Helgelandsküste
Inhaltsverzeichnis
- 1 Die Helgelandsküste: Norwegens Geheimtipp
- 2 Torghatten: der Berg mit dem Loch
- 3 Die Vega-Inseln: UNESCO-Welterbe
- 4 Svartisen: Norwegens zweitgrößter Gletscher
- 5 Die FV17: Norwegens Küstenstraße
- 6 Die Sieben Schwestern und andere Berge
- 7 Inseln und Fischerdörfer
- 8 Anreise und Reiseplanung
- 9 Häufig gestellte Fragen
Die Helgelandsküste erstreckt sich über 400 Kilometer zwischen Trøndelag und Nordland, zwischen dem 65. und 67. Breitengrad. Über 12.000 Inseln, Holme und Schären liegen vor der Küste. Dahinter ragen die Berge des Festlands auf, mit Gletschern, die fast bis ans Meer reichen. Trotzdem kennt kaum ein ausländischer Tourist diese Region. Die meisten fahren auf der E6 durch, ohne anzuhalten. Das ist ihr Fehler.
Helgeland ist Norwegens zweitgrößte Region. Rund 80.000 Menschen leben hier, verteilt auf eine Fläche fast so groß wie Belgien. Die Wirtschaft basiert auf Fischerei, Lachszucht und Aluminium. Mosjøen, Sandnessjøen und Brønnøysund sind die wichtigsten Städte, alle drei klein genug, um sie zu Fuß zu erkunden. Was hier fehlt: Touristenmassen und überfüllte Parkplätze. Was hier nicht fehlt: Landschaft, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommt.
Die Region liegt südlich der Lofoten und nördlich von Trondheim. Wer von Süd nach Nord fährt (oder umgekehrt), durchquert die Helgelandsküste ohnehin. Die Frage ist nur, ob man durchrast oder sich Zeit nimmt. Ich rate zu Letzterem.
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Die Helgelandsküste: Norwegens Geheimtipp
Geheimtipp klingt abgegriffen, aber für die Helgelandsküste stimmt es tatsächlich. In deutschen Reiseführern bekommt sie oft nur ein paar Seiten. In norwegischen dagegen füllt sie ganze Kapitel. Die Norweger kennen ihre Schätze. Viele haben hier ihre Hütten, ihre Boote, ihre Sommerplätze. Ausländer brauchen etwas länger, um die Region zu entdecken.
Die Geschichte Helgelands reicht weit zurück. Schon in der Wikingerzeit war die Küste ein wichtiger Handelsweg. Die Häuptlinge von Helgeland kontrollierten den Seeverkehr nach Norden und wurden wohlhabend durch den Pelzhandel mit den Sámi im Landesinneren. Auf der Insel Alstahaug steht die Kirche, in der der Barockdichter Petter Dass im 17. Jahrhundert als Pfarrer diente. Sein Werk "Nordlands Trompet" beschreibt das Leben an der Küste so lebendig, dass man meint, das Meer zu riechen.
Das Klima ist milder als man denkt. Der Golfstrom sorgt dafür, dass die Winter relativ warm bleiben und die Häfen eisfrei sind. Im Sommer werden es 15 bis 20 Grad, und die Sonne geht im Juni und Juli kaum unter. Ab dem 66. Breitengrad, also im nördlichen Teil Helgelands, scheint die Mitternachtssonne. An der Küste kann es allerdings windig werden. Sehr windig. Wetterfeste Kleidung ist Grundausstattung.
Torghatten: der Berg mit dem Loch
Der Torghatten ist das Wahrzeichen Helgelands. Ein Berg auf der Insel Torget, 258 Meter hoch, mit einem 160 Meter langen und 35 Meter hohen Loch mitten durch den Fels. Man kann hindurchgehen. Die Aussicht von innen: Meer auf beiden Seiten, Inseln am Horizont, Himmel oben. Die Sage erzählt, ein Troll habe den Hut mit einem Pfeil durchschossen. Die Geologie sagt, das Meer und Frost hätten den Granit in den Jahrtausenden nach der Eiszeit ausgefräst, als der Berg noch auf Meereshöhe lag.
Der Aufstieg zum Loch dauert etwa 20 Minuten vom Parkplatz. Der Weg ist gut ausgebaut, auch für Kinder machbar. Im Loch selbst liegt Geröll, und es kann feucht sein. Feste Schuhe also, keine Flipflops. Von dort kann man weiterwandern zum Gipfel, nochmal 30 Minuten. Oben hat man einen Rundblick über die gesamte Küste. An klaren Tagen sieht man die Sieben Schwestern am Horizont.
Die Insel Torget erreicht man über die FV17 und eine kurze Fährüberfahrt von Brønnøysund. Man kann den Besuch gut als Tagesausflug planen. Wer mehr Zeit hat, übernachtet auf der Insel oder in Brønnøysund und erkundet die Umgebung: die vorgelagerten Inseln, die Strände, die kleinen Fischerhäfen.
Die Vega-Inseln: UNESCO-Welterbe
Die Vega-Inseln sind seit 2004 UNESCO-Weltkulturerbe. Nicht wegen eines einzelnen Gebäudes oder Denkmals, sondern wegen der gesamten Kulturlandschaft. Über 6.500 Inseln und Schären, auf denen Menschen seit über 10.000 Jahren leben und die Natur nutzen, ohne sie zu zerstören. Das Besondere: die Tradition der Eiderdunensammlung. Seit dem 9. Jahrhundert bauen die Bewohner von Vega Nistplätze für Eiderenten, schützen die Vögel vor Raubtieren und sammeln nach der Brutzeit die kostbaren Daunen aus den Nestern. Eine Decke aus Eiderdaunen kostet mehrere tausend Euro.
Die Hauptinsel Vega hat etwa 1.200 Einwohner und ist mit der Fähre von Brønnøysund in eineinhalb Stunden erreichbar. Es gibt Straßen, ein paar Geschäfte und das Vega Welterbe-Zentrum, das die Geschichte der Eiderdunensammlung erklärt. Aber der eigentliche Reiz liegt auf den kleinen Außeninseln. Nes, Hysvær und Lånan sind nur mit dem Boot erreichbar und vermitteln ein Gefühl von Abgeschiedenheit, das man selten findet.
Im Sommer bieten lokale Bootsbetreiber Ausflüge zu den Außeninseln an. Man kann die alten Fischerhütten besichtigen und Seeadler beobachten. Oder einfach an menschenleeren Stränden sitzen. Auf Lånan gibt es ein Gasthaus, in dem man übernachten und die Arbeit der Eiderdunenbauern hautnah erleben kann. Im Juni sind die Nester voll, und man kann den Frauen zusehen, wie sie die Daunen vorsichtig aus den verlassenen Nestern sammeln. Ein Handwerk, das seit Generationen weitergegeben wird.
Svartisen: Norwegens zweitgrößter Gletscher
Der Svartisen ist Norwegens zweitgrößter Gletscher. 370 Quadratkilometer Eis, aufgeteilt in den Vestisen (westlichen) und den Østisen (östlichen) Teil. Der Clou: Seine Gletscherzunge reicht bis auf 20 Meter über den Meeresspiegel hinab. Das ist der tiefste Punkt aller Gletscher auf dem europäischen Festland. Man steht unten, schaut hoch und sieht blaues Eis, das sich über die Felswand herabschiebt.
Der Engenbreen, ein Gletscherarm des Vestisen, ist am leichtesten zugänglich. Von der Straße bei Holandsvika setzt man mit einem Boot über den Svartisvatnet über (im Sommer alle 30 Minuten) und wandert dann etwa 20 Minuten zur Gletscherzunge. Der Weg führt durch Gelände, das der Gletscher erst vor wenigen Jahrzehnten freigegeben hat. Polierte Felsen, Moränenreste, erste Pionierpflanzen. Man kann den Rückzug des Eises fast in Echtzeit beobachten.
Wichtig: Nicht aufs Eis gehen. Die Gletscherzunge ist instabil, es brechen regelmäßig Stücke ab. Die Absperrungen sind ernst gemeint. Wer den Gletscher aus der Nähe erleben will, ohne sich in Gefahr zu bringen, bucht eine geführte Tour mit Steigeisen und Seil. Anbieter gibt es in Meløy. Die Touren dauern vier bis sechs Stunden und führen über den Gletscher hinauf, vorbei an Spalten und Schmelzwasserbächen. Ein intensives Erlebnis, auch körperlich.
Der Gletscher schrumpft. Seit 1900 hat er sich um mehrere Kilometer zurückgezogen. Alte Fotos in der Svartisen-Ausstellung in Holandsvika zeigen, wie weit das Eis einst reichte. Die Veränderung ist dramatisch. Aber der Svartisen ist immer noch gewaltig, und der Anblick des blauen Eises vor dem Hintergrund der Berge und des Meeres bleibt im Gedächtnis.
Die FV17: Norwegens Küstenstraße
Die FV17, auch Kystriksveien (Küstenstraße) genannt, ist eine der schönsten Straßen Europas. Sie folgt der Helgelandsküste über 650 Kilometer von Steinkjer in Trøndelag bis Bodø in Nordland und verbindet Festland, Inseln und Halbinseln über sechs Fähren und unzählige Brücken. Die Fahrt dauert mindestens zwei Tage, besser drei oder vier. Man muss die Fährzeiten im Blick behalten, denn wer eine Fähre verpasst, wartet unter Umständen Stunden.
Die Straße ist schmal, kurvig und entschleunigend. Es gibt keine Alternative. Man kann nicht überholen, nicht hetzen. Man fährt, hält an, staunt, fährt weiter. An jeder Kurve ein neuer Blick auf Inseln, Fjorde, Berge. Die E6 im Landesinneren ist schneller, aber die FV17 ist die Reise.
Zu den Highlights entlang der Strecke gehören neben dem Torghatten und dem Svartisen die Überfahrt über den Rødøyløvet (mit Blick auf den Hestmannen, einen Bergformationsberg in Rittergestalt), die Passagen durch die Tomma-Insel und die Überfahrt von Kilboghamn nach Jektvik, eine der landschaftlich schönsten Fährstrecken des Landes.
Praktisch: Die Fähren akzeptieren Kreditkarten und AutoPass. Reservierungen sind auf den meisten Strecken nicht möglich. Man stellt sich in die Schlange und wartet. Im Hochsommer (Mitte Juli) kann es auf den kleineren Fähren eng werden. Wer flexibel ist, fährt unter der Woche oder früh morgens. Die Fährzeiten stehen auf der Website von Torghatten Nord und der Helgelandskysten.
Die Sieben Schwestern und andere Berge
Die Sieben Schwestern (De Syv Søstre) sind eine Bergkette auf der Insel Alsta bei Sandnessjøen. Sieben Gipfel in einer Reihe, zwischen 910 und 1.072 Meter hoch. Die Sage erzählt von sieben Trollfrauen, die von der aufgehenden Sonne versteinert wurden. Die Realität: sieben anspruchsvolle Gipfel, die man an einem langen Tag alle besteigen kann. Die Sieben-Schwestern-Tour ist ein Klassiker unter norwegischen Wanderern. 15 Kilometer, 3.000 Höhenmeter, 10 bis 14 Stunden.
Wer nicht alle sieben schaffen will oder muss, nimmt sich einen einzelnen Gipfel vor. Der Botnkrona (1.072 m), die höchste der Schwestern, ist auch als Einzeltour lohnend. Der Aufstieg von Sandnessjøen dauert vier bis fünf Stunden. Oben hat man einen Panoramablick über die gesamte Helgelandsküste.
Weitere lohnenswerte Berge in Helgeland: der Dønnamannen (858 m) auf der Insel Dønna, der Hestmannen (568 m) auf der gleichnamigen Insel und der Heilhornet (1.058 m) bei Brønnøysund. Alle bieten Küstenpanoramen, die man so nur in Helgeland bekommt. Berge und Inseln und Meer, alles auf einmal.
Inseln und Fischerdörfer
Die Inseln vor der Helgelandsküste sind ein eigener Kosmos. Træna, Norwegens älteste Fischergemeinde, liegt 33 Kilometer draußen im Atlantik. 500 Menschen leben hier ganzjährig. Im Juli findet das Trænafestival statt, ein Musikfestival in der freien Natur, bei dem Bands in Höhlen und auf Felsvorsprüngen spielen. Das Festival hat Kultcharakter und lockt Besucher aus ganz Norwegen an.
Lovund, weiter nördlich, ist bekannt für seine Papageientaucher-Kolonie. Zwischen April und August nisten über 100.000 Paare auf der Insel. Man kann sie vom Wanderweg aus beobachten, wie sie mit ihren bunten Schnäbeln voller Fisch zu den Nestern fliegen. Die Insel hat ein Hotel, einen Laden und eine Lachsfabrik. Mehr braucht es nicht.
Ylvingen, südlich von Sandnessjøen, ist eine autofreie Insel mit 30 Bewohnern und einem alten Handelsposten. Man kommt mit dem Boot und geht zu Fuß. Im Sommer kann man Kajaks mieten und die umliegenden Schären erkunden. Hier gibt es keinen Handyempfang, kein WLAN, nichts. Nur Wasser, Wind und Himmel. Wer das braucht, findet es hier.
In den Fischerdörfern entlang der Küste kann man in traditionellen Rorbu-Hütten übernachten und frischen Fisch direkt vom Fischer kaufen. Die Preise sind deutlich niedriger als auf den Lofoten. Die Qualität mindestens genauso gut.
Anreise und Reiseplanung
Die Helgelandsküste erreicht man am besten mit dem Auto über die E6 oder die FV17. Von Trondheim sind es über die E6 etwa vier Stunden nach Mosjøen. Wer fliegt, landet in Sandnessjøen (Stokka) oder Brønnøysund, beides kleine Flughäfen mit Verbindungen nach Oslo, Trondheim und Bodø. Die Hurtigruten-Schiffe stoppen in Brønnøysund, Sandnessjøen und Nesna.
Für die FV17 braucht man mindestens drei Tage. Besser fünf, wenn man Abstecher auf die Inseln und zum Svartisen einplant. Die Fähren kosten zwischen 100 und 300 NOK pro Auto, je nach Streckenlänge. Ein Wohnmobil oder ein Ferienhaus als Basis sind die besten Optionen. Die Region hat zahlreiche Campingplätze, viele direkt am Wasser.
Die beste Reisezeit ist Juni bis August. Im Juni ist es am längsten hell, im Juli am wärmsten, im August am ruhigsten. September bringt Herbstfarben und weniger Touristen, aber einige Fährverbindungen werden eingeschränkt. Im Winter ist die Region schön, aber viele touristische Angebote sind geschlossen.
Häufig gestellte Fragen
Lohnt sich die FV17 im Vergleich zur E6?
Kommt darauf an, was man will. Die E6 ist schneller und bringt einen in einem Tag durch. Die FV17 dauert drei bis fünf Tage, aber man sieht die Küste, die Inseln, die Berge. Wer Zeit hat, sollte die FV17 nehmen. Mindestens ein Teilstück.
Muss man die Fähren reservieren?
Auf den meisten Strecken gibt es keine Reservierung. Man kommt, stellt sich an und fährt mit. Im Hochsommer kann es auf kleinen Fähren Wartezeiten geben. Tipp: Fährzeiten vorher prüfen und flexibel bleiben.
Kann man den Svartisen-Gletscher ohne Guide besuchen?
Ja, man kann bis zur Gletscherzunge wandern. Aufs Eis gehen sollte man nur mit Guide und Ausrüstung. Die Bootsüberfahrt zum Engenbreen kostet etwa 150 NOK pro Person. Im Sommer fährt das Boot regelmäßig.
Wie kommt man auf die Vega-Inseln?
Die Fähre von Brønnøysund nach Vega (Igerøy) fährt mehrmals täglich und braucht eineinhalb Stunden. Auto kann mit. Für die Außeninseln braucht man lokale Boote, die im Sommer verkehren. Am besten vorher das Welterbe-Zentrum kontaktieren.
Ist die Region teuer?
Günstiger als die Lofoten oder die Fjordregion. Unterkünfte kosten 800 bis 1.500 NOK pro Nacht für ein Ferienhaus oder eine Rorbu-Hütte. Essen in Restaurants: 200 bis 400 NOK pro Hauptgericht. Die Fähren sind der größte Posten, aber überschaubar.
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026