Seyðisfjörður
Seyðisfjörður liegt am Ende eines 17 Kilometer langen Fjords in Ostisland und hat 700 Einwohner. Was den Ort berühmt macht, ist die Kombination aus dramatischer Natur und einer Kreativszene, die man in einem so kleinen Ort nicht erwarten würde. Die Regenbogenstraße, die zur blauen Holzkirche hinaufführt, ist eines der meistfotografierten Motive Islands.
Seyðisfjörður ist gleichzeitig Islands einziger internationaler Fährhafen. Die Smyril Line verbindet den Ort mit den Färöer-Inseln und Dänemark. Viele Islandreisende kommen hier an, und der erste Eindruck ist unvergesslich: Die Straße windet sich vom Pass Fjarðarheiði (über 600 Meter Höhe) durch 17 Kehren hinunter in den Fjord, vorbei an Wasserfällen und steilen Felswänden.
Was Seyðisfjörður besonders macht
Der Ort wurde im 19. Jahrhundert von norwegischen Fischern gegründet, die die Heringsschwärme im Fjord anlockten. Die norwegischen Holzhäuser prägen das Stadtbild bis heute. Viele wurden liebevoll restauriert und in kräftigen Farben gestrichen. Das ergibt ein Bild, das eher an einen norwegischen Fjordort als an ein isländisches Fischerdorf erinnert.
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Ab den 1990er Jahren zog Seyðisfjörður Künstler an. Die niedrigen Mieten, die Abgeschiedenheit und das Licht lockten Maler, Musiker und Kunsthandwerker. Heute gibt es mehr Galerien und Ateliers pro Einwohner als in jedem anderen Ort Islands.
Die Regenbogenstraße und die Blaue Kirche
Die Seyðisfjarðarkirkja, eine hellblaue Holzkirche von 1922, steht am oberen Ende der Hauptstraße. Die Straße davor wurde mit in Regenbogenfarben bemalten Pflastersteinen gestaltet. Das Motiv ist ein Symbol für Offenheit und Toleranz und wurde schnell zum Wahrzeichen des Ortes. Im Sommer führen die Farben direkt auf die Kirchentür zu.
Die Kirche selbst ist schlicht und schön: weiße Wände, Holzbänke, einfache Glasfenster. Im Sommer finden hier mittwochs Konzerte statt, oft klassische Musik oder isländische Folk-Lieder.
Insider-Tipp: Das beste Foto der Regenbogenstraße bekommt man früh morgens, bevor die Tagesausflügler kommen. Dann ist die Straße menschenleer und das Licht weich. Regentage sind ebenfalls fotogen, weil die nassen Pflastersteine die Farben stärker reflektieren.
Kunst und Kultur
Das Skaftfell Center for Visual Art ist Ostislands wichtigstes Kunstzentrum. Es zeigt wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst und bietet Künstlerresidenzen an. Im gleichen Gebäude befindet sich das Skaftfell Bistro, ein Café mit Ausstellungsfläche.
Jeden Mittwoch im Sommer findet der LungA Festival Market statt, ein kleiner Kunstmarkt mit lokalen Produkten, Keramik, Strickwaren und Lebensmitteln. Das LungA Kunstfestival selbst findet jährlich Mitte Juli statt und verwandelt den ganzen Ort für eine Woche in eine Bühne für Performances, Installationen und Konzerte.
Das Technisches Museum (Tækniminjasafnið) in einer alten Fischfabrik am Hafen zeigt Maschinen und Geräte aus der Geschichte der Fischverarbeitung und Telekommunikation in Island. Klingt trocken, ist aber überraschend spannend, weil es die Isolation zeigt, in der Orte wie Seyðisfjörður jahrzehntelang lebten.
Wanderungen rund um den Fjord
Der Klassiker ist die Wanderung zum Wasserfall Gufufoss, der direkt an der Straße nach Egilsstaðir liegt, nur zwei Kilometer vom Ortszentrum. 22 Meter hoch, frei zugänglich und besonders beeindruckend nach Regenfällen.
Ambitionierter ist die Wanderung zum verlassenen Hof Vestdalur. Der Weg führt entlang der Nordseite des Fjords durch grüne Wiesen und Birkenwälder. Hin und zurück etwa drei Stunden. Im Tal gibt es einen kleinen See und einen Wasserfall.
Für erfahrene Wanderer ist die Route über den Strandartindur (1.010 m) eine Herausforderung. Vom Gipfel sieht man an klaren Tagen bis zum Vatnajökull. Der Aufstieg dauert etwa vier Stunden und erfordert gute Kondition.
Insider-Tipp: Am Südufer des Fjords, etwa auf halber Strecke zum Meer, liegt eine alte Fischerhütte. Im Sommer kann man dort sitzen und den Fjord beobachten. Kein Schild, kein Weg, nur eine Trampelpfad. Von der Straße 93 bei Kilometer 12 abbiegen.
Die Smyril Line Fähre
Die MS Norröna der Smyril Line verbindet Seyðisfjörður mit Tórshavn (Färöer) und Hirtshals (Dänemark). Die Fähre legt einmal pro Woche an, typischerweise donnerstags. Die Überfahrt von Hirtshals über Tórshavn nach Seyðisfjörður dauert insgesamt drei Tage.
Für Reisende mit eigenem Auto ist die Fähre eine echte Alternative zum Flug. Man kann einen Campervan oder PKW mitnehmen und spart sich die Mietwagenkosten in Island. Die Fahrzeugmitnahme ist allerdings nicht billig: Ab etwa 500 Euro für einen PKW in eine Richtung.
Essen und Übernachten
Das Nordic Restaurant im Hotel Aldan serviert gehobene isländische Küche mit Fisch und Lamm. Das Skaftfell Bistro bietet leichtere Gerichte, Kuchen und guten Kaffee in kreativer Atmosphäre. Für Schnelles gibt es Kaffi Lára mit Suppen und Sandwiches.
Das Hotel Aldan verteilt sich auf drei historische Gebäude im Zentrum und ist die beste Adresse im Ort. Das Hafaldan HI Hostel in einem alten Krankenhaus bietet günstige Betten. Der Campingplatz liegt am Fluss und hat eine Waschküche und warme Duschen.
Anreise
Von Egilsstaðir (dem nächsten größeren Ort) sind es 27 Kilometer über die Route 93. Die Straße führt über den Pass Fjarðarheiði (620 m). Im Winter kann der Pass gesperrt sein. Von Reykjavík aus sind es 670 Kilometer (ca. 8 Stunden) über die Ringstraße.
Häufige Fragen
Lohnt sich Seyðisfjörður auch ohne Fähre?
Auf jeden Fall. Die Regenbogenstraße, die Kunstszene, die Wanderungen und die Fjordlandschaft lohnen den Abstecher von der Ringstraße. Für die meisten Besucher ist der Umweg über Egilsstaðir nur 30 Minuten extra.
Wie lange sollte man in Seyðisfjörður bleiben?
Ein halber Tag reicht für den Ort selbst. Wer wandern will, sollte einen vollen Tag einplanen. Fähre-Reisende haben oft einen Abend und einen Morgen, das reicht für die Highlights.
Ist die Straße im Winter befahrbar?
Die Route 93 über den Fjarðarheiði-Pass kann im Winter wegen Schnee und Eis gesperrt sein. Bei vegagerdin.is kann man die aktuelle Straßenlage prüfen. Studded Tires (Spikesreifen) sind im Winter Pflicht.
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026