Rentierschlitten in Lappland
Das Rentier vor dem Schlitten schaute mich kurz an, dann senkte es den Kopf und trabte los. Kein Ruck, kein Sprung, einfach ein ruhiges Vorwärtsbewegen, als hätte es das schon tausendmal gemacht. Das Tempo war überraschend gemächlich, vielleicht acht Stundenkilometer, und das Einzige, was man hörte, war das Knirschen der Kufen auf dem Schnee und das leise Klicken der Rentierhufe. Nach fünf Minuten hatte ich mich an den Rhythmus gewöhnt, lehnte mich in die Felle zurück und ließ die verschneite Landschaft an mir vorbeiziehen.
Rentierschlittenfahrten gehören zu den ruhigsten Winteraktivitäten in Lappland. Im Gegensatz zum Hundeschlitten, der mit Geschwindigkeit und Adrenalin punktet, ist der Rentierschlitten meditativ. Man sitzt, man schaut, man lässt sich ziehen. Für viele Besucher ist genau das der Reiz: Eine halbe Stunde lang nichts tun außer der Stille zuhören.
Rentierschlitten: Das Erlebnis
Die Rentierschlittenfahrt hat in Lappland eine lange Geschichte. Für die Sámi waren Rentiere über Jahrhunderte das wichtigste Transportmittel im Winter. Heute werden die Fahrten vor allem für Touristen angeboten, aber die Verbindung zur samischen Tradition bleibt spürbar. Die meisten Anbieter sind Sámi-Familien, die Rentierhaltung seit Generationen betreiben.
Beim Rentierschlitten sitzt man als Passagier in einem niedrigen Holzschlitten, eingewickelt in Rentierfelle und Decken. Ein einzelnes Rentier zieht den Schlitten auf einem vorgegebenen Trail. Das Tempo ist gemächlich, selten schneller als 10 Stundenkilometer. Lenken muss man nicht, das Rentier kennt den Weg und folgt dem Tier vor ihm. Der Guide fährt vorneweg und gibt das Tempo vor.
Im Vergleich zum Hundeschlitten ist die Rentierschlittenfahrt körperlich kaum anstrengend. Man sitzt und genießt. Das macht sie auch für ältere Reisende und kleine Kinder gut geeignet. Wer allerdings Action erwartet, wird hier nicht fündig. Der Rentierschlitten ist Entschleunigung in ihrer reinsten Form.
Die meisten Touren beinhalten mehr als nur die Schlittenfahrt selbst. Es gibt eine Einführung in die Rentierzucht, man kann die Tiere füttern und streicheln, und häufig erzählt ein Sámi-Guide über die Lebensweise seines Volkes. Am Lagerfeuer wird heißer Saft serviert, manchmal auch traditionelles Brot, das über dem Feuer gebacken wird.
Tourarten und Dauer
Die Angebote lassen sich in drei Kategorien einteilen:
Kurztour (30 bis 60 Minuten Schlittenfahrt): Die häufigste Variante. Man fährt eine Runde durch den Wald, oft über einen zugefrorenen See, hält am Lagerfeuer für einen heißen Drink und kehrt zur Farm zurück. Gesamtdauer mit Einführung und Tierbegegnung: etwa 1,5 bis 2 Stunden. Gut geeignet für Familien mit kleinen Kindern und Reisende, die einen ersten Eindruck gewinnen wollen.
Halbtagestour (2 bis 3 Stunden Schlittenfahrt): Längere Strecke durch die Wildnis, Mittagessen am Lagerfeuer. Man legt 10 bis 15 Kilometer zurück und bekommt ein besseres Gefühl für die Landschaft. Gesamtdauer: 4 bis 5 Stunden. Bei einigen Anbietern ist eine Führung durch das Rentiergatter mit Fütterung Teil des Programms.
Kombiangebote: Viele Anbieter kombinieren die Rentierschlittenfahrt mit anderen Aktivitäten: Hundeschlitten, Schneemobil, Eisangeln oder ein Besuch in einer samischen Siedlung. Diese Pakete dauern einen ganzen Tag und kosten zwischen 200 und 400 Euro pro Person.
Anbieter in Finnland
Finnisch-Lappland hat die größte Auswahl an Rentierschlitten-Anbietern. Rund um die Touristenorte Rovaniemi, Levi, Saariselkä und Inari gibt es zahlreiche Farmen.
Sirmakko Reindeer Farm bei Inari wird von einer Sámi-Familie in dritter Generation betrieben. Die Touren dauern zwischen einer und drei Stunden und führen durch die bewaldete Landschaft am Inarisee. Was hier auffällt: Die Gruppe bleibt klein (maximal acht Schlitten), und der Guide nimmt sich Zeit für Fragen zur Rentierzucht und samischen Lebensweise. Preis ab 80 Euro für eine Stunde.
Petri Mattus Reindeer Farm bei Levi bietet Kurztouren und Halbtagesfahrten an. Die Farm ist beliebt bei Familien, weil die Tiere zahm sind und sich gerne füttern und streicheln lassen. Die Tour beinhaltet eine Fahrt durch den Wald, Lagerfeuer mit warmem Saft und eine Einführung in die Rentierzucht. Preis ab 70 Euro für eine Stunde.
Santa Claus Reindeer in Rovaniemi richtet sich vor allem an Familien mit kleinen Kindern. Die Verbindung zum Weihnachtsmann-Dorf liegt nahe, und die Touren sind entsprechend kurz und unkompliziert. Preis ab 50 Euro für 30 Minuten. Wer ein authentischeres Erlebnis sucht, fährt besser weiter nach Norden.
Jaakkola Reindeer Farm bei Muonio bietet neben Schlittenfahrten auch Übernachtungen in traditionellen Gamme-Zelten an. Die Farm liegt abgelegen, was den Touren eine ruhige Atmosphäre gibt. Preis für die Halbtagestour ab 130 Euro.
Anbieter in Schweden und Norwegen
In Schwedisch-Lappland ist das Angebot kleiner, dafür oft persönlicher. Die Region um Kiruna und Jokkmokk hat die meisten Anbieter.
Nutti Sámi Siida bei Jukkasjärvi (nahe dem Icehotel) ist einer der bekanntesten Anbieter. Die Touren werden von Sámi-Guides geführt und beinhalten einen Besuch im samischen Camp mit Erzählungen über die Kultur und Geschichte der Rentiervölker. Die Schlittenfahrt führt über einen zugefrorenen See mit Blick auf die Berge. Preis ab 120 Euro für 1,5 Stunden.
Jokkmokk Guiderna in Jokkmokk bieten Rentierschlittenfahrten im Rahmen ihres Winterprogramms an. Die Region südlich des Polarkreises ist weniger touristisch als Kiruna, was die Touren ruhiger macht. Preis ab 100 Euro für eine Stunde.
In Nordnorwegen bieten Sámi-Familien bei Tromsø und in der Finnmark Rentierschlittenfahrten an. Tromsø Arctic Reindeer auf der Insel Kvaløya verbindet die Schlittenfahrt mit einer Vorführung samischer Joik-Gesänge und einem Essen im Lavvu (samisches Zelt). Preis ab 150 Euro für 2,5 Stunden.
Boazovázzi bei Kautokeino in der norwegischen Finnmark ist eine samische Familie, die ihre Rentiere nach traditioneller Art hält. Die Touren sind klein, persönlich und weit weg vom touristischen Mainstream. Preis ab 120 Euro für zwei Stunden.
Preise und Buchung
Eine Übersicht der gängigen Preise für Rentierschlittenfahrten in Lappland:
- Kurztour (30 bis 60 Minuten): 50 bis 100 Euro pro Person
- Standardtour (1 bis 1,5 Stunden): 80 bis 150 Euro
- Halbtagestour (2 bis 3 Stunden): 130 bis 200 Euro
- Kombiangebot (ganzer Tag mit weiterer Aktivität): 200 bis 400 Euro
In den Preisen sind meistens thermische Overalls und warme Stiefel enthalten. Der Transfer vom Hotel zur Farm ist bei den meisten Anbietern inklusive, besonders bei den größeren Touristenorten.
Buchungszeitpunkt: In der Hauptsaison (Dezember bis März) sollte man zwei bis drei Monate im Voraus buchen, vor allem in den Weihnachtswochen und im Februar. Kurztouren bekommt man oft noch kurzfristig, Halbtagestouren sind schneller ausgebucht. Buchen kann man direkt über die Websites der Anbieter oder über das Hotel vor Ort.
Die Rentiere und die Sámi-Kultur
In Lappland leben rund 200.000 halbwilde Rentiere. Sie gehören Sámi-Familien, die sie im Sommer frei auf den Weideflächen laufen lassen und im Herbst für den Winter zusammentreiben. Nicht alle Rentiere eignen sich als Zugtiere. Die Tiere, die vor den Schlitten gespannt werden, sind speziell trainiert und an den Kontakt mit Menschen gewöhnt.
Rentiere sind von Natur aus ruhige Tiere. Sie werden nicht angetrieben, sondern gehen ihr eigenes Tempo. Wenn ein Rentier stehen bleiben will, bleibt es stehen, da hilft kein Schimpfen. Diese Eigenständigkeit ist Teil des Erlebnisses und für manche Besucher gewöhnungsbedürftig. Man gibt die Kontrolle ab und lässt das Tier entscheiden.
Bei vielen Anbietern ist die Sámi-Kultur Teil des Programms. Man erfährt, wie die Rentierherden markiert werden, warum das Geweih jedes Jahr abfällt und nachwächst, und welche Rolle die Tiere im samischen Alltag spielen. Einige Anbieter zeigen traditionelles Handwerk wie die Herstellung von Messern oder Kleidung aus Rentierleder. Diese kulturellen Elemente machen die Tour zu mehr als nur einer Schlittenfahrt.
Praktische Tipps
Kleidung: Die meisten Anbieter stellen Overalls, Stiefel und Handschuhe. Darunter trägt man am besten Thermounterwäsche und eine warme Mittelschicht aus Wolle oder Fleece. Baumwolle vermeiden, weil sie Feuchtigkeit speichert. Beim Rentierschlitten sitzt man still und kühlt schneller aus als beim Hundeschlitten, wo man sich durch das Steuern bewegt.
Fotografieren: Beim Rentierschlitten hat man beide Hände frei und kann problemlos fotografieren. Das Tempo ist langsam genug für scharfe Bilder. Allerdings: Bei Temperaturen unter minus 15 Grad entleert sich der Handyakku schnell. Das Handy am besten in einer Innentasche nahe am Körper tragen und nur zum Fotografieren herausnehmen.
Kinder: Rentierschlittenfahrten sind für Kinder ab etwa drei Jahren geeignet. Sie sitzen im Schlitten bei einem Erwachsenen, eingepackt in Felle. Die Geschwindigkeit ist gering und der Rhythmus beruhigend. Viele Kinder genießen das Füttern der Tiere nach der Tour mehr als die Fahrt selbst.
Beste Reisezeit: Dezember bis März, wobei Februar und Anfang März die besten Lichtverhältnisse bieten. Im Dezember und Januar herrscht in Nordlappland die Polarnacht, was bedeutet, dass die Touren in der Dämmerung stattfinden. Das hat seinen eigenen Reiz, aber für Fotos ist mehr Tageslicht besser.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Rentierschlitten und Hundeschlitten?
Das Tempo. Hundeschlitten sind schneller (15 bis 25 km/h) und man steuert selbst. Beim Rentierschlitten sitzt man als Passagier und lässt sich mit 5 bis 10 km/h ziehen. Hundeschlittenfahrten sind sportlicher und aufregender, Rentierschlittenfahrten ruhiger und meditativer. Beide Erlebnisse ergänzen sich gut, viele Besucher buchen beides.
Wie viel kostet eine Rentierschlittenfahrt in Lappland?
Kurztouren von 30 bis 60 Minuten kosten zwischen 50 und 100 Euro pro Person. Standardtouren von 1 bis 1,5 Stunden liegen bei 80 bis 150 Euro. Halbtagestouren mit Mittagessen am Lagerfeuer kosten 130 bis 200 Euro. Thermische Kleidung und Hoteltransfer sind in der Regel im Preis enthalten.
Ist die Rentierschlittenfahrt für kleine Kinder geeignet?
Ja, die meisten Anbieter nehmen Kinder ab drei Jahren mit. Sie sitzen im Schlitten bei einem Erwachsenen und sind in Felle und Decken eingepackt. Das ruhige Tempo und der gleichmäßige Rhythmus sind für kleine Kinder gut geeignet. Viele Anbieter haben auch ein Streichelgehege, wo Kinder die Rentiere füttern können.
Werden die Rentiere gut behandelt?
Bei den meisten Anbietern ja. Die Rentiere werden nicht angetrieben, sondern gehen ihr eigenes Tempo. Sie sind halbwild und verbringen den Großteil des Jahres auf der Weide. Seriöse Anbieter begrenzen die Anzahl der täglichen Touren und lassen die Tiere regelmäßig ruhen. Achte auf kleine Familienbetriebe, die ihre Tiere über Generationen kennen, das ist ein guter Indikator für verantwortungsvolle Haltung.
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Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026