Söderhamn
Söderhamn liegt an der Küste von Hälsingland, etwa 300 Kilometer nördlich von Stockholm. Die Stadt hat rund 12.000 Einwohner und ist die Hauptstadt der Gemeinde Söderhamn. Hier oben, wo das norrländische Schweden beginnt und die Küste aus Schärengärten und Fischerdörfern besteht, liegt ein Ort, den die meisten Reisenden auf dem Weg nach Norden überspringen. Zu Unrecht.
Söderhamn wurde 1620 als Waffenmanufakturstadt gegründet. Gustav II. Adolf brauchte Musketen für seine Kriege, und Söderhamn sollte sie liefern. Die Zeiten der Waffenproduktion sind vorbei, aber die Stadt hat sich immer wieder neu erfunden. Textilindustrie im 19. Jahrhundert, Flugwaffenstützpunkt im 20. Jahrhundert, und jetzt versucht sich Söderhamn als Kleinstadt mit Lebensqualität und Natur vor der Haustür zu positionieren.
Steckbrief Söderhamn
- Einwohnerzahl: ca. 12.000 (Gemeinde: ca. 25.000)
- Region: Gävleborgs län, Hälsingland
- Lage: an der Ostseeküste, ca. 300 km nördlich von Stockholm
- Gegründet: 1620 durch Gustav II. Adolf
- Bekannt für: Oscarsborg, Trönöbaden, Teknikland, Schärenküste
- Nächste größere Stadt: Gävle (ca. 100 km südlich)
- Fluss: Söderhamnsån
Eine Waffenstadt wird friedlich
Als Gustav II. Adolf 1620 die Gründung von Söderhamn anordnete, hatte er nur ein Ziel: Waffen. Schweden war eine Großmacht, führte Kriege in Deutschland, Polen und im Baltikum und brauchte dafür Nachschub. In Söderhamn sollte eine Gewehrfabrik entstehen. Die Lage am Fluss Söderhamnsån lieferte Wasserkraft für die Schmiede und Zugang zum Meer für den Transport.
Tipp: Berechne dein persönliches Reisebudget mit unserem Schweden-Reisekostenrechner.
Die Waffenmanufaktur prägte die Stadt über Jahrhunderte. Noch im 19. Jahrhundert war Söderhamn ein Rüstungsstandort. Dann kam die Textilindustrie dazu. Fabriken für Leinen und Baumwolle entstanden am Fluss. Die Stadt wuchs, bekam ein Stadtzentrum mit Steinbauten, eine Kirche, ein Theater.
Im 20. Jahrhundert wurde der Flugwaffenstützpunkt F15 zum größten Arbeitgeber. Saab Draken und Saab Viggen starteten von der Basis. Der Stützpunkt wurde 1998 geschlossen, und Söderhamn verlor auf einen Schlag Hunderte Arbeitsplätze. Es war ein Schock. Die Stadt reagierte, indem sie das ehemalige Militärgelände in ein Technikmuseum und Gewerbegebiet umwandelte. Aus dem Fliegerstützpunkt wurde das Teknikland.
Oscarsborg: Blick über die Stadt
Der Oscarsborg ist Söderhamns Wahrzeichen. Ein weißer Aussichtsturm auf dem Östra Berget (Östlicher Berg), direkt über der Stadt. Der Turm wurde 1895 erbaut und nach König Oscar II. benannt. Er steht auf einem bewaldeten Hügel und bietet einen Rundumblick, der bei klarem Wetter weit über die Schärenküste, das Stadtzentrum und die Waldlandschaft des Hinterlands reicht.
Der Aufstieg zum Turm dauert etwa 15 Minuten vom Stadtzentrum. Ein Weg führt durch den Stadtpark hinauf. Oben angekommen, steigt man die Treppen im Turm hoch (er ist nicht hoch, vielleicht 20 Meter) und hat dann den Blick. Im Osten sieht man die Schäreninseln bis zum offenen Meer. Im Westen die endlosen Wälder Hälsinglands. Dazwischen Söderhamn mit seinen roten Holzhäusern, dem Fluss und den Kirchturmspitzen.
Der Eintritt ist frei. Der Turm ist im Sommer täglich zugänglich, im Winter geschlossen. Neben dem Turm gibt es ein kleines Café mit Terrasse. Von hier oben versteht man, warum die Schweden sagen, Hälsingland sei Schwedens versteckte Mitte: nicht der dramatische Norden, nicht der reiche Süden, sondern etwas dazwischen. Ruhig, schön, unauffällig.
Trönöbaden und die Schärenküste
Trönöbaden liegt etwa 15 Kilometer östlich von Söderhamn an der Küste. Es ist der beliebteste Badeplatz der Region und einer der schönsten Sandstrände an Schwedens norrländischer Küste. Feiner, heller Sand, flaches Wasser und Kiefernwald direkt hinter dem Strand. Im Juli hat das Wasser 18 bis 20 Grad, warm genug für ein ausgiebiges Bad.
Trönö (so der Name der Insel, auf der der Strand liegt) ist mit dem Auto über eine Brücke erreichbar. Am Strand gibt es einen Kiosk, Umkleidekabinen und einen Campingplatz. Die Anlage ist einfach, aber gepflegt. Nichts Aufwändiges, kein Strandclubgefühl. Einfach Sand, Wasser und Ruhe. An Hochsommer-Wochenenden kommen Familien aus Söderhamn und den umliegenden Dörfern. Unter der Woche hat man den Strand oft für sich.
Die Schärenküste vor Söderhamn besteht aus Dutzenden kleiner Inseln. Manche bewohnt, manche nur von Möwen bevölkert. Mit einem Kajak oder einem kleinen Motorboot kann man die Schären erkunden. Die Touristeninformation vermittelt Bootstouren und Kajak-Verleih. Eine Halbtagestour kostet um die 600 SEK. Man paddelt zwischen den Inseln, sieht Seehunde auf den Felsen und Seeadler am Himmel. So stellt man sich Schwedens Küste vor.
Für Angler sind die Schären ein gutes Revier. Hecht, Barsch und Zander gibt es in den flachen Buchten zwischen den Inseln. Ein Fiskekort kostet je nach Gebiet 50 bis 150 SEK pro Tag. Die Touristeninformation hat Karten mit den besten Angelstellen. Im Herbst wird der Hecht aktiv, und Barsche in der 2-Kilo-Klasse sind keine Seltenheit.
Teknikland und F15 Flygmuseum
Das Teknikland liegt auf dem ehemaligen Luftwaffenstützpunkt F15, wenige Kilometer außerhalb der Stadt. Es ist ein Freiluftmuseum und Erlebnispark rund um Technik, Transport und Militärgeschichte. Das Kern ist das F15 Flygmuseum, das die Geschichte des Stützpunkts und der schwedischen Luftwaffe zeigt.
Im Flygmuseum stehen originale Kampfflugzeuge: Saab Draken, Saab Viggen, Saab Tunnan. Man kann in Cockpits klettern, Triebwerke aus der Nähe betrachten und erfährt, wie Schweden im Kalten Krieg seine Neutralität bewaffnet verteidigte. Die Ausstellung ist gut gemacht und auch für Besucher interessant, die sich nicht speziell für Militärtechnik begeistern.
Neben den Flugzeugen gibt es auf dem Gelände eine Oldtimer-Sammlung, eine Eisenbahnabteilung mit historischen Lokomotiven und ein Feuerwehrmuseum. Kinder können auf alten Traktoren sitzen, in einer nachgebauten Lok den Lokführer spielen und auf einem Go-Kart-Parcours fahren. Das Teknikland ist deutlich mehr als nur ein Museum: Es ist ein Tagesausflug für die ganze Familie.
Der Eintritt kostet 150 SEK für Erwachsene, 80 SEK für Kinder (6 bis 15 Jahre). Unter 6 frei. Das Gelände ist groß, man sollte mindestens drei bis vier Stunden einplanen. Im Sommer (Mitte Juni bis Mitte August) täglich geöffnet, sonst nur am Wochenende. Auf dem Gelände gibt es ein Café mit Sandwiches und Kaffee. Wer hier einen Regentag verbringen muss, verbringt ihn gut.
Altstadt und Stadtleben
Das Zentrum von Söderhamn ist kompakt und fußgängerfreundlich. Die Hauptstraße Köpmangatan führt vom Rathausplatz zum Fluss. Entlang der Straße stehen Geschäfte, Cafés und die Stadtkirche Ulrika Eleonora Kyrka, benannt nach einer schwedischen Königin. Die Kirche stammt von 1693 und hat einen hellen Innenraum mit barocken Elementen. Der Eintritt ist frei.
Am Fluss Söderhamnsån stehen die ältesten Gebäude der Stadt. Einige Holzhäuser aus dem 18. Jahrhundert haben die Brände überlebt, die Söderhamn mehrfach verwüsteten. Der letzte große Brand war 1876. Danach wurde die Stadt in Stein neu aufgebaut, was das heutige Straßenbild mit seinen Jugendstil-Fassaden erklärt.
Der Söderhamnsån fließt mitten durch die Stadt und mündet kurz darauf in die Ostsee. Am Flussufer kann man spazieren, im Sommer sitzen Leute auf Bänken mit Kaffeebecher in der Hand. Jeden Donnerstag im Sommer findet auf dem Rathausplatz ein Markt statt mit lokalen Produkten: Käse, Brot, Honig, Handwerk aus der Region.
Der Hafen liegt am Ausgang des Flusses und ist heute hauptsächlich ein Freizeithafen. Segelboote und Motorboote liegen an den Stegen. Im Sommer kommen Gastsegler auf dem Weg entlang der norrländischen Küste vorbei. Am Hafen gibt es ein Restaurant und einen Fischstand, der im Sommer Räucherfisch aus der Region verkauft. Geräucherter Saibling auf Knäckebrot mit einem Klecks Crème fraîche: So schmeckt Norrland.
Natur und Outdoor
Hälsingland ist Wald. Endloser, dichter, stiller Wald. Fichte und Kiefer, unterbrochen von Seen, Mooren und Flüssen. Söderhamn liegt am Übergang von Küste zu Wald, und beides ist in wenigen Minuten erreichbar. Wer wandern will, hat die Wahl zwischen Küstenpfaden und Waldwegen.
Der Söderhamnsleden ist ein markierter Wanderweg, der durch die Umgebung der Stadt führt. Mehrere Etappen, insgesamt rund 50 Kilometer. Man wandert durch Kiefernwald, entlang von Seen und über offene Heideflächen. Im Herbst sind die Wälder voller Pilze und Beeren. Pfifferlinge, Steinpilze, Blaubeeren und Preiselbeeren. Jedermannsrecht (Allemansrätten) erlaubt das Sammeln für den Eigenbedarf.
Radfahren ist entlang der Küste und auf den Nebenstraßen im Hinterland gut möglich. Die Straßen sind asphaltiert, der Verkehr gering. Eine schöne Tagesroute führt von Söderhamn über Trönö an die Küste und über kleine Dörfer zurück. Rund 40 Kilometer, flach bis hügelig. Fahrräder kann man in der Touristeninformation leihen (ca. 200 SEK pro Tag).
Im Winter ist die Landschaft verschneit und still. Langlaufloipen werden in der Umgebung gespurt. Die beliebteste Loipe führt rund um den Söderala, südlich der Stadt. 10 bis 20 Kilometer, je nach Route. Schneeschuhe kann man ebenfalls leihen. Und wer einfach nur die Ruhe sucht, setzt sich an einen der vielen Seen und hört dem Eis beim Knacken zu.
Hälsingegårdar: Welterbe nebenan
Hälsingland ist berühmt für seine Hälsingegårdar, die prächtigen Bauernhöfe, die seit 2012 zum UNESCO-Welterbe gehören. Sieben Höfe in der Region tragen den Titel. Die Bauern in Hälsingland waren im 18. und 19. Jahrhundert überraschend wohlhabend. Leinen und Flachs brachten gutes Geld. Und dieses Geld steckten sie in ihre Häuser.
Die Hälsingegårdar sind riesige Holzhöfe mit dutzenden Räumen, aufwändigen Wandmalereien und einer Pracht, die man in Bauernhäusern nicht erwartet. Die Festsäle waren mit biblischen Motiven, Blumenranken und geometrischen Mustern bemalt. Die Farben leuchten noch heute. Manche Höfe haben über 30 Zimmer. Es war ein Wettbewerb unter den Bauern: Wer den prächtigsten Hof hatte, gewann an Ansehen.
Die nächsten Welterbe-Höfe liegen etwa 30 bis 50 Kilometer von Söderhamn entfernt. Der Hof Gästgivars in Vallsta und der Hof Erik-Anders in Asta sind gut zugänglich. Im Sommer bieten die Höfe Führungen an (80 bis 100 SEK). Die Wandmalereien muss man gesehen haben. Es gibt nichts Vergleichbares in Skandinavien.
Anreise und praktische Tipps
Mit dem Zug: Söderhamn liegt an der Ostkustbanan (Ostküstenbahn) zwischen Stockholm und Sundsvall. Direktzüge fahren mehrmals täglich. Von Stockholm dauert die Fahrt etwa 3 Stunden, von Sundsvall rund 1,5 Stunden. Der Bahnhof liegt zentral.
Mit dem Auto: Söderhamn liegt an der E4, Schwedens Hauptverkehrsader von Stockholm nach Norrland. Von Stockholm sind es 300 Kilometer, Fahrzeit rund 3 bis 3,5 Stunden. Von Gävle sind es 100 Kilometer (ca. 1 Stunde). Parken in der Innenstadt ist kostenlos, in manchen Bereichen zeitlich begrenzt.
Übernachtung: Das Stadshotell am Rathausplatz bietet Zimmer ab ca. 800 SEK pro Nacht. Am Stadtrand gibt es ein Scandic Hotel. Für ein Ferienhaus an der Küste zahlt man 700 bis 1.200 SEK pro Nacht. Der Campingplatz in Trönö liegt direkt am Strand und bietet Stellplätze ab 250 SEK sowie einfache Stugor ab 500 SEK.
Verpflegung: Im Zentrum gibt es ein ICA und ein Coop für Selbstversorger. Restaurants sind überschaubar: Das Bolaget am Rathausplatz serviert schwedische Küche (Hauptgerichte 180 bis 280 SEK). Am Hafen gibt es im Sommer einen Fischstand. Cafés für Fika findet man entlang der Köpmangatan.
Beste Reisezeit: Juni bis August für Strand, Schären und Outdoor. September für Herbstfarben und Beerensaison. Das Teknikland hat in den Sommermonaten tägliche Öffnungszeiten. Im Winter ist Söderhamn ruhig, aber die Langlaufloipen sind gespurt, und die verschneite Landschaft hat ihren Reiz.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Oscarsborg in Söderhamn?
Ein weißer Aussichtsturm auf dem Östra Berget, dem Hügel über der Stadt. Erbaut 1895, benannt nach König Oscar II. Der Aufstieg dauert 15 Minuten, der Eintritt ist frei. Von oben hat man einen Rundumblick über Stadt, Schären und Waldlandschaft. Im Sommer täglich zugänglich.
Kann man in Söderhamn baden?
Ja. Trönöbaden, 15 km östlich der Stadt, hat einen der schönsten Sandstrände der norrländischen Küste. Feiner Sand, flaches Wasser, Kiefernwald im Rücken. Im Juli erreicht das Wasser 18 bis 20 Grad. Campingplatz und Kiosk sind vorhanden.
Was ist das Teknikland?
Ein Technik- und Freiluftmuseum auf dem ehemaligen Luftwaffenstützpunkt F15. Mit Kampfflugzeugen, Oldtimern, Lokomotiven und Aktivitäten für Kinder. Eintritt 150 SEK für Erwachsene. Im Sommer täglich geöffnet. Man sollte drei bis vier Stunden einplanen.
Wie kommt man von Stockholm nach Söderhamn?
Per Zug auf der Ostkustbanan in rund 3 Stunden (Direktverbindung). Per Auto auf der E4 in 3 bis 3,5 Stunden (300 km). Der Bahnhof liegt zentral in der Stadt. Züge fahren mehrmals täglich.
Was sind die Hälsingegårdar?
Prächtige Bauernhöfe in Hälsingland mit aufwändigen Wandmalereien, seit 2012 UNESCO-Welterbe. Sieben Höfe tragen den Titel. Die nächsten liegen 30 bis 50 km von Söderhamn entfernt. Im Sommer werden Führungen angeboten (80 bis 100 SEK).
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026
Lokale Tipps
Gut zu wissen
Dagens Lunch: Werktags 11-14 Uhr bieten fast alle Restaurants ein Tagesgericht für 120-160 SEK an, mit Salat, Brot und Kaffee. Abends zahlst du für das Gleiche das Doppelte.
Fika ernst nehmen: Setz dich um 10 oder 14 Uhr in ein lokales Café, bestell Filterkaffee und eine Kanelbulle. 20 Minuten Pause, nicht to go. So tickt Schweden.
Spartipp: Systembolaget (Alkoholladen) schließt samstags um 15 Uhr und ist sonntags zu. Vorplanen! Im Supermarkt gibt es nur Leichtbier unter 3,5%.





