Internet und SIM in Island
Island ist ein technologisch hoch entwickeltes Land mit einem der besten Internetzugänge in Europa. Über 98 Prozent der Bevölkerung nutzen das Internet regelmäßig, und in Reykjavík findet man WLAN in praktisch jedem Café, Restaurant und Hotel. Gleichzeitig gibt es weite Teile der Insel, in denen schlicht kein Mobilfunknetz existiert.
Wer nach Island reist, steht vor der Frage: Reicht das EU-Roaming meines Heimatanbieters, oder lohnt sich eine isländische SIM-Karte? Und was mache ich in den Gebieten, in denen es keinen Empfang gibt? In diesem Artikel beantworte ich alle Fragen rund um Internet und Mobilfunk in Island und gebe praktische Tipps, damit du unterwegs immer so viel Verbindung hast, wie du brauchst.
Mobilfunk und Internet in Island
Islands Telekommunikationsinfrastruktur ist für ein Land mit nur 380.000 Einwohnern bemerkenswert gut ausgebaut. Die Bevölkerung konzentriert sich auf den Großraum Reykjavík und einige wenige Küstenstädte, und genau dort ist die Abdeckung auch am besten. 4G-Netze decken die Ringstraße und alle bewohnten Orte ab, und in Reykjavík wird 5G bereits schrittweise ausgebaut.
Das Problem beginnt abseits der bewohnten Gebiete. Das isländische Hochland, weite Teile der Westfjorde und viele Streckenabschnitte im Norden und Osten haben keinen Mobilfunkempfang. Das ist keine Frage eines schwachen Signals, da steht einfach kein Mast. Auf einer Fahrt durch das Hochland können sechs, acht oder mehr Stunden ohne jegliche Verbindung vergehen. Wer darauf angewiesen ist, jederzeit erreichbar zu sein, muss das einplanen.
Glasfaser-Internet ist in isländischen Städten und größeren Orten weit verbreitet und bietet Geschwindigkeiten von 100 Mbit/s aufwärts. In ländlichen Gebieten und auf Bauernhöfen ist die Bandbreite oft eingeschränkt, und manche Unterkünfte teilen sich einen einzigen Anschluss mit allen Gästen. Für einfache Aufgaben wie Nachrichten schreiben oder eine Route nachschlagen reicht es fast immer, aber Videostreaming oder große Uploads können langsam sein.
Die isländischen Mobilfunkanbieter
In Island gibt es drei Mobilfunkanbieter, die jeweils ein eigenes Netz betreiben: Síminn, Vodafone Iceland und Nova. Alle drei bieten Prepaid-SIM-Karten für Touristen an, und die Netzabdeckung unterscheidet sich in Details, ist aber insgesamt vergleichbar.
Síminn ist der älteste und größte Anbieter des Landes und hat die umfangreichste Netzabdeckung, besonders in ländlichen Gebieten. Wer abseits der Ringstraße unterwegs ist, hat mit Síminn tendenziell die beste Chance auf Empfang. Der Nachteil: Síminn ist auch der teuerste der drei Anbieter. Eine Prepaid-SIM mit 10 GB Datenvolumen kostet etwa 3.000 ISK (rund 20 EUR).
Vodafone Iceland hat das zweitgrößte Netz und bietet ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Prepaid-Pakete mit 5 bis 20 GB gibt es ab 2.000 ISK (etwa 13 EUR). Die Abdeckung entlang der Ringstraße und in den touristischen Gebieten ist zuverlässig, im tiefen Landesinneren aber etwas lückenhafter als bei Síminn.
Nova ist der günstigste Anbieter und besonders bei jüngeren Isländern beliebt. Die Netzabdeckung ist in den Ballungsgebieten und entlang der Hauptstraßen gut, fällt aber in abgelegenen Regionen am schnellsten ab. Für eine Reise, die hauptsächlich auf der Ringstraße und in den Städten stattfindet, ist Nova eine solide und günstige Option mit Prepaid-Paketen ab 1.500 ISK (ca. 10 EUR) für 5 GB.
SIM-Karte kaufen vor Ort
Den einfachsten Weg zur isländischen SIM-Karte findest du direkt am internationalen Flughafen Keflavík. Im Ankunftsbereich gibt es einen Automaten von Síminn, an dem du rund um die Uhr eine Prepaid-SIM kaufen und aktivieren kannst. Auch in den Geschäften am Flughafen werden SIM-Karten angeboten. Die Aktivierung dauert wenige Minuten, und du brauchst lediglich ein Smartphone mit freiem SIM-Slot.
In Reykjavík findest du Geschäfte aller drei Anbieter in der Innenstadt. Die Mitarbeiter sprechen Englisch und helfen bei der Einrichtung. Auch in Tankstellen und größeren Supermärkten wie Bónus oder Krónan werden Prepaid-SIM-Karten verkauft, allerdings meist ohne persönliche Beratung.
Ein wichtiger Hinweis: Stelle sicher, dass dein Smartphone keinen SIM-Lock hat, bevor du nach Island fliegst. Geräte, die an einen bestimmten Anbieter gebunden sind, akzeptieren keine ausländischen SIM-Karten. Die meisten aktuellen Smartphones sind frei, aber ältere Geräte oder Modelle aus Vertragspaketen können gesperrt sein. Prüfe das vor der Reise, eine Entsperrung dauert beim Heimatanbieter oft mehrere Tage.
Die Prepaid-Karten aller Anbieter lassen sich online oder per SMS aufladen. Wenn du während der Reise mehr Datenvolumen brauchst, ist das Nachbuchen unkompliziert. Die Websites und SMS-Dienste der Anbieter funktionieren auch auf Englisch.
eSIM als Alternative
Wenn dein Smartphone eSIM unterstützt (was bei den meisten Geräten ab 2020 der Fall ist), kannst du eine digitale SIM-Karte für Island schon vor der Abreise kaufen und aktivieren. Anbieter wie Airalo, Holafly oder Nomad bieten eSIM-Pakete speziell für Island oder für ganz Europa an. Die Einrichtung erfolgt per App oder QR-Code, und du hast sofort nach der Landung Empfang, ohne einen Automaten am Flughafen suchen zu müssen.
eSIM-Pakete für Island kosten je nach Anbieter und Datenvolumen zwischen 10 und 40 EUR. Ein typisches Paket mit 10 GB und 30 Tagen Gültigkeit liegt bei etwa 20 EUR. Der Vorteil gegenüber einer physischen SIM: Du behältst deine Haupt-SIM im Gerät und kannst beide parallel nutzen, also Daten über die isländische eSIM und Anrufe über deine deutsche Nummer empfangen.
Der Nachteil von eSIM-Anbietern wie Airalo ist, dass sie in der Regel das Netz nur eines lokalen Partners nutzen und du nicht selbst wählen kannst, welches isländische Netz du bekommst. Die meisten eSIM-Anbieter roamen über Síminn oder Vodafone, was eine gute Abdeckung gewährleistet, aber es lohnt sich, vor dem Kauf zu prüfen, welches Netz der jeweilige Anbieter nutzt.
EU-Roaming in Island
Island ist zwar kein EU-Mitglied, gehört aber zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Das bedeutet: Die EU-Roaming-Verordnung gilt auch in Island. Seit 2017 kannst du deinen deutschen, österreichischen oder schweizerischen Mobilfunktarif in Island nutzen wie zu Hause, ohne zusätzliche Kosten für Anrufe, SMS und Daten. Zumindest in der Theorie.
In der Praxis gibt es Einschränkungen. Viele Tarife haben eine sogenannte Fair-Use-Grenze für Roaming-Daten. Das bedeutet, du kannst nicht dein gesamtes Inlandsvolumen im Ausland verbrauchen, sondern nur einen Teil davon. Bei einem Tarif mit 20 GB in Deutschland stehen dir im EWR-Roaming möglicherweise nur 8 oder 10 GB zur Verfügung. Die genaue Grenze hängt von deinem Tarif und Anbieter ab und steht in den Vertragsbedingungen.
Schweizer Mobilfunkverträge sind von der EU-Roaming-Verordnung nicht betroffen, da die Schweiz weder der EU noch dem EWR angehört. Schweizer Reisende müssen mit ihrem Anbieter klären, welche Roaming-Konditionen für Island gelten. Die Kosten können erheblich sein, weshalb eine lokale SIM oder eSIM für Schweizer oft die bessere Wahl ist.
Ein Tipp: Aktiviere vor der Reise das Datenroaming auf deinem Smartphone und überprüfe, ob dein Tarif Island tatsächlich zum EU-Roaming-Preis einschließt. Manche Discount-Tarife und Prepaid-Karten schließen einzelne EWR-Länder aus. Ein kurzer Anruf beim Kundenservice klärt das in wenigen Minuten.
Netzabdeckung und Funklöcher
Die Netzabdeckung in Island folgt der Besiedlung. Entlang der Ringstraße, in allen Städten und Dörfern und in den meisten touristischen Gebieten hast du mit allen drei Anbietern zuverlässiges 4G. Sobald du die Hauptstraßen verlässt und in die weniger besuchten Ecken der Insel vordringst, wird es lückenhaft.
Die Westfjorde haben die lückenhafteste Abdeckung aller touristischen Regionen. Auf der Fahrt zwischen den Fjorden gibt es lange Strecken ohne Signal, und selbst in kleineren Orten kann der Empfang schwach sein. Ähnlich sieht es in Teilen der Ostfjorde und auf der Halbinsel Snæfellsnes abseits der Hauptstraße aus.
Das Hochland ist eine nahezu vollständige Funkwüste. Auf Strecken wie der Kjölur-Route (F35) oder der Sprengisandur-Route (F26) wirst du stundenlang keinen Empfang haben. Das ist ein Sicherheitsthema: Wenn du im Hochland eine Panne hast oder Hilfe brauchst, kannst du niemanden anrufen. Die isländischen Rettungskräfte empfehlen für Hochlandfahrten ein Satellitentelefon oder einen PLB (Personal Locator Beacon).
Die Abdeckungskarten der drei Anbieter findest du auf deren Websites. Síminn hat die weiteste Reichweite und deckt auch einige Streckenabschnitte ab, die bei den anderen Anbietern dunkel bleiben. Wenn maximale Abdeckung für dich wichtig ist, ist eine Síminn-SIM die sicherste Wahl.
WLAN in Hotels und Cafés
WLAN ist in isländischen Hotels und Gästehäusern standardmäßig vorhanden und fast immer im Übernachtungspreis enthalten. In Reykjavík bieten auch die meisten Cafés, Restaurants und öffentlichen Einrichtungen kostenloses WLAN an. Das Passwort bekommt man an der Theke oder es hängt sichtbar aus.
Die Geschwindigkeit variiert stark. In modernen Hotels in Reykjavík surfst du oft mit 50 Mbit/s oder mehr, was für Videotelefonate und Streaming locker reicht. In kleinen Gästehäusern auf dem Land kann die Verbindung dagegen auf 5 Mbit/s oder weniger sinken, besonders wenn alle Gäste gleichzeitig online sind. Für einfache Aufgaben wie E-Mails, Nachrichten und das Laden von Webseiten genügt das trotzdem.
Campingplätze haben manchmal WLAN, aber verlasse dich nicht darauf. Auf kleineren und abgelegenen Plätzen gibt es oft keinen Internetzugang. Wenn du auf dem Campingplatz online sein musst, bist du auf dein mobiles Datenvolumen angewiesen.
Ein praktischer Tipp: Die Stadtbibliothek in Reykjavík (Borgarbókasafnið) bietet kostenloses WLAN und einen ruhigen Arbeitsplatz. Für digitale Nomaden, die ein paar Stunden konzentriert arbeiten müssen, ist das eine gute Alternative zu lauten Cafés. Auch die Universität Islands hat in manchen Bereichen offenes WLAN.
Internet im Hochland
Im isländischen Hochland existiert praktisch kein Mobilfunknetz. Die Berghütten der Ferðafélag Íslands (Islands Wanderverein) haben in manchen Fällen Satelliteninternet, das aber nur für Notfälle gedacht ist und nicht als WLAN für Gäste zur Verfügung steht. Wer im Hochland wandert, ist für die Dauer der Tour offline.
Für Hochlandfahrten und mehrtägige Wanderungen gibt es tragbare Satellitenkommunikationsgeräte wie den Garmin inReach oder das SPOT-System. Diese Geräte ermöglichen Textnachrichten per Satellit und senden im Notfall ein SOS-Signal mit GPS-Koordinaten. Die Anschaffung kostet 300 bis 500 EUR, dazu kommt ein monatliches Abo von 15 bis 40 EUR. Wer regelmäßig in abgelegene Gebiete reist, wird die Investition nicht bereuen.
Manche Reisende mieten Satellitentelefone für die Dauer ihres Islandaufenthalts. In Reykjavík bieten einige Outdoor-Ausrüster diesen Service an, und die Mietkosten liegen bei etwa 15 bis 25 EUR pro Tag plus Gesprächskosten. Für eine einmalige Hochlandtour ist das günstiger als ein eigenes Gerät.
Grundsätzlich gilt: Das Hochland ist ein Ort der Abgeschiedenheit, und genau das macht seinen Reiz aus. Betrachte die fehlende Internetverbindung nicht als Einschränkung, sondern als Gelegenheit, für ein paar Tage wirklich abzuschalten. Die E-Mails und Social-Media-Benachrichtigungen warten geduldig, bis du wieder in Reichweite eines Mastes bist.
Offline-Vorbereitung
Lade dir vor der Reise Offline-Karten auf dein Smartphone herunter. Google Maps erlaubt das für bestimmte Regionen, und die App Maps.me bietet detaillierte Offline-Karten für ganz Island. Für Wanderungen sind Apps wie AllTrails oder Komoot nützlich, die ebenfalls Offline-Karten anbieten, allerdings oft nur in der kostenpflichtigen Version.
Speichere wichtige Informationen wie Buchungsbestätigungen, Telefonnummern von Unterkünften und Notfallkontakte als PDF oder Screenshot auf deinem Telefon. Wenn das Internet ausfällt und du die Adresse deines Ferienhauses nicht mehr nachschlagen kannst, bist du froh, einen Offline-Zugriff zu haben.
Eine gedruckte Straßenkarte von Island ist auch im digitalen Zeitalter sinnvoll. Sie gibt dir einen Überblick über das gesamte Straßennetz, zeigt F-Straßen, Tankstellen und Ortschaften, und funktioniert garantiert ohne Akku und Empfang. Die beste Straßenkarte für Island ist die vom isländischen Vermessungsamt (Landmælingar Íslands) im Maßstab 1:500.000, erhältlich in Buchhandlungen in Reykjavík oder online.
Lade außerdem einen Übersetzer mit Isländisch-Paket für den Offline-Gebrauch herunter. Google Translate bietet das an. Obwohl fast alle Isländer Englisch sprechen, sind Straßenschilder, Speisekarten und Hinweistafeln manchmal nur auf Isländisch. Ein schneller Blick in den Übersetzer hilft weiter.
Musik und Podcasts für die langen Fahrten solltest du ebenfalls vorher herunterladen. Streaming auf der Ringstraße funktioniert meistens, aber in den Funklöchern bricht der Stream ab. Wer seine Playlist offline gespeichert hat, fährt entspannter.
Häufige Fragen zu Internet und SIM in Island
Funktioniert mein deutsches Handy in Island ohne Zusatzkosten?
Ja, Island gehört zum EWR und ist von der EU-Roaming-Verordnung abgedeckt. Du nutzt dein Handy zu Inlandskonditionen, allerdings mit einer Fair-Use-Grenze beim Datenvolumen. Prüfe vorab deinen Tarif.
Wo kaufe ich am besten eine isländische SIM-Karte?
Am einfachsten am Flughafen Keflavík, wo es Automaten und Geschäfte gibt. In Reykjavík findest du Filialen aller drei Anbieter (Síminn, Vodafone, Nova). Preise für 10 GB liegen bei 2.000 bis 3.000 ISK (13 bis 20 EUR).
Gibt es WLAN auf isländischen Campingplätzen?
Auf größeren Campingplätzen nahe der Ringstraße und in den Orten häufig ja, aber die Geschwindigkeit ist oft eingeschränkt. Auf kleineren und abgelegenen Plätzen gibt es meistens kein WLAN. Eine eigene Datenverbindung ist zuverlässiger.
Habe ich im Hochland Handyempfang?
Nein, im Hochland gibt es praktisch keinen Mobilfunkempfang. Für Notfälle empfehlen sich ein Satellitentelefon oder ein PLB (Personal Locator Beacon). Lade vorher Offline-Karten herunter.
Lohnt sich eine eSIM für Island?
Ja, besonders wenn du die Bequemlichkeit schätzt, schon bei der Landung online zu sein. Anbieter wie Airalo oder Holafly bieten Island-Pakete ab 10 EUR. Du kannst deine Haupt-SIM parallel weiter nutzen.
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026