Top 20 Sehenswürdigkeiten Baltikum
Das Baltikum verteilt seine Höhepunkte auf engstem Raum. Drei Hauptstädte mit UNESCO-Altstädten, dazwischen Nationalparks, Burgruinen und Küstenabschnitte, an denen im Hochsommer kaum jemand steht. Auf 600 Kilometern zwischen Tallinn und der litauischen Küste wechseln sich mittelalterliche Gassen, Jugendstilpaläste und unberührte Wälder ab.
Diese Liste stellt 20 Orte vor, sortiert nach Ländern von Nord nach Süd. Die Auswahl umfasst sowohl die großen Klassiker als auch Ziele, die in vielen Reiseführern fehlen.
Das Baltikum auf einen Blick
Was die Region von anderen europäischen Zielen abhebt, ist die Verdichtung der Kontraste. In Tallinn steht man in einer mittelalterlichen Altstadt, die so gut erhalten ist, dass man den Kopfsteinpflasterstraßen ihr Alter kaum ansieht. In Riga dominiert der Jugendstil ganze Straßenzüge. In Vilnius mischen sich Barock und sowjetische Plattenbauten zu einer Stimmung, die keine andere europäische Hauptstadt so hat.
Dazwischen liegt Natur, die in Westeuropa selten geworden ist: Moore, in denen man stundenlang wandern kann, ohne jemanden zu treffen. Wälder, die seit der letzten Eiszeit stehen. Strände, die im Hochsommer fast leer bleiben. Für eine Rundreise braucht man mindestens zwei Wochen, um die wichtigsten Punkte mitzunehmen.
Estland: Mittelalter trifft Moderne
1. Tallinner Altstadt (Vanalinn). UNESCO-Welterbe seit 1997. Die Altstadt hat zwei Ebenen: den Domberg (Toompea) mit Schloss und Aussichtsplattformen und die Unterstadt mit dem Rathausplatz, der Ratsapotheke (seit 1422 durchgehend in Betrieb) und engen Gassen voller Handwerksläden. Die Stadtmauer mit 26 erhaltenen Türmen umschließt das Viertel fast vollständig. Wer die Gassen ohne Gedränge will, kommt vor 9 Uhr morgens.
2. Lahemaa Nationalpark. 60 Kilometer östlich von Tallinn, Estlands ältester Nationalpark. Felsklippen, Sandstrände, Gutshäuser aus dem 18. Jahrhundert (Palmse, Sagadi) und der Viru-Hochmoor-Wanderweg mit Holzstegen über die Moorlandschaft. Der Weg ist 3,5 Kilometer lang, machbar in 1,5 Stunden. Kein Eintritt.
3. Insel Saaremaa. Estlands größte Insel (2.672 km²), erreichbar per Fähre von Virtsu in 30 Minuten (8 Euro pro Auto). Hauptort Kuressaare hat eine gut erhaltene Bischofsburg aus dem 14. Jahrhundert. Die Insel ist ruhig, ländlich, voller Windmühlen. Im Sommer blühen Orchideen auf den Kalksteinflächen.
4. Tartu. Estlands Universitätsstadt seit 1632. Das Hauptgebäude der Universität am Domberg, die Sternwarte und das Estnische Nationalmuseum (eröffnet 2016, entworfen von DGT Architects) sind die Anlaufpunkte. Tartu ist lebendiger als Tallinn, weil es eine echte Studentenstadt ist. Die Kneipenszene am Rüütli-Platz lebt abends auf.
5. Pärnu. Estlands Sommerhauptstadt, 3 Kilometer Sandstrand, Jugendstilvillen in der Innenstadt, Kurpark. Im Juli und August wird es voll, im Juni und September hat man den Strand fast für sich. Wassertemperatur im Sommer: 18 bis 21 Grad.
Lettland: Jugendstil und wilde Flusstäler
6. Rigas Jugendstilviertel. Lettlands Hauptstadt hat die weltweit größte Sammlung an Jugendstil-Gebäuden. Über 800 Häuser aus der Zeit um 1900, konzentriert in der Alberta iela und Elizabetes iela. Michail Eisenstein, der Vater des Filmemachers, hat die auffälligsten Fassaden entworfen. Das Jugendstilmuseum in der Alberta iela 12 zeigt eine komplett eingerichtete Wohnung aus der Epoche. Eintritt 9 Euro.
7. Altstadt von Riga. UNESCO-Welterbe. Rathausplatz mit dem Schwarzhäupterhaus, der Dom (1211), die Petrikirche mit Aussichtsplattform (9 Euro, 72 Meter Höhe) und die Drei Brüder, die älteste Häuserzeile der Stadt. Riga hat 630.000 Einwohner und fühlt sich kosmopolitischer an als Tallinn oder Vilnius.
8. Gauja-Nationalpark. Rote Sandsteinklippen am Fluss Gauja, Burgruinen (Turaida, Sigulda, Krimulda), Wanderwege durch dichte Wälder. Sigulda liegt eine Stunde von Riga entfernt und ist mit dem Zug erreichbar. Die Turaida-Burg (restauriert) hat ein Museum und einen Aussichtsturm. Eintritt 6 Euro.
9. Jūrmala. Rigas Strandvorort, 25 Kilometer westlich. 33 Kilometer Sandstrand, Holzvillen aus der Zarenzeit, Kurparks. Im 19. Jahrhundert war der Ort beliebtes Ziel des russischen Adels. Züge fahren im 20-Minuten-Takt ab Riga (30 Minuten Fahrzeit, 2 Euro).
10. Kap Kolka. Am nördlichsten Punkt Lettlands treffen Ostsee und Rigaischer Meerbusen aufeinander. Die Gegend gehört zum Slītere-Nationalpark. Die Küstendörfer der Liven, eines finno-ugrischen Volkes, das nur noch wenige Sprecher zählt, liegen am Rand. Ein stiller, wilder Ort.
Litauen: Barock und Kreuze
11. Altstadt von Vilnius. Die größte Barock-Altstadt Nordeuropas, UNESCO-Welterbe. Kathedrale am Schlossplatz, Gediminas-Turm (Aufstieg kostenlos, Museumsbesuch 5 Euro), Universität (gegründet 1579) und das Tor der Morgenröte mit einer verehrten Marienikone. Das Viertel Užupis hat sich 1997 scherzhaft zur unabhängigen Republik erklärt und ist voll mit Street Art.
12. Trakai. 28 Kilometer westlich von Vilnius. Die Wasserburg auf einer Insel im Galvė-See ist das meistfotografierte Gebäude Litauens. Im 14. Jahrhundert war Trakai Hauptstadt des Großfürstentums. Die Burg wurde im 20. Jahrhundert restauriert und beherbergt ein historisches Museum. Eintritt 10 Euro. Tretboote ab 10 Euro/Stunde, Kajaks ab 15 Euro.
13. Berg der Kreuze. 12 Kilometer nördlich von Šiauliai. Über 200.000 Kreuze auf einem Hügel, aufgestellt seit dem 19. Jahrhundert. Die Sowjets haben den Hügel mehrfach planiert, die Kreuze kamen immer wieder. Papst Johannes Paul II. besuchte den Ort 1993. Kein Eintritt, Kreuze zum Aufstellen gibt es an Ständen ab 2 Euro.
14. Kurische Nehrung. 98 Kilometer langer Sandstreifen zwischen Ostsee und Kurischem Haff, halb litauisch, halb russisch. Wanderdünen, der Hexenberg mit Holzskulpturen und das Thomas-Mann-Haus in Nida. UNESCO-Welterbe. Zufahrt per Fähre von Klaipėda (5 Minuten, 13 Euro pro Auto). Nationalparkgebühr: 5 Euro pro Person.
15. Kaunas. Litauens zweitgrößte Stadt (290.000 Einwohner), europäische Kulturhauptstadt 2022. Die Laisvės alėja, eine 1,6 Kilometer lange Fußgängerzone, bildet das Zentrum. Am Zusammenfluss von Neris und Nemunas stehen eine Burg aus dem 14. Jahrhundert und die Kathedrale. Das Teufelsmuseum (über 3.000 Teufelsfiguren) ist skurril, aber sehenswert. Eintritt 5 Euro.
Nationalparks und Natur
16. Soomaa Nationalpark (Estland). "Land der Moore" auf Estnisch. Berühmt für die "fünfte Jahreszeit" im März und April, wenn Schmelzwasser die Wälder überflutet und man mit dem Kanu zwischen Baumstämmen paddelt. Im Sommer: Moorwanderungen auf Holzstegen. Wenig Infrastruktur, viel Wildnis.
17. Ķemeri Nationalpark (Lettland). 40 Kilometer westlich von Riga. Der Große Ķemeri-Moorsteg (3,4 Kilometer) führt über ein Hochmoor mit kleinen Seen. Einer der beliebtesten Wanderwege Lettlands. Im Herbst ist die Farbpalette in den Birkenwäldern besonders intensiv. Kostenlos, ganzjährig zugänglich.
18. Dzūkija Nationalpark (Litauen). Einer der größten zusammenhängenden Kiefernwälder Europas. Die Dörfer im Park leben noch traditionell: Holzhäuser, Pilzesammeln, Imkerei. Wanderwege, Kanufahrten auf dem Fluss Ūla und eine Stille, die man aus Mitteleuropa kaum noch kennt.
Geheimtipps abseits der Hauptstädte
19. Cēsis (Lettland). 17.000 Einwohner, zwei Burgen. Die mittelalterliche Ruine der Livländischen Ordensritter (13. Jahrhundert) und das Neue Schloss daneben (18. Jahrhundert, heute Kunstmuseum). Im Burghof finden im Sommer Konzerte statt. Cēsis liegt im Gauja-Nationalpark und eignet sich als Basis für Wanderungen und Kanutouren.
20. Rundalė-Schloss (Lettland). 80 Kilometer südlich von Riga. Das "Versailles des Baltikums", entworfen im 18. Jahrhundert von Bartolomeo Rastrelli, dem Architekten des Winterpalasts in St. Petersburg. 138 Räume, viele mit Originalausstattung. Der Barockgarten dahinter beherbergt über 2.200 Rosensorten. Eintritt 14 Euro, Garten 7 Euro.
Praktische Hinweise
Die drei Altstädte lassen sich gut zu Fuß erkunden. In Tallinn schafft man die Altstadt an einem Tag, in Riga und Vilnius braucht man jeweils zwei Tage. Für die Nationalparks und Ausflugsziele außerhalb der Städte ist ein Auto die beste Wahl.
Die Eintrittspreise im Baltikum sind moderat. Museen kosten 5 bis 15 Euro, Burgen 6 bis 14 Euro. Viele Naturziele (Nationalparks, Strände, Wanderwege) sind kostenlos zugänglich. City Cards gibt es in allen drei Hauptstädten: Tallinn Card ab 33 Euro/24h, Riga Card ab 25 Euro/24h, Vilnius Pass ab 30 Euro/24h.
Die beste Reisezeit für die meisten Sehenswürdigkeiten ist Mai bis September. Im Winter haben die Altstädte ihren Reiz (Weihnachtsmärkte, niedrige Preise), aber viele Attraktionen außerhalb der Städte schließen Ende Oktober.
Häufige Fragen
Welche baltische Hauptstadt hat die schönste Altstadt?
Das ist Geschmackssache. Tallinn hat die am besten erhaltene mittelalterliche Altstadt mit Stadtmauer und Kopfsteinpflaster. Riga punktet mit dem größten Jugendstil-Ensemble weltweit. Vilnius bietet die größte Barock-Altstadt Nordeuropas. Wer alle drei sehen will, braucht mindestens zwei Wochen.
Sind die Sehenswürdigkeiten teuer?
Im Vergleich zu Westeuropa günstig. Ein ganzer Sightseeing-Tag in einer der Hauptstädte kostet inklusive Eintritte und Mittagessen etwa 40 bis 60 Euro pro Person. Das ist deutlich weniger als in Skandinavien oder Westeuropa.
Wie viel Zeit sollte man für die wichtigsten Orte einplanen?
Für die drei Hauptstädte allein braucht man 5 bis 7 Tage (2 Tage Tallinn, 2 Tage Riga, 2 Tage Vilnius). Wer Nationalparks und Kleinstädte dazunehmen will, plant 10 bis 14 Tage. Die Fahrzeiten zwischen den Hauptstädten betragen 4 bis 5 Stunden.
In welcher Reihenfolge besucht man die drei Länder?
Die Route von Nord nach Süd (Tallinn, Riga, Vilnius) ist am beliebtesten. Man kann per Fähre von Helsinki nach Tallinn anreisen und von Vilnius per Flug zurückkehren. Wer mit dem Auto über Polen kommt, startet in Vilnius und fährt nach Norden.
Ähnliche Artikel
Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.