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Kanaltouren Kopenhagen
Die dänische Hauptstadt vom Wasser aus erleben

Kanaltouren Kopenhagen

14 Min. Lesezeit

Kopenhagen wurde am Wasser gebaut und hat sich nie davon gelöst. Die Stadt liegt auf mehreren Inseln, durchzogen von Kanälen und umgeben von Hafenbecken. Wer Kopenhagen wirklich begreifen will, muss es vom Wasser aus sehen. Die Perspektive verändert alles. Gebäude, die vom Bürgersteig aus imposant wirken, zeigen vom Boot aus eine andere Seite. Die bunte Häuserzeile am Nyhavn spiegelt sich im ruhigen Kanalwasser, die Kuppel der Marmorkirche ragt hinter Masten und Takelagen hervor, und die Kleine Meerjungfrau sitzt so still auf ihrem Felsen, als würde sie auf genau dieses Boot warten.

Kanaltouren gehören zu den beliebtesten Aktivitäten in der dänischen Hauptstadt, und das aus gutem Grund. In einer Stunde gleitet man an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbei, lernt die Geschichte der Stadt kennen und bekommt ein Gefühl für die Dimensionen einer Metropole, die zu Fuß manchmal größer erscheint, als sie ist. Gleichzeitig ist eine Bootsfahrt die entspannteste Art, Kopenhagen zu erkunden. Kein Gedränge auf den Gehwegen, keine Kreuzungen, keine müden Füße. Einfach sitzen, schauen und zuhören.

Kopenhagen: Eine Stadt, die vom Wasser lebt

Die Geschichte Kopenhagens ist eine Geschichte des Hafens. Im 12. Jahrhundert war der Ort ein kleines Fischerdorf namens Havn, zu Deutsch Hafen. Bischof Absalon ließ hier 1167 eine Burg errichten, und um diese Burg wuchs die Stadt, die später als Købmandshavn (Kaufmannshafen) bekannt wurde. Der Handel über See war Jahrhunderte lang die wirtschaftliche Grundlage, und die Kanäle dienten als Transportwege für Waren aller Art.

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Im 17. Jahrhundert ließ König Christian IV. den Stadtteil Christianshavn anlegen, ein planmäßig entworfenes Viertel nach dem Vorbild von Amsterdam. Die Kanäle von Christianshavn sind bis heute erhalten und bilden eines der schönsten Wasserviertel Nordeuropas. Der Nyhavn (Neuer Hafen) wurde 1673 als Handelshafen gegraben und entwickelte sich im Laufe der Zeit vom Matrosen- und Rotlichtviertel zum beliebtesten Fotomotiv Dänemarks.

Heute dient der Hafen kaum noch dem Warenumschlag, dafür aber umso mehr dem städtischen Leben. Kopenhagener baden im Hafenbecken, fahren mit dem Kajak zur Arbeit und verbringen ihre Sommerabende an den Kaimauern. Die Hafenfähren sind Teil des öffentlichen Nahverkehrs, und an den Piers der ehemaligen Werften entstehen neue Wohnviertel, Restaurants und Kultureinrichtungen. Das Wasser ist nicht Kulisse, sondern Mittelpunkt des städtischen Lebens.

Die klassische Kanalrundfahrt

Die klassische Kanalrundfahrt dauert etwa 60 Minuten und führt durch die wichtigsten Wasserstraßen Kopenhagens. Mehrere Anbieter bedienen diese Route, die bekanntesten sind Strömma (ehemals Canal Tours Copenhagen) und Netto-Bådene. Beide starten am Nyhavn, fahren durch den Christianshavn Kanal, vorbei an der Oper, dem Schloss Amalienborg, der Kleinen Meerjungfrau und zurück durch den inneren Hafen. Ein Kommentator erzählt während der Fahrt Geschichten und Fakten zu den Gebäuden am Ufer.

Kanalboot auf einer Rundfahrt durch Kopenhagens Hafen
Die klassische Kanalrundfahrt führt in einer Stunde an Kopenhagens schönsten Ufern vorbei (KI-generiert)

Strömma betreibt die größeren Boote mit Glasdach, die auch bei Regen bequem sind. Die Kommentare sind voraufgezeichnet und über Lautsprecher in mehreren Sprachen verfügbar, darunter Deutsch. Tickets kosten etwa 99 DKK (rund 13 EUR) für Erwachsene und 55 DKK (rund 7 EUR) für Kinder. In der Hochsaison fahren die Boote alle 20 Minuten, eine Reservierung ist nicht nötig. Die Tour ist in der Copenhagen Card enthalten.

Netto-Bådene sind die günstigere Alternative. Die Boote sind offener, kleiner und haben mehr Charme. Ein lebendiger Guide erzählt auf Englisch und Dänisch, was die Fahrt persönlicher macht. Tickets kosten 50 DKK (etwa 7 EUR) für Erwachsene. Die Boote fahren von April bis Oktober, bei gutem Wetter auch länger. Wer nicht so viel ausgeben will und kein Problem mit dem Wetter hat, ist bei Netto-Bådene gut aufgehoben.

Nyhavn: Start und Höhepunkt zugleich

Fast alle Kanaltouren beginnen und enden am Nyhavn, und das ist kein Zufall. Der schmale Kanal mit seinen bunt gestrichenen Giebelhäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert ist das Postkartenmotiv Kopenhagens schlechthin. An der Südseite liegen historische Holzsegler und moderne Yachten, an der Nordseite reihen sich Cafés und Restaurants aneinander. Hier lebte einst Hans Christian Andersen, der Märchenerzähler, und man kann verstehen, warum er sich in dieser Umgebung wohlgefühlt hat.

Bunte Häuserzeile am Nyhavn in Kopenhagen vom Wasser aus
Nyhavn vom Wasser aus: Die bunten Giebelhäuser sind Kopenhagens bekanntestes Motiv (KI-generiert)

Vom Boot aus sieht man den Nyhavn aus einer Perspektive, die zu Fuß nicht möglich ist. Man gleitet zwischen den bunten Fassaden hindurch und hat die gesamte Häuserzeile im Blick, ohne von den Menschenmassen am Kai gestört zu werden. Vor allem am frühen Morgen oder späten Nachmittag, wenn das Licht warm über die Fassaden streicht, ist diese Sicht so, dass man es nicht vergisst. Fotografen sollten einen Platz auf der rechten Seite des Bootes wählen, um die sonnenbeschienene Seite im Bild zu haben.

Der Nyhavn hat allerdings auch eine weniger glamouröse Vergangenheit. Jahrhundertelang war er ein raues Hafenviertel, in dem Seeleute, Prostituierte und zwielichtige Gestalten verkehrten. Erst in den 1970er Jahren begann die Gentrifizierung, und die Matrosenschenken verwandelten sich in die Restaurants und Cafés, die heute das Bild prägen. Diese Geschichte erzählen die Guides auf den Booten, und sie macht den Ort lebendiger als jede Postkartenromantik.

Christianshavn und die Kleine Meerjungfrau

Boot fährt durch die Kanäle von Christianshavn in Kopenhagen
Die stillen Kanäle von Christianshavn erinnern an Amsterdam und sind ein Höhepunkt jeder Tour (KI-generiert)

Nach dem Nyhavn führt die Route in die Kanäle von Christianshavn. Hier wird es ruhiger. Die Boote gleiten an alten Lagerhäusern vorbei, die zu Wohnungen umgebaut wurden, an Hausbooten mit Blumenkästen und an den grünen Ufern der Freistadt Christiania. Der Turm der Erlöserkirche (Vor Frelsers Kirke) mit seiner markanten Wendeltreppe ragt über den Dächern auf und ist von vielen Stellen im Kanal gut zu sehen.

Die Kanäle von Christianshavn haben einen ganz eigenen Charakter. Hier wohnen die Kopenhagener, nicht die Touristen. An den Kaimauern sitzen Menschen mit einer Tasse Kaffee, Kinder spielen am Wasser, und gelegentlich paddelt jemand im Kajak vorbei. Die Atmosphäre erinnert tatsächlich an Amsterdam, was kein Zufall ist, denn Christian IV. ließ den Stadtteil nach dem Vorbild der niederländischen Grachtenstädte anlegen.

Die Tour führt weiter durch den inneren Hafen, vorbei an der Königlichen Oper, dem Schauspielhaus und dem schwarzen Diamanten, der modernen Erweiterung der Königlichen Bibliothek. Dann biegt das Boot nach Norden ab und nähert sich Schloss Amalienborg, der Winterresidenz der dänischen Königsfamilie. Die vier identischen Rokokopalais wirken vom Wasser aus besonders majestätisch, vor allem wenn gerade der Wachwechsel stattfindet.

Kopenhagener Oper vom Wasser aus während einer Kanaltour
Die Kopenhagener Oper vom Wasser aus: Einer der modernen Höhepunkte entlang der Route (KI-generiert)

Am nördlichen Wendepunkt der Tour sitzt die Kleine Meerjungfrau (Den Lille Havfrue) auf ihrem Granitfelsen am Langelinie Pier. Die 1913 aufgestellte Bronzestatue ist nur 1,25 Meter hoch und wirkt vom Land aus oft enttäuschend klein. Vom Boot aus hingegen sieht man sie in ihrem natürlichen Element, mit dem Wasser zu ihren Füßen und dem Hafen als Hintergrund. Diese Perspektive ist die schönere und ehrlichere, und man spart sich den langen Fußweg zum Pier, der an sich wenig reizvoll ist.

GoBoat: Selbst steuern durch die Kanäle

Wer lieber selbst das Steuer in die Hand nimmt, für den ist GoBoat die richtige Wahl. Das Konzept ist einfach: Man mietet ein kleines Elektroboot für bis zu acht Personen und fährt auf eigene Faust durch die Kanäle. Kein Guide, keine feste Route, keine Zeitvorgabe außer der gebuchten Stundenzahl. Die Boote haben einen Tisch in der Mitte, um den die Passagiere auf Bänken sitzen, was die Fahrt zu einem schwimmenden Picknick macht.

GoBoat Elektroboot mit Passagieren auf dem Kopenhagener Kanal
GoBoat: Elektrisch und auf eigene Faust durch Kopenhagens Kanäle, ideal für Gruppen (KI-generiert)

Die GoBoats starten von zwei Standorten: Islands Brygge und Nyhavn. Ein Boot für eine Stunde kostet 499 DKK (etwa 67 EUR) für bis zu acht Personen, was pro Person günstig ist, wenn man die Gruppe voll bekommt. Zwei Stunden kosten 799 DKK (etwa 107 EUR). Einen Bootsführerschein braucht man nicht, die Bedienung ist kinderleicht und wird vor der Abfahrt erklärt. Die Boote fahren mit maximal 3 km/h, Unfälle sind praktisch ausgeschlossen.

Das Besondere an GoBoat ist die Freiheit. Man kann anhalten, wo es einem gefällt, in eine Seitengracht einbiegen, die auf den regulären Touren ausgelassen wird, oder einfach mitten im Kanal treiben und die Sonne genießen. Essen und Getränke dürfen mitgebracht werden, und bei GoBoat Nyhavn kann man sogar eine vorbestellte Picknickkiste abholen. Die Boote sind ganzjährig verfügbar, im Winter mit Decken und Sitzheizung ausgestattet.

GoBoat ist in der Hochsaison schnell ausgebucht, besonders am Wochenende. Reservierungen über die Website mindestens eine Woche im Voraus sind empfehlenswert. Unter der Woche hat man bessere Chancen auf spontane Verfügbarkeit.

Kajak, Tretboot und weitere Alternativen

Neben den klassischen Touren und GoBoat gibt es noch weitere Möglichkeiten, Kopenhagen vom Wasser aus zu erkunden. Kayak Republic am Christians Brygge vermietet Kajaks und bietet geführte Kajaktouren durch die Kanäle an. Die Einzelkajaks kosten etwa 100 DKK (rund 13 EUR) pro Stunde, Doppelkajaks 170 DKK (rund 23 EUR). Die geführten Touren dauern zwei Stunden und kosten etwa 350 DKK (rund 47 EUR) pro Person. Dabei gleitet man durch enge Kanäle, unter Brücken hindurch und sieht Ecken, die kein anderes Boot erreichen kann.

Für Familien mit Kindern sind Tretboote eine entspannte Option. Mehrere Verleiher am Peblinge Sø, einem der Kopenhagener Seen, und am Christianshavn Kanal bieten die Boote stunden- oder halbtagsweise an. Die Preise liegen bei etwa 120 DKK (rund 16 EUR) pro Stunde. Die Seen sind ruhiger als die Hafenkanäle und eignen sich besser für jüngere Kinder.

Eine besondere Erfahrung bieten die Hafenfähren, die als Teil des öffentlichen Nahverkehrs kostenlos mit einem gültigen Fahrschein oder einer Rejsekort nutzbar sind. Die Linien 991 und 992 verbinden verschiedene Punkte im Hafen und bieten dabei Ausblicke, die denen einer Kanaltour ähneln. Die Fahrt von Nyhavn zum Nordre Toldbod oder weiter nach Refshaleøen ist eine unterschätzte Möglichkeit, Kopenhagen vom Wasser aus zu sehen, ohne für eine Tour zu bezahlen.

Im Winter, wenn die meisten Kanaltouren eingestellt sind, lohnt sich eine Fahrt mit den geheizten Vintage-Booten von Hey Captain. Die kleinen Holzboote sind liebevoll restauriert und bieten Platz für 12 Personen. Heißer Kakao, Wolldecken und ein Skipper, der Geschichten erzählt, machen diese Tour zu einem winterlichen Erlebnis. Die Preise beginnen bei etwa 200 DKK (rund 27 EUR) pro Person, Reservierung ist notwendig.

Preise, Anbieter und praktische Tipps

Die Preise für Kanaltouren in Kopenhagen variieren je nach Anbieter und Art der Tour. Hier eine Übersicht der wichtigsten Optionen:

  • Strömma Kanalrundfahrt: 99 DKK (ca. 13 EUR), Kinder 55 DKK (ca. 7 EUR), 60 Minuten
  • Netto-Bådene: 50 DKK (ca. 7 EUR), Kinder 25 DKK (ca. 3 EUR), 60 Minuten
  • GoBoat: ab 499 DKK (ca. 67 EUR) pro Boot/Stunde für bis zu 8 Personen
  • Kajak (Kayak Republic): ab 100 DKK (ca. 13 EUR) pro Stunde, geführte Tour 350 DKK (ca. 47 EUR)
  • Hey Captain (Winter): ab 200 DKK (ca. 27 EUR) pro Person, Reservierung nötig

Alle Anbieter akzeptieren Kartenzahlung. Die Strömma-Tour ist in der Copenhagen Card enthalten, was sie für Kartenbesitzer effektiv kostenlos macht. Online-Buchungen sind bei allen Anbietern möglich und bei GoBoat in der Hochsaison fast unverzichtbar. Strömma und Netto-Bådene fahren ohne Reservierung, man stellt sich einfach am Anleger an.

Zur Kleidung: Auch im Sommer kann es auf dem Wasser kühl werden, besonders am späten Nachmittag. Eine leichte Jacke oder ein Pullover ist immer sinnvoll. Bei Regen bieten die Strömma-Boote ein Glasdach, die Netto-Boote und GoBoats hingegen nicht. Sonnencreme und Sonnenbrille sind bei gutem Wetter empfehlenswert, da die Reflexion auf dem Wasser das Licht verstärkt.

Die beste Tageszeit für eine Kanaltour ist der späte Nachmittag, etwa zwischen 16 und 18 Uhr. Dann steht die Sonne tief genug, um warmes Licht auf die Fassaden zu werfen, und die meisten Tagesgruppen sind bereits fertig. Am Wochenende sind die Morgentouren ruhiger als die Nachmittagstouren. Wer fotografieren möchte, sollte einen Platz in der Mitte des Bootes wählen, dort gibt es weniger Vibrationen und mehr Überblick.

Häufige Fragen zu Kanaltouren in Kopenhagen

Welche Kanaltour ist die beste in Kopenhagen?

Für den klassischen Überblick eignet sich Strömma mit deutschem Audioguide. Netto-Bådene ist günstiger und persönlicher. GoBoat ist ideal für Gruppen, die auf eigene Faust fahren wollen. Die beste Wahl hängt vom Budget und den Vorlieben ab.

Kann man Kanaltouren im Winter machen?

Strömma bietet auch im Winter Rundfahrten an, allerdings mit reduziertem Fahrplan. GoBoat fährt ganzjährig mit Decken und Sitzheizung. Hey Captain bietet geheizte Vintage-Boote für die Wintermonate an. Die Atmosphäre in der dunklen Jahreszeit hat ihren eigenen Reiz.

Braucht man für GoBoat einen Bootsführerschein?

Nein. Die Elektroboote fahren maximal 3 km/h und sind kinderleicht zu bedienen. Vor der Abfahrt gibt es eine kurze Einweisung. Kinder dürfen mitfahren, aber der Steuermann muss mindestens 18 Jahre alt sein.

Ist die Kanaltour in der Copenhagen Card enthalten?

Ja, die Strömma-Kanalrundfahrt ist in der Copenhagen Card enthalten. Netto-Bådene und GoBoat sind nicht Teil der Karte und müssen separat bezahlt werden.

Wo starten die Kanaltouren?

Die meisten Touren starten am Nyhavn, genauer am Nordende des Kanals in Richtung Kongens Nytorv. Strömma hat auch Abfahrtsstellen am Gammel Strand und Ved Stranden. GoBoat startet zusätzlich an Islands Brygge.

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Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026