Kanu und SUP in Dänemark
Dänemark ist ein Land, das vom Wasser geprägt ist. Über 7.300 Kilometer Küstenlinie, Dutzende von Fjorden, Hunderte von Seen und ein Flussnetz, das sich durch Wälder und Wiesen schlängelt, machen das kleine skandinavische Land zu einem sehr guten Ziel für Paddler. Ob im Kanu auf der Gudenå, mit dem SUP Board durch die Kanäle von Kopenhagen oder im Seekajak entlang der Fjordküsten, die Möglichkeiten sind vielfältig.
Was Dänemark für Paddler besonders attraktiv macht, ist die Kombination aus ruhigen Gewässern und guter Infrastruktur. Entlang der beliebten Paddelrouten gibt es Lagerplätze, Shelters und Einsetzstellen, die regelmäßig gepflegt werden. Die Strömungen auf den Flüssen sind sanft, die Fjorde bieten windgeschützte Bereiche, und die Seen sind frei zugänglich. Du brauchst weder Wildwassererfahrung noch besondere Vorkenntnisse, um in Dänemark aufs Wasser zu gehen.
In den letzten Jahren hat Stand Up Paddling (SUP) in Dänemark einen regelrechten Boom erlebt. Besonders in Kopenhagen gehört es mittlerweile zum Stadtbild, wenn Menschen auf ihren Boards durch die Hafenkanäle gleiten. Aber auch an den Küsten und auf den Seen sieht man immer mehr Paddler, die diese ruhige Art der Fortbewegung für sich entdeckt haben.
Warum Dänemark zum Paddeln einlädt
Drei Eigenschaften machen Dänemark zu einem idealen Paddelrevier. Erstens: Das Land ist flach. Es gibt keine Gebirgsflüsse mit reißender Strömung, keine Stromschnellen und keine gefährlichen Wasserfälle. Die Flüsse fließen gemächlich durch die Landschaft, und selbst auf der Gudenå, dem längsten Fluss des Landes, überschreitet die Fließgeschwindigkeit selten mehr als zwei Kilometer pro Stunde.
Zweitens: Die Infrastruktur stimmt. Entlang der beliebtesten Paddelrouten wurden über Jahrzehnte Lagerplätze eingerichtet, an denen du dein Zelt aufschlagen oder in einem Shelter übernachten kannst. Einsetzstellen sind beschildert, Umtragestellen an Wehren markiert, und Verleihstationen bieten Equipment und Transfers an.
Drittens: Die Wasserqualität ist hoch. Dänemark hat in den letzten Jahrzehnten massiv in die Reinigung seiner Gewässer investiert. Die Gudenå, die Skjern Å und viele Seen haben heute eine Wasserqualität, die Baden und Schwimmen während der Paddeltour erlaubt. In Kopenhagens Hafenbecken kann man inzwischen bedenkenlos ins Wasser springen, was vor 30 Jahren undenkbar gewesen wäre.
Die Gudenå: Dänemarks Paddelfluss Nummer eins
Die Gudenå ist mit rund 160 Kilometern der längste Fluss Dänemarks und zugleich die mit Abstand beliebteste Paddelstrecke. Sie entspringt bei Tørring in Mitteljütland und mündet bei Randers in den Randers Fjord, der in den Kattegat führt. Der Fluss durchfließt eine abwechslungsreiche Landschaft aus Wiesen, Wäldern, Mooren und dem Silkeborg Seengebiet.
Die klassische Kanutour auf der Gudenå erstreckt sich über die Strecke von Tørring bis Silkeborg, rund 60 Kilometer, die in drei bis fünf Tagen gepaddelt werden. Der Fluss fließt ruhig und gleichmäßig, unterbrochen von einigen Wehren, an denen das Kanu umgetragen werden muss. Die Landschaft am Ufer wechselt zwischen offenem Weideland und dichten Erlenwäldern, in denen Eisvögel und Fischreiher nisten.
Das Silkeborg Seengebiet, etwa in der Mitte der Strecke, ist der landschaftliche Höhepunkt. Der Fluss weitet sich hier zu mehreren Seen auf, die von bewaldeten Hügeln umgeben sind. Der Julsø und der Brassø gehören zu den schönsten Binnengewässern Jütlands. Die Himmelbjerget Anhöhe am Südufer bietet einen weiten Blick über die Seenlandschaft und ist über einen kurzen Wanderweg vom Ufer aus erreichbar.
Entlang der Gudenå gibt es über 20 Lagerplätze mit Feuerstellen, Toiletten und Shelters. Die meisten sind kostenfrei, für einige wird eine geringe Gebühr von 30 bis 50 DKK (ca. 4 bis 7 Euro) pro Nacht erhoben. In der Hochsaison von Juni bis August können die beliebtesten Plätze voll werden, deshalb empfiehlt es sich, früh am Nachmittag das Lager aufzuschlagen.
Mehrere Verleihstationen an der Gudenå bieten Kanus, Kajaks und SUP Boards zum Mieten an. Die Tagesmiete für ein Kanu (zwei Personen) liegt bei etwa 350 bis 500 DKK (ca. 47 bis 67 Euro). Mehrtagestouren mit Transfers und vorgebuchten Lagerplätzen werden als Pakete angeboten und kosten zwischen 1.200 und 2.500 DKK (ca. 160 bis 335 Euro) pro Person für drei bis fünf Tage.
SUP in Kopenhagen
Kopenhagen hat sich in den letzten Jahren zu einer der besten Städte Europas für Stand Up Paddling entwickelt. Das Kanalsystem der Innenstadt, der Hafen und die angrenzenden Gewässer bieten Dutzende von Routen, die sich vom Wasser aus erkunden lassen. Wer die Stadt auf dem SUP Board erlebt, sieht sie aus einer Perspektive, die den meisten Touristen verborgen bleibt.
Die beliebteste Route führt durch die Kanäle von Christianshavn. Du paddelst vorbei an den bunten Häusern, unter historischen Brücken hindurch und hast vom Wasser aus einen ganz eigenen Blick auf die Erlöserkirche mit ihrer spiralförmigen Turmspitze. Die Route ist windgeschützt und auch für Anfänger geeignet.
Im Hafenbecken vor dem Nyhavn paddeln Geübte zwischen den festgemachten Segelbooten hindurch. An warmen Sommertagen herrscht hier viel Betrieb, und du teilst das Wasser mit Kajaks, Tretbooten und Schwimmern in den öffentlichen Hafenbädern. Das Wasser ist saüber genug zum Schwimmen, und die Hafenbäder „Islands Brygge" und „Kalvebod Bølge" liegen direkt an den SUP Routen.
Mehrere Verleihstationen in Kopenhagen bieten SUP Boards, Neoprenanzüge und Einweisungen an. Eine Stunde Board Miete kostet zwischen 150 und 200 DKK (ca. 20 bis 27 Euro), ein halber Tag zwischen 300 und 400 DKK (ca. 40 bis 54 Euro). Geführte SUP Touren durch die Kanäle werden für etwa 350 DKK (ca. 47 Euro) pro Person angeboten und dauern rund zwei Stunden.
Neben den Kanälen eignen sich die Seen im Westen der Stadt (Sortedams Sø, Peblinge Sø und Sankt Jørgens Sø) für ruhige Paddelrunden. Hier ist weniger Bootsverkehr als im Hafen, und die Umgebung mit den Altbauten am Ufer hat einen ganz eigenen Charme.
Fjorde und Küstengewässer
Roskilde Fjord
Der Roskilde Fjord, nur 30 Kilometer westlich von Kopenhagen, bietet sehr gute Bedingungen für Seekajakfahrer und SUP Paddler. Der Fjord ist relativ flach und durch die vorgelagerten Halbinseln windgeschützt. Von Roskilde aus paddelst du vorbei am Wikingerschiffmuseum und kannst den Fjord bis zu den kleinen Inseln Eskilsø und Hyldeholm erkunden.
Limfjord
Der Limfjord im Norden Jütlands ist ein ausgedehntes System aus Buchten, Inseln und Sunden, das Paddlern eine enorme Vielfalt bietet. Die Gewässer sind teilweise sehr flach und ruhig, was sie für Anfänger geeignet macht. Fortgeschrittene können mehrtägige Touren planen, die von Insel zu Insel führen. Die Inseln Mors, Fur und Livø sind mit dem Kajak erreichbar und bieten Übernachtungsmöglichkeiten.
Die Vogelwelt am Limfjord ist außergewöhnlich. Vom Kajak aus lassen sich Seeadler, Kormorane und Austernfischer beobachten, ohne die Tiere zu stören. Die flachen Buchten bei Vejlerne im Osten des Fjords gehören zu den artenreichsten Feuchtgebieten Nordeuropas.
Südfünische Inselmeer
Südlich von Fünen liegt ein Archipel aus über 50 Inseln, von denen nur wenige bewohnt sind. Dieses Revier gilt als eines der schönsten Seekajakgebiete Nordeuropas. Die Inseln sind durch flache, geschützte Gewässer verbunden, und die Entfernungen sind gering genug, um von Insel zu Insel zu paddeln. Auf einigen unbewohnten Inseln gibt es Shelters und Lagerplätze für Paddler.
Die Wassertemperaturen erreichen im Sommer 18 bis 22 Grad, und die Strömungen sind in den meisten Sunden gering. Vorsicht ist allerdings an einigen Engstellen geboten, wo Gezeitenströmungen auftreten. Geführte Seekajaktouren im Südfünischen Inselmeer werden von mehreren Anbietern in Svendborg und auf Ærø angeboten.
Seen und Binnengewässer
Silkeborg Seen
Das Seengebiet um Silkeborg in Mitteljütland gehört zu den landschaftlich schönsten Paddelrevieren Dänemarks. Die Seen Julsø, Brassø und Borresø sind durch kurze Flussabschnitte der Gudenå miteinander verbunden und lassen sich in ein bis drei Tagen umrunden. Die bewaldeten Hügel am Ufer erreichen Höhen von über 140 Metern, was für dänische Verhältnisse beachtlich ist. Silkeborg wird oft als die „Seenplatte Dänemarks" bezeichnet.
Susåen (Seeland)
Die Suså ist der längste Fluss Seelands und bietet auf rund 30 Kilometern eine gemütliche Paddeltour durch das ländliche Südseeland. Der Fluss schlängelt sich durch Wiesen und Wälder, vorbei an dem mittelalterlichen Schloss Gavnø. Die Strömung ist sanft, und der Fluss eignet sich sehr gut für Familien mit Kindern. Verleihstationen gibt es in Næstved und Haslev.
Skjern Å (Westjütland)
Die Skjern Å im Westen Jütlands wurde nach einer großflächigen Renaturierung zu einem der naturnahsten Flüsse Dänemarks. Die ehemals begradigten Abschnitte wurden in ein natürliches Flussdelta zurückverwandelt, das heute ein Paradies für Vögel und Paddler ist. Die Tour von Borris bis zur Mündung in den Ringkøbing Fjord dauert etwa zwei Tage. In der Skjern Å schwimmen Lachse und Meerforellen, und am Ufer brüten Kiebitze und Rotschenkel.
Verleih und Ausrüstung
An allen beliebten Paddelrevieren gibt es Verleihstationen, die Kanus, Kajaks und SUP Boards anbieten. Die Ausrüstung ist in der Regel in gutem Zustand und umfasst Paddel, Schwimmwesten und wasserdichte Packsäcke. Viele Verleiher bieten Transfers an, sodass du am Ende der Tour zum Ausgangspunkt zurückgebracht wirst.
Typische Preise für den Bootsverleih in Dänemark:
- Kanu (2 Personen): 350 bis 500 DKK (ca. 47 bis 67 Euro) pro Tag
- Kajak (1 Person): 250 bis 400 DKK (ca. 34 bis 54 Euro) pro Tag
- SUP Board: 150 bis 250 DKK (ca. 20 bis 34 Euro) pro Stunde
- Seekajak: 400 bis 600 DKK (ca. 54 bis 80 Euro) pro Tag
- Mehrtagespaket Gudenå (3 Tage): 1.200 bis 2.000 DKK (ca. 160 bis 268 Euro) pro Person
Wenn du eigene Ausrüstung mitbringst, beachte, dass Dänemark bei den Lagerplätzen ein Buchungssystem eingeführt hat. Über die Plattform „Book en Shelter" lassen sich Shelters und Zeltplätze reservieren. In der Hochsaison ist das dringend zu empfehlen.
Für SUP Anfänger bieten viele Verleihstationen Einführungskurse an. Ein zweistündiger Kurs kostet zwischen 300 und 500 DKK (ca. 40 bis 67 Euro) und vermittelt die Grundlagen des Paddelns, Stehens und Wendens. Auch die korrekte Falltechnik wird geübt, denn ins Wasser zu fallen gehört am Anfang dazu.
Regeln und Sicherheit
In Dänemark gilt für Kanus und Kajaks keine Schwimmwestenpflicht, allerdings wird das Tragen einer Schwimmweste dringend empfohlen. Auf der Gudenå ist das Tragen für Kinder unter 12 Jahren vorgeschrieben. SUP Paddler sollten eine Leash tragen, die das Board am Fußgelenk befestigt, damit es bei einem Sturz nicht wegtreibt.
An den Wehren der Gudenå und anderer Flüsse ist das Umtragen vorgeschrieben. Die Umtragestellen sind beschildert und mit Rampen oder Treppen versehen. Einige Wehre haben Bootsrutschen, die bei entsprechendem Wasserstand befahrbar sind, allerdings solltest du dich vorher bei der Verleihstation erkundigen.
In Vogelschutzgebieten gelten besondere Regeln. An der Gudenå sind einige Uferbereiche während der Brutzeit (März bis Juli) gesperrt, und das Anlegen ist nur an markierten Stellen erlaubt. In den Fjorden und Küstengewässern musst du einen Abstand von mindestens 50 Metern zu Seehundbänken einhalten.
Die Wassertemperatur kann auch im Sommer bei Kentern unangenehm werden. In der Ostsee und den Fjorden liegt sie im Juli bei etwa 18 bis 20 Grad, in den Seen Jütlands etwas höher. Für Seekajaktouren empfiehlt sich ein dünner Neoprenanzug, besonders im Frühjahr und Herbst.
An der Küste und auf den Fjorden solltest du die Wettervorhersage beachten. Dänemark ist windreich, und auf offenen Gewässern können sich schnell Wellen aufbauen. Paddler ohne Seekajakerfahrung sollten auf den Fjorden küstennah bleiben und bei Windstärken über 5 Beaufort nicht aufs Wasser gehen.
Häufig gestellte Fragen
Welcher Fluss eignet sich am besten für eine Kanutour in Dänemark?
Die Gudenå in Mitteljütland ist der beliebteste Paddelfluss Dänemarks. Sie ist ruhig fließend, hat eine gute Infrastruktur mit Lagerplätzen und Verleihstationen, und die Landschaft mit dem Silkeborg Seengebiet ist abwechslungsreich. Die klassische Tour von Tørring bis Silkeborg dauert drei bis fünf Tage.
Kann ich als Anfänger SUP in Kopenhagen machen?
Ja, die Kanäle von Christianshavn sind windgeschützt und ideal für Anfänger. Verleihstationen bieten Einführungskurse an, die etwa zwei Stunden dauern und zwischen 300 und 500 DKK (ca. 40 bis 67 Euro) kosten. Board Miete ohne Kurs gibt es ab 150 DKK (ca. 20 Euro) pro Stunde. Im Sommer ist das Wasser warm genug, dass ein Sturz ins Wasser kein Problem darstellt.
Was kostet eine Kanutour auf der Gudenå?
Ein Kanu für zwei Personen kostet zwischen 350 und 500 DKK (ca. 47 bis 67 Euro) pro Tag. Mehrtagespackets inklusive Kanu, Transfers und vorgebuchten Lagerplätzen gibt es ab etwa 1.200 DKK (ca. 160 Euro) pro Person für drei Tage. Die Lagerplätze selbst kosten zwischen 0 und 50 DKK (ca. 0 bis 7 Euro) pro Nacht.
Brauche ich in Dänemark eine Schwimmweste beim Paddeln?
Eine gesetzliche Schwimmwestenpflicht gibt es für Erwachsene nicht, aber das Tragen wird dringend empfohlen. Für Kinder unter 12 Jahren ist das Tragen auf der Gudenå vorgeschrieben. SUP Paddler sollten eine Leash tragen, die das Board am Fußgelenk befestigt. Die Verleihstationen stellen Schwimmwesten kostenlos zur Verfügung.
Wann ist die beste Zeit zum Paddeln in Dänemark?
Von Mai bis September sind die Bedingungen am besten. Die Wassertemperaturen liegen dann zwischen 16 und 22 Grad, und die Tage sind lang genug für ausgedehnte Touren. Juli und August sind die wärmsten Monate, aber auch die belebtesten auf der Gudenå. Juni und September bieten ruhigere Verhältnisse bei noch angenehmem Wetter.
Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026