Ísafjörður
Ísafjörður ist die größte Stadt der isländischen Westfjorde und hat 2.600 Einwohner. Das klingt nach einem Dorf, aber in den Westfjorden, wo insgesamt nur 7.000 Menschen leben, ist Ísafjörður eine Metropole. Die Stadt liegt auf einer Sandbank in einem Fjord, umgeben von steilen Bergen, die im Winter fast alles Sonnenlicht abfangen. Im Dezember geht die Sonne hier gar nicht auf.
Wer nach Ísafjörður reist, hat sich bewusst entschieden. Es ist nicht der Ort, an dem man zufällig vorbeikommt. Die Westfjorde werden von 90 Prozent aller Islandtouristen ausgelassen, weil die Straßen lang, kurvig und teilweise ungepflastert sind. Genau das macht den Reiz aus: Hier trifft man auf das Island, das es vor dem Tourismusboom gab.
Die Hauptstadt der Westfjorde
Die Geschichte von Ísafjörður ist eng mit dem Fischfang verbunden. Seit dem 16. Jahrhundert war der Ort ein Zentrum des Handels und der Fischverarbeitung. Im alten Hafenviertel Neðstikaupstaður stehen vier restaurierte Holzhäuser aus dem 18. Jahrhundert, die zu den ältesten in Island gehören. Eines davon beherbergt das Westfjorde-Erbe-Museum (Byggðasafn Vestfjarða).
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Die Stadt selbst ist in einer halben Stunde erkundet. Eine Hauptstraße (Aðalstræti), ein paar Seitenstraßen, der Hafen, die Kirche. Was Ísafjörður von anderen isländischen Kleinstädten unterscheidet, ist die Atmosphäre: eine Mischung aus Abgeschiedenheit und überraschender Lebendigkeit. Es gibt ein Kino, ein Kulturzentrum, mehrere gute Restaurants und im Sommer Musikfestivals.
Insider-Tipp: Am Ostersonntag findet auf dem Fjordeis (wenn vorhanden) oder am Strand das traditionelle Páskahlaup statt, ein Langlauf-Skirennen quer über den Fjord. Selbst wer nicht mitrennt, kommt wegen der Stimmung und der heißen Schokolade.
Sehenswürdigkeiten in Ísafjörður
Das Westfjorde-Erbe-Museum im historischen Hafenviertel erzählt die Geschichte der Region, von der Besiedlung über den Fischfang bis zur Landflucht. Besonders eindrücklich: die Abteilung über das Akkordeon in der isländischen Volksmusik und die Ausstellung über den Hákarl (fermentierten Hai).
Das Kultur- und Kunstzentrum Edinborg in einer ehemaligen Krankenhaus-Kapelle zeigt wechselnde Ausstellungen lokaler und internationaler Künstler. Im Sommer gibt es regelmäßig Konzerte und Lesungen.
Wer den besten Blick über Stadt und Fjord will, wandert auf den Eyrarfjall (729 m). Der Aufstieg beginnt am Campingplatz und dauert etwa zwei Stunden. Vom Gipfel sieht man auf den gesamten Ísafjarðardjúp, den großen Fjord, der sich wie ein Flussdelta in die Westfjorde gräbt.
Wanderungen und Outdoor-Abenteuer
Die Umgebung von Ísafjörður ist ein Wanderparadies. Die beliebteste Tour führt durch das Naustahvilft-Tal (von den Einheimischen „Trollsitz" genannt), ein fotogenes Tal direkt hinter der Stadt mit einem kleinen Wasserfall am Ende. Leicht und in einer Stunde machbar.
Kajak-Touren auf dem Fjord gehören zu den Highlights. Borea Adventures und Wild Westfjords bieten geführte Touren an, von zwei Stunden bis zu mehrtägigen Expeditionen. Die Fjorde sind windgeschützt und ruhig, man paddelt zwischen Felsformationen und kann mit etwas Glück Robben beobachten.
Im Winter verwandelt sich Ísafjörður in ein Skiparadies. Das Skigebiet Tungadalur liegt zehn Minuten vom Zentrum entfernt und bietet Abfahrten für Anfänger und Fortgeschrittene. Skitourengehen in den umliegenden Bergen wird immer beliebter, mehrere Guides bieten Touren an.
Ausflüge: Hornstrandir und Látrabjarg
Das Hornstrandir-Naturreservat ist Islands wildeste Ecke. Keine Straßen, keine Häuser, keine permanente Bevölkerung. Nur Klippen, Polarfüchse und Vogelkolonien. Das Reservat ist nur per Boot von Ísafjörður aus erreichbar (West Tours und Borea Adventures fahren täglich im Sommer). Man kann Tageswanderungen machen oder mehrtägige Trekkingtouren mit Zelt.
Insider-Tipp: Die Bucht Hesteyri ist der einfachste Einstieg ins Hornstrandir. Das Boot braucht eine Stunde. In der verlassenen Siedlung stehen noch ein paar Häuser und ein Arzthaus aus dem 19. Jahrhundert. Von dort kann man zur Klippe Hornbjarg wandern (ca. 4 Stunden einfach), einer der spektakulärsten Vogelklippen Islands.
Die Vogelklippen Látrabjarg liegen an der westlichsten Spitze Islands (und Europas). 14 Kilometer lang, bis zu 441 Meter hoch, Heimat von Millionen Seevögeln, darunter Papageientaucher, Lummen und Basstölpel. Die Papageientaucher in Látrabjarg sind außergewöhnlich zahm und lassen sich aus wenigen Metern Entfernung fotografieren. Von Ísafjörður sind es allerdings 180 Kilometer (ca. 3 Stunden) auf kurvenreichen Straßen.
Auf dem Weg nach Látrabjarg lohnt ein Stopp am Rauðasandur, einem goldrot schimmernden Sandstrand, der zu den schönsten (und einsamsten) Stränden Islands gehört. Die Farbe kommt von zermahlenen Muscheln und rotem Gestein.
Essen und Trinken
Das Tjöruhúsið ist eine Institution. In einem alten Holzhaus am Hafen serviert der Koch fangfrischen Fisch vom Tagesfang, kein festes Menü, kein Schnickschnack. Man sitzt an langen Holztischen, bekommt Fisch in verschiedenen Zubereitungen und isst so viel man will. Einer der besten Plätze zum Fischessen in ganz Island. Reservierung dringend empfohlen.
Das Husið bietet gehobene isländische Küche in einem restaurierten Haus von 1788. Günstiger isst man im Thai Koon, das trotz des Namens auch isländische Klassiker serviert, oder im Edinborg Bistro.
Übernachten
Das Hotel Ísafjörður (ehemals Hotel Horn) liegt zentral und bietet moderne Zimmer. Das Hótel Edda ist die Budgetoption (nur im Sommer geöffnet). Gästehäuser wie das Gamla Gistihúsið bieten familiäre Atmosphäre. Der Campingplatz liegt am Ortsrand und kostet ca. 2.000 ISK pro Person.
Anreise nach Ísafjörður
Flug: Icelandair fliegt mehrmals täglich von Reykjavík Inlandsflughafen nach Ísafjörður. Flugzeit 40 Minuten. Die Landung gehört zu den spektakulärsten der Welt: Das Flugzeug fliegt zwischen steilen Bergen in den Fjord hinein und setzt auf einer kurzen Landebahn auf. Nicht für schwache Nerven, aber absolut sicher.
Auto: Von Reykjavík sind es 450 Kilometer, Fahrzeit 5 bis 6 Stunden. Die letzten 100 Kilometer führen durch die Westfjorde über enge Passstraßen mit Schotterpisten. Im Winter sind einzelne Pässe gesperrt.
Fähre: Die Baldur-Fähre verbindet Brjánslækur (Westfjorde) mit Stykkishólmur (Snæfellsnes). Von dort weiter nach Ísafjörður mit dem Auto (ca. 4 Stunden). Die Fähre kürzt die Reise deutlich ab.
Häufige Fragen
Lohnen sich die Westfjorde wirklich?
Wenn man die Einsamkeit und raue Natur sucht, absolut. Die Westfjorde sind das am wenigsten besuchte Gebiet Islands. Wer Touristenmassen meiden will, findet hier das Gegenstück zur Südküste.
Braucht man einen Allradwagen?
Für die Hauptstraßen (60, 61, 68) reicht im Sommer ein normaler PKW. Für Nebenstraßen wie die nach Látrabjarg ist ein SUV oder Allrad empfehlenswert. Im Winter ist Allrad Pflicht.
Wie viele Tage sollte man für Ísafjörður einplanen?
Mindestens drei Tage: einen für die Stadt und den Fjord, einen für Hornstrandir, einen für Látrabjarg. Wer wandern will, braucht mehr.
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026