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Fjordcruise in Norwegen
Die schönsten Bootstouren durch Norwegens Fjorde

Fjordcruise in Norwegen

14 Min. Lesezeit

Das Boot gleitet in den Fjord hinein, und die Welt wird still. Links und rechts steigen Felswande auf, hunderte Meter hoch, manche tausend. Wasserfaelle stuerzen von Kanten, die man von unten kaum sehen kann. Das Wasser ist so ruhig, dass die Berge sich darin spiegeln. Und ich stehe an Deck, mit einer Tasse Kaffee in der Hand, und denke: Das ist der Grund, warum Leute nach Norwegen kommen.

Mein erstes Fjordcruise war 2017 im Geirangerfjord. Ein kleines Boot, 30 Passagiere, zwei Stunden hin und zurück. Seitdem habe ich Fjordtouren in ganz Westnorwegen gemacht, auf großen Faehren und kleinen RIBs, im Sommer und im Winter. Jede Tour war anders, aber jede hat sich gelohnt.

Ein Fjordcruise ist die einfachste Art, die norwegischen Fjorde zu erleben. Man muss nicht wandern, nicht klettern, nicht selbst steuern. Man setzt sich auf ein Boot und laesst sich durch eine Landschaft fahren, die weltweit ihresgleichen sucht. Hier kommen die besten Touren.

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Warum ein Fjordcruise lohnt

Norwegens Fjorde sind tief eingeschnittene Meeresarme, die während der Eiszeit von Gletschern aus dem Fels geschliffen wurden. Manche sind über 200 Kilometer lang und bis zu 1.300 Meter tief. Die Fjorde reichen weit ins Landesinnere hinein, umgeben von Bergen, die bis zu 1.800 Meter aufragen.

Vom Wasser aus sieht man die Fjorde so, wie sie seit Jahrtausenden aussehen. Keine Straßen, keine Leitplanken. Nur Fels, Wasser und der Himmel darüber. An den steilen Flanken haengen manchmal verlassene Bauernhoefe, die seit Generationen nicht mehr bewohnt sind. Wasserfaelle stuerzen frei in die Tiefe, manche über 500 Meter.

Die Perspektive vom Boot ist etwas, das man von keinem Aussichtspunkt bekommt. Von oben sieht man die Form des Fjords, seine Windungen und Verzweigungen. Von unten, vom Wasser aus, spürt man die Größe. Die Felswande sind so hoch, dass man den Kopf in den Nacken legen muss, um die Kante zu sehen. Das laesst sich nicht fotografieren, das muss man erleben.

Ausflugsboot auf dem Geirangerfjord mit steilen Bergen im Hintergrund
Fjordcruise durch den Geirangerfjord mit seinen steilen Bergwaenden (KI-generiert)

Geirangerfjord: Der Klassiker

Der Geirangerfjord ist UNESCO-Welterbe und der beruehmteste Fjord der Welt. 15 Kilometer lang, eingeklemmt zwischen Bergen, die über 1.500 Meter hoch aufragen. Die Sieben Schwestern, sieben parallele Wasserfaelle, stuerzen auf der einen Seite herab. Gegenüber antwortet der Freier, ein einzelner Wasserfall, der aussieht, als würde er eine Flasche halten.

Die Standardtour startet in Geiranger und faehrt den Fjord hinunter bis Hellesylt (oder umgekehrt). Die Fahrt dauert etwa eineinhalb Stunden. Die große Faehre nimmt auch Autos mit, was praktisch ist, wenn man mit dem Auto unterwegs ist und den Fjord durchqueren will. Es gibt aber auch reine Ausflugsboote ohne Autos, die naeher an die Wasserfaelle heranfahren.

Wer mehr Action will, bucht eine RIB-Tour. Die schnellen Schlauchboote fahren mit 40 Knoten über den Fjord und direkt unter die Wasserfaelle. Man wird nass, es ist laut, und man spürt jeden Wellenberg. Nichts für empfindliche Magen, aber ein Riesenspass.

Im Sommer ist der Geirangerfjord voll. Mehrere große Kreuzfahrtschiffe liegen gleichzeitig vor Anker, und die kleinen Boote müssen drumherum navigieren. Wer den Fjord ruhiger erleben will, kommt im Mai oder September. Im Winter fahren nur wenige Boote, aber die Stimmung ist eine ganz andere: Schnee auf den Gipfeln, Eis an den Wasserfaellen. Kaum ein anderer Mensch weit und breit.

Naeroyfjord: Durch den schmalsten Fjord

Der Naeroyfjord ist der schmalste Fjord Norwegens und ebenfalls UNESCO-Welterbe. An seiner engsten Stelle misst er nur 250 Meter von Wand zu Wand. Die Berge ragen 1.200 Meter auf, und man hat das Gefuehl, durch eine Kathedrale aus Stein zu fahren. Das Licht faellt schraeg ein, und die Felswande werfen Schatten aufs Wasser.

Die beliebteste Tour verbindet den Naeroyfjord mit der Flamsbahn, einer der steilsten Eisenbahnstrecken der Welt. Man faehrt mit dem Boot von Gudvangen durch den Naeroyfjord und den Aurlandsfjord nach Flam, und von dort mit dem Zug hinauf nach Myrdal. Das Ganze laesst sich als Tagesausflug von Bergen aus machen und heißt "Norway in a Nutshell".

Boot auf dem schmalen Naeroyfjord zwischen steilen Bergwaenden
Durch den schmalen Naeroyfjord gleiten (KI-generiert)

Die Boote auf dem Naeroyfjord sind elektrisch. Seit 2021 setzt der Betreiber The Fjords vollelektrische Katamarane ein, die lautlos durch den Fjord gleiten. Das passt perfekt: Kein Motorenlaerm, keine Abgase, nur das leise Rauschen des Wassers am Bug. Die Vision Future of the Fjords und die Legacy of the Fjords sind moderne, flache Schiffe mit großen Panoramafenstern und Aussendecks.

Die Fahrt von Gudvangen nach Flam dauert etwa zwei Stunden. Unterwegs sieht man verlassene Hoefe, die an steile Haenge geklammert sind, Wasserfaelle und manchmal Ziegen auf schmalen Felsbaedern. An klaren Tagen spiegeln sich die Berge im Wasser, und die Grenze zwischen oben und unten verschwimmt.

Trollfjord: Wo die Berge ins Wasser fallen

Der Trollfjord in den Vesteraalen ist nur zwei Kilometer lang und 100 Meter breit. Er ist so eng, dass größere Schiffe Schwierigkeiten haben, sich darin zu drehen. Die Felswande steigen fast senkrecht aus dem Wasser empor. Oben, wo der Himmel einen schmalen Streifen bildet, nisten Seeadler.

Die Hurtigruten-Schiffe machen hier einen legendaeren Abstecher. Das Schiff faehrt langsam in den Fjord hinein, dreht am Ende und faehrt wieder raus. Die Passagiere stehen an Deck und staunen. Es ist einer der Hoehepunkte der Hurtigruten-Reise, und viele Passagiere sagen hinterher, dass der Trollfjord der staerkste Moment der ganzen Fahrt war.

Wer nicht mit den Hurtigruten unterwegs ist, kann den Trollfjord mit kleineren Booten ab Svolvaer auf den Lofoten erkunden. Die Touren dauern etwa drei Stunden und beinhalten oft auch eine Seeadler-Safari. Die Guides locken die Adler mit Fisch an, und die Voegel kommen bis auf wenige Meter ans Boot. Ein Schauspiel, das man nicht so schnell vergisst, auch wenn es natürlich inszeniert ist.

Boot im engen Trollfjord mit steil aufragenden Felswaenden
Der enge Trollfjord in den Vesteraalen (KI-generiert)

Lysefjord: Unter dem Preikestolen

Der Lysefjord bei Stavanger ist 42 Kilometer lang und bekannt für den Preikestolen, die beruehmte Felskanzel, die 604 Meter über dem Fjord thront. Vom Boot aus sieht man den Preikestolen als kleine Plattform hoch oben an der Felswand. Wer genau hinsieht, erkennt die winzigen Punkte auf der Kante. Das sind Menschen.

Die Bootstouren starten in Stavanger oder von Lauvvik am Eingang des Fjords. Die Standardtour faehrt den ganzen Fjord hinauf bis Lysebotn und zurück. Die Fahrt dauert etwa drei Stunden. Unterwegs passiert man den Preikestolen, den Hengjane-Wasserfall (400 Meter) und den Kjerag, unter dem Base-Jumper in die Tiefe springen.

Besonders empfehlenswert ist die Abendtour im Sommer. Das Licht faellt golden in den Fjord, die Felswande leuchten warm, und auf dem Rueckweg faehrt man in den Sonnenuntergang. Diese Touren sind weniger voll als die Tagestermine und haben eine ganz eigene Atmosphaere.

Hardangerfjord und Sognefjord

Der Sognefjord ist der laengste Fjord Norwegens (204 Kilometer) und der tiefste (1.308 Meter). Er reicht von der Küste bei Bergen bis weit ins Landesinnere, fast bis nach Jotunheimen. Der Sognefjord hat viele Seitenarme, von denen der Naeroyfjord und der Aurlandsfjord die bekanntesten sind.

Bootstouren auf dem Sognefjord starten ab Bergen, Flam oder Balestrand. Die Express-Faehre von Bergen nach Flam braucht fuenf Stunden und faehrt durch den gesamten Sognefjord. Das ist keine kurze Tour, aber eine, bei der man die schiere Größe des Fjords begreift. Die Landschaft wechselt von der offenen Küste zu immer engeren, hoeheren Bergen.

Der Hardangerfjord ist kuerzer (179 Kilometer), aber nicht weniger schön. Er ist bekannt für die Obstgaerten an seinen Ufern, die im Mai bluehen und den Fjord in ein weisses und rosafarbenes Bluetenband verwandeln. Bootstouren auf dem Hardangerfjord sind weniger dramatisch als auf dem Geirangerfjord, dafür sanfter und gruener.

Von Eidfjord aus starten Touren in den Simadalsfjord und zum Voringsfossen, einem der höchsten Wasserfaelle Norwegens. Der Voringsfossen stuerzt 182 Meter in die Tiefe, und vom Boot aus hat man einen Blick von unten auf den Wasserfall, den man sonst nirgends bekommt.

Passagiere an Deck eines Fjordbootes geniessen die Aussicht auf die Berge
Den Fjord vom Deck aus geniessen (KI-generiert)

Anbieter und Bootstypen

In Norwegen gibt es verschiedene Arten von Fjordbooten. Die größten sind die regulaeren Faehren, die Autos und Passagiere transportieren. Sie fahren nach Fahrplan und sind die guenstigste Möglichkeit, einen Fjord zu sehen. Allerdings halten sie nicht an besonderen Stellen und fahren nicht naeher an Wasserfaelle oder enge Seitenarme heran.

Die touristischen Ausflugsboote sind speziell für Sightseeing gebaut. Sie haben große Fenster, Aussendecks und oft eine Audioguide-Funktion, die auf Deutsch, Englisch und anderen Sprachen die Landschaft erklaert. Die Boote sind kleiner als Faehren (50 bis 300 Passagiere) und fahren langsamer, damit man mehr sieht.

RIB-Boote (Rigid Inflatable Boats) sind die sportliche Variante. Die schnellen Schlauchboote mit festem Rumpf nehmen 12 bis 20 Passagiere mit und fahren mit hoher Geschwindigkeit durch die Fjorde. Man traegt Rettungsweste und Schutzanzug und wird ordentlich nass. RIB-Touren sind teurer als normale Bootstouren, bieten aber ein intensiveres Erlebnis.

Die großen Anbieter für Fjordcruises sind: The Fjords (elektrische Katamarane auf dem Naeroyfjord und Geirangerfjord), Fjord1 (Faehren in ganz Westnorwegen), Rodne Fjordcruise (Lysefjord und Hardangerfjord), Hurtigruten (Trollfjord und die gesamte norwegische Küste) und diverse lokale Anbieter für RIB-Touren.

Preise und Buchung

Die Preise für Fjordcruises variieren je nach Fjord, Anbieter und Bootstyp. Regulaere Faehren kosten am wenigsten: Eine Fahrt über den Geirangerfjord (Geiranger nach Hellesylt) kostet ab 350 NOK für Fussgaenger, mit Auto ab 600 NOK.

Touristische Ausflugsboote liegen bei 500 bis 900 NOK für eine zweistuendige Tour. Die elektrischen Katamarane auf dem Naeroyfjord (Gudvangen nach Flam) kosten ab 600 NOK. Das Norway in a Nutshell Paket (Boot, Flamsbahn und Zug) gibt es ab 1.500 NOK ab Bergen.

RIB-Touren sind am teuersten: 1.200 bis 2.500 NOK pro Person für zwei bis drei Stunden. Dafür sind die Gruppen kleiner und das Erlebnis intensiver. Im Sommer sind die beliebten Touren schnell ausgebucht. Früher buchen ist besser, besonders für die Norway in a Nutshell Route und die RIB-Touren im Geirangerfjord.

Spartipp: Die regulaeren Faehren in Westnorwegen sind oft die guenstigste Möglichkeit, einen Fjord zu sehen. Sie fahren nach Fahrplan, sind nicht ausgebucht und bieten den gleichen Blick auf die Berge wie die teuren Ausflugsboote. Man bekommt nur keinen Audioguide und keinen Gluehwein dazu.

Wasserfall stuerzt direkt neben einem Fjordboot in den Fjord
Nah an einem Wasserfall vorbeifahren auf dem Fjordcruise (KI-generiert)

Die beste Jahreszeit für ein Fjordcruise

Die Hauptsaison laeuft von Mai bis September. Im Hochsommer (Juni bis August) sind die Tage lang, das Wetter am stabilsten und alle Touren im Programm. Allerdings ist es auch am vollsten. Die großen Fjorde wie der Geirangerfjord sind im Juli und August mit Kreuzfahrtschiffen und Touristen überlaufen.

Meine Empfehlung: Mai oder September. Im Mai sind die Wasserfaelle am kraeftigsten, weil die Schneeschmelze in vollem Gang ist. Die Obstbaeume am Hardangerfjord bluehen, und die Berge tragen noch weisse Kappen. Im September faerbt sich das Laub, die Menschenmassen sind weg, und die Preise fallen.

Wintertouren sind eine echte Geheimtipp-Sache. An einigen Fjorden (Geirangerfjord, Naeroyfjord, Trollfjord) fahren auch im Winter Boote, wenn auch seltener. Die Landschaft ist dann völlig anders: Schnee bis zum Wasser, Eis an den Felswanden, Stille. Und man hat den Fjord praktisch für sich allein. Warme Kleidung ist Pflicht, aber dafür hat man den Fjord für sich.

Für Fotografen sind die Übergangszeiten (Mai und September/Oktober) ideal. Das Licht ist weicher als im Sommer, die Farben intensiver, und die Chance auf dramatische Wolkenformationen ist hoeher. Im Sommer steht die Sonne hoch und wirft harte Schatten in die engen Fjorde.

Haeufige Fragen

Wird man auf einem Fjordcruise seekrank?

In den Fjorden normalerweise nicht. Die schmalen, geschuetzten Meeresarme sind fast immer ruhig, selbst wenn es draußen auf dem Meer stuermt. Auf den größeren Fjorden (Sognefjord, Hardangerfjord) kann es bei starkem Wind etwas Wellengang geben, aber nichts Vergleichbares mit dem offenen Meer.

Welcher Fjord ist der schönste für ein Cruise?

Geschmackssache. Für die dramatischste Landschaft: Geirangerfjord oder Naeroyfjord. Für ein intimes Erlebnis in enger Schlucht: Trollfjord. Für Wanderer, die den Preikestolen von unten sehen wollen: Lysefjord. Für ein Gesamtpaket mit Zug und Boot: Naeroyfjord plus Flamsbahn.

Wie lange dauert ein Fjordcruise?

Je nach Fjord und Route zwischen eineinhalb und fuenf Stunden. Die kuerzesten Touren (z.B. Geirangerfjord hin und zurück) dauern 90 Minuten. Die laengsten (z.B. Bergen nach Flam durch den ganzen Sognefjord) fuenf Stunden. RIB-Touren dauern meist zwei bis drei Stunden.

Muss man vorher buchen oder kann man spontan kommen?

Im Hochsommer (Juli/August) sollte man die beliebten Touren vorher buchen, besonders Norway in a Nutshell und RIB-Touren. Regulaere Faehren kann man fast immer spontan nehmen. In der Nebensaison (Mai, Juni, September) ist eine Buchung am Vortag meist ausreichend.

Gibt es Fjordcruises auch ab Oslo?

Der Oslofjord hat einige Bootstouren, aber die sind nicht vergleichbar mit den Westnorwegen-Fjorden. Für ein echtes Fjordcruise muss man nach Bergen, Stavanger, Alesund oder in die Region Sogn og Fjordane. Von Oslo aus ist Bergen am schnellsten erreichbar (Inlandsflug 1 Stunde, Zug 7 Stunden).

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026