Svendborg
Svendborg liegt an der Südküste von Fünen und ist mit rund 28.000 Einwohnern die zweitgrösste Stadt der Insel. Als Tor zur Dänischen Südsee verbindet die historische Hafenstadt maritimes Flair mit einer lebendigen Kulturszene und einer schönen Altstadt, die zum Bummeln einlädt.
Wer Svendborg besucht, spürt sofort die besondere Atmosphäre dieser Stadt. Der Blick fällt auf den Svendborgsund, wo Segelboote und historische Holzschiffe im Hafen schaukeln. Am gegenüberliegenden Ufer erstreckt sich die grüne Insel Tåsinge, die über eine Brücke bequem erreichbar ist. Die Lage macht Svendborg zum idealen Ausgangspunkt für Ausflüge in die Inselwelt der Dänischen Südsee, wo Inseln wie Ærø und Langeland mit ihren beschaulichen Dörfern und unberührten Stränden locken.
Die Stadt blickt auf eine über 700 Jahre alte Geschichte zurück. Bereits im 13. Jahrhundert erhielt Svendborg das Stadtrecht und entwickelte sich dank seiner geschützten Lage am Sund zu einem bedeutenden Handelshafen. Heute verbindet Svendborg diese historischen Wurzeln mit einer modernen, weltoffenen Lebensart, die Besucher und Einheimische gleichermassen schätzen.
Svendborg im Überblick
Svendborg ist nach Odense die zweitgrösste Stadt auf Fünen und gehört zur Region Süddänemark. Die Stadt erstreckt sich entlang der hügeligen Südküste der Insel und bietet dadurch immer wieder überraschende Ausblicke auf den Svendborgsund und die vorgelagerten Inseln. Das Stadtbild wird geprägt von einem Mix aus mittelalterlichen Fachwerkhäusern, stattlichen Kaufmannshöfen aus dem 18. und 19. Jahrhundert sowie modernen Kultureinrichtungen.
Im Vergleich zu vielen anderen dänischen Städten hat Svendborg seinen eigenständigen Charakter bewahrt. Die Stadt ist kein Freilichtmuseum, sondern ein lebendiger Ort mit einer aktiven Kunstszene, zahlreichen kleinen Geschäften und einer engagierten Gastronomie, die auf lokale Produkte von Fünen setzt. Besonders in den Sommermonaten erwacht die Stadt zum Leben, wenn die Terrassen der Cafés und Restaurants am Hafen gefüllt sind und Segelboote aus ganz Skandinavien den Hafen anlaufen.
Die Anreise nach Svendborg gestaltet sich unkompliziert. Von Dänemark aus führt die Autobahn E20 über die Storebæltsbroen nach Fünen, von wo aus Svendborg über die Landstrasse 9 in etwa 45 Minuten ab Odense erreichbar ist. Auch die Regionalbahn verbindet die beiden Städte regelmässig und fährt direkt ins Zentrum von Svendborg.
Hafen und maritime Tradition
Der Hafen ist das Herzstück von Svendborg und seit Jahrhunderten der Motor der Stadt. Bereits im Mittelalter war Svendborg ein wichtiger Umschlagplatz für den Handel zwischen den dänischen Inseln und dem Festland. Im 19. Jahrhundert erlebte die Stadt ihre Blütezeit als Werftstandort, und noch heute werden im Hafen historische Holzschiffe restauriert und gepflegt.
Besonders beeindruckend ist die Sammlung alter Segelschiffe, die im Hafen vor Anker liegen. Der Verein "Ring-Andersen" betreibt eine der letzten traditionellen Holzschiffswerften Dänemarks und hält die alte Handwerkskunst des Schiffbaus lebendig. Besucher können die Werft besichtigen und den Bootsbauern bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen. Einige der historischen Schiffe bieten in den Sommermonaten Tagestouren durch die Inselwelt an.
Entlang der Hafenpromenade erstreckt sich eine lebhafte Meile mit Restaurants, Cafés und kleinen Läden. Das alte Zollhaus und die ehemaligen Lagerhäuser wurden liebevoll restauriert und beherbergen heute Galerien und Boutiquen. Jeden Dienstag und Freitag findet am Hafen ein Wochenmarkt statt, auf dem Fischer ihren frischen Fang anbieten und Bauern aus der Umgebung regionale Produkte verkaufen.
Ein besonderes Erlebnis ist die jährlich stattfindende "Svendborg Classic Regatta", eines der grössten Treffen historischer Segelschiffe in Nordeuropa. Während des Festivals verwandelt sich der gesamte Hafen in ein maritimes Freilichtmuseum, und die Atmosphäre erinnert an die großen Zeiten der Segelschifffahrt.
Die Altstadt von Svendborg
Die Altstadt von Svendborg gehört zu den am besten erhaltenen historischen Stadtkernen auf Fünen. Enge, kopfsteingepflasterte Gassen winden sich den Hügel vom Hafen hinauf und führen vorbei an farbenfrohen Fachwerkhäusern, die teilweise aus dem 17. Jahrhundert stammen. Besonders sehenswert ist die Møllergade, die älteste Geschäftsstrasse der Stadt, die auch heute noch von inhabergeführten Läden und gemütlichen Cafés gesäumt wird.
Im Zentrum der Altstadt steht die Vor Frue Kirke, die Liebfrauenkirche, deren Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. Der markante rote Backsteinbau thront auf dem höchsten Punkt der Stadt und bietet vom Kirchturm aus einen weiten Blick über den Svendborgsund. Unmittelbar neben der Kirche befindet sich der ehemalige Klostergarten, der heute als öffentlicher Park genutzt wird und mit seinen alten Bäumen und Bänken eine willkommene Ruheoase im Stadtzentrum darstellt.
Das Svendborg Museum, untergebracht in einem historischen Fachwerkhaus aus dem Jahr 1735, erzählt die wechselvolle Geschichte der Stadt. Von der Wikingerzeit über die Blüte als Handelsstadt bis hin zur modernen Entwicklung werden alle Epochen anschaulich dargestellt. Besonders die Abteilung zur maritimen Geschichte mit originalem Werkzeug aus den alten Werften ist einen Besuch wert.
Wer durch die Altstadt schlendert, wird immer wieder auf kleine Plätze stossen, die zum Verweilen einladen. Der Torvet, der zentrale Marktplatz, bildet das gesellschaftliche Herz der Stadt. Hier treffen sich Einheimische und Besucher zum Kaffee, und im Sommer finden auf dem Platz regelmässig Konzerte und Veranstaltungen statt.
Tåsinge und Valdemars Slot
Direkt gegenüber von Svendborg liegt die Insel Tåsinge, die über die Svendborgsundbroen mit dem Festland verbunden ist. Die Überfahrt dauert mit dem Auto nur wenige Minuten und führt über eine 1966 erbaute Brücke, die einen herrlichen Blick auf beide Ufer bietet. Tåsinge ist mit knapp 6.000 Einwohnern überschaubar, aber reich an Geschichte und landschaftlicher Schönheit.
Die grösste Sehenswürdigkeit auf Tåsinge ist ohne Frage Valdemars Slot. Das prachtvolle Barockschloss wurde 1639 von König Christian IV. für seinen Sohn Valdemar Christian erbaut und zählt zu den schönsten Schlossanlagen Dänemarks. Heute befindet sich das Schloss in Privatbesitz, ist aber für Besucher geöffnet und beherbergt mehrere Museen.
Im Hauptgebäude können Besucher die historischen Räume besichtigen, darunter den großen Festsaal mit Deckengemälden und die privaten Gemächer der einstigen Bewohner. Im Nebengebäude befindet sich ein Spielzeugmuseum mit einer umfangreichen Sammlung historischer Spielsachen aus mehreren Jahrhunderten. Besonders für Familien mit Kindern ist ein Besuch lohnenswert, denn der weitläufige Schlosspark mit seinen alten Bäumen, dem Wildgehege und dem Zugang zum Strand bietet reichlich Platz zum Toben und Entdecken.
Neben dem Schloss lohnt sich auf Tåsinge auch ein Besuch des kleinen Ortes Troense. Das Dorf mit seinen strohgedeckten Häusern und dem ruhigen Hafen gilt als eines der schönsten Dörfer Dänemarks. Die schmalen Straßen sind von Obstbäumen gesäumt, und an vielen Häusern ranken sich Rosen und Kletterblumen. Im Sommer herrscht hier eine fast zeitlos wirkende Ruhe, die einen wohltuenden Kontrast zum lebhaften Treiben in Svendborg bildet.
Die Dänische Südsee
Svendborg ist der ideale Ausgangspunkt für das Inselhüpfen in der Dänischen Südsee. So wird das Gewässer südlich von Fünen genannt, das von zahlreichen kleinen und großen Inseln durchsetzt ist. Die geschützte Lage sorgt für ruhiges Wasser und ein mildes Mikroklima, das der Region ihren poetischen Namen eingebracht hat. Von Svendborg aus verkehren Fähren regelmässig zu den beliebtesten Inseln.
Die Insel Ærø erreicht man mit der Fähre in etwa 75 Minuten. Ærø gilt als das Juwel der Dänischen Südsee und bezaubert mit dem pittoresken Hafenstädtchen Ærøskøbing, dessen bunte Häuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert nahezu unverändert erhalten sind. Die Insel eignet sich hervorragend für Radtouren entlang der Küste, vorbei an Feldern, Windmühlen und kleinen Badestränden.
Langeland liegt östlich von Tåsinge und ist über eine Brücke von dort aus erreichbar. Die langgestreckte Insel bietet einige der schönsten Strände Südfünens und ist bekannt für ihre reiche Tierwelt. In den Gewässern rund um Langeland können Besucher mit etwas Glück Schweinswale beobachten, und das Langeland Fort Museum erzählt die Geschichte des Kalten Krieges aus dänischer Perspektive.
Für Segler ist die Dänische Südsee ein Paradies. Die vielen geschützten Naturhäfen und die kurzen Distanzen zwischen den Inseln machen das Revier auch für weniger erfahrene Segler attraktiv. In Svendborg können Segelboote gechartert werden, und mehrere Segelschulen bieten Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene an.
Naturama Museum
Das Naturama ist das moderne Naturkundemuseum von Svendborg und zählt zu den innovativsten Museen seiner Art in Dänemark. Das Gebäude selbst, ein architektonisch beeindruckender Bau mit einer geschwungenen Glasfassade, steht am Rande der Altstadt und verbindet Alt und Neu auf gelungene Weise.
Auf drei Etagen präsentiert das Naturama die Natur Dänemarks in spektakulären Inszenierungen. Die Ausstellungen sind thematisch nach Lebensräumen gegliedert und zeigen die Tierwelt des Meeres, der Küsten und des Binnenlandes in lebensnahen Dioramen. Besonders beeindruckend ist die Walausstellung mit einem originalgroßen Skelett eines Zwergwals, das von der Decke hängt und die Besucher beim Betreten des Museums in Staunen versetzt.
Was das Naturama von vielen anderen Naturkundemuseen unterscheidet, ist die Art der Präsentation. Statt verstaubter Vitrinen setzt das Museum auf Lichtinszenierungen, Klangkulissen und interaktive Stationen, die besonders Kinder begeistern. Die Vogeletage mit Hunderten präparierten Vögeln in naturgetreuer Umgebung ist ein Höhepunkt, ebenso wie die Unterwasserwelt im Erdgeschoss, in der die Meeresfauna der Dänischen Südsee vorgestellt wird.
Das Museum bietet regelmässig Sonderausstellungen und Veranstaltungen an. Im Sommer finden Exkursionen in die umliegende Natur statt, bei denen Biologen die Teilnehmer zu den besten Beobachtungsplätzen für Vögel und Meerestiere führen. Der Eintritt für Erwachsene liegt bei etwa 120 DKK (rund 16 Euro), Kinder bis 17 Jahre zahlen die Hälfte.
Essen und Trinken
Svendborg hat sich in den vergangenen Jahren zu einem kulinarischen Geheimtipp auf Fünen entwickelt. Die Nähe zum Meer und die fruchtbaren Böden der Insel liefern erstklassige Zutaten, die von den lokalen Köchen kreativ verarbeitet werden. Die Gastronomieszene ist überraschend vielfältig für eine Stadt dieser Grösse und reicht von traditionellen dänischen Smørrebrød-Lokalen bis hin zu ambitionierten Restaurants mit nordischer Küche.
Am Hafen reihen sich mehrere Restaurants aneinander, die frischen Fisch und Meeresfrüchte direkt vom Kutter anbieten. Besonders beliebt ist gebratener Hering, eine Spezialität der Region, die hier in verschiedenen Varianten serviert wird. In den Sommermonaten werden an den Imbissständen am Hafen auch frisch geräucherter Fisch und die typisch dänischen Fiskefrikadeller (Fischfrikadellen) angeboten.
Die Møllergade und die angrenzenden Seitenstrassen beherbergen zahlreiche gemütliche Cafés, in denen Kuchen und Gebäck nach traditionellen Rezepten gebacken werden. Wer die berühmte dänische Kaffeekultur erleben möchte, findet hier den richtigen Ort. Mehrere Cafés rösten ihre Bohnen selbst und servieren dazu hausgemachte Kanelbullar (Zimtschnecken) und Wienerbrød (dänisches Plundergebäck).
Für Selbstversorger lohnt sich ein Besuch auf dem Wochenmarkt, der jeden Mittwoch und Samstag auf dem Torvet stattfindet. Hier bieten Bauern aus der Umgebung frisches Obst und Gemüse, Käse von fünischen Hofkäsereien und handgemachte Marmeladen an. Fünen ist bekannt für seinen Apfelanbau, und im Herbst findet man auf dem Markt eine beeindruckende Vielfalt alter Apfelsorten.
Praktische Tipps
Die beste Reisezeit für Svendborg liegt zwischen Mai und September. In diesen Monaten sind die Tage lang, die Temperaturen angenehm und das kulturelle Angebot am vielfältigsten. Der Hochsommer im Juli und August bringt Durchschnittstemperaturen von 20 bis 22 Grad und eignet sich besonders gut zum Baden und Segeln. Allerdings ist dies auch die touristisch belebteste Zeit, weshalb eine frühzeitige Buchung der Unterkunft empfehlenswert ist.
Für die Anreise mit dem Auto nimmt man von Deutschland kommend die E45 nach Kolding und wechselt dort auf die E20 Richtung Fünen. Nach der Überquerung der Lillebæltsbroen folgt man der Route 9 südwärts nach Svendborg. Die Fahrzeit ab Hamburg beträgt etwa dreieinhalb Stunden. Alternativ verkehrt die Regionalbahn von Odense nach Svendborg stündlich, die Fahrt dauert rund 40 Minuten.
Svendborg lässt sich hervorragend zu Fuss oder mit dem Fahrrad erkunden. Die Innenstadt ist kompakt, und alle wichtigen Sehenswürdigkeiten liegen in fussläufiger Entfernung. Fahrräder können an mehreren Stellen in der Stadt gemietet werden und sind das ideale Fortbewegungsmittel für Ausflüge nach Tåsinge und in die Umgebung. Das gut ausgebaute Radwegenetz auf Fünen macht auch längere Touren zu einem Vergnügen.
An Unterkünften bietet Svendborg eine gute Auswahl. Neben Hotels verschiedener Kategorien finden sich gemütliche Bed-and-Breakfast-Pensionen in der Altstadt und Ferienwohnungen mit Hafenblick. Camping-Freunde steuern den Campingplatz am Stadtrand an, der über einen eigenen Strandabschnitt verfügt. Wer es besonders romantisch mag, kann auf Tåsinge in einem der historischen Gutshöfe übernachten, die zu charmanten Pensionen umgebaut wurden.
Ein praktischer Tipp für Sparfüchse: Die Svendborg Card, erhältlich in der Touristeninformation am Hafen, bietet freien Eintritt in mehrere Museen und Ermässigungen bei Fährfahrten und Restaurantbesuchen. Die Karte gibt es als Tages- oder Mehrtagesversion und rechnet sich bereits bei zwei bis drei Museumsbesuchen.
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Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026
Insider-Tipps Svendborg
Lokale Tipps
105 Bar & Køkken (Møllergade): Tapas-Teller auf alten Schulmöbeln. Cocktails überraschend günstig für Dänemark, am Wochenende rappelvoll.
Svendborgsund (am Hafen): Frischer Fisch aus lokaler Anlandung. Svendborg ist zertifizierte Cittaslow-Stadt, Slow Food wird hier gelebt.
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