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Henningsvær
Lofotens Venedig zwischen Fischerhäfen und Granitgipfeln

Henningsvær

14 Min. Lesezeit

Henningsvær liegt am äußersten Ende einer Kette von kleinen Inseln, die über Brücken mit der Hauptinsel Austvågøy verbunden sind. Man fährt über die Straße, und plötzlich hören die Berge auf und das Meer ist überall. Bunte Häuser auf Felsinseln, Fischerboote im Hafen, Trockengestelle für Stockfisch. Rund 500 Menschen leben hier ganzjährig. Im Sommer werden es deutlich mehr.

Den Spitznamen "Lofotens Venedig" hat sich Henningsvær redlich verdient. Der Ort verteilt sich auf mehrere Inseln, verbunden durch Brücken und Stege. Dazwischen Wasser, überall. Die Häuser stehen direkt am Kai, und man hört das Meer plätschern, egal wo man sich befindet. Im Gegensatz zu Venedig gibt es hier allerdings keine Gondeln. Dafür Fischerboote, Kajaks und gelegentlich einen Seeadler, der über den Hafen kreist.

Henningsvær gehört zur Gemeinde Vågan auf den Lofoten in Nordnorwegen. Die Anfahrt von der E10 dauert etwa 20 Minuten und führt über eine Straße, die zu den fotogensten des Landes gehört: links Meer, rechts Berge, vorne die Inseln. Im Winter, wenn Schnee auf den Gipfeln liegt und die Nordlichter über dem Hafen stehen, ist die Kulisse schwer zu überbieten.

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Henningsvær: Lofotens Venedig

Die Geschichte von Henningsvær ist die Geschichte der Lofoten-Fischerei. Seit dem 12. Jahrhundert kommen Fischer hierher, um am Lofotfiske teilzunehmen, dem großen Winterfischfang von Januar bis April. Dann laichen die Dorsche vor der Küste, und Fischer aus ganz Nordnorwegen strömen in die Hafenorte. In den besten Jahren drängten sich bis zu 6.000 Menschen in dem winzigen Ort. Boote lagen dicht an dicht, und die Luft roch nach Salz und Fisch.

Der Hafen von Henningsvær mit bunten Häusern und Fischerbooten
Der Hafen von Henningsvær mit den typischen Rorbuer am Kai (KI-generiert)

Heute ist die Fischerei noch da, aber der Tourismus hat aufgeholt. In den alten Lagerhäusern am Hafen sind Galerien, Restaurants und Geschäfte eingezogen. Die Umwandlung ist gelungen. Henningsvær fühlt sich nicht wie ein Freilichtmuseum an, sondern wie ein lebendiger Ort, in dem alte und neue Nutzungen nebeneinander bestehen.

Was sofort auffällt: Die Größe. Man kann den ganzen Ort in einer halben Stunde zu Fuß durchlaufen. Es gibt genau eine Hauptstraße, die am Hafen entlangführt. Links und rechts davon Gassen, die zu den Kais und Anlegern führen. Am Ende der Straße ein kleiner Platz mit ein paar Bänken. Dort sitzt man, trinkt Kaffee und guckt aufs Wasser. Mehr braucht es nicht.

Der Hafen und die Fischerei

Der Hafen ist in zwei Teile gegliedert. Der Indre Havn (innere Hafen) ist geschützt und ruhig, hier liegen die Vergnügungsboote und die kleinen Fischkutter. Der Ytre Havn (äußere Hafen) ist den größeren Booten vorbehalten. Im Winter, wenn das Lofotfiske beginnt, füllen sich beide Häfen. Dann riecht die Luft nach Diesel und Fisch, und am Kai werden Paletten voller Dorsch verladen.

Die Trockengestelle (Hjell) sind im Frühling voll behängt. Tausende Dorschköpfe und aufgehängte Fische trocknen in der salzigen Luft. Der Geruch ist intensiv, aber nicht unangenehm, wenn man sich daran gewöhnt. Die Stockfischproduktion ist seit dem Mittelalter ein wichtiger Wirtschaftszweig. Der getrocknete Fisch wird vor allem nach Italien und Nigeria exportiert. Ein guter Stockfisch erzielt Preise von 100 NOK pro Kilogramm und mehr.

Wer Lust hat, kann bei einem der lokalen Anbieter eine Fischfahrt buchen. Drei bis vier Stunden raus aufs Meer, Dorsch angeln, mit dem Boot zwischen den Inseln hindurch. Im Winter ist das Erlebnis besonders rau: kurze Tage, kalter Wind, aber gute Fänge. Im Sommer sanfter, mit Mitternachtssonne und ruhiger See. Die Boote starten direkt vom Hafen.

Der berühmte Fußballplatz

Der berühmte Fußballplatz von Henningsvær auf einer Felsinsel umgeben von Meer
Henningsværs Fußballplatz, einer der meistfotografierten Sportplätze der Welt (KI-generiert)

Der Fußballplatz von Henningsvær ist wahrscheinlich der meistfotografierte Sportplatz der Welt. Ein Kunstrasenfeld, eingequetscht zwischen Felsen auf einer kleinen Insel, umgeben von Meer auf allen Seiten. Von oben sieht es aus, als hätte jemand ein Spielfeld mitten in den Atlantik gelegt. Was auch ungefähr stimmt.

Das Bild ging um die Welt, als Drohnenfotografen es in den sozialen Medien verbreiteten. Seitdem ist der Platz ein Pilgerort für Fotografen. Die beste Perspektive bekommt man von den Felsen oberhalb des Platzes oder aus der Luft. Am Boden sieht man: ein ganz normales Fußballfeld, kleiner als gedacht, mit Kunstrasen und ein paar Flutlichtmasten. Die Einheimischen spielen hier tatsächlich noch. Donnerstags Abendtraining, wenn genug Spieler zusammenkommen.

Der Platz wurde 2017 renoviert und mit neuem Kunstrasen versehen. Vorher war es ein Kiesplatz, auf dem der Wind den Ball gerne mal ins Meer wehte. Die Fußballer von Henningsvær spielen in der untersten norwegischen Liga. Die Auswärtsfahrten zu den Spielen auf dem Festland dauern manchmal länger als das Spiel selbst. Trotzdem hält der Verein durch. Das muss man erstmal machen, mit 500 Einwohnern.

Klettern in Henningsvær

Kletterer an einer Granitwand bei Henningsvær mit Meerblick
Klettern am Granit bei Henningsvær mit Blick aufs Nordmeer (KI-generiert)

Henningsvær ist inzwischen eines der besten Kletterziele in Nordeuropa. Die Granitwände rund um den Ort bieten Routen für alle Schwierigkeitsgrade, von leichten Einsteigerwegen bis zu harten Mehrseillängen. Die Besonderheit: Man klettert mit Blick aufs offene Meer. Unter einem der Atlantik, über einem der Himmel. Die Felsen sind sauber, der Granit griffig, die Absicherung mit Bohrhaken gut.

Das Klettergebiet Kalle Wall, etwa zehn Autominuten von Henningsvær, hat über 100 Sportkletter-Routen. Die Wand fällt direkt ins Meer ab, und bei Flut leckt das Wasser an den untersten Griffen. Wer hier klettert, bekommt nasse Füße, wenn er nicht aufpasst. Die Routen reichen von 4b bis 8a (französisch) und sind im Kletterführer "Lofoten Rock" dokumentiert.

Für Anfänger und Familien bietet der lokale Klettershop Nord Norsk Klatreskole Kurse und geführte Touren an. Zwei bis drei Stunden am Fels, mit Ausrüstung und Instruktor. Man muss keine Vorkenntnisse haben. Die Guides kennen die einfachsten Routen und sorgen dafür, dass auch absolute Neulinge sicher nach oben kommen.

Erfahrene Kletterer sollten die Svolværgeita ins Auge fassen, die berühmte Ziegenfigur auf dem Svolværberg, gut eine Stunde von Henningsvær entfernt. Der Gipfel besteht aus zwei Felshörnern, zwischen denen man springen kann. Oder auch nicht. Wer den Sprung wagt, hat eine gute Geschichte. Wer ihn lässt, eine gesunde Portion Vernunft. Beides ist in Ordnung.

Galerien und Kultur

Kunstgalerie in einem alten Lagerhaus in Henningsvær
Galerie in einem historischen Lagerhaus am Hafen (KI-generiert)

Henningsvær hat für seine Größe eine erstaunliche Dichte an Galerien und Kunsträumen. Das Kaviar Factory, ein ehemaliges Fischverarbeitungsgebäude, beherbergt heute zeitgenössische Kunst von internationalem Rang. Wechselausstellungen mit Werken, die man eher in Oslo oder Berlin erwarten würde. Der Kontrast zwischen der rohen Industriearchitektur und den Kunstwerken funktioniert gut.

Die Galleriet i Lofoten zeigt Fotografien und Gemälde von Lofoten-Künstlern. Viel Landschaft, viel Meer, viel Licht. Die Bilder sind gut und nicht billig, aber wer ein Stück Lofoten mit nach Hause nehmen will, ist hier richtig. Im gleichen Gebäude gibt es einen kleinen Laden mit Kunstdrucken und Postkarten.

Lofoten Hus hat eine Dauerausstellung mit Gemälden von Karl Erik Harr, dem bekanntesten Lofoten-Maler. Seine Bilder zeigen das Meer in allen Stimmungen. Graue Sturmtage, goldene Abende, weiße Winternächte. Die Ausstellung kostet Eintritt (150 NOK) und ist jeden Tag geöffnet. Im oberen Stockwerk gibt es eine Ausstellung über das Lofotfiske mit historischen Fotos und Geräten.

Jeden Sommer findet in Henningsvær das Nordland Music Festival statt, bei dem klassische Musiker in den alten Lagerhäusern am Hafen auftreten. Die Akustik in den hohen Holzgebäuden ist überraschend gut, und Kammermusik neben Fischgeruch -- sehr norwegisch. Karten bekommt man online oder am Eingang, solange noch Plätze frei sind.

Rorbuer: Übernachten im Fischerhaus

Rote Rorbuer-Fischerhütten am Wasser in Henningsvær
Rorbuer am Wasser: die typische Lofoten-Unterkunft (KI-generiert)

Rorbuer sind die traditionellen Fischerhütten der Lofoten. Rot gestrichen, auf Pfählen über dem Wasser, mit Blick auf den Hafen. In Henningsvær gibt es mehrere Anbieter, die restaurierte Rorbuer als Unterkünfte vermieten. Die Ausstattung reicht von einfach (Stockbetten, Gemeinschaftsküche) bis luxuriös (Whirlpool auf der Terrasse, Fußbodenheizung). Die Preise spiegeln das wider: 800 NOK pro Nacht für eine einfache Hütte, bis zu 4.000 NOK für die Luxusvariante.

Henningsvær Rorbuer ist der größte Anbieter im Ort. 28 Hütten direkt am Hafen, alle renoviert, mit Küche und Wohnzimmer. Man sitzt auf der Veranda, trinkt seinen Kaffee und schaut den Fischern beim Ablegen zu. Abends kommt manchmal ein Otter vorbei. Oder ein Seeadler fliegt über den Hafen. Im Winter sieht man Nordlichter direkt von der Hütte aus.

Wer es moderner mag, bucht im Henningsvær Bryggehotell. Das Hotel liegt in einem renovierten Handelsposten aus dem 19. Jahrhundert und verbindet historische Architektur mit zeitgenössischem Design. Die Zimmer haben Meerblick, und das Restaurant im Erdgeschoss serviert lokale Küche auf hohem Niveau.

Camping ist in der Umgebung möglich, aber im Ort selbst gibt es keinen Campingplatz. Die nächsten Plätze sind in Kabelvåg, etwa 20 Minuten entfernt. Wildcamping auf den Lofoten ist grundsätzlich erlaubt, aber in Henningsvær selbst gibt es schlicht keinen Platz dafür. Alles ist bebaut oder Felsen.

Essen und Trinken

Das Fiskekrogen am Hafen ist das älteste Restaurant in Henningsvær und seit Jahrzehnten die Anlaufstelle auf den Lofoten. Hier bekommt man Stockfisch, Kabeljau, Heilbutt und Königskrabbe, alles frisch vom Hafen nebenan. Die Preise sind lofotentypisch hoch (Hauptgerichte 300 bis 500 NOK), aber die Qualität stimmt. Im Sommer sollte man reservieren. Im Winter hat man die Wahl zwischen drei Tischen.

Trevarefabrikken ist das hippe Gegenstück. Eine ehemalige Holzwarenfabrik, umgebaut zum Restaurant, Café und Laden. Die Küche ist modern nordisch: viel Fisch, viel Gemüse, kreative Zubereitung. Der Laden im gleichen Gebäude verkauft Designprodukte und Kleidung aus Norwegen. Das Café hat den besten Kaffee im Ort, geröstet von einer kleinen Rösterei aus Tromsø.

Für den schnellen Hunger gibt es Lysstøperiet, ein Café in einer alten Kerzenfabrik. Waffeln, Zimtschnecken, Suppe. Einfach, gut, bezahlbar. Der Laden an der Straße verkauft dazu selbstgemachte Kerzen. Ein Besuch lohnt sich, auch wenn man keinen Hunger hat.

Lofotpils, das lokale Bier, wird in der Mikrobrauerei in Svolvær gebraut und ist in Henningsvær überall erhältlich. Ein solides helles Bier, das gut zum Fisch passt. Wer Stärkeres will, findet in den Restaurants eine ordentliche Auswahl norwegischer und internationaler Weine. Alkohol ist in Norwegen teuer, das bleibt auch in Henningsvær so. Ein Bier im Restaurant kostet 100 bis 130 NOK.

Anreise und beste Reisezeit

Henningsvær erreicht man über die E10 und die Abzweigung bei Gimsøy. Die Straße nach Henningsvær ist gut ausgebaut und ganzjährig befahrbar. Der nächste Flughafen ist Svolvær/Helle (20 Minuten) oder Leknes (45 Minuten), beide mit Verbindungen nach Bodø und Oslo. Wer kein Auto hat, kann von Svolvær mit dem Bus fahren (Linie 510).

Die beste Reisezeit hängt davon ab, was man sucht. Juni bis August für Mitternachtssonne, Wandern und Klettern. September und Oktober für Herbstfarben und die ersten Nordlichter. Januar bis März für Lofotfiske, Nordlichter und Winterstimmung. April und Mai für den Übergang: Die Tage werden schnell länger, der Schnee schmilzt auf den Bergen, und die Trockengestelle sind voll mit Fisch.

Im Hochsommer (Mitte Juli) ist Henningsvær voll. Sehr voll. Die Straßen sind eng, die Parkplätze klein, und an manchen Tagen stehen mehr Touristen als Einheimische im Ort. Wer Ruhe will, kommt im Juni oder September. Das Wetter ist ähnlich, die Stimmung deutlich entspannter. Und die Unterkünfte kosten weniger.

Häufig gestellte Fragen

Wie viel Zeit braucht man für Henningsvær?

Einen halben Tag für den Ort selbst. Einen ganzen Tag, wenn man klettern oder eine Fischfahrt machen will. Zwei bis drei Tage, wenn man Henningsvær als Basis für die Umgebung nutzt. Es gibt genug zu tun.

Kann man auf dem Fußballplatz spielen?

Grundsätzlich ja, der Platz ist öffentlich. Aber bitte Rücksicht nehmen, wenn gerade Training oder ein Spiel stattfindet. Und den Ball nicht ins Meer schießen. Passiert öfter als man denkt.

Gibt es einen Supermarkt in Henningsvær?

Es gibt einen kleinen Joker-Laden mit Grundversorgung. Für größere Einkäufe fährt man nach Svolvær (20 Minuten) oder Kabelvåg (15 Minuten). Dort gibt es Rema 1000 und Coop.

Lohnt sich Henningsvær im Winter?

Auf jeden Fall. Das Lofotfiske bringt Leben in den Ort, die Nordlichter stehen über dem Hafen, und die Stimmung ist ganz anders als im Sommer. Weniger Touristen, mehr Authentizität. Allerdings sind einige Restaurants und Galerien geschlossen.

Wo parkt man in Henningsvær?

Am Ortseingang gibt es einen großen Parkplatz. Im Ort selbst ist Parken schwierig, die Straßen sind eng. Am besten das Auto am Eingang stehen lassen und zu Fuß gehen. Der Ort ist klein genug dafür.

Insider-Tipps Henningsvær

Lokale Tipps

Trevarefabrikken: Umgebaute Holzwarenfabrik, Restaurant und Kunstzentrum. Im Sommer Steinofen-Pizza mit Lofoten-Twist auf der Terrasse. Günstiger als Fine Dining.

Kaviar Factory: Ehemalige Kaviar-Fabrik, heute Galerie mit Weltklasse-Kunst. Eintritt frei, von den meisten übersehen.

Spartipp: Klatrekafeen (Klettercafé) hat Fr/Sa Live-Musik. Fischer und Kletterer statt Kreuzfahrt-Touristen. Legendäre Zimtschnecken.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026