Bergwiesen, im September faerbt sich das Fjell gold und rot. Winterreiten ist von Dezember bis Maerz möglich, allerdings kuerzer (2 bis 3 Stunden wegen Kälte und Dunkelheit).

Was zieht man zum Reiten in Norwegen an?

Lange Hose (Jeans funktionieren, Reithosen sind besser), feste Schuhe mit kleinem Absatz (damit der Fuss nicht durch den Steigbuegel rutscht), wetterfeste Jacke. Im Sommer reicht eine leichte Schicht, im Winter braucht man Thermokleidung. Reithelm wird gestellt.

Können Kinder in Norwegen reiten?

Ja. Ab 6 Jahren allein im Sattel, juengere Kinder sitzen vor einem Erwachsenen. Ponyritte für Kinder kosten 400 bis 600 NOK für 30 bis 45 Minuten. Viele Hoefe bieten spezielle Familienpakete an, bei denen Erwachsene und Kinder gemeinsam ausreiten.

Gibt es eine Gewichtsbeschraenkung?

Die meisten Hoefe setzen ein Maximum von 90 bis 100 Kilogramm. Fjordpferde sind stark, aber für lange Ausritte muss das Verhältnis von Reitergewicht zu Pferdgröße stimmen. Bei hoeherem Gewicht vorher anfragen. Größere Pferderassen (Dolehest, Warmblut) tragen auch 110 bis 120 Kilogramm.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026