Schloss Rosenborg in Kopenhagen
Mitten in Kopenhagen, umgeben von den alten Bäumen des Kongens Have, erhebt sich Schloss Rosenborg wie eine Erinnerung an eine Zeit, in der dänische Könige über weite Teile Nordeuropas herrschten. Das Renaissanceschloss aus rotem Backstein mit seinen markanten Ecktürmen und dem grünen Kupferdach gehört zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Dänemarks, und das aus gutem Grund.
Rosenborg beherbergt die dänischen Kronjuwelen, eine Sammlung königlicher Schätze, die über vier Jahrhunderte zusammengetragen wurde, und Prunkräume, die den Besucher in die Welt der absolutistischen Monarchie zurückversetzen. Dabei ist das Schloss kein kaltes Museum, sondern ein Ort, an dem Geschichte greifbar wird. Die persönlichen Gegenstände der Könige, ihre Porträts, ihre Waffen und ihr Tafelsilber erzählen Geschichten von Macht und Pracht, aber auch von Krieg und Verlust.
Der Schlosspark Kongens Have ist der älteste und beliebteste Park Kopenhagens. An Sommertagen breiten die Kopenhagener hier ihre Picknickdecken aus, spielen Frisbee oder liegen einfach im Gras und genießen die Sonne. Der Kontrast zwischen der Geschäftigkeit der umliegenden Straßen und der Ruhe des Parks macht den besonderen Reiz dieses Ortes aus.
Christian IV. und die Entstehung
Die Geschichte von Rosenborg beginnt im Jahr 1606, als König Christian IV. vor den Toren Kopenhagens einen kleinen Lustgarten anlegen ließ. In diesem Garten entstand zunächst ein bescheidenes Sommerhaus, das der König aber in den folgenden Jahrzehnten immer wieder erweitern und ausbauen ließ. Was als zweistöckiges Gartenhaus begann, wuchs bis 1634 zu dem dreistöckigen Renaissanceschloss heran, das wir heute sehen.
Christian IV. war ein Bauherr von beispiellosem Ehrgeiz, und auch ein König, der sich persönlich um die architektonischen Details kümmerte. Er zeichnete selbst Entwürfe, wählte Materialien aus und überwachte die Handwerker. Der Stil des Schlosses, eine Mischung aus niederländischer und norddeutscher Renaissance, spiegelt die kulturellen Einflüsse wider, die Christian IV. auf seinen Reisen durch Europa aufgenommen hatte.
Das Schloss diente Christian IV. und seinen Nachfolgern als Sommerresidenz, Schatzkammer und Rückzugsort vom höfischen Zeremoniell. Hier empfing der König Gäste in zwangloserer Atmosphäre als in den offiziellen Residenzen, hier lagerte er seine wertvollsten Besitztümer, und hier verbrachte er die letzten Tage seines Lebens. Christian IV. starb am 28. Februar 1648 in einem der oberen Zimmer des Schlosses.
Nach der Einführung des Absolutismus im Jahr 1660 wurde Rosenborg zur Aufbewahrungsstätte der Kronjuwelen und der königlichen Regalien bestimmt. Die Krone, der Reichsapfel, das Zepter und die übrigen Insignien der dänischen Monarchie werden seitdem in den Kellergewölben des Schlosses verwahrt, in einer Schatzkammer, die über Jahrhunderte hinweg nur den Königen und ihren engsten Vertrauten zugänglich war.
Die Prunkräume des Schlosses
Ein Rundgang durch Rosenborg führt chronologisch durch die Geschichte der dänischen Monarchie. Jeder der 24 Räume ist einem bestimmten König oder einer bestimmten Epoche gewidmet und zeigt Möbel, Gemälde und Gegenstände aus der jeweiligen Regierungszeit. Die Räume sind nicht als leere Museumsräume gestaltet, sondern so eingerichtet, wie sie von den Königen genutzt wurden.
Im Erdgeschoss befinden sich die Gemächer Christians IV. Die Winterstube mit ihren Deckengemälden und dem holzvertäfelten Interieur vermittelt einen Eindruck davon, wie der König im Alltag lebte. An den Wänden hängen Porträts seiner zahlreichen Kinder und Geliebten, und in einer Vitrine liegt seine blutbefleckte Kleidung, die er bei der Seeschlacht von Kolberger Heide 1644 trug, als ihm ein Granatsplitter ein Auge nahm.
Im ersten Stock folgen die Räume der nachfolgenden Könige. Besonders eindrucksvoll ist das Marmorzimmer Frederiks III. dessen Wände mit Stuckmarmor verkleidet sind und dessen Decke ein allegorisches Gemälde ziert, das die Macht des absolutistischen Königs verherrlicht. Daneben zeigt das Porzellankabinettt eine erlesene Sammlung von Meißner und Kopenhagener Porzellan aus dem 18. Jahrhundert.
Die Zimmer der späteren Könige, von Christian V. bis Frederik IV. dokumentieren den Wandel vom Renaissance- zum Barockstil. Die Räume werden prächtiger, die Möbel aufwendiger, die Stoffe kostbarer. Besonders die mit Gobelins ausgekleideten Säle vermitteln einen Eindruck von der Repräsentationskunst des 17. und 18. Jahrhunderts.
Ein Detail, das viele Besucher überrascht, sind die persönlichen Gegenstände: ein abgegriffenes Gebetbuch, eine Kinderzeichnung eines Prinzen, ein handgeschriebener Brief. Diese Dinge rücken die Könige aus dem Nebel der Geschichte ins Menschliche und machen den Besuch auch für diejenigen interessant, die sich sonst wenig für Monarchiegeschichte interessieren.
Die Kronjuwelen und die Schatzkammer
Das Kern von Rosenborg liegt im Keller. Hinter dicken Mauern und schweren Stahltüren befindet sich die Schatzkammer mit den dänischen Kronjuwelen. Die Sammlung umfasst Kronen, Diademe, Halsketten, Ringe und weitere Schmuckstücke, die über Jahrhunderte hinweg von den dänischen Monarchen getragen wurden.
Das wichtigste Stück ist die Krone Christians IV. aus dem Jahr 1596. Sie besteht aus Gold, Emaille und Edelsteinen und wiegt rund 2,9 Kilogramm. Die Krone wurde bei Krönungen und Staatsanlässen getragen und gilt als eines der schönsten Beispiele der Renaissance-Goldschmiedekunst in Skandinavien. Daneben liegt die Krone Christians V. aus dem Jahr 1670, die nach der Einführung des Absolutismus als Symbol der uneingeschränkten königlichen Macht geschaffen wurde.
Das Diamantdiadem, das noch heute von der dänischen Königin bei Staatsanlässen getragen wird, stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert und ist mit über 1.000 Diamanten besetzt. Es wurde ursprünglich für Königin Caroline Amalie angefertigt und ist seitdem von jeder dänischen Königin und Kronprinzessin getragen worden.
Neben den Juwelen beherbergt die Schatzkammer weitere Kostbarkeiten: goldene und silberne Tafelaufsätze, Ordensketten, Emailminiaturen und eine Sammlung von Uhren, die zu den bedeutendsten in Nordeuropa gehört. Ein vergoldeter Reiterhelm Christians IV. besetzt mit Rubinen und Diamanten, zeigt die Verschmelzung von Kriegsgerät und Kunsthandwerk, die für die Renaissance typisch war.
Die Schatzkammer ist in der Regel die letzte Station des Rundgangs und dementsprechend gut besucht. Wer die Kronjuwelen in Ruhe betrachten möchte, sollte gleich morgens kommen, wenn das Schloss öffnet, oder am späten Nachmittag, wenn die meisten Reisegruppen bereits gegangen sind.
Der Rittersaal
Der Rittersaal im zweiten Stock ist der größte und prächtigste Raum des Schlosses. Hier fanden Empfänge, Bankette und Zeremonien statt, und hier steht der Krönungsthron der dänischen Könige, der aus drei Narwalstoßzähnen gefertigt ist. Die Stoßzähne galten im 17. Jahrhundert als Hörner von Einhörnern und waren wertvoller als Gold.
Der Thron ist von drei silbernen Löwen flankiert, die als Wächter der königlichen Macht dienen. Die Löwen sind lebensgroß und aus massivem Silber gegossen, ein Aufwand, der selbst am dänischen Hof ungewöhnlich war. An den Wänden des Rittersaals hängen Gobelins, die die Siege der dänischen Armee im Schonischen Krieg gegen Schweden (1675 bis 1679) darstellen.
Die Decke des Saals zeigt ein aufwendiges Stuckwerk mit allegorischen Darstellungen, und die langen Fenster bieten einen Blick über den Kongens Have. An sonnigen Tagen fällt das Licht durch die Butzenscheiben und legt ein warmes, goldenes Muster auf den Steinboden. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, wie hier vor 350 Jahren die Höflinge in ihren Gewändern standen und dem König ihre Aufwartung machten.
Kongens Have: Kopenhagens Garten
Der Kongens Have, der Königsgarten, wurde 1606 zusammen mit dem Schloss angelegt und ist damit der älteste Park Kopenhagens. Die Anlage erstreckt sich über rund 12 Hektar und verbindet geometrische Beete im Renaissancestil mit weitläufigen Rasenflächen und alten Baumgruppen. Im Frühling blühen hier Tausende von Krokussen und Tulpen, im Sommer spenden die mächtigen Linden und Kastanien Schatten.
Für die Kopenhagener ist der Kongens Have weit mehr als ein historischer Park. Er ist Treffpunkt, Picknickwiese, Spielplatz und Ruheoase zugleich. An Sommernachmittagen liegen hier Studenten auf dem Rasen, Familien spielen mit ihren Kindern, und ältere Paare spazieren auf den Kieswegen unter den Bäumen. Es gibt ein Kasperletheater, das seit Generationen Kinder unterhält, und im Rosengarten duften im Juni und Juli über 100 verschiedene Rosensorten.
Der Park beherbergt mehrere Skulpturen, darunter eine Bronzestatue von Hans Christian Andersen, dem berühmten dänischen Dichter, der oft im Kongens Have spazierte und hier Inspiration fand. Auch die Statue der Königin Caroline Amalie und eine moderne Skulpturengruppe sind sehenswert. Die Wege sind breit genug für Kinderwagen und Rollstühle, und Bänke laden überall zum Verweilen ein.
Der Eintritt in den Kongens Have ist kostenlos. Der Park öffnet täglich bei Sonnenaufgang und schließt bei Sonnenuntergang. Im Sommer kann das bis 22 Uhr sein, was den Garten zu einem wunderbaren Ort für einen Abendspaziergang nach einem Tag in der Stadt macht. Hunde sind an der Leine erlaubt, Fahrräder müssen am Eingang abgestellt werden.
Besuch planen: Eintritt und Anreise
Eintrittspreise
Der Eintritt zu Schloss Rosenborg kostet 130 DKK (etwa 17 EUR) für Erwachsene. Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre haben freien Eintritt. Inhaber der Copenhagen Card können das Schloss kostenlos besichtigen. Der Eintritt beinhaltet den Zugang zu allen Prunkräumen und zur Schatzkammer mit den Kronjuwelen.
Öffnungszeiten
Das Schloss ist in der Hochsaison (Juni bis August) täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, in der Nebensaison mit eingeschränkten Zeiten. Im Januar und Februar ist das Schloss nur an ausgewählten Tagen zugänglich. Die aktuellen Öffnungszeiten sollte man vor dem Besuch auf der Website der Schlösserverwaltung prüfen, da sie sich ändern können.
Anreise
Schloss Rosenborg liegt zentral im Kopenhagener Stadtteil Indre By. Die nächste S-Bahn-Station ist Nørreport, von dort sind es fünf Minuten zu Fuß. Mehrere Buslinien halten ebenfalls in unmittelbarer Nähe. Mit dem Fahrrad erreicht man das Schloss bequem über die Radwege entlang der Gothersgade.
Tipps für den Besuch
Ein Besuch dauert etwa anderthalb bis zwei Stunden, wenn man sich alles in Ruhe anschaut. Die Schatzkammer im Keller ist der meistbesuchte Teil und kann an Sommernachmittagen recht voll werden. Am besten kommt man gleich zur Öffnung um 10 Uhr und beginnt im Keller, bevor die Gruppen eintreffen. Audioguides sind in mehreren Sprachen erhältlich, darunter auch Deutsch, und kosten keinen Aufpreis.
Wer den Besuch des Schlosses mit einem Spaziergang im Kongens Have verbinden möchte, sollte an einem sonnigen Tag kommen und ein Picknick mitbringen. In der Nähe des Parks gibt es Bäckereien und Cafés, in denen man Proviant kaufen kann. Nach dem Schlossbesuch lohnt sich ein Abstecher zur nahe gelegenen Botanischen Garten, der direkt an den Kongens Have angrenzt und eine starke Sammlung tropischer Pflanzen beherbergt.
Häufige Fragen zu Schloss Rosenborg
Kann man die Kronjuwelen wirklich besichtigen?
Ja, die dänischen Kronjuwelen sind im Kellergewölbe von Schloss Rosenborg öffentlich ausgestellt. Kronen, Diademe, Ordensketten und weitere Schmuckstücke können aus nächster Nähe betrachtet werden. Der Zugang ist im regulären Eintrittspreis enthalten.
Wie viel kostet der Eintritt?
Erwachsene zahlen 130 DKK (ca. 17 EUR). Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre sind frei. Die Copenhagen Card gewährt ebenfalls kostenlosen Eintritt. Audioguides in Deutsch und weiteren Sprachen sind im Preis enthalten.
Wie lange dauert ein Besuch?
Plane anderthalb bis zwei Stunden für das Schloss ein. Wer danach noch durch den Kongens Have spazieren möchte, sollte eine weitere Stunde einplanen. Mit Besuch des benachbarten Botanischen Gartens wird es ein halber Tag.
Wann ist die beste Besuchszeit?
Am besten gleich zur Öffnung um 10 Uhr kommen. Am Nachmittag, besonders im Sommer, kann es vor allem in der Schatzkammer voll werden. Die Monate Mai und September bieten gutes Wetter und weniger Gedränge als Juli und August.
Ist der Kongens Have kostenlos?
Ja, der Eintritt in den Schlosspark ist frei. Der Park öffnet bei Sonnenaufgang und schließt bei Sonnenuntergang. Im Sommer kann man den Garten bis etwa 22 Uhr genießen.
Gibt es eine Verbindung zu Schloss Amalienborg?
Ja, die Kronjuwelen und Regalien in Rosenborg stehen in direktem Zusammenhang mit der dänischen Monarchie, die in Schloss Amalienborg residiert. Die beiden Schlösser ergänzen sich thematisch und lassen sich gut an einem Tag besuchen.
Schloss Rosenborg ist weit mehr als ein hübsches Renaissanceschloss. Es ist das Gedächtnis der dänischen Monarchie, ein Ort, an dem 400 Jahre Königsgeschichte in Möbeln, Gemälden und Juwelen lebendig werden. Wer Kopenhagen besucht und sich für Geschichte, Kunst oder einfach für prachtvolle Räume interessiert, sollte sich Rosenborg nicht entgehen lassen. Und wer danach im Kongens Have unter den alten Bäumen sitzt und auf das Schloss blickt, wird verstehen, warum Christian IV. sich genau diesen Platz für sein Sommerhaus ausgesucht hat.
Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026