Haustier nach Schweden mitnehmen
Inhaltsverzeichnis
- 1 Einreisebestimmungen: Was man braucht
- 2 EU-Heimtierausweis und Mikrochip
- 3 Tollwutimpfung und Gesundheitszeugnis
- 4 Mit dem Hund auf der Fähre
- 5 Autofahrt mit Haustier durch Dänemark
- 6 Tierarzt und Versicherung in Schweden
- 7 Hundegesetze und Leinenpflicht
- 8 Strände, Wälder und Natur mit Hund
- 9 Häufige Fragen
Wer nach Schweden auswandert oder für längere Zeit umzieht, lässt seinen Hund oder seine Katze nicht zurück. Die gute Nachricht: Die Einreise mit Haustier ist innerhalb der EU unkompliziert, wenn man ein paar Regeln beachtet. EU-Heimtierausweis, Mikrochip, gültige Tollwutimpfung. Das war es im Wesentlichen. Die Details sind trotzdem wichtig, denn wer etwas vergisst, steht an der Grenze oder auf der Fähre vor Problemen.
Ich habe selbst einen Hund mit nach Schweden gebracht und kann aus Erfahrung sagen: Es ist machbar, aber man sollte sich rechtzeitig vorbereiten. In diesem Artikel gehe ich auf alle Punkte ein, von der Einreise über die Fähre bis zum Alltag mit Hund in Schweden.
Einreisebestimmungen: Was man braucht
Schweden gehört zur EU. Für die Einreise mit Hund, Katze oder Frettchen aus einem anderen EU-Land gelten die EU-weiten Regelungen für den Reiseverkehr mit Heimtieren. Es gibt keine schwedischen Sonderregeln mehr. Früher, vor dem EU-Beitritt, hatte Schweden strenge Quarantänevorschriften. Die sind längst Geschichte.
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Was man braucht, ist klar geregelt:
- EU-Heimtierausweis (blauer Pass, ausgestellt vom Tierarzt)
- Mikrochip (ISO-Norm 11784/11785)
- Gültige Tollwutimpfung (mindestens 21 Tage vor Einreise)
- Identifikation: Der Chip muss vor der Tollwutimpfung implantiert worden sein
Mehr ist es nicht. Keine Wurmkur (die wurde 2018 abgeschafft), kein Gesundheitszeugnis, kein Antikörpertest. Zumindest nicht für die Einreise aus EU-Ländern wie Deutschland, Österreich oder der Schweiz (die Schweiz gilt hier als gleichgestellt).
Pro Person dürfen maximal fünf Tiere einreisen. Wer mehr hat, muss kommerzielle Einfuhrbedingungen erfüllen, das ist deutlich aufwendiger. Für die meisten Auswanderer ist das aber kein Thema.
EU-Heimtierausweis und Mikrochip
Den EU-Heimtierausweis bekommt man beim Tierarzt. Er kostet in Deutschland zwischen 10 und 15 Euro und enthält alle wichtigen Informationen: Name des Tieres, Mikrochipnummer, Impfungen, Name und Adresse des Halters. Der Tierarzt stellt ihn aus und trägt die Impfungen ein. Ohne diesen Pass kommt man nicht nach Schweden.
Der Mikrochip ist Pflicht. Er muss den ISO-Normen 11784 und 11785 entsprechen, was bei allen in Europa üblichen Chips der Fall ist. Wichtig: Der Chip muss implantiert sein, bevor die Tollwutimpfung erfolgt. Wenn man den Chip erst nach der Impfung setzen lässt, gilt die Impfung als ungültig und muss wiederholt werden. Das ist ein Fehler, den manche machen. Also: Erst chippen, dann impfen.
Die meisten Hunde und Katzen in Deutschland sind ohnehin gechipt. Wenn der Chip schon sitzt und die Tollwutimpfung aktuell ist, muss man nur den EU-Pass beim Tierarzt holen lassen, falls man noch keinen hat. Wer einen älteren gelben Impfpass hat, braucht den blauen EU-Pass zusätzlich.
Mein Tipp: Alle Unterlagen mindestens vier Wochen vor der geplanten Einreise beim Tierarzt abholen und prüfen. Ist der Chip lesbar? Ist die Tollwutimpfung gültig? Stimmen die Daten im Pass? An der Fähre oder am Zoll wird kontrolliert, und wer Fehler hat, wird im schlimmsten Fall zurückgeschickt.
Tollwutimpfung und Gesundheitszeugnis
Die Tollwutimpfung muss gültig sein. Für die Erstimpfung gilt: Das Tier muss mindestens 12 Wochen alt sein, und die Impfung muss mindestens 21 Tage vor der Einreise erfolgt sein. Auffrischungsimpfungen gelten sofort, wenn sie innerhalb des Gültigkeitszeitraums der vorherigen Impfung liegen.
Die Gültigkeitsdauer richtet sich nach dem verwendeten Impfstoff und steht im Heimtierausweis. Die meisten modernen Impfstoffe sind drei Jahre gültig. Manche nur ein Jahr. Der Tierarzt trägt das Gültigkeitsdatum ein. Vor der Reise prüfen, ob die Impfung am Tag der Einreise noch gültig ist.
Die Bandwurmbehandlung (Echinococcus-Behandlung), die Schweden früher verlangte, ist seit November 2018 abgeschafft. Man braucht also keine Wurmkur mehr vor der Einreise. Das war früher eine der nervigsten Regeln, weil die Behandlung innerhalb eines engen Zeitfensters (24 bis 120 Stunden vor Einreise) erfolgen musste.
Ein Gesundheitszeugnis vom Tierarzt (Veterinärbescheinigung) ist bei der Einreise aus EU-Ländern nicht nötig. Der EU-Heimtierausweis ersetzt es. Nur bei der Einreise aus Nicht-EU-Ländern (außer der Schweiz, Norwegen, Liechtenstein) braucht man zusätzliche Dokumente.
Mit dem Hund auf der Fähre
Die meisten Auswanderer kommen mit Auto und Fähre nach Schweden. Die beliebtesten Routen sind Puttgarden-Rödby (über Dänemark), Rostock-Trelleborg, Kiel-Göteborg und Travemünde-Malmö/Trelleborg. Alle großen Fährlinien erlauben Haustiere an Bord.
Stena Line (Kiel-Göteborg): Bietet Tierkabinen an, in denen der Hund in der Kabine bleiben darf. Die Überfahrt dauert etwa 14 Stunden (über Nacht). Die Tierkabinen sind etwas teurer als normale Kabinen, aber es lohnt sich. Der Hund schläft neben dem Bett, man muss ihn nicht allein im Auto lassen. Zusätzlich gibt es ein Hundedeck im Freien, wo der Hund Gassi gehen kann.
TT-Line (Travemünde-Trelleborg/Rostock-Trelleborg): Hunde dürfen in speziellen Tierkabinen mitfahren. Die Überfahrt von Travemünde dauert etwa 9 Stunden, von Rostock etwa 6 Stunden. Auf dem Autodeck gibt es einen Bereich, in dem Hunde angeleint kurz raus können. Tierkabinen frühzeitig buchen, vor allem im Sommer.
Scandlines (Puttgarden-Rödby): Die kurze Überfahrt (45 Minuten) kann der Hund im Auto verbringen. Es gibt ein kleines Freilaufdeck. Man fährt über die Fähre nach Dänemark und dann über die Öresundbrücke nach Schweden. Das ist die schnellste Route, aber man muss durch ganz Dänemark fahren.
Auf der Öresundbrücke selbst gibt es keine Kontrollen für Haustiere. Man fährt einfach rüber. Die Mautgebühr für die Brücke beträgt etwa 590 SEK (rund 52 Euro) für einen PKW.
Mein Rat: Für den Umzug mit viel Gepäck empfehle ich die Nachtfähre Kiel-Göteborg. Der Hund ist die ganze Nacht in der Kabine, schläft meistens gut, und man kommt ausgeruht in Göteborg an. Die Tierkabinen sind begrenzt, also mindestens sechs Wochen vorher buchen.
Autofahrt mit Haustier durch Dänemark
Wer über die Landroute fährt, kommt durch Dänemark. Auch dort gelten die EU-Heimtierregeln, also kein zusätzlicher Aufwand. Aber ein paar Dinge sollte man wissen.
Dänemark hat eine Liste verbotener Hunderassen. Wenn man einen Pitbull, Tosa Inu, Fila Brasileiro, Dogo Argentino oder eine andere der 13 verbotenen Rassen besitzt, darf man nicht durch Dänemark fahren. Auch Mischlinge dieser Rassen sind betroffen. Das ist kein schwedisches Problem (Schweden hat keine Rasseliste), aber die Durchreise durch Dänemark kann illegal sein. In dem Fall muss man eine direkte Fähre nach Schweden nehmen, die Dänemark umgeht.
Die Fahrt durch Dänemark dauert etwa drei bis vier Stunden (von der deutschen Grenze bis zur Öresundbrücke). Auf den dänischen Autobahnraststätten gibt es Hundewiesen. Regelmäßig anhalten, Wasser anbieten, kurz laufen lassen. Im Sommer niemals den Hund im Auto lassen, auch nicht kurz. Die Temperaturen steigen schnell auf gefährliche Werte.
In Schweden angekommen, gibt es normalerweise keine Grenzkontrollen. Man fährt über die Öresundbrücke und ist da. Gelegentlich gibt es Stichproben, bei denen Zöllner nach dem Heimtierausweis fragen. Also den Pass griffbereit haben, nicht im Koffer vergraben.
Tierarzt und Versicherung in Schweden
Die Tierarztkosten in Schweden sind höher als in Deutschland. Deutlich höher. Ein normaler Besuch beim Tierarzt (Veterinär) kostet ab 600 SEK, eine Kastration ab 3.000 SEK, eine Röntgenaufnahme ab 1.500 SEK. Notfälle am Wochenende oder nachts kosten schnell 5.000 bis 10.000 SEK. Wer aus Deutschland kommt, schluckt bei den ersten Rechnungen.
Deshalb haben die meisten Schweden eine Tierkrankenversicherung (Djurförsäkring). Die großen Anbieter sind Agria, Folksam, IF und Sveland. Agria ist Marktführer und hat einen guten Ruf. Eine Hundeversicherung kostet je nach Rasse, Alter und Deckung zwischen 200 und 600 SEK pro Monat. Katzen sind günstiger, etwa 100 bis 300 SEK.
Die Versicherung deckt in der Regel Tierarztkosten, Operationen und Medikamente ab. Manche Tarife beinhalten auch eine Haftpflichtversicherung für Hundeschäden. Die Selbstbeteiligung liegt je nach Tarif bei 1.500 bis 3.500 SEK pro Schadensfall plus einem prozentualen Anteil.
Mein dringender Rat: Schließt eine Tierkrankenversicherung ab, bevor ihr nach Schweden kommt oder direkt nach Ankunft. Wartet nicht, bis der erste Notfall passiert. Manche Versicherungen haben Wartezeiten von 20 Tagen. Bei Agria kann man den Hund online in zehn Minuten versichern, auch mit deutscher Adresse, wenn man den Umzug plant.
Einen Tierarzt findet man über hitta.se (das schwedische Gelbe Seiten) oder über die Webseite der Jordbruksverket (Landwirtschaftsbehörde). In größeren Städten gibt es Tierkliniken mit Notdienst rund um die Uhr. Auf dem Land muss man manchmal 30 bis 50 Kilometer fahren. AniCura und Evidensia sind die größten Klinikketten.
Hundegesetze und Leinenpflicht
Schweden hat kein Bundesgesetz zur Leinenpflicht, aber es gibt eine wichtige Regel: Vom 1. März bis 20. August gilt die sogenannte Kopplingstvång. In dieser Zeit müssen Hunde in der Natur angeleint sein, um Wildtiere und brütende Vögel zu schützen. Das gilt überall, wo Wildtiere vorkommen, also praktisch in der gesamten Natur.
Außerhalb dieser Zeit dürfen Hunde frei laufen, vorausgesetzt, sie stören kein Wild und bleiben unter Kontrolle. In der Praxis heißt das: Ein Hund mit gutem Rückruf kann im Herbst und Winter frei im Wald laufen. Ein Hund, der jedem Reh hinterherjagt, bleibt besser an der Leine.
In Städten regeln die Kommunen die Leinenpflicht individuell. In Stockholm gilt in den meisten Parks Leinenpflicht, aber es gibt ausgewiesene Hundfreilaufzonen (Hundrastgård). Das sind eingezäunte Bereiche, in denen Hunde frei spielen können. Jeder Stockholmer Stadtteil hat mindestens einen. In Göteborg und Malmö ist es ähnlich.
Schweden hat keine Rasseliste und keine Kampfhundverordnung. Alle Hunderassen sind erlaubt. Das ist ein Unterschied zu Deutschland, wo bestimmte Rassen in mehreren Bundesländern als gefährlich eingestuft sind. In Schweden wird der individuelle Hund beurteilt, nicht die Rasse.
Hundekot muss aufgesammelt werden. In Städten ist das Pflicht, auf dem Land wird es erwartet, zumindest auf Wegen. Schweden stellt überall Hundkottbeutel-Spender (Bajspåsar) auf, an Laternen, in Parks und am Waldeingang. Das System funktioniert, und man sieht fast nie Hundehaufen auf Gehwegen.
Strände, Wälder und Natur mit Hund
Schweden ist für Hunde das Paradies. Das sage ich ohne Übertreibung. 96.000 Seen, riesige Wälder, Tausende Kilometer Küste und das Jedermannsrecht, das einem erlaubt, fast überall in der Natur unterwegs zu sein. Kein Verbotsschild an jedem zweiten Baum wie in Deutschland.
An den Stränden gelten unterschiedliche Regeln. Viele Badestrände verbieten Hunde im Sommer (Juni bis August), aber die meisten haben ausgewiesene Hundebadestrände (Hundbadplats) in der Nähe. An der Westküste in Halland und an der Südküste in Skåne gibt es lange Sandstrände, an denen man im Herbst und Winter mit dem Hund stundenlang laufen kann, ohne eine Menschenseele zu treffen.
Die Seen sind oft das Highlight. Viele Seen in Schweden haben Ufer, die man frei betreten kann. Der Hund kann schwimmen, man sitzt auf einem Stein und trinkt Kaffee. In Småland, Dalarna und Värmland findet man Seen, an denen man den ganzen Tag keinen anderen Menschen sieht.
Im Winter ist Schweden für Hunde genauso toll. Der Schnee liegt in Nordschweden von November bis April. Die meisten Hunde lieben Schnee. Man kann auf zugefrorenen Seen spazieren (wenn die Eisstärke es erlaubt), durch verschneite Wälder wandern und in Lappland sogar Hundeschlittentouren machen.
Ein praktischer Tipp: Hundewälder. In vielen Gemeinden gibt es ausgewiesene Hundskogar (Hundewälder), eingezäunte Waldgebiete, in denen Hunde das ganze Jahr frei laufen dürfen. Die Flächen sind oft mehrere Hektar groß. Nicht zu vergleichen mit den kleinen Freilaufflächen in deutschen Städten. In Stockholm gibt es allein über 30 solcher Gebiete.
Packliste: Haustier-Umzug nach Schweden
- EU-Heimtierausweis (blau, aktuell)
- Impfpass-Kopie als Backup
- Transportbox oder Sicherheitsgurt fürs Auto
- Gewohntes Futter für die ersten Tage (schwedische Marken sind anders)
- Wassernapf und Wasser für die Fahrt
- Vertraute Decke oder Spielzeug
- Adresse der nächsten Tierklinik am neuen Wohnort
- Versicherungsunterlagen (falls schon abgeschlossen)
Häufige Fragen
Braucht mein Hund eine Wurmkur vor der Einreise nach Schweden?
Nein, seit November 2018 nicht mehr. Die Echinococcus-Behandlung (Bandwurmkur) wurde abgeschafft. Man braucht nur den EU-Heimtierausweis, den Mikrochip und eine gültige Tollwutimpfung. Keine zusätzlichen Behandlungen.
Kann ich meinen Hund im Sommer mit an den Strand nehmen?
An vielen Badestränden sind Hunde von Juni bis August nicht erlaubt. Aber fast jeder Ort hat einen ausgewiesenen Hundebadeplatz (Hundbadplats) in der Nähe. Außerhalb der Sommermonate sind die meisten Strände frei zugänglich mit Hund.
Gibt es in Schweden eine Rasseliste für Hunde?
Nein. Schweden hat keine Rasseliste und keine Kampfhundeverordnung. Alle Hunderassen sind erlaubt. Aber Vorsicht bei der Durchreise durch Dänemark: Dort gibt es eine Liste mit 13 verbotenen Rassen. Wer einen betroffenen Hund hat, muss eine direkte Fähre nach Schweden nehmen.
Wie teuer ist der Tierarzt in Schweden?
Deutlich teurer als in Deutschland. Ein normaler Besuch kostet ab 600 SEK (ca. 55 Euro), Notfälle schnell 5.000 bis 10.000 SEK. Eine Tierkrankenversicherung (200 bis 600 SEK/Monat für Hunde) ist dringend empfohlen. Agria, Folksam und IF sind die größten Anbieter.
Darf mein Hund auf der Fähre in der Kabine schlafen?
Ja, wenn man eine Tierkabine bucht. Stena Line, TT-Line und andere Fährgesellschaften bieten spezielle Kabinen an, in denen Haustiere erlaubt sind. Frühzeitig buchen, besonders im Sommer. Auf kurzen Fähren (z.B. Scandlines, 45 Min.) bleibt der Hund im Auto.
Muss ich meinen Hund in Schweden bei einer Behörde registrieren?
Es gibt keine gesetzliche Meldepflicht für Hunde in Schweden (anders als in einigen deutschen Bundesländern). Aber die meisten Hundehalter registrieren ihren Hund freiwillig bei der Jordbruksverket-Datenbank. Das hilft, wenn der Hund entläuft und gefunden wird.
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Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026





