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Fünen: Schlösser, Märchen und der Garten Dänemarks
Dänemarks drittgrößte Insel zwischen Großem und Kleinem Belt

Fünen: Schlösser, Märchen und der Garten Dänemarks

12 Min. Lesezeit

Fünen liegt genau in der Mitte von Dänemark, eingeklemmt zwischen Jütland im Westen und Seeland im Osten. Zwei Brücken verbinden die Insel mit dem Rest des Landes, aber wer zum ersten Mal über den Großen Belt fährt und Fünen betritt, merkt sofort den Unterschied. Hier geht es ruhiger zu. Die Landschaft rollt sanft vor sich hin, gesäumt von Feldern und alten Alleen. Obstplantagen wechseln sich mit Heckenrosen ab. Zwischen den Hügeln tauchen immer wieder Herrenhäuser auf, umgeben von Parks, in denen uralte Bäume stehen.

Mit knapp 3.000 Quadratkilometern ist Fünen die drittgrößte Insel des Landes. Rund 500.000 Menschen leben hier, etwa die Hälfte davon in Odense, der Geburtsstadt von Hans Christian Andersen. Der Rest verteilt sich auf Kleinstädte und Dörfer, auf einzelne Höfe im Hinterland. Fünen hat sich seinen ländlichen Charakter bewahrt, obwohl die Insel verkehrstechnisch längst keine abgeschiedene Lage mehr hat. Die Storebæltsbro nach Seeland und die Lillebæltsbro nach Jütland machen Fünen zum Durchgangsland für alle, die von Kopenhagen an die Westküste wollen. Doch wer nur durchfährt, verpasst eine der reizvollsten Ecken Skandinaviens.

Der Spitzname „Garten Dänemarks" kommt nicht von ungefähr. Fünen ist die fruchtbarste Region des Landes, mit schweren Lehmböden, die seit Jahrhunderten Obst und Gemüse im Überfluss hervorbringen. Auf keiner anderen dänischen Insel stehen so viele Obstbäume, so viele Bauernhöfe mit Direktverkauf und so viele historische Gärten. Die Schlösser der Insel, von denen es über hundert gibt, wurden nicht ohne Grund genau hier gebaut. Wo das Land fruchtbar ist, siedelt sich Reichtum an.

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Warum Fünen der Garten Dänemarks heißt

Die Bezeichnung geht auf Hans Christian Andersen zurück, der Fünen in seinen Schriften als Garten bezeichnete. Was der Märchendichter damit meinte, wird jedem klar, der im Mai oder Juni über die Insel fährt. Dann blühen die Apfelbäume entlang der Landstraßen, die Rapsfelder leuchten gelb bis zum Horizont, und in den Bauerngärten stehen Rittersporn und Lupinen neben üppigen Pfingstrosen. Das milde Klima, begünstigt durch die geschützte Lage zwischen den Belten, sorgt dafür, dass auf Fünen Pflanzen gedeihen, die anderswo in Dänemark nicht wachsen.

Besonders eindrucksvoll zeigt sich das im Schlossgarten von Egeskov, wo exotische Gewächse neben einheimischen Stauden stehen, oder im botanischen Garten von Odense, der auf kleiner Fläche eine beachtliche Pflanzenvielfalt versammelt. Aber auch abseits der gepflegten Anlagen ist Fünen grüner als die meisten Regionen Dänemarks. Die Hecken zwischen den Feldern bieten Lebensraum für Vögel und Schmetterlinge. Die Wälder, obwohl nicht groß, sind alt und artenreich. Am Rande der Dörfer stehen Walnussbäume, die im Herbst ihre Früchte auf die Straße fallen lassen.

Blühende Obstbäume und Rapsfelder auf Fünen im Frühling
Im Frühling verwandeln Obstblüte und Rapsfelder die Landschaft Fünens in ein Farbenmeer (KI-generiert)

Die Landwirtschaft prägt Fünen bis heute. Auf den Wochenmärkten in Odense und Svendborg bieten Bauern aus der Umgebung ihre Produkte an: frische Erdbeeren im Juni, Kirschen im Juli, Äpfel im September. Dazu kommen Käse von kleinen Hofkäsereien, Honig aus eigener Imkerei und Fleisch von freilaufenden Rindern. Wer durch die Landschaft radelt, begegnet immer wieder Schildern am Straßenrand, die auf Hofläden hinweisen. Manchmal steht nur eine Kiste mit Kartoffeln vor dem Tor, daneben ein Kässchen für das Geld. Das Vertrauen funktioniert hier noch.

Odense: Die Stadt des Märchendichters

Odense ist mit rund 205.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Dänemarks. Sie liegt im Herzen von Fünen, eingebettet in eine flache Landschaft am Fluss Odense Å. Die Stadt ist alt, gegründet wurde sie vermutlich schon im 10. Jahrhundert, und der Name leitet sich von Odin ab, dem nordischen Göttervater. Doch der berühmteste Sohn von Odense ist kein Gott, sondern ein Dichter: Hans Christian Andersen, geboren 1805 in einem winzigen Haus in der Munkemøllestræde.

Das Geburtshaus ist heute Teil des H.C. Andersen Hus, eines Museums, das 2021 völlig neu gestaltet wurde. Der japanische Architekt Kengo Kuma hat einen unterirdischen Museumsbau geschaffen, der die Welt der Märchen auf sinnliche Weise erlebbar macht. Besucher wandern durch Räume, die wie begehbare Geschichten funktionieren: dunkle Wälder aus „Das hässliche Entlein", glitzernde Meereswelten aus „Die kleine Meerjungfrau", verschneite Landschaften aus „Die Schneekönigin". Das Museum zählt heute zu den besten literarischen Museen Europas.

Aber Odense besteht aus mehr als Andersen. Die Altstadt mit ihren Kopfsteinpflastergassen, der gotischen Domkirche Sankt Knud und dem Rathaus im neugotischen Stil lohnt einen ausgiebigen Spaziergang. Am Fluss entlang führt ein Weg durch den Munke Mose Park, wo Familien picknicken, Enten gefüttert werden und im Sommer Open-Air-Konzerte stattfinden. Das Kunstmuseum Brandts in einer ehemaligen Textilfabrik zeigt zeitgenössische dänische Kunst, und das Eisenbahnmuseum am Bahnhof begeistert nicht nur Kinder mit seinen historischen Lokomotiven.

Bunte Fachwerkhäuser in der Altstadt von Odense
Die Altstadt von Odense verbindet mittelalterlichen Charme mit lebendigem Stadtleben (KI-generiert)

Odense hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Der Hafen, einst ein Industriegebiet, wurde zum lebendigen Stadtviertel mit Restaurants und Kulturzentren umgestaltet. Eine neue Straßenbahn verbindet den Norden der Stadt mit dem Hafen. Trotzdem hat Odense seinen Kleinstadtcharakter nicht verloren. Man kommt zu Fuß oder mit dem Rad überall hin, die Entfernungen sind kurz, und in den Seitenstraßen der Innenstadt reihen sich kleine Geschäfte und Cafés aneinander, in denen man stundenlang sitzen und den Leuten beim Vorbeigehen zusehen kann.

Egeskov Slot: Europas besterhaltene Wasserburg

Etwa 30 Kilometer südlich von Odense steht Egeskov Slot, ein Renaissanceschloss aus dem Jahr 1554, das auf Eichenpfählen mitten in einem See errichtet wurde. Die Legende besagt, dass für das Fundament ein ganzer Eichenwald gefällt werden musste, daher der Name: Egeskov bedeutet Eichenwald. Das Schloss gehört zu den am besten erhaltenen Wasserburgen in ganz Europa und ist seit über 450 Jahren im Besitz der gleichen Adelsfamilie.

Der eigentliche Star von Egeskov sind die Gärten. Auf dem weitläufigen Gelände erstrecken sich mehrere thematisch gestaltete Gartenanlagen: ein Renaissancegarten mit geometrisch geschnittenen Buchsbaumhecken, ein Kräutergarten mit über hundert verschiedenen Pflanzen, ein Dahliengarten, der im Spätsommer in allen Farben leuchtet, und ein weitläufiger Landschaftspark mit alten Bäumen und versteckten Pfaden. Der berühmte Irrgarten aus mannshohen Bambushecken gehört zu den größten in Skandinavien. Wer den Weg hinein findet, braucht im Schnitt zwanzig Minuten, um wieder herauszukommen.

Neben den Gärten beherbergt das Gelände mehrere Ausstellungen. In den alten Stallungen steht eine Sammlung historischer Autos und Motorräder. Ein Baumwipfelpfad führt in luftiger Höhe durch die Kronen alter Buchen, und für Kinder gibt es einen Spielplatz, der zu den besten in Dänemark zählt. Egeskov ist kein verstaubtes Museum, sondern ein Ort, an dem man problemlos einen ganzen Tag verbringen kann. Im Sommer finden auf dem Gelände regelmäßig Märkte und kulinarische Veranstaltungen statt.

Schlösser und Herrenhäuser auf Fünen

Egeskov ist das bekannteste, aber bei weitem nicht das einzige Schloss auf Fünen. Die Insel besitzt über 123 Schlösser und Herrenhäuser, eine Dichte, die in Dänemark selten zu finden ist. Viele dieser Anwesen stammen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, als der fünische Adel vom fruchtbaren Ackerland und vom Handel über die Belte reich wurde. Einige Schlösser sind heute Hotels, andere beherbergen Museen, wieder andere sind im Privatbesitz und nur von außen zu besichtigen.

Besonders sehenswert ist Valdemars Slot auf der Insel Tåsinge, südlich von Svendborg. Das Barockschloss aus dem 17. Jahrhundert steht direkt am Wasser und besitzt einen eigenen Hafen, einen Wildpark mit Damhirschen und ein Seefahrtsmuseum. Holckenhavn Slot bei Nyborg ist ein Herrenhaus aus der Renaissance, das heute als Tagungshotel genutzt wird, dessen Gärten aber für Besucher zugänglich sind. Und Broholm Slot nahe Gudme beherbergt neben einem Hotel auch ein Museum, das Funde aus der Wikingerzeit und dem Mittelalter zeigt.

Historisches Herrenhaus auf Fünen umgeben von parkartiger Landschaft
Über 123 Schlösser und Herrenhäuser machen Fünen zur Schlösserinsel Dänemarks (KI-generiert)

Wer sich für die Schlössertour interessiert, kann einer ausgeschilderten Route folgen, die über Landstraßen an vielen dieser Anwesen vorbeiführt. Die sogenannte Schlösserroute (Slotternes Ø) ist rund 100 Kilometer lang und lässt sich mit dem Auto oder dem Fahrrad erkunden. Unterwegs passiert man die großen Namen, und auch kleine Gutshöfe, ehemalige Klöster und Landkirchen mit Fresken aus dem Mittelalter. Die Verbindung von Geschichte und Landschaft macht diese Tour zu einem der Höhepunkte jeder Fünen-Reise.

Die Küste und die Dänische Südsee

Fünens Küste erstreckt sich über mehr als 1.100 Kilometer, wenn man die Buchten und vorgelagerten Inseln mitzählt. Besonders die Südküste zwischen Faaborg und Svendborg gehört zu den schönsten Küstenabschnitten Dänemarks. Hier liegt die Dänische Südsee, ein Archipel aus kleinen Inseln, geschützten Buchten und ruhigem Wasser, das im Sommer fast türkis schimmert.

Segelboote im Hafen von Svendborg auf Fünen
Svendborg ist das Tor zur Dänischen Südsee und ein Paradies für Segler (KI-generiert)

Svendborg, die zweitgrößte Stadt Fünens, ist das Tor zur Dänischen Südsee. Von hier fahren Fähren nach Ærø, Drejø und Skarø. Der Hafen ist voller Segelboote, und im Sommer herrscht eine entspannte Atmosphäre, die an mediterrane Hafenstädte erinnert. Faaborg am westlichen Ende der Südküste ist kleiner, aber nicht weniger reizvoll. Der alte Kaufmannshafen mit seinen Speicherhäusern, die schmalen Gassen und der Glockenturm über der Stadt bilden eine Kulisse, die man so schnell nicht vergisst.

Die Strände auf Fünen sind keine Massentouristenziele. Es sind ruhige Abschnitte mit Sand oder feinem Kies, oft nur über Feldwege erreichbar. Hasmark Strand im Norden gehört zu den familienfreundlichsten, mit flachem Wasser und einem Campingplatz in unmittelbarer Nähe. Faldsled an der Südwestküste besticht durch seine geschützte Lage in einer Bucht. Und der Strand bei Fyns Hoved, der nördlichsten Spitze der Insel, bietet bei klarem Wetter Ausblicke bis nach Seeland und Jütland.

Radfahren, Wandern und Aktivurlaub

Fünen ist eine der besten Radfahrregionen Dänemarks. Das Gelände ist sanft hügelig, die Landstraßen sind ruhig, und das Netz an ausgeschilderten Radwegen zieht sich über die gesamte Insel. Der Østersøruten, der nationale Radweg Nr. 8, führt entlang der Südküste durch Svendborg und Faaborg und bietet ständig wechselnde Blicke aufs Meer. Die Fünen-Rundt-Route umrundet die gesamte Insel auf etwa 220 Kilometern und lässt sich in vier bis sechs Tagesetappen aufteilen.

Für Wanderer gibt es den Øhavsstien, einen Fernwanderweg, der auf 220 Kilometern entlang der Südküste und über mehrere vorgelagerte Inseln führt. Die Etappen sind zwischen 10 und 20 Kilometer lang, und unterwegs kommt man an Stränden, durch Wälder und über Hügel, von denen man die Inselwelt der Dänischen Südsee überblickt. Der Weg ist durchgehend markiert, und an vielen Stellen gibt es Shelters, einfache Holzhütten, in denen Wanderer kostenlos übernachten können.

Kajak- und Kanufahrer finden in den Gewässern rund um Fünen ideale Bedingungen. Die Buchten und Sunde zwischen den Inseln sind geschützt, die Strömungen gering, und die Abstände zwischen den Anlegeplätzen kurz genug, um auch Anfängern ein sicheres Paddeln zu ermöglichen. In Svendborg gibt es Verleihstationen, die geführte Touren anbieten. Angler kommen auf Fünen ebenfalls auf ihre Kosten: die Ostseegewässer rund um die Insel sind bekannt für Meerforellen, die vom Ufer aus gefangen werden können.

Radfahrer auf einem Küstenweg auf Fünen mit Blick auf die Ostsee
Fünens Küstenradwege gehören zu den schönsten Strecken Dänemarks (KI-generiert)

Anreise und praktische Tipps

Fünen ist von Deutschland aus gut erreichbar. Die schnellste Route führt über die A7 bis Flensburg, dann über die dänische E45 nach Kolding und weiter über die Lillebæltsbro auf die Insel. Die Fahrt von Hamburg nach Odense dauert etwa drei Stunden. Alternativ kann man über die Vogelfluglinie und die Storebæltsbro von Osten her anreisen. Züge der DSB verbinden Odense stündlich mit Kopenhagen und Aarhus, und der Bahnhof in Odense liegt zentral in der Innenstadt.

Auf Fünen selbst kommt man mit dem Auto oder dem Rad am besten voran. Der öffentliche Nahverkehr verbindet die größeren Orte durch Buslinien, aber für die kleinen Dörfer und die Küstenabschnitte ist ein eigenes Fahrzeug praktischer. Ferienhäuser gibt es in allen Preisklassen, vor allem entlang der Nord- und Südküste. In Odense stehen Hotels und Pensionen zur Wahl, und auf den Campingplätzen der Insel finden Wohnwagen und Wohnmobile Platz.

Die beste Reisezeit für Fünen liegt zwischen Mai und September. Im Frühsommer blühen die Obstbäume und Rapsfelder, im Hochsommer laden die Strände zum Baden ein, und der Herbst bringt Erntezeit und ruhigere Tage. Auch der Winter hat seinen Reiz, besonders wenn Odense seinen Weihnachtsmarkt aufbaut und die Stadt in warmem Licht leuchtet. Bargeld braucht man auf Fünen kaum, Kartenzahlung ist überall möglich.

Häufige Fragen zu Fünen

Warum wird Fünen als Garten Dänemarks bezeichnet? +

Hans Christian Andersen prägte diesen Beinamen. Fünen besitzt die fruchtbarsten Böden Dänemarks, und die Insel ist geprägt von Obstplantagen, Bauerngärten und Schlossparks. Das milde Klima zwischen den Belten begünstigt den Anbau von Obst und Gemüse, die anderswo im Land nicht gedeihen.

Wie lange braucht man für einen Besuch von Egeskov Slot? +

Für einen Besuch von Egeskov Slot sollte man mindestens einen halben Tag einplanen. Wer die Gärten, die Oldtimerausstellung, den Baumwipfelpfad und den Spielplatz in Ruhe erleben möchte, kommt leicht auf fünf bis sechs Stunden. Im Sommer lohnt es sich, den ganzen Tag einzukalkulieren, weil zusätzlich Märkte und Veranstaltungen stattfinden.

Kann man Fünen gut mit dem Fahrrad erkunden? +

Fünen gehört zu den besten Radregionen Dänemarks. Die Insel hat ein dichtes Netz aus ausgeschilderten Radwegen, das Gelände ist sanft hügelig, und die Landstraßen sind ruhig. Die Fünen-Rundt-Route umrundet die Insel auf 220 Kilometern. Fahrräder können in Odense und Svendborg gemietet werden.

Wie komme ich von Deutschland nach Fünen? +

Die schnellste Anreise führt über die A7 bis Flensburg und dann über die E45 und die Lillebæltsbro direkt auf die Insel. Von Hamburg aus dauert die Fahrt nach Odense rund drei Stunden. Alternativ gibt es Zugverbindungen der DSB, die Odense stündlich mit Kopenhagen und Aarhus verbinden.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026