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Rondane Nationalpark
Norwegens ältester Nationalpark zwischen Gipfeln und Rentierherden

Rondane Nationalpark

14 Min. Lesezeit

Am 21. Dezember 1962 wurde die Rondane Norwegens erster Nationalpark. 963 Quadratkilometer Hochgebirge, Hochebenen und Täler, durchzogen von Rentierherden und markierten Wanderwegen. Die Rondane liegt in Innlandet fylke, zwischen Gudbrandsdalen und Østerdalen, rund 300 Kilometer nördlich von Oslo. Zehn Gipfel übersteigen die 2.000-Meter-Marke. Das ist für Norwegen beachtlich.

Wer die Rondane zum ersten Mal sieht, dem fällt sofort die Weite auf. Keine steilen Fjordwände, keine dichte Bewaldung. Die Landschaft öffnet sich. Sanfte Höhenzüge, dazwischen Geröllfelder und Moospolster. Über allem ein Himmel, der in Skandinavien nur hier so groß wirkt. Die Norweger sagen, die Rondane sei das Herz ihres Landes. Nicht weil sie die wildeste Landschaft hat, sondern weil sie die ehrlichste ist.

Im Vergleich zu den Lofoten oder Fjord-Norwegen kommen hierher wenige ausländische Touristen. Die Rondane ist ein norwegischer Klassiker, beliebt bei Einheimischen, die seit Generationen hierher wandern. Das spürt man. Die Hütten sind traditionell, die Wege gut markiert. Überlaufen ist es nie. Und die Stille in den Hochlagen ist so tief, dass man den eigenen Puls hört.

Norwegens ältester Nationalpark

Die Gründung des Nationalparks 1962 war ein Wendepunkt für den norwegischen Naturschutz. Zuvor hatte es keine gesetzliche Grundlage gegeben, solche Gebiete unter Schutz zu stellen. Die Initiative kam von Biologen und Wandervereinen, die beobachtet hatten, wie der Bau von Straßen und Hütten in die Berge vordrang. Mit der Rondane wurde ein Präzedenzfall geschaffen. Heute hat Norwegen über 40 Nationalparks, aber die Rondane bleibt das Vorbild.

Gipfelpanorama im Rondane Nationalpark mit weiter Hochgebirgslandschaft
Weites Panorama über die Gipfel der Rondane (KI-generiert)

Der Park schützt vor allem die Hochgebirgslandschaft oberhalb der Baumgrenze. Die liegt hier bei etwa 1.000 bis 1.100 Metern. Darüber wächst nichts Hohes mehr, nur Flechten, Moose und niedrige Sträucher. Zwischen den Gipfeln ziehen sich Trogtäler, die von den Gletschern der letzten Eiszeit geformt wurden. Der Rondvatnet, ein langgestreckter See auf 1.168 Metern Höhe, liegt wie ein blauer Strich zwischen den Bergen. An seinem Ufer steht die Hütte Rondvassbu, einer der wichtigsten Stützpunkte für Wanderer.

2003 wurde der Park um eine Schutzzone erweitert. Die sogenannte Rondane-Dovre Nasjonalpark-Anordnung verbindet die Rondane mit dem benachbarten Dovrefjell und schafft einen zusammenhängenden Lebensraum für Wildrentiere. Die Gesamtfläche des geschützten Gebiets beträgt damit über 2.000 Quadratkilometer.

Die Gipfel der Rondane

Rondslottet ist mit 2.178 Metern der höchste Gipfel der Rondane. Der Name bedeutet "Rondane-Schloss", und tatsächlich thront der Berg wie eine Festung über dem Park. Henrik Ibsen hat ihn als Sitz des Dovregubbens in "Peer Gynt" verewigt. Der Aufstieg ist lang, aber technisch nicht schwierig. Wer von der Rondvassbu startet, braucht sechs bis sieben Stunden hin und zurück.

Storronden (2.138 m) ist der zweitgrößte und der meistbestiegene Berg. Die Route ist deutlich markiert und auch für Wanderer mit weniger Erfahrung machbar. Am Gipfel öffnet sich ein 360-Grad-Panorama. An klaren Tagen sieht man bis zum Jotunheimen im Westen und den schwedischen Bergen im Osten. Der Aufstieg dauert vom Spranget-Parkplatz etwa vier Stunden.

Vinjeronden (2.044 m) steht etwas abseits der Hauptkette und bietet den besten Blick auf die gesamte Gipfelreihe. Die Tour hierhin ist weniger frequentiert. Wer sich einen ruhigen Tag in den Bergen wünscht, findet auf dem Vinjeronden genau das. Die Ostflanke fällt steil ab, also bei Nebel vorsichtig sein.

Insgesamt gibt es in der Rondane zehn Gipfel über 2.000 Meter. Ambitionierte Wanderer nehmen sich vor, alle zehn in einer Saison zu besteigen. Rondane 2000 heißt das inoffizielle Projekt. Es erfordert gute Kondition und mehrere Tage, kann aber von einer einzelnen Hütte aus organisiert werden.

Wanderungen und Routen

Der beliebteste Ausgangspunkt ist der Parkplatz Spranget am östlichen Ende des Rondvatnet. Von hier führt ein gut markierter Weg in etwa anderthalb Stunden zur Rondvassbu. Der Weg ist flach und folgt dem Fluss Ula durch eine Moränenlandschaft. Selbst an Hochsommertagen im Juli trifft man hier nicht so viele Menschen, wie man es etwa aus dem Jotunheimen kennt.

Für eine Mehrtagestour bietet sich der Rondane-Rundweg an. Er verbindet die Hütten Rondvassbu, Bjørnhollia und Dørålseter über markierte Pfade. Die komplette Runde dauert drei bis vier Tage. Die Etappen sind zwischen 15 und 20 Kilometern lang, mit Höhenunterschieden von 500 bis 800 Metern pro Tag. Zwischendurch kann man Gipfelabstecher einbauen.

Traditionelle Berghütte in der Rondane Nationalpark Landschaft
Berghütte in der Rondane, Ausgangspunkt für Gipfeltouren (KI-generiert)

Wer es kürzer mag: Die Tageswanderung vom Spranget über die Rondvassbu zum Storronden und zurück ist ein Klassiker. Neun bis zehn Stunden, 25 Kilometer, 1.000 Höhenmeter. Klingt viel, ist aber auf den gut angelegten Wegen gut machbar. Im Hochsommer mit langen Tagen hat man Zeit genug.

Im Winter verwandelt sich die Rondane in ein Paradies für Skitouren und Langlauf. Das Loipennetz ist nicht so ausgebaut wie in anderen Regionen, aber genau das macht den Reiz aus. Man bewegt sich mit Tourenskiern durch unberührtes Gelände, folgt den Markierungsstangen von Hütte zu Hütte und hat die Weite ganz für sich. Die Lawinengefahr ist in den meisten Bereichen gering, weil das Terrain relativ sanft ist. Trotzdem: Lawinenausrüstung gehört in den Rucksack.

Rentiere in der Rondane

Wilde Rentiere auf einer Hochebene im Rondane Nationalpark
Wildrentiere in den Hochlagen der Rondane (KI-generiert)

Die Rondane beherbergt einen der letzten Bestände europäischer Wildrentiere. Keine zahmen, halbdomestizierten Tiere wie in den samischen Weidegebieten weiter nördlich. Echte Wildrentiere, die seit der Eiszeit hier leben. Etwa 2.000 bis 3.000 Tiere ziehen durch den Park, je nach Jahreszeit in verschiedenen Gebieten.

Im Sommer halten sich die Herden meist in den höchsten Lagen auf, wo der Wind die Mücken fernhält. Wer auf den Gipfeln unterwegs ist, hat gute Chancen auf eine Begegnung. Im Herbst ziehen die Tiere in die Täler hinab. Dann sieht man sie manchmal direkt vom Wanderweg aus. Wichtig: Abstand halten. Mindestens 200 Meter. Die Tiere sind scheu und reagieren empfindlich auf Störungen, besonders während der Brunftzeit im September und Oktober.

Der Schutz der Wildrentiere war einer der Hauptgründe für die Einrichtung des Nationalparks. Ihre Wanderrouten durchziehen den gesamten Park, und die Verwaltung achtet darauf, dass Wanderwege und Hütten so angelegt sind, dass die Tiere nicht gestört werden. Einige Wege sind während der Kalbzeit im Mai und Juni gesperrt. Das wird an den Eingängen des Parks deutlich kommuniziert.

Archäologen haben in der Rondane zahlreiche steinzeitliche Fanggruben gefunden, die zur Rentierjagd dienten. Die ältesten sind über 5.000 Jahre alt. Die Tiere nutzen seit Jahrtausenden dieselben Routen durch die Berge, und die Menschen der Steinzeit wussten das. Sie gruben tiefe Löcher in den Boden und deckten sie mit Zweigen ab. Manche dieser Gruben sind noch heute im Gelände sichtbar.

Hütten und Übernachtung

Das Hüttensystem der Rondane wird vom Norwegischen Wanderverein (DNT) betrieben. Die Rondvassbu ist die zentrale Hütte des Parks. Sie liegt am Westufer des Rondvatnet auf 1.168 Metern und bietet 120 Schlafplätze. Im Sommer ist die Hütte bewirtschaftet. Das heißt: warmes Essen, Proviant zum Kaufen, fließendes Wasser. Im Winter ist sie unbewirtschaftet, aber offen, und man kocht selbst. DNT-Mitglieder zahlen deutlich weniger als Nichtmitglieder.

Bjørnhollia liegt im Norden des Parks, ebenfalls bewirtschaftet im Sommer. Sie ist kleiner als die Rondvassbu und hat eine gemütlichere Atmosphäre. Die Etappe zwischen den beiden Hütten dauert etwa fünf bis sechs Stunden und führt durch ein breites Tal mit Blick auf die Gipfel im Süden.

Für Selbstversorger gibt es am Rand des Nationalparks mehrere Campingplätze und Hüttensiedlungen. Mysuseter und Høvringen sind die wichtigsten Orte. Beide haben kleine Geschäfte, Unterkünfte und Restaurants. Von hier starten auch die Wanderwege in den Park. In der Hauptsaison (Juli, August) sollte man Hüttenplätze vorab reservieren, besonders an Wochenenden.

Zelten ist im Nationalpark erlaubt. Das norwegische Jedermannsrecht gilt, solange man mindestens 150 Meter Abstand zu bewirtschafteten Hütten hält. Die besten Zeltplätze liegen an den Ufern der kleinen Seen in den Hochtälern. Abends, wenn die Sonne tief steht und die Berge orange leuchten, gibt es kaum einen besseren Platz für ein Zelt. Allerdings: Über der Baumgrenze gibt es kein Feuerholz. Kocher mitnehmen.

Peer Gynt und die Rondane

Dramatische Berglandschaft der Rondane, inspiriert von Henrik Ibsens Peer Gynt
Die Bergwelt der Rondane, Kulisse für Ibsens Peer Gynt (KI-generiert)

Henrik Ibsen hat die Rondane 1867 in seinem Drama "Peer Gynt" berühmt gemacht. Das Stück beginnt und endet in den Bergen von Gudbrandsdalen, und der Dovregubben, der Trollkönig, herrscht im Rondslottet. Ibsen kannte die Gegend gut. Er hatte sie als junger Mann besucht und war von der kargen Schönheit tief beeindruckt.

Heute gibt es in der Region den Peer Gynt-Weg (Peer Gynt Vegen), eine Panoramastraße, die von Skeikampen über Gålå nach Rondane führt. 60 Kilometer auf einer Höhe von 1.000 Metern, mit Blick auf die Gipfel, die Ibsen als Kulisse dienten. Die Straße ist mautpflichtig und nur im Sommer befahrbar. Ein Stopp lohnt sich. Die Aussicht ist gut, und an den kleinen Seter-Almen am Wegesrand grasen noch Ziegen und Kühe.

Jeden Sommer wird "Peer Gynt" als Freilichtaufführung am Gålåvatnet aufgeführt. Die Bühne liegt am Seeufer, die Berge bilden die Kulisse. Edvard Griegs Musik erklingt im Freien. Die Aufführung hat Tradition. Sie findet seit 1989 statt und zieht jährlich Tausende Besucher an. Karten sollte man Monate im Voraus kaufen, die guten Plätze sind schnell vergriffen.

Für Literaturinteressierte gibt es am Vinstra, am Fuß der Rondane, das Peer Gynt-Museum. Klein, aber gut gemacht. Es erklärt den historischen Hintergrund des Stücks und zeigt, wie Ibsen die Landschaft und die Volkssagen der Region in sein Werk eingearbeitet hat. Der echte Peer Gynt, auf dem die Figur basiert, hieß Per Olsen Hågå und lebte im 17. Jahrhundert im Gudbrandsdalen. Ein ziemlich wilder Kerl, den Geschichten nach.

Herbst in der Rondane

Herbstfarben in der Rondane mit goldenen und roten Tönen in der Berglandschaft
September in der Rondane: Die Vegetation leuchtet in Gold und Rot (KI-generiert)

Mitte September verwandelt sich die Rondane. Die Zwergbirken färben sich orange und rot, die Blaubeersträucher werden dunkelviolett. Die Moose leuchten in allen Grüntönen. Die Norweger nennen diese Zeit "Ruska", und viele halten sie für die schönste Jahreszeit in den Bergen. Zu Recht. Die Farben halten etwa drei Wochen, je nach Wetterlage.

Im Herbst sind die Wege leer. Die Sommerurlaüber sind weg, die Wintersportler noch nicht da. Man hat die Rondane praktisch für sich allein. Die Hütten sind ab Mitte September unbewirtschaftet, also Essen mitbringen. Aber das Wetter kann im Herbst noch stabil sein: klare, kalte Nächte, milde Tage mit Sonne. Perfekte Bedingungen zum Wandern.

Fotografen lieben den Herbst in der Rondane. Das Licht ist weicher als im Sommer, die Farben intensiver. Und wenn morgens der Nebel in den Tälern liegt und die Gipfel darüber herausragen, entstehen Bilder, für die andere Regionen keine Chance haben. Die Rondane ist nicht die dramatischste Landschaft Norwegens. Aber im Herbst kommt niemand an ihr vorbei.

Pilzsammler kommen ebenfalls auf ihre Kosten. In den Birkenwäldern am Rand des Parks wachsen Steinpilze, Birkenpilze und Pfifferlinge. Ein guter Pilztag in der Rondane kann den ganzen Rucksack füllen. Die Regeln sind einfach: Nur sammeln, was man sicher kennt. Und keine Plastiktüten, die Pilze schimmeln sonst.

Anreise und praktische Tipps

Die Rondane ist von Oslo über die E6 in etwa vier Stunden erreichbar. Abfahrt bei Otta ins Gudbrandsdalen, dann weiter nach Mysuseter oder Høvringen. Von dort zum Parkplatz Spranget. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt man mit dem Zug nach Otta und nimmt von dort den Bus nach Mysuseter. Im Sommer gibt es auch direkte Verbindungen zum Spranget.

Die beste Wandersaison ist von Mitte Juni bis Mitte Oktober. Im Juni kann in den Hochlagen noch Schnee liegen. Die bewirtschafteten Hütten öffnen Anfang Juli und schließen Mitte September. Im Winter ist Zugang möglich, erfordert aber Erfahrung und entsprechende Ausrüstung.

Mobilfunkempfang gibt es im Park nur stellenweise. In den Tälern und an den Hütten funktioniert es meistens, auf den Gipfeln nicht immer. Eine Papierkarte ist Pflicht. Die Turkart "Rondane" im Maßstab 1:50.000 deckt den gesamten Park ab und ist in jedem Sportgeschäft in Norwegen erhältlich. GPS und Apps sind eine gute Ergänzung, aber kein Ersatz.

An Ferienhäusern mangelt es nicht. In Mysuseter, Høvringen und den Dörfern am Rand des Parks gibt es Hütten in allen Größen und Preisklassen. Wer lieber in einem Hotel übernachtet, findet in Otta und Lillehammer mehrere Optionen. Lillehammer liegt etwa eineinhalb Stunden südlich und lohnt sich als Zwischenstopp.

Häufig gestellte Fragen

Wie schwer sind die Wanderungen in der Rondane?

Die meisten Gipfeltouren erfordern gute Grundkondition, sind aber technisch einfach. Kein Klettern, keine Seile, keine Gletscherüberquerungen. Der Storronden ist auch für Anfänger mit Bergerfahrung machbar. Die Wege sind mit roten T-Markierungen versehen.

Wann ist die beste Zeit für eine Reise in die Rondane?

Juli und August für die bewirtschafteten Hütten und stabiles Wetter. September für Herbstfarben und Einsamkeit. Februar bis April für Skitouren und Langlauf. Jede Jahreszeit hat ihren Reiz.

Kann man Rentiere in der Rondane sehen?

Ja, mit etwas Glück. Die Herden bewegen sich frei durch den Park. Im Sommer sind sie in den Hochlagen, im Herbst in den Tälern. Frühmorgens und abends sind die Chancen am größten. Ein Fernglas hilft.

Brauche ich eine DNT-Mitgliedschaft?

Nein, aber sie lohnt sich. Mitglieder zahlen auf den Hütten deutlich weniger. Eine Einzelmitgliedschaft kostet etwa 800 NOK pro Jahr. Bei zwei oder drei Hüttenübernachtungen hat sich das schon gerechnet.

Ist die Rondane für Familien geeignet?

Grundsätzlich ja. Die Wanderung zur Rondvassbu ist flach und kinderfreundlich. Gipfeltouren sind ab etwa 10 bis 12 Jahren machbar, je nach Fitness des Kindes. Auf den Hütten gibt es oft Familienräume.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026