Stykkishólmur: Tor zu den Westfjorden
Stykkishólmur liegt an der Nordküste der Snæfellsnes-Halbinsel und ist mit rund 1.300 Einwohnern das größte Städtchen der Region. Der Name klingt für mitteleuropäische Ohren sperrig, aber die Isländer kürzen ihn im Alltag gern auf „Stykki" ab. Der Ort hat einen natürlichen Hafen, der seit der Besiedlung Islands als Handelsplatz dient, und eine Reihe farbenfroher Holzhäuser, die dem Ortskern einen fast skandinavischen Charme verleihen.
Für Reisende ist Stykkishólmur aus zwei Gründen wichtig. Erstens liegt hier der Fährhafen, von dem die Baldur nach Brjánslækur in den Westfjorden ablegt. Zweitens ist der Ort ein sehr guter Ausgangspunkt, um die Snæfellsnes-Halbinsel zu erkunden, die oft als „Island im Miniaturformat" bezeichnet wird, weil sie auf engstem Raum Gletscher, Vulkane, Lavafelder, Strände und Klippen vereint.
Erster Eindruck
Wer nach Stykkishólmur hineinfährt, sieht zuerst den Súgandisey, eine kleine Basaltinsel, die über einen Damm mit dem Festland verbunden ist. Oben auf der Insel steht ein orangefarbener Leuchtturm, und von dort hat man einen Rundumblick über den Hafen, die Stadt und den Breiðafjörður mit seinen unzähligen Inseln. Der Aufstieg dauert zehn Minuten und lohnt sich zu jeder Tageszeit, besonders aber am Abend, wenn die Sonne tief steht und die Häuser in warmes Licht taucht.
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Das Ortsbild von Stykkishólmur unterscheidet sich spürbar von den meisten isländischen Kleinstädten. Statt der üblichen Wellblechhäuser findet man hier restaurierte Holzhäuser aus dem 19. Jahrhundert, manche in kräftigem Rot, andere in Blau oder Gelb. Dieser architektonische Reichtum hat einen Grund: Stykkishólmur war seit dem 16. Jahrhundert ein wichtiger Handelsplatz, und die dänischen und norwegischen Kaufleute, die hier lebten, brachten ihren Baustil mit.
Die Stykkishólmskirkja, die Ortskirche, thront auf einem Hügel über dem Hafen und sieht aus wie kein anderes Gotteshaus in Island. Der moderne Betonbau von 1990 erinnert an ein gefaltetes Blatt Papier oder eine gestrandete Arche. Im Inneren überrascht eine helle, warme Atmosphäre, und die Orgel mit ihren 1.980 Pfeifen füllt den Raum mit einem Klang, der unter die Haut geht. Konzerte finden im Sommer regelmäßig statt, der Eintritt ist frei.
Der alte Hafen und die bunten Häuser
Der Hafen von Stykkishólmur ist das Herz des Ortes. Hier liegen kleine Fischerboote neben der großen Baldur-Fähre, und an den Kaimauern trocknen Netze in der Sonne. Der Hafen ist natürlich geschützt, eingebettet zwischen dem Súgandisey und der Halbinsel, auf der der Ort liegt. Das macht ihn zu einem der sichersten Häfen an der gesamten Westküste Islands.
Um den Hafen herum gruppieren sich die ältesten Gebäude des Ortes. Das Norska Húsið (Norwegisches Haus) ist das älteste zweistöckige Holzhaus Islands, 1832 in Norwegen vorgefertigt und per Schiff nach Stykkishólmur gebracht. Es wurde vom Kaufmann Árni Thorlacius als Wohn- und Geschäftshaus errichtet und diente später als Post, Bibliothek und Gemeindehaus. Heute beherbergt es ein Museum, das die Handelsgeschichte des Ortes dokumentiert. Eintritt: 1.800 ISK (12 Euro).
Filmfans kennen Stykkishólmur vielleicht aus dem Film „Die geheime Leben des Walter Mitty" mit Ben Stiller. Mehrere Szenen wurden hier gedreht, und man erkennt den Ort im Film sofort wieder. Die Tourismusinformation hat einen kleinen Lageplan mit den Drehorten erstellt, den man kostenlos mitnehmen kann.
Ein Spaziergang durch die Gassen hinter dem Hafen führt an liebevoll renovierten Häusern vorbei, in denen sich kleine Galerien, Kunsthandwerkläden und Cafés eingerichtet haben. Die Atmosphäre erinnert an skandinavische Küstenorte weiter östlich, nur dass die Landschaft drumherum unvergleichlich wilder ist. Hinter den letzten Häusern beginnen sofort die Lavafelder, und am Horizont ragt der Snæfellsjökull in den Himmel.
Breiðafjörður und die tausend Inseln
Der Breiðafjörður ist einer der größten und flachsten Fjorde Islands. Er erstreckt sich zwischen der Snæfellsnes-Halbinsel im Süden und den Westfjorden im Norden und enthält nach verschiedenen Zählungen zwischen 2.000 und 3.000 Inseln, Holme und Klippen. Die genaue Zahl hängt davon ab, was man als „Insel" gelten lässt und wie hoch das Wasser gerade steht.
Die größte Insel im Breiðafjörður ist Flatey, eine autofreie Insel mit etwa fünf ständigen Bewohnern. Im Sommer kommen ein paar Dutzend dazu, die ihre Sommerhäuser öffnen und den kurzen isländischen Sommer genießen. Die Baldur-Fähre hält auf dem Weg zu den Westfjorden in Flatey an, und man kann dort aussteigen, einige Stunden auf der Insel verbringen und mit der nächsten Fähre weiterfahren. Die Insel hat eine winzige Kirche mit Wandmalereien des katalanischen Künstlers Baltasar Samper, ein Gasthaus und Papageientaucher-Kolonien an den Klippen.
Von Stykkishólmur aus werden Bootstouren durch den Breiðafjörður angeboten. Die beliebteste Tour ist die „Viking Sushi Tour", bei der das Boot zwischen den Inseln kreuzt und die Besatzung mit Dredge-Netzen Muscheln, Seeigel und Jakobsmuscheln vom Meeresgrund fischt. Der Fang wird direkt an Bord geöffnet und als frischestes Sushi serviert, das man sich vorstellen kann. Die Tour dauert etwa zwei Stunden und kostet rund 10.500 ISK (68 Euro) pro Person.
Der Breiðafjörður ist auch ein wichtiges Vogelschutzgebiet. Über 50 Vogelarten brüten auf den Inseln, darunter Papageientaucher, Eiderenten, Seeadler und verschiedene Möwenarten. Im Wasser leben Robben, und gelegentlich werden Orcas gesichtet, die den Heringsschwärmen im Fjord folgen.
Fähre Baldur zu den Westfjorden
Die Fähre Baldur verkehrt zwischen Stykkishólmur und Brjánslækur in den Westfjorden. Die Überfahrt dauert etwa drei Stunden und führt durch den Breiðafjörður mit seinen unzähligen Inseln. Im Sommer verkehrt die Fähre zweimal täglich, im Winter seltener. Die Baldur nimmt Passagiere und Fahrzeuge mit, auch größere Wohnmobile passen an Bord.
Die Buchung sollte im Sommer unbedingt im Voraus erfolgen, besonders wenn man ein Auto mitnehmen möchte. Ein Ticket für einen PKW mit Fahrer kostet etwa 7.900 ISK (51 Euro) in eine Richtung. Zusätzliche Passagiere zahlen rund 4.400 ISK (29 Euro) pro Person. Kinder unter 11 Jahren fahren kostenlos. Die Tickets können online auf seatours.is gebucht werden.
Die Fähre ist gleichzeitig eine der schönsten Bootsfahrten, die man in Island machen kann. Der Breiðafjörður ist bei ruhigem Wetter spiegelglatt, und die Inseln ziehen langsam am Fenster vorbei. An Bord gibt es ein Café mit Kaffee und Sandwiches. Warme Kleidung für das Außendeck mitnehmen, auch im Sommer weht auf dem Fjord ein kühler Wind.
Viele Reisende nutzen die Baldur-Fähre als Abkürzung auf der Ringstraße. Statt den langen Weg über den Norden zu nehmen, fährt man von Snæfellsnes per Fähre in die Westfjorde und erkundet diese abgelegene Region, bevor man über den Norden zurückkehrt. Das spart Fahrzeit und eröffnet Zugang zu einem der am wenigsten besuchten Teile Islands.
Museen und Sehenswürdigkeiten
Das Volcano Museum (Eldfjallasafn) ist das Hauptmuseum von Stykkishólmur und widmet sich der Vulkanologie. Die Ausstellung erklärt, wie Vulkane entstehen, warum Island so vulkanisch aktiv ist und welche Rolle der Snæfellsjökull in der Geologie der Region spielt. Gründer des Museums war der Vulkanologe Haraldur Sigurðsson, der seine private Sammlung vulkanischer Gesteinsproben und historischer Fotografien zur Verfügung gestellt hat. Eintritt: 2.000 ISK (13 Euro).
Das bereits erwähnte Norska Húsið bietet neben der Handelsgeschichte auch wechselnde Kunstausstellungen. Das Gebäude selbst ist mit seinen knarrenden Holzdielen und den niedrigen Decken sehenswert. Im Obergeschoss hat man durch die kleinen Fenster einen Blick über den Hafen, der sich seit dem 19. Jahrhundert erstaunlich wenig verändert hat.
Die Bibliothek von Stykkishólmur ist die älteste öffentliche Bibliothek Islands, gegründet 1828. Sie befindet sich heute in einem modernen Gebäude, aber einige der Originalbestände sind noch vorhanden. Für Besucher ist die Bibliothek ein ruhiger Ort zum Aufwärmen und Lesen, mit kostenlosem WLAN und einem kleinen Lesebereich mit Fjordblick.
Der Helgafell (Heiliger Berg) liegt drei Kilometer südlich von Stykkishólmur und ist einer der mystischsten Orte der Snæfellsnes-Halbinsel. Der Hügel ist nur 73 Meter hoch, aber in der isländischen Überlieferung von großer Bedeutung. Die Saga von den Leuten auf der Halbinsel Snæfellsnes (Eyrbyggja Saga) berichtet, dass die ersten Siedler hier eine Thingstätte (Versammlungsort) errichteten und den Berg als heilig betrachteten. Eine Tradition besagt, dass man beim Aufstieg nicht zurückblicken und nicht sprechen darf. Oben angekommen darf man sich drei Wünsche erfüllen, sofern man sie niemandem verrät.
Essen und Übernachten
Das Sjávarpakkhúsið (Fischpackhaus) am Hafen ist das beste Restaurant in Stykkishólmur. In einem ehemaligen Lagerschuppen serviert das Restaurant frischen Fisch, Muscheln aus dem Breiðafjörður und isländisches Lamm. Die Fischsuppe ist ausgezeichnet. Hauptgerichte kosten zwischen 4.500 und 7.500 ISK (29 bis 49 Euro). Im Sommer ist Reservierung empfohlen.
Das Narfeyrarstofa im Ortszentrum bietet isländische Hausmannskost in einem gemütlichen Holzhaus. Wer nur einen Kaffee und Kuchen möchte, ist im Skúrinn Cafe richtig, das in einem bunten Holzhaus am Hafen sitzt und hausgemachte Backwaren anbietet. Der kleine Bónus-Supermarkt deckt den Grundbedarf für Selbstversorger.
Bei den Unterkünften sticht das Hótel Stykkishólmur heraus, das renovierte Zimmer mit Hafenblick bietet. Das Fransiskus Guesthouse liegt in einem ehemaligen Kloster und hat einen besonderen Charme. Günstigere Optionen sind die Pensionen und privaten Gästezimmer, die über Buchungsportale zu finden sind. Der Campingplatz liegt am Ortsrand und bietet Duschen und Windschutz. Kosten: 2.000 ISK (13 Euro) pro Person.
Stykkishólmur hat außerdem ein Schwimmbad mit heißen Töpfen (Hot Pots), wie es sie in fast jedem isländischen Ort gibt. Das Sundlaug Stykkishólms liegt am südlichen Ortsrand, hat zwei Becken und drei heiße Töpfe mit unterschiedlichen Temperaturen. Der Eintritt kostet 1.000 ISK (7 Euro). Wer nach einem Tag auf der Snæfellsnes-Halbinsel müde Beine hat, findet hier die beste Erholung.
Anreise und Ausflüge
Stykkishólmur liegt 170 Kilometer nördlich von Reykjavík. Die Fahrt über die Straßen 1 und 54 dauert etwa zweieinhalb Stunden. Die Straße ist ganzjährig asphaltiert und gut befahrbar, im Winter können allerdings einzelne Abschnitte wegen Schneeverwehungen vorübergehend gesperrt sein.
Von Stykkishólmur aus lässt sich die gesamte Snæfellsnes-Halbinsel erkunden. Der Snæfellsjökull-Nationalpark liegt eine knappe Stunde südwestlich und beherbergt den gleichnamigen Gletscher, den Jules Verne als Eingang zum Mittelpunkt der Erde verwendete. Die Küstenorte Arnarstapi und Hellnar bieten dramatische Klippen und Küstenwanderungen. Der berühmte Berg Kirkjufell bei Grundarfjörður liegt nur 25 Minuten östlich.
Als Tagesausflug von Reykjavík ist Stykkishólmur machbar, aber knapp. Besser plant man zwei bis drei Nächte auf der Snæfellsnes-Halbinsel ein und nutzt Stykkishólmur als Basis. Von hier aus erreicht man alle Sehenswürdigkeiten der Halbinsel in maximal einer Stunde Fahrt, und abends kann man im Hafen sitzen und den Sonnenuntergang über dem Breiðafjörður beobachten.
Wer die Westfjorde in seine Reise einbeziehen möchte, fährt mit der Baldur-Fähre nach Brjánslækur und erkundet von dort aus eine der einsamsten und wildesten Regionen Islands. Die Westfjorde haben nur 7.000 Einwohner auf einer Fläche so groß wie Tirol, und wer dort unterwegs ist, trifft mehr Polarfüchse als Menschen.
Häufige Fragen
Muss man die Baldur-Fähre vorher buchen?
Im Sommer (Juni bis August) ist eine Vorausbuchung dringend empfohlen, besonders mit Auto. Im Winter gibt es in der Regel genügend Platz. Tickets auf seatours.is. Ein PKW mit Fahrer kostet rund 7.900 ISK (51 Euro) pro Strecke.
Lohnt sich ein Zwischenstopp auf Flatey?
Unbedingt. Die autofreie Insel im Breiðafjörður hat etwa fünf ständige Bewohner, eine kleine Kirche und Papageientaucher Stille. Man steigt morgens aus der Fähre aus und fährt nachmittags mit der nächsten weiter. Ein Gasthaus bietet Übernachtungen an.
Was ist die Viking Sushi Tour?
Eine zweistündige Bootstour durch den Breiðafjörður, bei der die Besatzung frische Muscheln und Seeigel vom Meeresgrund fischt und an Bord als Sushi serviert. Kosten: rund 10.500 ISK (68 Euro). Eine der ungewöhnlichsten kulinarischen Erfahrungen auf Island.
Ist Stykkishólmur ein guter Ausgangspunkt für Snæfellsnes?
Ja, einer der besten. Von Stykkishólmur aus erreicht man den Snæfellsjökull-Nationalpark, Kirkjufell und alle anderen Highlights der Halbinsel in maximal einer Stunde. Der Ort hat gute Restaurants und Unterkünfte, was nicht überall auf Snæfellsnes der Fall ist.
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026