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Snæfellsnes
Islands Miniatur: Gletscher, Vulkane und schwarze Strände auf einer Halbinsel

Snæfellsnes

14 Min. Lesezeit

Die Halbinsel Snæfellsnes ragt wie ein langer Arm aus der Westküste Islands in den Atlantik hinaus. Auf rund 100 Kilometern Länge versammelt sie alles, was Island ausmacht: einen vergletscherten Vulkan, dramatische Steilküsten, schwarze Lavastrände, winzige Fischerdörfer und eine Stille, die man in Reykjavík vergeblich sucht. Nicht umsonst wird Snæfellsnes häufig als „Island in Miniatur" bezeichnet.

Die Halbinsel liegt nur zwei Stunden nördlich der Hauptstadt und lässt sich als Tagesausflug oder, noch besser, mit zwei bis drei Übernachtungen erkunden. Anders als der Goldene Kreis ist Snæfellsnes nie überlaufen. Selbst im Hochsommer findet man hier Wanderwege, auf denen man stundenlang allein unterwegs ist.

Warum Snæfellsnes so besonders ist

Snæfellsnes vereint auf engstem Raum die gesamte geologische Bandbreite Islands. Im Zentrum der Halbinsel erhebt sich der Snæfellsjökull, ein 1.446 Meter hoher Stratovulkan mit Gletscherkappe. An der Südküste brechen sich meterhohe Wellen an Basaltklippen, während die Nordseite geschützte Buchten und sanfte Hügel bietet. Dazwischen liegen Lavafelder, die vor wenigen tausend Jahren entstanden sind und heute von dickem Moos bedeckt werden.

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Die Region wurde 2001 zum Snæfellsjökull-Nationalpark erklärt, dem einzigen Nationalpark Islands, der bis an die Küste reicht. Rund 4.000 Menschen leben auf der Halbinsel, verteilt auf kleine Ortschaften wie Grundarfjörður, Ólafsvík und Stykkishólmur. Die Infrastruktur ist gut: asphaltierte Straßen, Tankstellen, kleine Hotels und Gästehäuser, aber keine großen Touristenzentren.

Kulturell hat Snæfellsnes eine besondere Stellung. Die isländischen Sagas spielen teilweise in dieser Region, und der mystische Snæfellsjökull gilt seit Jahrhunderten als Kraftort. Einheimische erzählen von einer besonderen Energie, die vom Gletscher ausgehen soll. Ob man daran glaubt oder nicht: Die Atmosphäre auf der Halbinsel ist tatsächlich anders als irgendwo sonst auf der Insel.

Snæfellsjökull: Der Gletscher aus Jules Vernes Roman

Der Snæfellsjökull Gletscher auf der Halbinsel Snæfellsnes
Der Snæfellsjökull: Jules Vernes Eingang zum Mittelpunkt der Erde, an klaren Tagen sogar von Reykjavík aus sichtbar (KI-generiert)

Der Snæfellsjökull ist weit mehr als nur ein schöner Berg. Jules Verne wählte ihn 1864 in seinem Roman „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" als Einstiegspunkt in die unterirdische Welt. Professor Lidenbrock und sein Neffe Axel steigen im Roman durch den Krater des Vulkans in die Tiefe hinab. Seitdem ist der Snæfellsjökull weltberühmt und zieht Literaturbegeisterte ebenso an wie Wanderer und Mystiker.

Der Gletscher bedeckt den Gipfel des Vulkans und schrumpft leider von Jahr zu Jahr. Wissenschaftler schätzen, dass er in 30 bis 50 Jahren vollständig verschwunden sein könnte. Umso wichtiger ist es, ihn jetzt noch zu erleben. An klaren Tagen ist der Snæfellsjökull von Reykjavík aus sichtbar, obwohl er über 100 Kilometer entfernt liegt. Die weiße Kuppe schwebt dann scheinbar über dem Meer.

Geführte Gletscherwanderungen auf den Snæfellsjökull werden im Sommer angeboten und dauern etwa acht bis zehn Stunden. Man benötigt gute Kondition, Steigeisen und einen erfahrenen Guide. Die Aussicht vom Gipfel bei gutem Wetter ist unbeschreiblich: Man sieht die gesamte Halbinsel, die Westfjorde und bei perfekter Sicht sogar Grönland.

Insider-Tipp:

Der beste Aussichtspunkt auf den Snæfellsjökull ohne Wanderung ist der Parkplatz am Malarrifsviti-Leuchtturm an der Südwestspitze. Von hier sieht man den Gletscher über den Lavafeldern aufragen, und bei Sonnenuntergang im Sommer färbt sich die Gletscherkappe in warmes Orange. Der Leuchtturm selbst ist ebenfalls fotogen.

Kirkjufell: Islands meistfotografierter Berg

Kirkjufell Berg mit Kirkjufellsfoss Wasserfall im Vordergrund
Kirkjufell mit dem Wasserfall Kirkjufellsfoss: das ikonischste Fotomotiv Islands (KI-generiert)

Der 463 Meter hohe Kirkjufell bei Grundarfjörður ist der meistfotografierte Berg Islands und eines der bekanntesten Naturmotive weltweit. Seine spitz zulaufende, symmetrische Form erinnert an einen Kirchturm, daher der Name „Kirchberg". Bekannt wurde er zusätzlich durch die Serie Game of Thrones, in der er als „Pfeilspitzenberg" nördlich der Mauer zu sehen war.

Das klassische Foto entsteht vom kleinen Wasserfall Kirkjufellsfoss aus, der etwa 200 Meter südlich des Berges liegt. Von hier hat man den perfekten Blickwinkel: den dreistufigen Wasserfall im Vordergrund und die markante Bergsilhouette dahinter. Im Winter, wenn Nordlichter über dem Kirkjufell tanzen, entstehen hier einige der spektakulärsten Fotos der Welt.

Den Berg selbst sollte man nicht ohne Erfahrung besteigen. Die Klettertour ist anspruchsvoll und es gab bereits tödliche Unfälle. Die schönsten Perspektiven bieten sich ohnehin von unten. Wer am frühen Morgen oder späten Abend kommt (im Sommer bedeutet das gegen Mitternacht), hat den Wasserfall oft für sich allein.

Insider-Tipp:

Für ein außergewöhnliches Kirkjufell-Foto: Fahrt zur Nordseite des Berges auf die andere Seite der Straße 54. Von dort sieht man Kirkjufell mit dem Fjord und den schneebedeckten Bergen im Hintergrund, eine Perspektive, die fast nie auf Postkarten auftaucht. Besonders schön bei Ebbe, wenn sich der Berg im flachen Wasser spiegelt.

Arnarstapi und Hellnar: Küstenwanderung zwischen Basaltsäulen

Dramatische Steilküste bei Arnarstapi auf Snæfellsnes
Die Küste bei Arnarstapi: Basaltsäulen, Felsbögen und tosende Brandung (KI-generiert)

Die Küstenwanderung zwischen Arnarstapi und Hellnar gehört zu den schönsten kurzen Wanderungen in ganz Island. Der Weg ist nur 2,5 Kilometer lang (einfache Strecke), führt aber durch eine Landschaft, die den Atem stocken lässt. Steilklippen aus Basaltsäulen fallen 20 bis 30 Meter zum Meer ab, natürliche Felsbögen rahmen türkisfarbene Buchten ein, und tausende Seevögel nisten in den Felswänden.

In Arnarstapi steht die Skulptur von Bárður Snæfellsás, einer Sagengestalt, die halb Mensch und halb Troll gewesen sein soll. Die massive Steinfigur blickt aufs Meer hinaus und ist ein beliebtes Fotomotiv. Gleich daneben führt eine Treppe zu einer kleinen Bucht hinab, in der sich bei ruhiger See Robben sonnen.

Hellnar am anderen Ende des Weges ist ein winziges Dorf mit kaum mehr als einer Handvoll Häusern. Das Café Fjöruhúsið liegt direkt an der Klippe über einer geschützten Bucht und serviert Kaffee und hausgemachte Kuchen mit Meerblick. Bei Ebbe kann man in die Bucht hinabsteigen und die Höhle Baðstofa besichtigen, in der das Licht durch Öffnungen in der Decke fällt und die Wände in grünem Schimmer erstrahlen.

Der Wanderweg ist gut markiert und auch für Familien mit älteren Kindern geeignet. Man sollte etwa anderthalb Stunden für die einfache Strecke einplanen, da es viele Stellen gibt, an denen man einfach stehen bleiben und staunen muss. Der Rückweg kann auf demselben Pfad erfolgen oder man nimmt den Bus, der im Sommer zwischen den beiden Orten verkehrt.

Djúpalónssandur: Der schwarze Kieselstrand

Schwarzer Kieselstrand Djúpalónssandur auf Snæfellsnes
Djúpalónssandur: schwarze Kiesel, Lavafelsen und die Überreste eines Schiffswracks (KI-generiert)

Djúpalónssandur ist ein schwarzer Kieselstrand an der Westspitze der Halbinsel, umgeben von bizarren Lavaformationen und mit direktem Blick auf den Snæfellsjökull. Der Weg vom Parkplatz zum Strand führt durch ein Lavafeld, das mit Moos und Flechten bewachsen ist. Die Atmosphäre wirkt fast außerirdisch, besonders bei Nebel oder tiefhängenden Wolken.

Am Strand liegen verrostete Überreste des britischen Trawlers Epine GY7, der 1948 hier strandete. Die Metallteile sind absichtlich am Strand belassen worden und erinnern an die Kraft des Atlantiks. Man darf die Wrackteile nicht entfernen, sie stehen unter Denkmalschutz.

Besonders interessant sind die vier Hebsteine (Lyftisteinar), die am oberen Strand liegen. Früher mussten Fischer ihre Kraft an diesen Steinen beweisen, bevor sie auf ein Boot durften. Die Steine wiegen 23, 54, 104 und 154 Kilogramm. Wer den schwersten heben konnte, galt als „fullsterkur" (vollstark). Heute kann jeder Besucher sein Glück versuchen.

Insider-Tipp:

Wenige hundert Meter westlich von Djúpalónssandur liegt der Strand Dritvík, der noch einsamer ist. Hier fand einst das größte Fischfestival Islands statt, heute erinnern nur noch Mauerreste daran. Bei Ebbe kann man zwischen beiden Stränden an der Küste entlangwandern. Die Gezeiten vorher prüfen, da der Weg bei Flut nicht passierbar ist.

Búðarkirkja: Die schwarze Kirche

Búðarkirkja, die schwarze Kirche auf Snæfellsnes
Búðarkirkja: die berühmte schwarze Holzkirche inmitten der Lavalandschaft (KI-generiert)

Die Búðarkirkja ist eine der meistfotografierten Kirchen Islands. Das kleine schwarze Holzkirchlein steht allein auf einem Lavafeld an der Südküste der Halbinsel, umgeben von nichts als Moos, Gras und dem weiten Horizont. Die Kirche stammt ursprünglich aus dem 17. Jahrhundert, wurde aber in den 1980er Jahren restauriert.

Was die Búðarkirkja so besonders macht, ist ihre Isolation. Es gibt kein Dorf, keine Häuser in unmittelbarer Nähe, nur das benachbarte Hotel Búðir und die endlose Landschaft. Bei Sturm peitscht der Wind über das flache Lavafeld, und die kleine Kirche wirkt wie ein Trotzzeichen gegen die Elemente. Bei Sonnenuntergang oder unter Nordlichtern ist der Anblick schlicht magisch.

Die Kirche kann von außen jederzeit besichtigt werden. Im Inneren finden gelegentlich Hochzeiten und Konzerte statt, Besucher sind dann aber nicht zugelassen. Das Hotel Búðir nebenan gehört zu den besten Landhotels Islands und bietet ein hervorragendes Restaurant mit Blick auf den Snæfellsjökull.

Grundarfjörður und das Shark Museum in Bjarnarhöfn

Das Fischerdorf Grundarfjörður liegt am gleichnamigen Fjord, direkt zu Füßen des Kirkjufell. Rund 900 Menschen leben hier, und der Ort strahlt eine entspannte Gelassenheit aus, die typisch für isländische Küstendörfer ist. Im Hafen liegen bunte Fischerboote, es gibt einen kleinen Supermarkt, ein Schwimmbad und mehrere Unterkünfte.

Im Winter ist Grundarfjörður einer der besten Orte in Island für Orca-Beobachtung. Zwischen Januar und März kommen Schwertwale in den Fjord, um Heringe zu jagen. Mehrere Anbieter bieten Bootstouren an, bei denen man die Orcas aus nächster Nähe erleben kann. Die Sichtungsrate liegt in der Saison bei über 90 Prozent.

Etwa 20 Minuten östlich von Grundarfjörður liegt der Hof Bjarnarhöfn mit dem berüchtigten Shark Museum (Hákarlamuseumið). Hier wird seit Generationen Hákarl hergestellt, fermentierter Grönlandhai, eine isländische Spezialität, die international als eines der gewöhnungsbedürftigsten Lebensmittel der Welt gilt. Der Hai wird monatelang im Boden vergraben und dann an der Luft getrocknet, bis er den typischen ammoniakhaltigen Geschmack entwickelt.

Im Museum erklärt die Bauernfamilie Hildibrandsson den gesamten Herstellungsprozess und bietet natürlich auch Kostproben an. Der Eintritt kostet etwa 1.500 ISK (ca. 10 Euro) und ist jeden Krona wert, selbst wenn man den Hákarl nach dem ersten Bissen lieber mit einem Schluck Brennivín (isländischer Kümmelschnaps) herunterspülen möchte. Die Trocknungshütten auf dem Gelände riecht man schon von weitem.

Insider-Tipp:

Die Strecke zwischen Grundarfjörður und Ólafsvík über die Bergstraße 54 bietet an klaren Tagen spektakuläre Ausblicke auf den Snæfellsjökull. Kurz hinter dem Pass gibt es einen unmarkierten Parkplatz, von dem aus man in 20 Minuten zu einem kleinen Kratersee wandern kann, der auf keiner Touristenkarte verzeichnet ist. Im Sommer wachsen hier wilde Blumen am Ufer.

Praktische Tipps für Snæfellsnes

Tagesausflug oder Übernachtung? Ein Tagesausflug von Reykjavík aus ist möglich (die Fahrt dauert etwa 2 bis 2,5 Stunden pro Strecke), aber nicht empfehlenswert. Man verbringt dann vier bis fünf Stunden im Auto und hat kaum Zeit für die einzelnen Orte. Besser sind zwei bis drei Nächte in der Region. Gute Standorte sind Grundarfjörður (für Kirkjufell), Stykkishólmur (schöner Hafen, Fährverbindung zu den Westfjorden) und Arnarstapi (für die Südküste und den Nationalpark).

Beste Reisezeit: Juni bis September für Wanderungen, Küstenwege und lange Tage. Oktober bis März für Nordlichter über dem Kirkjufell und Orca-Beobachtung. Die Straßen auf der Halbinsel sind ganzjährig befahrbar, im Winter sollte man aber ein Fahrzeug mit Allradantrieb nehmen und die Wetterlage im Auge behalten.

Anreise: Von Reykjavík über die Straße 1 nach Norden, dann die 54 auf die Halbinsel. Die gesamte Rundfahrt um die Halbinsel beträgt etwa 200 Kilometer. Alternativ gibt es organisierte Bustouren ab Reykjavík (ca. 15.000 bis 25.000 ISK). Wer mit dem eigenen Mietwagen unterwegs ist, hat die größte Flexibilität.

Verpflegung: In Grundarfjörður, Ólafsvík und Stykkishólmur gibt es Supermärkte und Restaurants. Entlang der Südküste und im Nationalpark gibt es kaum Einkaufsmöglichkeiten, also Proviant einpacken. Das Restaurant im Hotel Búðir bietet gehobene Küche mit Meerblick, und in Stykkishólmur lohnt sich das Restaurant Sjávarpakkhúsið für frischen Fisch.

Routenempfehlung: Wer die Halbinsel im Uhrzeigersinn umrundet (Nordküste zuerst), hat am Nachmittag die Sonne im Rücken, wenn man die Südküste mit ihren Fotomotiven erreicht. Starte in Stykkishólmur, fahre über Grundarfjörður und Ólafsvík zum Nationalpark und weiter über Arnarstapi, Hellnar und Búðir zurück Richtung Reykjavík. Ein ganzer Tag reicht für eine Rundfahrt mit kurzen Stopps, zwei Tage sind ideal.

Insider-Tipp:

In Stykkishólmur am nördlichen Ende der Halbinsel legt die Fähre Baldur ab, die in drei Stunden über die Breiðafjörður-Bucht zu den Westfjorden fährt. Wer beide Regionen kombinieren möchte, spart damit eine sehr lange Autofahrt. Die Fähre hält unterwegs auf der Insel Flatey, einem zauberhaften Eiland mit bunten Häusern und nur fünf ganzjährigen Bewohnern.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026