Kreuzfahrt Norwegische Fjorde
Es gibt wenige Kreuzfahrtrouten, bei denen die Landschaft so nah kommt wie in den norwegischen Fjorden. Das Schiff fährt durch enge Wasserstraßen, links und rechts steigen Felswände Hunderte Meter in die Höhe, Wasserfälle stürzen ins Meer, und ab und zu taucht ein kleines Fischerdorf zwischen den Bergen auf. Die norwegischen Fjorde sind eine der beliebtesten Kreuzfahrtdestinationen in Europa, und sie sind es zu Recht.
Ich habe mich durch Prospekte, Bewertungen und Routenpläne gearbeitet und einige Häfen selbst besucht. In diesem Artikel sortiere ich die Informationen und helfe dir bei der Entscheidung: Welche Route passt zu dir, welche Reederei bietet was, und wann ist die beste Zeit für eine Fjord-Kreuzfahrt?
Warum eine Fjord-Kreuzfahrt?
Norwegens Fjorde erstrecken sich über eine Küstenlänge von mehr als 25.000 Kilometern. Viele der schönsten Orte liegen an Stellen, die auf dem Landweg nur schwer erreichbar sind. Eine Kreuzfahrt löst dieses Problem: Das Schiff bringt dich direkt in die Fjorde hinein, oft bis ans Ende des Gewässers, wo die Berge am steilsten und die Wasserfälle am nächsten sind.
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Ein weiterer Vorteil: Die Abfahrtshäfen liegen in Deutschland. Hamburg, Kiel und Warnemünde sind die häufigsten Startpunkte. Das bedeutet: kein Flug, kein Jetlag, kein Gepäckstress am Flughafen. Man steigt am Nachmittag aufs Schiff und wacht am nächsten oder übernächsten Morgen vor der norwegischen Küste auf.
Die Fjord-Kreuzfahrten unterscheiden sich deutlich von Ostsee- oder Mittelmeer-Kreuzfahrten. Es geht weniger um Städtetouren und Shopping, mehr um Natur und Outdoor. Die Landausflüge führen zu Gletschern, Bergwanderungen und Kajaktouren statt zu Kirchen und Museen. Und das Licht im Norden ist anders: weich und golden Sommer fast rund um die Uhr vorhanden.
Die wichtigsten Routen
Fjord-Kreuzfahrten lassen sich in drei Haupttypen unterteilen, je nachdem wie weit das Schiff nach Norden fährt.
Südnorwegen-Route (7 Tage): Kiel oder Hamburg, Stavanger, Bergen, Hellesylt/Geirangerfjord, Ålesund, zurück nach Kiel/Hamburg. Das ist die klassische Einsteigerroute und auch die günstigste. Man sieht die bekanntesten Fjorde (Geiranger, Hardanger, Sognefjord), besucht Bergen mit dem Bryggen-Viertel und hat noch einen Tag in Ålesund, der Art-Nouveau-Stadt. Zwei bis drei Seetage sind eingeplant.
Nordnorwegen-Route (10 bis 12 Tage): Hamburg, Bergen, Ålesund, Tromsø, Lofoten (Gravdal oder Svolvær), Trondheim, Bergen, Hamburg. Diese Route führt über den Polarkreis hinaus. In Tromsø und auf den Lofoten erlebt man im Sommer die Mitternachtssonne. Die Lofoten sind ein Höhepunkt, den man von Land aus sonst nur mit langer Autofahrt oder Inlandsflug erreicht.
Nordkap-Route (12 bis 14 Tage): Hamburg, Bergen, Tromsø, Honningsvåg (Nordkap), Hammerfest, Lofoten, Trondheim, Stavanger, Hamburg. Die längste Route geht bis ans Nordkap, den nördlichsten per Auto erreichbaren Punkt Europas. Der Busausflug von Honningsvåg zum Nordkap (35 km) kostet als organisierter Ausflug 80 bis 120 Euro. Im Sommer steht man dort um Mitternacht in der Sonne.
Reedereien im Vergleich
Mehrere große Reedereien fahren norwegische Fjord-Routen. Hier die wichtigsten mit ihren Besonderheiten.
AIDA Cruises: Deutschsprachig, ungezwungene Atmosphäre, keine festen Essenszeiten. AIDA fährt regelmäßig Fjord-Routen ab Kiel und Hamburg. Die Schiffe AIDAnova und AIDAperla werden häufig auf diesen Routen eingesetzt. Preise: ab 900 Euro pro Person für 7 Tage (Innenkabine). Vorteil: All-Inclusive-Option verfügbar (Getränke, Spezialitätenrestaurants). Nachteil: Große Schiffe (bis 6.600 Passagiere) können nicht in alle Fjorde fahren.
TUI Cruises (Mein Schiff): Premium-All-Inclusive ab Buchung (Getränke, Restaurants). Deutschsprachig. Etwas gehobener als AIDA, ruhigere Atmosphäre. Preise: ab 1.100 Euro pro Person für 7 Tage. Mein Schiff 1 und Mein Schiff 4 fahren häufig nach Norwegen. Vorteil: Alles inklusive, keine versteckten Kosten. Nachteil: Weniger Seetage mit Entertainmentprogramm als bei AIDA.
MSC Cruises: Günstigste Option, internationales Publikum. Bordsprache Englisch/Italienisch, Deutsch wird angeboten. Preise: ab 700 Euro für 7 Tage. MSC fährt Fjord-Routen ab Kiel und Hamburg. Vorteil: niedrigster Einstiegspreis. Nachteil: Getränke und Spezialitätenrestaurants kosten extra, große Schiffe mit über 5.000 Passagieren.
Hapag-Lloyd Cruises (Hanseatic): Expeditionskreuzfahrten mit maximal 230 Passagieren. Kleine Schiffe, die in Fjorde und Häfen fahren können, die für große Kreuzfahrtschiffe zu eng sind. Zodiac-Ausfahrten, Vorträge von Experten, gehobene Küche. Preise: ab 4.000 Euro pro Person. Vorteil: exklusive Routen, wenig andere Touristen, Expeditionscharakter. Nachteil: deutlich teurer.
Norwegian Cruise Line und Costa: Beide bieten Fjord-Routen an, starten aber oft ab Amsterdam oder Southampton. Für deutsche Reisende weniger praktisch, aber eine Option, wenn man die Anreise mit einem Städtetrip verbinden will.
Die besten Häfen und Landausflüge
Die Hafenstopps sind der Kern jeder Fjord-Kreuzfahrt. Hier die wichtigsten Häfen mit Tipps, was sich lohnt.
Bergen: Fast jede Fjord-Kreuzfahrt stoppt hier. Der Hafen liegt direkt am Bryggen, den bunten Holzhäusern am Kai. Man steht in 2 Minuten mittendrin. Die Standseilbahn auf den Fløyen (6 Euro) bietet den besten Blick über Stadt und Fjord. Der Fischmarkt am Hafen hat frische Meeresfrüchte und lokale Spezialitäten. Auf eigene Faust bestens machbar.
Geirangerfjord: Das Highlight der meisten Fjord-Kreuzfahrten. Das Schiff fährt den gesamten 15 Kilometer langen Fjord hinein, vorbei an den Wasserfällen "Die Sieben Schwestern" und "Der Freier". In Geiranger legen die Schiffe auf Reede (vor Anker), Tenderboote bringen die Passagiere an Land. Der organisierte Ausflug zum Aussichtspunkt Dalsnibba (1.500 m Höhe) kostet 80 bis 120 Euro und lohnt sich, weil man ohne Auto nicht hinkommt.
Stavanger: Die Ölhauptstadt Norwegens hat eine charmante Altstadt (Gamle Stavanger) mit 173 weißen Holzhäusern aus dem 18. Jahrhundert. Vom Hafen sind es 5 Minuten zu Fuß. Das Norwegische Ölmuseum ist ungewöhnlich und gut gemacht (15 Euro Eintritt). Der Preikestolen (Kanzelberg, 604 m über dem Lysefjord) ist von Stavanger aus erreichbar, aber die Wanderung dauert 4 bis 5 Stunden. Nur machbar, wenn das Schiff mindestens 10 Stunden im Hafen liegt.
Ålesund: Die Stadt wurde nach einem Großbrand 1904 im Jugendstil wiederaufgebaut. Die 418 Stufen zum Aussichtspunkt Aksla lohnen sich für den Blick über die Stadt und die umliegenden Inseln. Auf eigene Faust in 3 bis 4 Stunden gut zu schaffen. Wer mehr Zeit hat, fährt nach Runde Island (Vogelinsel mit Papageientauchern, Bootstour ab 40 Euro).
Tromsø: Die "Hauptstadt der Arktis" hat die Eismeerkathedrale, das Polaria-Erlebniszentrum und eine lebendige Innenstadt mit Cafés und Restaurants. Wer im Sommer kommt, erlebt die Mitternachtssonne. Wer im Herbst oder Winter kommt (seltener bei Kreuzfahrten), kann Nordlichter sehen. Die Fjellheisen-Seilbahn (18 Euro) bringt einen auf 420 Meter Höhe mit Panoramablick.
Beste Reisezeit und Wetter
Die Fjord-Kreuzfahrt-Saison läuft von Mai bis September. Jeder Monat hat seine Vor- und Nachteile.
Mai und Juni: Meine Empfehlung für die meisten Reisenden. Die Tage werden sehr lang (in Nordnorwegen geht die Sonne ab Ende Mai nicht unter), die Temperaturen liegen bei 10 bis 18 Grad, und die Wasserfälle führen viel Wasser wegen der Schneeschmelze. Preise sind 10 bis 20 Prozent unter der Hochsaison. Weniger Schiffe in den Häfen.
Juli und August: Hochsaison. Wärmstes Wetter (15 bis 25 Grad), die meisten Schiffe unterwegs, volle Häfen. In Bergen können an einem Tag drei oder vier Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig liegen. Die Preise sind am höchsten. Dafür ist das Wetter am verlässlichsten, und die Fjorde sehen bei Sonnenschein besonders gut aus.
September: Ruhiger, kühler, günstiger. Die Landschaft beginnt sich herbstlich zu färben. Ab Mitte September sieht man in Nordnorwegen die ersten Nordlichter. Das Wetter kann unbeständig sein, dafür sind die Häfen leerer. Preislich oft die günstigste Option.
Grundsätzlich gilt: Die norwegische Küste wird vom Golfstrom gewärmt, deshalb ist es milder als man bei der nördlichen Lage erwarten würde. Trotzdem sollte man wetterfeste Kleidung dabeihaben. Regen gehört in Bergen zum Alltag (es regnet dort an 230 Tagen im Jahr), und auf dem offenen Meer kann es windig werden.
Kosten und Buchungstipps
Was kostet eine Fjord-Kreuzfahrt pro Person? Hier eine Aufstellung für eine 7-Tage-Tour ab Kiel oder Hamburg.
- Innenkabine: 700 bis 1.200 Euro (MSC, AIDA) bzw. 1.000 bis 1.500 Euro (TUI Cruises)
- Balkonkabine: 1.200 bis 2.200 Euro. Für Fjord-Kreuzfahrten lohnt sich der Aufpreis, weil die Landschaft an der Kabine vorbeizieht.
- Landausflüge: 50 bis 150 Euro pro Ausflug. Bei 4 Hafenstopps summiert sich das auf 200 bis 600 Euro.
- Getränkepakete: 200 bis 400 Euro pro Woche (bei AIDA und MSC). Bei TUI Cruises inklusive.
- Trinkgelder: 10 bis 14 Euro pro Tag (werden automatisch abgebucht).
Spartipps: Frühbucher-Rabatte gibt es ab 12 Monate vor Abfahrt, oft 15 bis 25 Prozent Ersparnis. Last-Minute-Angebote tauchen 4 bis 6 Wochen vor Abfahrt auf. Die Vergleichsportale kreuzfahrten.de und dreamlines.de zeigen die Preise aller Anbieter auf einen Blick. Wer flexibel beim Datum ist, spart am meisten: Die erste und letzte Woche der Saison (Anfang Mai und Ende September) sind fast immer am günstigsten.
Mein Tipp für die Kabinenwahl: Eine Balkonkabine auf der Steuerbordseite (rechts in Fahrtrichtung) bietet auf der nordgehenden Route den besten Blick auf die Küste. Auf der südgehenden Route ist es umgekehrt. Wer in einen Fjord einfährt, sieht von beiden Seiten die Berge, also spielt die Kabinenseite dann keine Rolle.
Praktische Tipps an Bord
Eine wetterfeste Jacke und feste Schuhe gehören ins Gepäck. Bei Fjord-Durchfahrten steht man gern auf dem Außendeck, und dort kann es auch im Sommer kalt und windig sein. Ein Fernglas ist hilfreich, um Wasserfälle und Wildtiere (Seeadler, Robben) aus der Nähe zu sehen.
Die schönsten Momente auf einer Fjord-Kreuzfahrt sind die Fjord-Durchfahrten selbst. Die Durchfahrt durch den Geirangerfjord dauert etwa 90 Minuten, durch den Sognefjord bis zu 3 Stunden. Während dieser Zeiten leeren sich die Restaurants und Pools, weil alle auf den Außendecks stehen. Mein Rat: früh einen Platz auf dem obersten Außendeck sichern, am besten am Bug.
Bei den Landausflügen rate ich: In den Städten (Bergen, Stavanger, Ålesund) selbst erkunden. Die Häfen liegen zentral, und man kommt zu Fuß überall hin. Bei Naturzielen (Geirangerfjord, Gletscher, Nordkap) den organisierten Ausflug buchen, weil man ohne Transport nicht hinkommt. Wichtig: Die Schiffe warten auf die eigenen Ausflugsbusse, aber nicht auf Passagiere, die auf eigene Faust unterwegs sind und zu spät zurückkommen.
Häufig gestellte Fragen
Wird einem auf einer Fjord-Kreuzfahrt seekrank?
In den Fjorden ist das Wasser ruhig, weil die Berge den Wind abhalten. Seekrank werden die wenigsten Passagiere während der Fjord-Durchfahrten. Auf den Seetagen zwischen den Häfen, besonders auf der offenen Nordsee zwischen Deutschland und Norwegen, kann es aber wellig werden. Wer empfindlich ist, sollte Reisetabletten mitnehmen und eine Kabine mittschiffs buchen, dort schaukelt es am wenigsten.
Wie unterscheidet sich eine Fjord-Kreuzfahrt von den Hurtigruten?
Kreuzfahrtschiffe sind auf Komfort und Unterhaltung ausgelegt (Pools, Shows, Restaurants), machen wenige Stopps und fahren nur im Sommer. Die Hurtigruten sind eine Postschifflinie, die ganzjährig die norwegische Küste abfährt und an über 30 Häfen hält. Die Schiffe sind kleiner, die Atmosphäre ruhiger, die Route dichter an der Küste. Hurtigruten ist die bessere Wahl, wenn man viele kleine Orte sehen will. Eine Kreuzfahrt ist besser, wenn man Bordunterhaltung und großes Schiffsangebot schätzt.
Lohnt sich eine Balkonkabine bei einer Fjord-Kreuzfahrt?
Ja, bei Fjord-Kreuzfahrten mehr als bei jeder anderen Route. Während der Fjord-Durchfahrten hat man die Landschaft direkt vor dem eigenen Balkon. Man kann morgens im Bademantel die Berge vorbeiziehen sehen, ohne aufs Deck gehen zu müssen. Der Aufpreis gegenüber einer Innenkabine liegt bei 300 bis 800 Euro pro Person, lohnt sich aber für die Erfahrung.
Können große Kreuzfahrtschiffe in alle Fjorde fahren?
Nein. Ab 2026 gelten in den UNESCO-geschützten Fjorden (Geirangerfjord und Nærøyfjord) strengere Umweltauflagen. Schiffe müssen dort emissionsfrei fahren. Einige ältere Schiffe können diese Fjorde dann nicht mehr anfahren. Neuere Schiffe mit Hybridantrieb oder LNG-Antrieb sind davon nicht betroffen. Bei der Buchung lohnt es sich, die Routenbeschreibung genau zu lesen und zu prüfen, ob der Geirangerfjord tatsächlich angefahren wird.
Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026