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Hausboote in Dänemark
Auf dem Wasser wohnen

Hausboote in Dänemark

11 Min. Lesezeit

Das Wasser gluckst leise gegen den Rumpf, eine Möwe setzt sich auf die Reling, und der Kaffee dampft auf dem kleinen Tisch an Deck. Dänemark hat über 7.300 Kilometer Küstenlinie, dazu Fjorde, Kanäle, Seen und Binnengewässer. Es gibt kaum ein Land in Europa, das so sehr vom Wasser geprägt ist. Und es gibt kaum eine bessere Art, dieses Land zu erleben, als von einem Hausboot aus.

Die Tradition des Lebens auf dem Wasser hat in Dänemark tiefe Wurzeln. Schon die Wikinger bauten ihre Siedlungen an Küsten und Fjorden, und bis heute leben Tausende Dänen dauerhaft auf Hausbooten. In den Häfen von Kopenhagen sieht man neben Segelbooten und Motorjachten auch umgebaute Frachtschiffe, auf denen ganze Familien wohnen. Was für Besucher exotisch wirkt, ist für viele Dänen schlicht der Alltag.

Für Urlaüber hat sich in den letzten Jahren ein vielfältiges Angebot entwickelt. Man kann Hausboote mieten, die fest an einem Steg liegen und als schwimmende Ferienwohnung dienen. Man kann motorisierte Hausboote charttern und damit über Fjorde und Kanäle fahren. Und man kann auf umgebauten historischen Schiffen übernachten, die eine ganz eigene Atmosphäre haben.

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Hausboote im Kopenhagener Hafen
In den Kanälen von Kopenhagen liegen Hausboote direkt neben historischen Gebäuden (KI-generiert)

Der Reiz des Lebens auf dem Wasser

Wer zum ersten Mal auf einem Hausboot übernachtet, merkt schnell, dass sich das Zeitgefühl verändert. Es gibt kein Frühstücksbuffet, das um zehn schließt, keine Zimmernachbarn hinter der Wand und keinen Aufzug. Stattdessen gibt es den Rhythmus des Wassers, das Licht, das sich auf der Oberfläche spiegelt, und eine Stille, die man an Land selten findet.

Das Aufwachen auf dem Wasser hat eine eigene Qualität. Das Boot bewegt sich leicht, die Geräusche kommen von allen Seiten, und wenn man die Luke öffnet, sieht man als Erstes den Himmel. An guten Tagen ist er über Dänemark endlos weit und in einem Blau, das Maler seit Jahrhunderten versuchen festzuhalten. An schlechten Tagen hängen die Wolken tief, der Regen trommelt auf das Dach, und man sitzt mit einer Tasse Tee in der Kajüte und liest ein Buch. Beides hat seinen Reiz.

Für Familien mit Kindern ist das Hausboot ein Abenteuer, das mit keinem Hotel mithalten kann. Die Kinder fangen Krabben von der Reling, beobachten Schwäne und Kormorane und lernen, wie man Knoten bindet. Das enge Zusammenleben auf begrenztem Raum schafft eine Nähe, die im Alltag oft fehlt. Man kocht zusammen, spielt Karten, sitzt abends an Deck und beobachtet den Sonnenuntergang.

Paare schätzen die Romantik des Wassers. Ein Abendessen bei Kerzenlicht auf dem Deck eines Hausboots, während die Lichter des Hafens sich im Wasser spiegeln, gehört zu den Erlebnissen, die man nicht vergisst. In Kopenhagen gibt es Hausboote, die speziell auf Paare ausgerichtet sind: klein, gemütlich, mit einem Doppelbett unter einem Oberlicht, durch das man die Sterne sehen kann.

Hausboote in Kopenhagen

Kopenhagen ist die Hauptstadt der dänischen Hausboot-Kultur. In den Kanälen von Christianshavn, entlang der Havnepromenaden und im Sydhavn liegen Hunderte von Hausbooten, viele davon als Ferienwohnungen buchbar. Die Lage ist oft wild: mitten in der Stadt, mit Blick auf historische Gebäude, und trotzdem ruhiger als jedes Hotelzimmer an einer Hauptstraße.

Im Viertel Christianshavn liegen die meisten Miet-Hausboote. Die Kanäle hier wurden im 17. Jahrhundert angelegt, und die Häuser an den Ufern gehören zu den schönsten der Stadt. Von einem Hausboot im Christianshavns Kanal aus erreicht man die Innenstadt, die Oper und Nyhavn in wenigen Gehminuten.

Hausboot auf einem dänischen Fjord
Auf den ruhigen Gewässern der dänischen Fjorde lässt sich das Landleben vom Wasser aus genießen (KI-generiert)

Im Sydhavn, dem Südhafen, hat sich in den letzten Jahren eine lebendige Hausboot-Gemeinschaft entwickelt. Das Viertel ist weniger touristisch als Christianshavn, dafür authentischer. Hier leben Menschen dauerhaft auf ihren Booten, es gibt schwimmende Cafés und im Sommer wird direkt vom Boot aus ins Hafenwasser gesprungen. Die Wasserqualität in Kopenhagens Häfen ist mittlerweile so gut, dass Schwimmen erlaubt und beliebt ist.

Die Bootstypen in Kopenhagen reichen von umgebauten Frachtkähnen über skandinavische Holzboote bis zu modernen Floating Homes mit Glasfronten und Dachterrassen. Einige der beliebtesten Mietobjekte sind alte Holzsegelboote, die nicht mehr seetauglich sind, aber als schwimmende Ferienwohnungen wunderbar funktionieren. Sie haben den Charme vergangener Jahrzehnte und riechen nach Teer und Holz.

Wer Kopenhagen nicht nur von einem festen Liegeplatz aus erleben möchte, kann über den Anbieter GoBoat ein elektrisches Picknickboot mieten und selbst durch die Kanäle steuern. Einen Führerschein braucht man dafür nicht, und die Boote fahren so langsam, dass auch ohne Erfahrung nichts passieren kann. Eine Stunde kostet etwa 499 DKK (67 Euro) für ein Boot mit bis zu acht Plätzen.

Auf den Fjorden und Binnengewässern

Abseits von Kopenhagen bieten die Fjorde Jütlands die schönsten Reviere für Hausboot-Urlaub. Der Limfjord im Norden ist das größte zusammenhängende Binnengewässer Dänemarks und erstreckt sich über 180 Kilometer von der Nordsee bis zum Kattegat. Hier kann man tagelang fahren, ohne dieselbe Stelle zweimal zu passieren, und an kleinen Häfen anlegen, die wie aus einer anderen Zeit wirken.

Der Randers Fjord in Ostjütland ist schmaler und ruhiger als der Limfjord und eignet sich besonders für Anfänger. Die Ufer sind dicht bewaldet, und abgesehen von ein paar Anglern und Kajakfahrern ist man oft allein auf dem Wasser. Am Ende des Fjords liegt die Stadt Randers mit ihrem Regenwald, einem tropischen Erlebniszentrum unter drei Glaskuppeln.

In der Dänischen Südsee zwischen Fünen, Langeland und Ærø gibt es einige Anbieter von Hausbooten, die ihre Basis in den kleinen Häfen der Inseln haben. Das Revier ist geschützt, die Entfernungen zwischen den Inseln kurz und die Landschaft von einer sanften Schönheit, die an die Lagune von Venedig erinnert, nur ohne die Touristen.

Innenraum eines dänischen Hausboots
Moderne Hausboote verbinden kompaktes Wohnen mit durchdachtem Design und Komfort (KI-generiert)

Auf dem Gudenå, dem längsten Fluss Dänemarks, werden Kanu- und Kajaktouren angeboten, aber auch kleine Hausboote, die den Fluss hinunterfahren. Die Strecke von Tørring bis Randers ist etwa 160 Kilometer lang und führt durch Wälder, Wiesen und an kleinen Ortschaften vorbei. Die Strömung ist schwach, und das Fahren erfordert keine besondere Erfahrung.

Bootstypen und Ausstattung

Die Auswahl an Hausboot-Typen in Dänemark ist groß. Stationäre Hausboote sind fest vertäut und werden als schwimmende Ferienwohnungen vermietet. Sie haben den Vorteil, dass sie in der Regel mehr Platz und eine bessere Ausstattung bieten als fahrbare Boote. Voll ausgestattete Küche, separates Schlafzimmer, manchmal sogar eine Badewanne: Auf einem stationären Hausboot fehlt es an nichts.

Motorhausboote zum Selbstfahren gibt es in verschiedenen Größen, von kleinen Booten für zwei Personen bis zu großen Modellen für acht oder mehr. Die Motoren sind in der Regel Dieselmotoren, zunehmend aber auch Elektromotoren. Die Geschwindigkeit liegt bei fünf bis zehn Knoten, was etwa Fahrradtempo entspricht. Man kommt nicht schnell voran, aber darum geht es auch nicht.

Eine besondere Kategorie sind die Floating Homes, schwimmende Häuser, die mehr Haus als Boot sind. Sie sehen aus wie moderne Architektur auf dem Wasser, mit großen Glasflächen, Terrassen und einem Innendesign, das an ein Boutique-Hotel erinnert. In Kopenhagen und Aarhus gibt es mehrere dieser Floating Homes zur Miete. Sie liegen fest an ihrem Platz und bieten den Komfort einer Stadtwohnung mit dem Bonus des Wassers direkt vor der Tür.

Deck eines Hausboots in Dänemark mit Blick auf den Hafen
Das Deck ist der Lieblingsplatz auf jedem Hausboot: Frühstück, Sonnenbad und Abendessen unter freiem Himmel (KI-generiert)

Die Standardausstattung der meisten Miet-Hausboote umfasst eine Küche mit Herd, Kühlschrank und Geschirr, ein Bad mit Dusche und WC, Schlafplätze mit Matratzen und Bettwäsche sowie Strom und fließendes Wasser. Heizung ist auf den meisten Booten vorhanden, was für Aufenthalte außerhalb des Sommers wichtig ist. WLAN gibt es auf stationären Booten fast immer, auf fahrbaren Booten nicht überall.

Führerscheinfreie Möglichkeiten

In Dänemark braucht man für Boote mit einer Motorleistung bis 15 PS und einer Rumpflänge unter 15 Metern keinen Bootsführerschein. Das eröffnet viele Möglichkeiten für Urlaüber ohne nautische Erfahrung. Mehrere Vermieter haben sich auf diese führerscheinfreien Boote spezialisiert und bieten zu Beginn eine Einweisung von ein bis zwei Stunden an, in der die Grundlagen der Bedienung, die Vorfahrtsregeln auf dem Wasser und das Anlegen erklärt werden.

Auf den Binnengewässern und geschützten Fjorden ist das Fahren ohne Führerschein unproblematisch. Die Gewässer sind ruhig, der Verkehr überschaubar, und die Abstände zwischen den Häfen so kurz, dass man im Notfall schnell an Land ist. Auf der offenen See und in den stark befahrenen Gewässern rund um Kopenhagen ist ein Führerschein allerdings dringend empfohlen, auch wenn er rechtlich nicht in jedem Fall vorgeschrieben ist.

Die GoBoat-Picknickboote in Kopenhagen und Aarhus sind die einfachste Form des führerscheinfreien Bootfahrens. Die kleinen Elektroboote bieten Platz für bis zu acht Personen, fahren maximal sechs Kilometer pro Stunde und lassen sich mit einem einzigen Hebel steuern. Sie sind ideal für einen Nachmittag auf dem Wasser, aber nicht für Übernachtungen gedacht.

Für mehrtägige Touren ohne Führerschein eignen sich die Angebote auf dem Limfjord und dem Gudenå. Dort vermieten lokale Anbieter kleine Hausboote mit schwacher Motorisierung, die jeder bedienen kann. Die Routen sind vorab festgelegt, und an den Rastplätzen entlang der Strecke gibt es Anleger, Strom und Wasseranschlüsse.

Kosten und Buchung

Die Preise für Hausboote in Dänemark hängen vom Typ, der Lage und der Saison ab. Ein stationäres Hausboot in Kopenhagen kostet in der Hochsaison zwischen 800 und 2.500 DKK (107 bis 336 Euro) pro Nacht, je nach Größe und Ausstattung. In der Nebensaison sind 30 bis 50 Prozent Rabatt üblich. Außerhalb von Kopenhagen, etwa an den Fjorden oder auf den Inseln, liegen die Preise bei 600 bis 1.500 DKK (81 bis 201 Euro) pro Nacht.

Motorhausboote zum Selbstfahren werden in der Regel wochenweise vermietet. Eine Woche auf einem Boot für vier Personen kostet in der Hochsaison zwischen 8.000 und 15.000 DKK (1.074 bis 2.014 Euro), je nach Bootstyp und Vermieter. Die Kaution liegt meist bei 3.000 bis 5.000 DKK (403 bis 672 Euro) und wird bei schadensfreier Rückgabe vollständig erstattet. Kraftstoff ist im Preis nicht enthalten und wird nach Verbrauch abgerechnet.

Hausboote im Hafen einer dänischen Kleinstadt
In den kleinen Häfen entlang der Küste und an den Fjorden gibt es Liegeplätze für Hausboote (KI-generiert)

Zu den Nebenkosten gehören Liegegebühren in den Häfen (100 bis 300 DKK pro Nacht, also 13 bis 40 Euro), Strom und Wasser am Steg (oft pauschal 50 bis 100 DKK pro Tag), und gegebenenfalls eine Endreinigung (500 bis 1.000 DKK). Bettwäsche und Handtücher sind bei manchen Anbietern im Preis enthalten, bei anderen gegen Aufpreis buchbar.

Die Buchung erfolgt bei den meisten Anbietern über deren eigene Website. Stationäre Hausboote in Kopenhagen findet man auch über Airbnb und Booking.com. Für die Hochsaison von Juni bis August sollte man mehrere Monate im Voraus buchen, besonders in Kopenhagen. In der Nebensaison sind kurzfristige Buchungen oft möglich.

Praktische Tipps für den Alltag

Das Leben auf dem Wasser verlangt ein paar Anpassungen. Der Platz ist begrenzt, und man sollte nur das Nötigste mitnehmen. Weiche Taschen sind besser als Koffer, weil sie sich leichter verstauen lassen. Schuhe zieht man am Eingang aus, nicht nur aus Höflichkeit, sondern weil die Böden auf Booten empfindlicher sind als in einer Wohnung.

Seekrankheit ist auf stationären Hausbooten und auf den geschützten Binnengewässern normalerweise kein Problem. Die Boote liegen ruhig, und die Wellenbewegung ist minimal. Wer empfindlich ist, sollte allerdings ein Hausboot im Hafen einem Boot auf offener See vorziehen. In den ersten Nächten kann das leichte Schaukeln ungewohnt sein, aber die meisten Menschen gewöhnen sich schnell daran.

Die Wasserversorgung auf fahrbaren Hausbooten ist begrenzt. Der Tank fasst je nach Bootsgröße zwischen 100 und 300 Litern, was für zwei bis drei Tage reicht, wenn man sparsam ist. An den Anlegestellen in den Häfen kann man Wasser nachfüllen. Trinkwasser sollte man trotzdem in Flaschen mitnehmen, da die Qualität des Tankwassers nicht überall Trinkwasserstandard hat.

Das Bezahlen in den kleinen Häfen funktioniert zunehmend bargeldlos. Viele Häfen haben Automaten, an denen man die Liegegebühr mit Karte bezahlt. In manchen kleineren Häfen gibt es noch den Hafenmeister, der persönlich vorbeikommt und kassiert. Einen kleinen Betrag in bar dabei zu haben, schadet nie.

Tipp: Packen Sie warme Kleidung ein, auch im Sommer. Auf dem Wasser ist es immer einige Grad kühler als an Land, und abends kann es selbst im Juli empfindlich frisch werden. Eine Fleecejacke und eine winddichte Schicht gehören in jedes Hausboot-Gepäck.

Wer mit Kindern unterwegs ist, sollte auf Schwimmwesten achten. Auf den meisten Mietbooten sind sie vorhanden, aber nicht immer in allen Kindergrößen. Im Zweifelsfall eigene Westen mitbringen. Auf dem Deck sollten kleine Kinder grundsätzlich eine Weste tragen, auch wenn das Boot fest liegt.

Häufig gestellte Fragen

Braucht man einen Bootsführerschein?

Für Boote bis 15 PS Motorleistung und unter 15 Metern Länge ist in Dänemark kein Führerschein nötig. Die meisten Miet-Hausboote fallen in diese Kategorie. Eine Einweisung durch den Vermieter ist aber Standard und dringend empfohlen.

Kann man im Winter auf einem Hausboot wohnen?

Ja, viele stationäre Hausboote in Kopenhagen sind ganzjährig buchbar und haben Heizung. Das Erlebnis im Winter ist ruhiger und atmosphärischer als im Sommer, aber man sollte sich auf Kälte und kurze Tage einstellen. Die Preise sind in der Regel 30 bis 50 Prozent günstiger als im Sommer.

Sind Hausboote für Familien mit kleinen Kindern geeignet?

Stationäre Hausboote in geschützten Häfen eignen sich gut für Familien. Fahrbare Hausboote erfordern mehr Aufmerksamkeit, da Kleinkinder jederzeit Schwimmwesten tragen sollten. Viele Vermieter verlangen ein Mindestalter von drei Jahren für fahrbare Boote.

Wo findet man Hausboote zur Miete?

In Kopenhagen über Airbnb und spezialisierte Anbieter, an den Fjorden über lokale Vermieter. Die Website von VisitDenmark listet Anbieter nach Regionen auf. Für die Hochsaison sollte man mindestens drei Monate im Voraus buchen.

Was kostet eine Nacht auf einem Hausboot?

In Kopenhagen zwischen 800 und 2.500 DKK (107 bis 336 Euro) pro Nacht in der Hochsaison. Außerhalb der Hauptstadt ab 600 DKK (81 Euro). Dazu kommen Liegegebühren, Strom und eventuell Endreinigung.

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Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026