Øresundbrücke
Wenn du auf der Autobahn von Kopenhagen nach Osten fährst, verschwindet die Straße plötzlich in einem Tunnel unter dem Meer. Vier Kilometer später tauchst du auf einer künstlichen Insel wieder auf, und vor dir erhebt sich eine gewaltige Schrägseilbrücke, die bis zum schwedischen Ufer reicht. Die Øresundbrücke verbindet Dänemark mit Schweden und ist eine der stärksten Verkehrsverbindungen Europas.
Seit der Eröffnung im Jahr 2000 hat die Brücke das Leben auf beiden Seiten des Øresunds grundlegend verändert. Kopenhagen und Malmö sind zusammengewachsen. Menschen wohnen auf der einen Seite und arbeiten auf der anderen. Die Fahrt dauert keine 20 Minuten. Was einmal eine internationale Grenze mit Fährüberfahrt war, fühlt sich heute an wie ein Stadtteilwechsel.
Für Reisende aus Deutschland ist die Øresundbrücke die schnellste Verbindung nach Schweden, wenn man über Dänemark fährt. Und sie ist ein Erlebnis. Die Dimensionen des Bauwerks, der Blick auf das offene Meer und das Gefühl, zwischen zwei Ländern über das Wasser zu gleiten, machen die Überfahrt zu einem Höhepunkt jeder Skandinavienreise.
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Geschichte und Bau
Die Idee einer festen Verbindung über den Øresund ist über 100 Jahre alt. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts gab es Planungen, Dänemark und Schweden mit einer Brücke oder einem Tunnel zu verbinden. Kriege, wirtschaftliche Krisen und politische Differenzen verhinderten die Umsetzung immer wieder.
Erst 1991 einigten sich die Regierungen von Dänemark und Schweden auf den Bau. Die Bauarbeiten begannen 1995 und dauerten fünf Jahre. Am 1. Juli 2000 eröffneten König Carl XVI. Gustaf von Schweden und Königin Margrethe II. von Dänemark die Verbindung. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 30 Milliarden DKK (ca. 4 Milliarden EUR). Die Finanzierung erfolgte ohne Steuergelder, ausschließlich über Mauteinnahmen und Anleihen. Bis voraussichtlich 2035 sollen die Baukosten vollständig getilgt sein.
Der Bau war eine technische Meisterleistung. Im Øresund herrschen starke Strömungen, der Meeresboden ist schwierig, und die Schifffahrt durfte während der gesamten Bauzeit nicht unterbrochen werden. Über 5.000 Arbeiter waren auf der Baustelle beschäftigt. Die Brückenteile wurden in großen Segmenten vorgefertigt und mit Spezialkränen an ihren Platz gehoben.
Der Tunnelabschnitt auf der dänischen Seite wurde nötig, weil der Flughafen Kopenhagen-Kastrup direkt neben der Trasse liegt. Eine Brücke in dieser Höhe hätte die Einflugschneisen blockiert. Also führt die Verbindung zuerst unter Wasser, taucht auf der künstlichen Insel Peberholm auf und geht dann in die Hochbrücke über.
Aufbau der Verbindung
Die Øresundverbindung besteht aus drei Abschnitten: einem Tunnel, einer künstlichen Insel und einer Brücke. Die gesamte Strecke von der dänischen Küste bis zum schwedischen Ufer misst 15,9 Kilometer.
Der Drogden-Tunnel auf der dänischen Seite ist 4,05 Kilometer lang und liegt bis zu 75 Meter unter der Meeresoberfläche. Er besteht aus 20 vorgefertigten Betonelementen, die in einem ausgebaggerten Graben auf dem Meeresboden versenkt und aneinandergefügt wurden. Jedes Element wiegt etwa 55.000 Tonnen. Im Tunnel verlaufen zwei Autobahnspuren in jeder Richtung und darunter die Eisenbahngleise.
Die Brücke selbst ist 7,85 Kilometer lang und gliedert sich in drei Teile. Eine westliche Zufahrtsbrücke, die eigentliche Hochbrücke mit den markanten Pylonen und eine östliche Zufahrtsbrücke zum schwedischen Ufer. Die Hochbrücke in der Mitte hat eine lichte Durchfahrtshöhe von 57 Metern, sodass auch große Schiffe passieren können. Die beiden Pylone ragen 204 Meter in die Höhe und sind die höchsten Bauwerke in ganz Skandinavien.
Auf der Brücke verlaufen oben vier Autobahnspuren (zwei je Richtung) und unten zwei Eisenbahngleise. Diese Doppelstockbauweise ist ein Grund für die massiven Ausmaße des Bauwerks. Der Brückenträger wiegt insgesamt rund 82.000 Tonnen Stahl und ist damit eines der schwersten Brückenbauwerke der Welt.
Mit dem Auto über die Brücke
Die Überquerung mit dem Auto ist unkompliziert. Von Kopenhagen aus folgst du der Autobahn E20 Richtung Malmö. Nach dem Flughafen Kastrup beginnt der Tunnelabschnitt. Am Ende des Tunnels fährst du über Peberholm und dann auf die Brücke hinauf. Die Fahrt vom Tunneleingang bis zum schwedischen Ufer dauert etwa 15 Minuten bei normalem Verkehr.
Die Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Brücke beträgt 110 km/h, im Tunnel 90 km/h. Es gibt keine Mautstationen auf der Brücke selbst. Die Maut wird auf der schwedischen Seite kassiert, direkt nach der Brückenabfahrt bei Lernacken.
Bei starkem Wind kann die Brücke für den Verkehr gesperrt werden. Das kommt mehrmals im Jahr vor, vor allem im Herbst und Winter. Bei Windgeschwindigkeiten über 25 Meter pro Sekunde (90 km/h) wird die Brücke für alle Fahrzeuge gesperrt, bei geringeren Windstärken zunächst nur für hohe Fahrzeuge wie Lastwagen und Wohnmobile. Die aktuelle Verkehrslage lässt sich auf der Website des Øresundkonsortiums abrufen.
Die Brücke ist Teil der Autoroute durch Dänemark nach Schweden. Wer von Deutschland kommt, fährt über die Storebælt-Brücke nach Seeland, dann durch Kopenhagen und über den Øresund. Die gesamte Strecke von der deutsch-dänischen Grenze bis Malmö beträgt etwa 380 Kilometer und dauert rund vier Stunden.
Mautgebühren und Bezahlung
Die Überquerung der Øresundbrücke ist mautpflichtig. Die Gebühren richten sich nach dem Fahrzeugtyp und der Zahlungsart. Es gibt verschiedene Tarife für Einzelfahrten und Vielnutzer.
Mautgebühren Øresundbrücke (einfache Fahrt)
- PKW (bar/Karte): 540 DKK (ca. 72 EUR) / 59 EUR
- PKW mit Anhänger: 1.080 DKK (ca. 145 EUR) / 118 EUR
- Wohnmobil über 6 m: 1.080 DKK (ca. 145 EUR) / 118 EUR
- Motorrad: 300 DKK (ca. 40 EUR) / 33 EUR
- BroPas (Vertragskunde): ab 295 DKK (ca. 40 EUR)
- ØresundGO (Pendler): ab 190 DKK (ca. 25 EUR)
An der Mautstation kannst du mit Kreditkarte (Visa, Mastercard), Debitkarte oder bar in DKK, SEK oder EUR bezahlen. Die günstigste Option für Einzelfahrten ist die Zahlung in EUR per Karte. Wer regelmäßig über die Brücke fährt, spart mit dem BroPas-Vertrag deutlich. Die Jahresgebühr liegt bei 495 DKK (ca. 66 EUR), und jede Überfahrt kostet dann nur noch 295 DKK (ca. 40 EUR) statt 540 DKK.
Die Maut wird nur in einer Richtung erhoben, nämlich von Dänemark nach Schweden. Die Rückfahrt von Schweden nach Dänemark ist kostenlos. Es gibt keine getrennte Maut für den Tunnelabschnitt, der Preis gilt für die gesamte Querung.
An der Mautstation gibt es sowohl bemannte Schalter als auch Selbstbedienungsspuren. Die automatischen Spuren akzeptieren Kreditkarten und BroPas-Transponder. In der Hauptreisezeit im Sommer können sich an den bemannten Schaltern Warteschlangen bilden, die automatischen Spuren sind dann deutlich schneller.
Mit dem Zug über den Øresund
Die Zugverbindung über die Øresundbrücke gehört zu den praktischsten Bahnstrecken in ganz Skandinavien. Die Øresundzüge fahren alle 20 Minuten zwischen Kopenhagen Hauptbahnhof und Malmö Central. Die Fahrzeit beträgt 35 Minuten, wobei die eigentliche Brückenüberquerung etwa 10 Minuten dauert.
Die Züge fahren auf dem unteren Deck der Brücke. Leider hat man als Zugreisender daher keinen freien Panoramablick wie die Autofahrer auf dem Oberdeck. Durch die Fenster sieht man trotzdem das Meer und die Pylone der Brücke. Im Tunnelabschnitt ist es naturgemäß dunkel.
Ein Einzelticket von Kopenhagen nach Malmö kostet ab 119 DKK (ca. 16 EUR) in der zweiten Klasse. Online vorgebucht kann es günstiger sein. Kinder bis 15 Jahre fahren in Begleitung eines Erwachsenen kostenlos. Der Øresund-Rundt-Pass, der auch Busse und Metros in beiden Städten einschließt, lohnt sich für Tagesausflügler.
Für viele Reisende ist die Zugfahrt die bessere Wahl. Du sparst die Maut, musst keinen Parkplatz in Malmö suchen und bist mitten in der Stadt, wenn du am Hauptbahnhof aussteigst. Von dort sind es nur wenige Gehminuten in die Altstadt. Die Züge sind modern, saüber und pünktlich. WLAN ist kostenlos an Bord.
Wer weiter nach Stockholm, Göteborg oder in den Norden Schwedens will, kann in Malmö umsteigen. Die schwedischen SJ-Züge fahren von Malmö Central in alle größeren Städte des Landes.
Peberholm: Die künstliche Insel
Zwischen Tunnel und Brücke liegt die künstliche Insel Peberholm. Sie wurde aus dem Material aufgeschüttet, das beim Bau des Tunnels aus dem Meeresboden gebaggert wurde. Die Insel ist 4 Kilometer lang und 500 Meter breit. Ihr Name ist ein Wortspiel: Die natürliche Nachbarinsel heißt Saltholm (Salzholm), also wurde die neue Insel Peberholm (Pfefferholm) getauft.
Peberholm ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die Insel dient als Übergang zwischen Tunnel und Brücke und ist gleichzeitig ein Naturschutzgebiet. Biologen der Universität Kopenhagen untersuchen hier, wie sich Flora und Fauna auf einer völlig neuen Landmasse entwickeln. Seit der Aufschüttung 1999 haben sich über 500 Pflanzenarten angesiedelt, darunter mehrere seltene Orchideenarten. Vögel nutzen die Insel als Brutplatz, und eine Population von Grünen Strandkrabben hat sich etabliert.
Man fährt auf der Autobahn über Peberholm, ohne anhalten zu können. Links und rechts der Fahrbahn sieht man die flache Graslandschaft der Insel. Bei langsamer Fahrt oder im Stau lassen sich manchmal Vögel beobachten. Die Insel selbst ist unscheinbar, aber ihre Geschichte ist packend: ein Stück Land, das es vor 25 Jahren noch nicht gab und das sich die Natur Stück für Stück zurückerobert.
Die Brücke in der Popkultur
Spätestens seit der dänisch-schwedischen Krimiserie "Die Brücke" (Broen/Bron) kennt die ganze Welt die Øresundverbindung. In der Serie wird auf der Brücke genau auf der Grenze zwischen Dänemark und Schweden eine Leiche gefunden, und Ermittler aus beiden Ländern müssen zusammenarbeiten. Die Serie lief von 2011 bis 2018 in vier Staffeln und wurde in über 100 Länder verkauft.
"Die Brücke" hat dem Bauwerk einen Bekanntheitsgrad verschafft, den kein Marketingbudget hätte erreichen können. Touristen kommen nach Kopenhagen und Malmö, um die Drehorte zu besuchen. Der markante Porsche, den die schwedische Ermittlerin Saga Norén in der Serie fährt, ist zum Wahrzeichen geworden.
Die Brücke taucht auch in Musikvideos, Dokumentarfilmen und Fotobüchern auf. Ihre klare Architektur und die Kombination aus Technik und Natur machen sie zu einem beliebten Motiv. Besonders bei Sonnenuntergang, wenn die Pylone im goldenen Licht stehen und sich im Wasser spiegeln, ist der Anblick wild.
Für die Menschen in der Øresundregion ist die Brücke längst Alltag. Rund 20.000 Fahrzeuge und 35.000 Zugpassagiere nutzen sie täglich. Pendler aus Malmö arbeiten in Kopenhagen und umgekehrt. Studierende besuchen Universitäten auf der jeweils anderen Seite. Die Brücke hat aus zwei getrennten Städten eine zusammenhängende Metropolregion mit über vier Millionen Einwohnern gemacht.
Häufige Fragen
Was kostet die Überfahrt über die Øresundbrücke?
Ein PKW zahlt bei Kartenzahlung 59 EUR (540 DKK) für die einfache Fahrt von Dänemark nach Schweden. Die Rückfahrt ist kostenlos. Motorräder kosten 33 EUR, Fahrzeuge mit Anhänger 118 EUR. Mit einem BroPas-Vertrag sinkt der Preis auf etwa 40 EUR pro Überfahrt.
Wie lange dauert die Fahrt über die Øresundbrücke?
Die reine Fahrzeit über Tunnel, Insel und Brücke beträgt mit dem Auto etwa 15 Minuten. Mit dem Zug von Kopenhagen Hauptbahnhof nach Malmö Central sind es 35 Minuten insgesamt, davon etwa 10 Minuten auf der Brücke.
Kann man zu Fuß oder mit dem Fahrrad über die Brücke?
Nein, die Øresundbrücke ist ausschließlich für Autos und Züge zugelassen. Fußgänger und Radfahrer können die Strecke nicht nutzen. Fahrräder können aber kostenlos in den Øresundzügen mitgenommen werden.
Wird die Brücke bei Sturm gesperrt?
Ja, bei Windgeschwindigkeiten über 25 Meter pro Sekunde wird die Brücke für den gesamten Autoverkehr gesperrt. Bei geringeren Windstärken sind zunächst nur hohe Fahrzeuge wie LKW und Wohnmobile betroffen. Die Züge fahren in der Regel auch bei Sturm, werden aber bei extremen Wetterbedingungen ebenfalls eingestellt.
Wie lang ist die Øresundbrücke?
Die gesamte Verbindung von der dänischen Küste bis zum schwedischen Ufer misst 15,9 Kilometer. Davon entfallen 4,05 Kilometer auf den Tunnel, 4 Kilometer auf die künstliche Insel Peberholm und 7,85 Kilometer auf die Brücke.
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Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026