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Eishotel in Norwegen
Übernachten im Eis und Schnee

Eishotel in Norwegen

15 Min. Lesezeit

Der Schlafsack war warm. Das war das Erste, was mir auffiel, als ich mich in der Eissuite hinlegte. Draußen hatte es minus 22 Grad, im Zimmer minus 5. Aber der Expeditionsschlafsack, den das Hotel bereitgestellt hatte, hielt die Kälte fern. Das Kissen unter meinem Kopf war ein Rentierfell, und über mir wölbte sich eine Decke aus geschnitztem Eis, in das ein Künstler aus Tromsø ein Nordlichtmotiv gefräst hatte. Durch die Wand drang kein Laut. Die absolute Stille eines gefrorenen Raumes ist schwer zu beschreiben. Kein Brummen einer Heizung, kein Verkehr, kein Wind. Nur der eigene Atem, der als kleine Wolke aufstieg und im blauen Licht der LED-Beleuchtung schwebte.

Ich hatte nicht erwartet, dass ich einschlafe. Aber ich schlief ein. Und wachte sechs Stunden später auf, ausgeruht und mit einer Geschichte, die ich seitdem bei jedem Treffen erzähle. Eine Nacht im Eishotel ist kein Luxusurlaub im klassischen Sinne. Es ist ein Erlebnis, das sich in den Körper einschreibt. Die Kälte auf dem Gesicht, die Wärme im Schlafsack, das unwirkliche Blau der Eiswände.

Meine Nacht bei minus fünf Grad

Ich übernachtete im Sorrisniva Igloo Hotel bei Alta, dem einzigen Eishotel Norwegens, das jedes Jahr neu gebaut wird. Der Abend begann mit einem Briefing. Eine Mitarbeiterin erklärte, wie der Schlafsack funktioniert (Mütze aufsetzen, nur das Gesicht freilassen, nicht nackt hineinsteigen), wo die Toiletten sind (im beheizten Nebengebäude, 30 Meter entfernt) und wann das Frühstück beginnt (8 Uhr, im warmen Haupthaus).

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Dann gab es Abendessen im Restaurant des angrenzenden Sorrisniva Wilderness Lodge. Rentiergulasch, dazu Kartoffelpüree und Preiselbeeren. Ein Glas Rotwein. Danach führte uns der Guide durch das Eishotel und erklärte die Eisskulpturen. Jedes Zimmer hat ein eigenes Thema, von den Künstlern frei gewählt. In meinem Jahr waren Nordlicht, Wale, samische Symbole und die Mitternachtssonne die Motive.

Eiszimmer im Sorrisniva Igloo Hotel mit geschnitzten Wänden und Rentierfell auf dem Eisbett
Jedes Eiszimmer ist ein Kunstwerk, geschaffen aus Eis und Schnee (KI-generiert)

Um 23 Uhr ging ich ins Zimmer. Das Bett bestand aus einem Eisblock, bedeckt mit Rentierfellen und einer Isomatte. Der Schlafsack lag bereitgestellt, daneben eine Tüte mit Handwärmern. Ich zog meine Thermounterwäsche an, eine Fleecejacke und dicke Socken, legte mich in den Schlafsack und zog den Reißverschluss bis zum Kinn hoch.

Die ersten zehn Minuten waren seltsam. Der Schlafsack fühlte sich kalt an, bevor die eigene Körperwärme ihn aufheizte. Mein Gesicht war der einzige Teil, der frei lag, und die Kälte dort war spürbar, aber erträglich. Nach einer Viertelstunde war es gemütlich. Nicht warm wie in einem Hotelbett, aber angenehm. Wie in einem kühlen Schlafzimmer mit offenen Fenstern, nur eben mit Eiswänden statt Tapete.

Das Sorrisniva Igloo Hotel

Das Sorrisniva Igloo Hotel liegt 20 Kilometer südlich von Alta, am Ufer des Alta-Flusses. Es wird jeden Winter aus rund 300 Tonnen Eis und 500 Tonnen Schnee neu gebaut. Der Bau beginnt im November und dauert sechs Wochen. Ende Dezember öffnet das Hotel, und es bleibt bis Ende März oder Anfang April geöffnet, je nach Wetter. Wenn die Temperaturen steigen und das Eis zu schmelzen beginnt, schließt das Hotel.

Das Eis wird aus dem Alta-Fluss gewonnen. Große Blöcke werden herausgesägt, auf Lkw geladen und zur Baustelle transportiert. Dort setzen Eiskünstler und Bauarbeiter die Blöcke zusammen, fräsen Wände, schnitzen Skulpturen und formen die Zimmer. Das Ergebnis ist ein Gebäude mit einer Lobby, einer Bar, einer Kapelle und rund 30 Zimmern, alles aus Eis.

Außenansicht des Sorrisniva Igloo Hotels bei Nacht mit Nordlichtschimmer
Das Sorrisniva Igloo Hotel wird jeden Winter aus Eis und Schnee neu errichtet (KI-generiert)

Das Hotel gehört zum Sorrisniva-Komplex, der auch die Wilderness Lodge umfasst, ein konventionelles Hotel mit beheizten Zimmern. Viele Gäste buchen eine Nacht im Eishotel und weitere Nächte in der Lodge. Das ist eine sinnvolle Kombination, weil man so das Eis-Erlebnis hat, aber nicht mehrere Nächte bei Minusgraden schlafen muss.

Die Saison 2025/2026 war die 25. Saison des Igloo Hotels. Es ist das einzige seiner Art in Norwegen. In Schweden gibt es das berühmtere ICEHOTEL in Jukkasjärvi, das als Vorbild diente. Sorrisniva ist kleiner und intimer, mit weniger Zimmern und einer persönlicheren Atmosphäre. Wer beide kennt, sagt oft, dass Sorrisniva authentischer wirkt, während Jukkasjärvi professioneller organisiert ist.

Die Eiszimmer

Es gibt drei Zimmerkategorien. Die Standardzimmer sind einfach gehalten: Eiswände, ein Eisbett mit Rentierfell und Isomatte, eine einfache Eisbank. Die Temperatur liegt bei minus 4 bis minus 7 Grad. Eine Nacht kostet 3.500 NOK pro Person im Doppelzimmer, inklusive Abendessen, Schlafsack und Frühstück.

Eisbett mit Rentierfell und Schlafsack im Eishotel
Das Bett aus Eis wird mit Rentierfellen und einem Expeditionsschlafsack warm (KI-generiert)

Die Suiten sind Kunstwerke. Jedes Jahr gestalten eingeladene Künstler die Suiten mit individuellen Eisskulpturen. Ein Zimmer kann einen Wal zeigen, der aus der Wand zu schwimmen scheint, ein anderes hat filigrane Eisleuchter, die von der Decke hängen. Die Suiten kosten 5.000 NOK pro Person und Nacht. Sie sind größer (15 bis 20 Quadratmeter) und haben oft beleuchtete Elemente, die den Eisskulpturen eine besondere Wirkung geben.

Die Eiskapelle ist der schönste Raum des Hotels. Sie wird für Trauungen und Segnungen genutzt, und tatsächlich heiraten jedes Jahr 10 bis 15 Paare hier. Eine Trauung in der Eiskapelle kostet ab 8.000 NOK plus die Übernachtung. Der Altartisch, die Bänke und das Kreuz sind aus Eis geschnitzt. Die Akustik ist überraschend gut: Das Eis reflektiert den Schall weich, und Gesang klingt hier anders als in jedem anderen Raum.

Die Eisbar und Eisskulpturen

Eisbar im Sorrisniva Igloo Hotel mit beleuchteten Eisgläsern
In der Eisbar werden Cocktails in Gläsern aus gefrorenem Flusswasser serviert (KI-generiert)

Die Eisbar ist der gesellige Mittelpunkt des Hotels. Der Tresen, die Regale, die Hocker: alles aus Eis. Die Getränke werden in Gläsern aus Eis serviert, die aus dem Alta-Fluss geschnitten wurden. Das Eis ist so klar, dass man durch die Gläser lesen könnte. Ein Cocktail kostet 180 bis 250 NOK. Die Spezialität des Hauses ist der Arctic Frost, ein Wodka-Cocktail mit Blaubeerlikör, der in der Eisumgebung erstaunlich gut schmeckt.

Die Bar ist auch für Tagesgäste geöffnet, die nicht im Eishotel übernachten. Ein Tagesbesuch mit Führung und einem Drink kostet 350 NOK pro Person. Das lohnt sich, denn die Eisskulpturen sind auch ohne Übernachtung eindrucksvoll. Die Künstler arbeiten mit Kettensägen, Meißeln und Fräsen und schaffen Werke, die manchmal mehrere Meter hoch sind.

Detaillierte Eisskulptur im Sorrisniva Igloo Hotel
Eiskünstler verwandeln jeden Winter gefrorenes Flusswasser in filigrane Skulpturen (KI-generiert)

Jede Saison hat ein Oberthema. In der Saison 2025/2026 war es Arctic Wildlife. Die Skulpturen zeigten Eisbären, Wale, Rentiere und Adler in einer Detailtreue, die mich staunen ließ. Ein Eisbär, fast lebensgroß, stand in der Lobby und sah so realistisch aus, dass ein Kind ihn streicheln wollte. Der Künstler hatte drei Wochen daran gearbeitet.

Was man wissen muss

Die häufigste Frage: Ist es kalt? Ja. Minus 4 bis minus 7 Grad im Zimmer. Aber der Schlafsack ist für Temperaturen bis minus 30 ausgelegt, und solange man die Anweisungen befolgt (Mütze tragen, Gesicht schützen, nicht nackt schlafen), friert man nicht. Die meisten Gäste berichten, dass die Nacht angenehmer war als erwartet.

Die zweithäufigste Frage: Wo sind die Toiletten? Im beheizten Nebengebäude, 30 Meter vom Eishotel entfernt. Der Weg dorthin ist nachts der kälteste Teil des Erlebnisses, weil man aus dem warmen Schlafsack in die minus-20-Grad-Außenluft tritt. Tipp: Vor dem Schlafengehen noch einmal gehen und den Flüssigkeitskonsum am Abend reduzieren.

Kleidung: Thermounterwäsche (Merinowolle), eine Fleecejacke, dicke Wollsocken und eine Mütze sind die Grundausstattung. Keine Baumwolle, die speichert Feuchtigkeit und kühlt. Für den Weg zu den Toiletten braucht man eine Winterjacke und Schuhe, die neben dem Schlafsack bereitstehen sollten.

Alkohol: Ein Drink in der Eisbar ist in Ordnung. Sich betrinken ist eine schlechte Idee. Alkohol weitet die Blutgefäße und beschleunigt den Wärmeverlust. Wer betrunken im Eishotel einschläft, riskiert eine Unterkühlung. Das Personal weist darauf hin, und die Bar schließt um Mitternacht.

Kinder: Das Eishotel nimmt Kinder ab 6 Jahren auf. Jüngere Kinder dürfen das Hotel tagsüber besichtigen, aber nicht übernachten. Für Familien empfiehlt sich die Kombination aus einer Nacht im Eis und weiteren Nächten in der beheizten Lodge.

Weitere Eisunterkünfte in Norwegen

Neben dem Sorrisniva Igloo Hotel gibt es in Norwegen einige kleinere Eis-Unterkünfte. Das Kirkenes Snowhotel in der Finnmark bietet 20 Schneezimmer und eine Eisbar. Es liegt nahe der russischen Grenze und ist mit der Hurtigruten-Route kombinierbar (Kirkenes ist der Wendepunkt). Die Preise beginnen bei 2.800 NOK pro Person mit Abendessen und Frühstück.

In Tromsø gibt es kein permanentes Eishotel, aber das Magic Ice Bar, eine ganzjährig geöffnete Eisbar im Stadtzentrum (Eintritt 200 NOK, inklusive einem Getränk im Eisglas). Für Übernachtungen im Eis muss man von Tromsø nach Alta oder Kirkenes weiterreisen.

Auf den Lofoten bietet das Unternehmen North Adventure gelegentlich Iglu-Übernachtungen an, bei denen Gäste ihr eigenes Iglu bauen und darin schlafen. Das ist rustikaler als ein Eishotel, aber ein intensiveres Naturerlebnis. Die Touren kosten 2.500 NOK und finden von Januar bis März statt.

Anreise und Planung

Das Sorrisniva Igloo Hotel erreicht man am einfachsten über den Flughafen Alta (ALF). Von Oslo fliegen Norwegian und SAS mehrmals täglich (Flugzeit 2 Stunden, Preise ab 800 NOK einfach). Vom Flughafen zum Hotel sind es 20 Kilometer, ein Shuttle kostet 200 NOK pro Person, ein Taxi etwa 400 NOK.

Die Buchung sollte früh erfolgen. Die Suiten sind in der Hochsaison (Februar und März) oft Monate im Voraus ausgebucht. Standardzimmer sind leichter verfügbar, aber auch hier empfiehlt sich eine Reservierung drei bis vier Monate vor dem gewünschten Termin. Stornierungen sind bis 14 Tage vor Anreise kostenfrei.

Die beste Zeit für einen Besuch ist Februar und März. Das Hotel ist dann vollständig fertig, die Eisskulpturen sind auf dem Höhepunkt, und die Chancen auf Nordlichter sind am besten. Im Januar ist das Hotel gerade erst eröffnet und manche Details werden noch fertiggestellt. Im April kann es warm genug werden, dass das Hotel früh schließt.

Ein typisches Wochenende am Sorrisniva: Freitag Anreise, Abendessen in der Lodge, Nordlichttour mit dem Schneemobil (1.800 NOK). Samstag Hundeschlittenfahrt am Vormittag (2.200 NOK), Nachmittag frei, Abendessen im Restaurant, dann Übernachtung im Eishotel. Sonntag Frühstück, Rückreise. Gesamtkosten inklusive Flug ab Oslo: rund 12.000 bis 15.000 NOK pro Person.

Alternativen zum Eishotel

Wer die arktische Atmosphäre erleben will, aber lieber warm schläft, hat in Nordnorwegen andere Optionen. Glasiglus gibt es in mehreren Orten, etwa beim Malangen Resort bei Tromsø (ab 4.500 NOK pro Nacht). Man schläft in einem beheizten Glaskuppel-Iglu mit Blick auf den Himmel und kann Nordlichter vom Bett aus beobachten.

Samische Lavvus (traditionelle Zelte) werden von mehreren Anbietern in der Finnmark als Übernachtungsmöglichkeit angeboten. Beheizt mit einem kleinen Holzofen, schläft man auf Rentierfellen und wacht zum Geruch von Birkenkohle auf. Die Preise liegen bei 1.500 bis 2.500 NOK pro Nacht.

Für Reisende, die das Eishotel-Erlebnis nach Schweden verlegen möchten: Das ICEHOTEL in Jukkasjärvi ist größer und internationaler als Sorrisniva, mit einer ganzjährigen Eissuite (ICEHOTEL 365), die durch eine Solaranlage auch im Sommer auf Minustemperaturen gekühlt wird. Von Alta nach Jukkasjärvi sind es 400 Kilometer, eine Kombinationsreise ist möglich.

Häufige Fragen

Kann man im Eishotel wirklich schlafen?

Ja. Die allermeisten Gäste schlafen gut, wenn auch oft kürzer als gewohnt (5 bis 7 Stunden statt der üblichen 8). Der Schlafsack ist auf Temperaturen bis minus 30 Grad ausgelegt, und solange man die Anweisungen befolgt, bleibt es warm genug. Wer unter Klaustrophobie oder extremer Kälteempfindlichkeit leidet, sollte vorher testen, ob er bei offenem Fenster und 5 Grad schlafen kann.

Was passiert, wenn das Eishotel schmilzt?

Das Hotel wird jedes Frühjahr kontrolliert abgebaut oder schmilzt natürlich, wenn die Temperaturen steigen. Das Schmelzwasser fließt zurück in den Alta-Fluss. Im nächsten Winter wird das Hotel an derselben Stelle neu gebaut, mit neuen Designs und neuen Kunstwerken. Kein Eishotel gleicht dem des Vorjahres.

Gibt es eine Dusche oder fließendes Wasser im Eishotel?

Nicht im Eishotel selbst. Duschen, Toiletten und Umkleidebereiche befinden sich im beheizten Nebengebäude, das rund um die Uhr zugänglich ist. Morgens nach der Eisnacht ist eine heiße Dusche dort das Erste, was die meisten Gäste ansteuern.

Wie viel kostet eine Nacht im Eishotel insgesamt?

Eine Nacht im Standardzimmer kostet 3.500 NOK pro Person im Doppelzimmer, inklusive Abendessen, Schlafsack, Frühstück und einer Führung durch das Eishotel. Die Suite liegt bei 5.000 NOK. Dazu kommen Anreise (Flug ab Oslo ab 800 NOK) und optionale Aktivitäten (Nordlichttour 1.800 NOK, Hundeschlitten 2.200 NOK). Ein Wochenende mit zwei Nächten (eine im Eis, eine in der Lodge) kostet etwa 10.000 bis 15.000 NOK pro Person.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026