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Das Nordkap
Am nördlichsten Punkt Europas

Das Nordkap

14 Min. Lesezeit

71 Grad 10 Minuten 21 Sekunden nördlicher Breite. Hier endet Europa. Ein 307 Meter hohes Felsplateau ragt in die Barentssee, dahinter kommt nur noch der Arktische Ozean. Das Nordkap in Norwegen ist seit Jahrhunderten ein Sehnsuchtsziel für Reisende, die einmal am Rand des Kontinents stehen wollen.

Ich war zweimal dort: einmal im Juli, als die Mitternachtssonne über dem Horizont schwebte und nicht untergehen wollte, und einmal im Winter, als es 24 Stunden dunkel war und der Wind mit 80 Stundenkilometern über das Plateau fegte. Beide Erlebnisse waren intensiv, auf völlig unterschiedliche Weise. In diesem Artikel teile ich alles, was du für eine Reise zum Nordkap wissen musst.

Das Nordkap: Warum alle dorthin wollen

Das Nordkap ist streng genommen nicht der nördlichste Punkt Europas. Die Landzunge Knivskjellodden, nur wenige Kilometer westlich, ragt 1.457 Meter weiter nach Norden. Aber das Nordkap hat die Klippe, den Globus, die Halle und die Geschichte. Und genau das macht den Unterschied. Hier standen schon der italienische Priester Francesco Negri (1664), König Oscar II. von Schweden-Norwegen (1873) und der König von Siam (1907). Seitdem ist das Nordkap ein Pilgerort für alle, die gern an Grenzen stehen.

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Was man am Nordkap tatsächlich sieht: eine flache, windgepeitschte Hochebene aus dunklem Schiefer, die senkrecht in die See abfällt. Kein Baum, kein Busch, nur Flechten und Moos. Am Rand steht die berühmte Weltkugel-Skulptur, ein großer Metallglobus, der zum meistfotografierten Objekt im hohen Norden geworden ist. Dahinter erstreckt sich das Meer bis zum Nordpol, 2.102 Kilometer entfernt.

Die Weltkugel-Skulptur am Nordkap bei Mitternachtssonne mit endlosem Meerblick
Die Weltkugel am Nordkap ist das Wahrzeichen des nördlichsten Punktes Europas. (KI-generiert)

Die Atmosphäre am Nordkap hängt stark davon ab, wann man kommt. Im Hochsommer stehen dort gleichzeitig Hunderte von Touristen, Wohnmobile parken in Reihen, und die Nordkaphalle verkauft Nordkap-Diplome für 50 NOK. Im Winter ist man manchmal allein auf dem Plateau, der Wind zerrt an der Jacke, und die Dunkelheit verstärkt das Gefühl, wirklich am Ende der Welt zu stehen.

Anreise zum Nordkap

Es gibt mehrere Wege ans Nordkap, und alle haben ihren Reiz. Hier die Optionen im Überblick.

Mit dem Auto oder Wohnmobil: Die häufigste Variante für deutsche Reisende. Die Strecke ab Hamburg beträgt etwa 3.200 Kilometer und dauert rund 40 Stunden reine Fahrzeit. Die meisten teilen die Fahrt in 4 bis 5 Tagesetappen auf. Die Route führt über Dänemark, Schweden und durch Finnland nach Nordnorwegen. Ab Alta sind es noch 210 Kilometer bis zum Nordkap. Seit 1999 verbindet der Nordkaptunnel (6,9 Kilometer lang, 212 Meter unter dem Meeresspiegel) das Festland mit der Insel Magerøya, auf der das Nordkap liegt. Die Mautgebühr für den Tunnel wurde 2012 abgeschafft.

Per Flug: Der nächste Flughafen ist Honningsvåg (Valan), 34 Kilometer vom Nordkap entfernt. Widerøe fliegt ab Tromsø oder Hammerfest. Ab Honningsvåg fährt ein Bus zum Nordkap (Fahrzeit 45 Minuten). Alternativ kann man nach Alta fliegen und von dort per Mietwagen weiterfahren (210 km, 3 Stunden).

Per Hurtigruten: Die Hurtigruten-Schiffe legen in Honningsvåg an. Von dort werden organisierte Busausflüge zum Nordkap angeboten (3 bis 4 Stunden, Kosten etwa 90 Euro). Der Aufenthalt in Honningsvåg ist bei der nordgehenden Route nachts (Ankunft gegen 11:45, Abfahrt gegen 15:15), bei der südgehenden Route tagsüber. Im Sommer bedeutet das: Nordkapbesuch um Mitternacht mit Sonne.

Per Kreuzfahrt: Mehrere Reedereien fahren Honningsvåg als Hafen an. Von dort geht es mit dem Ausflugsbus zum Nordkap. Die Ausflüge kosten je nach Reederei 80 bis 130 Euro. Der Aufenthalt am Nordkap selbst beträgt dabei etwa 1 bis 2 Stunden.

Vor Ort: Die Nordkaphalle und Umgebung

Die Nordkaphalle (Nordkapphallen) ist ein in den Felsen gebautes Besucherzentrum. Sie enthält ein Restaurant, ein Café, einen Souvenirladen, eine Kapelle (die nördlichste ökumenische Kapelle der Welt), ein Kino mit einem Panoramafilm über die Region und eine Ausstellung zur Geschichte des Nordkaps. Im Inneren ist es warm und windgeschützt, was nach dem Gang über das Plateau wohltuend ist.

Die steile Nordkap-Klippe ragt über die Barentssee bei dramatischem Licht
307 Meter fällt die Klippe am Nordkap senkrecht in die Barentssee ab. (KI-generiert)

Der Eintritt zum Nordkap-Areal kostet 310 NOK (etwa 27 Euro) für Erwachsene, Kinder bis 15 Jahre zahlen nichts. Im Preis enthalten ist der Zugang zur Halle, zum Plateau und zum Parkplatz. Die Gebühr wird gelegentlich kritisiert, weil man im Grunde für einen Blick auf das Meer zahlt. Aber sie finanziert die Infrastruktur, und die ist auf einem Felsplateau bei Sturm und Schnee nicht billig zu unterhalten.

Auf dem Plateau selbst gibt es neben der Weltkugel noch das Denkmal "Kinder der Erde" (sieben runde Relieftafeln, die von Kindern aus verschiedenen Ländern gestaltet wurden) und die Steinskulptur "Mutter und Kind" von Eva Rybak. Ein kurzer Wanderweg führt entlang der Klippe, aber Vorsicht: Es gibt kein Geländer. Der Wind kann plötzlich auffrischen, und der Abgrund ist real.

Wer den wirklich nördlichsten Punkt erreichen will, wandert zum Knivskjellodden. Der Wanderweg startet 9 Kilometer vor dem Nordkap an der E69 und ist 18 Kilometer lang (hin und zurück), wobei der Weg über Fels und Moor führt. Feste Wanderschuhe sind Pflicht. Am Ende wartet ein unscheinbarer Felsvorsprung ohne Halle, ohne Globus und ohne andere Touristen. Nur Meer.

Mitternachtssonne und Nordlichter

Am Nordkap geht die Sonne vom 14. Mai bis zum 29. Juli nicht unter. Das sind 77 Tage ununterbrochenes Tageslicht. Die Mitternachtssonne ist einer der Hauptgründe, warum Reisende im Sommer ans Nordkap kommen. Der Moment, wenn die Sonne um Mitternacht knapp über dem Horizont schwebt, goldgelb auf dem Meer reflektiert und dann wieder aufsteigt, gehört zu den intensivsten Naturerlebnissen im Norden.

Im Winter kehrt sich alles um. Vom 21. November bis zum 21. Januar herrscht Polarnacht (mørketid). Die Sonne steigt nicht über den Horizont, aber komplett dunkel ist es nur wenige Stunden am Tag. In der Dämmerung färbt sich der Himmel in Blau- und Rosatöne, und wenn der Himmel klar ist, tanzen Nordlichter über das Plateau. Das Nordkap liegt weit genug nördlich, um in der Aurora-Zone zu liegen, und die fehlende Lichtverschmutzung macht die Sichtungen hier besonders klar.

Mein Rat: Wer die Mitternachtssonne erleben will, sollte Ende Juni bis Mitte Juli kommen. Das Wetter ist dann am stabilsten, und die Wahrscheinlichkeit für klaren Himmel am höchsten. Für Nordlichter eignen sich Oktober bis Februar, aber die Straße zum Nordkap kann im Winter wegen Schneesturm gesperrt sein. Dann muss man in Honningsvåg warten, manchmal mehrere Tage.

Kosten und Budget

Eine Reise zum Nordkap ist nicht günstig. Norwegen gehört zu den teuersten Ländern Europas, und je weiter man nach Norden kommt, desto höher werden die Preise für Lebensmittel und Unterkünfte. Hier eine realistische Kalkulation.

  • Eintritt Nordkap-Areal: 310 NOK (27 Euro) pro Person
  • Übernachtung in Honningsvåg: ab 120 Euro (Hotel), ab 25 Euro (Campingplatz mit Wohnmobil)
  • Benzin für die Anreise (ab Tromsø, 500 km): etwa 80 Euro (hin und zurück)
  • Essen in Honningsvåg: 15 bis 25 Euro pro Mahlzeit im Restaurant
  • Mietwagen ab Alta oder Tromsø: 80 bis 120 Euro pro Tag
  • Hurtigruten-Ausflug ab Honningsvåg: circa 90 Euro
Die E69 führt über die karge Landschaft der Insel Magerøya Richtung Nordkap
Die E69 zum Nordkap führt über die karge Hochebene der Insel Magerøya. (KI-generiert)

Spartipps: Wer mit dem Wohnmobil reist, spart die teuren Hotelkosten. Lebensmittel aus dem Supermarkt in Honningsvåg (Rema 1000 oder Joker) kosten 30 bis 50 Prozent weniger als im Restaurant. Die Straße zum Nordkap ist mautfrei, der Nordkaptunnel ebenfalls. Und wer die Mitternachtssonne erleben will, braucht kein Hotel: Man kann die ganze Nacht am Nordkap verbringen und spart sich eine Übernachtung.

Honningsvåg und Magerøya

Honningsvåg ist mit etwa 2.500 Einwohnern die nächstgelegene Stadt zum Nordkap und der Ausgangspunkt für die meisten Besuche. Der Ort liegt geschützt in einer Bucht und hat einen kleinen Hafen, in dem Hurtigruten und Kreuzfahrtschiffe anlegen. Es gibt mehrere Hotels (Scandic Honningsvåg, Arran Nordkapp), Restaurants und einen Supermarkt.

Die Insel Magerøya, auf der sowohl Honningsvåg als auch das Nordkap liegen, hat abseits des Nordkaps einiges zu bieten. Das Fischerdorf Gjesværstappan beherbergt eine der größten Papageientaucher-Kolonien Norwegens (Bootstouren ab Mai bis August, circa 50 Euro). Die Ortschaft Kamøyvær hat bunte Fischerhäuser und eine Galerie. Und der Wanderweg entlang der Küste zwischen Skarsvåg (dem nördlichsten Fischerdorf der Welt) und dem Nordkap ist eine lohnende Alternative zur Autofahrt.

Alternativen zum Nordkap

Wer den Rummel am Nordkap meiden will, hat Alternativen. Die Wanderung zum Knivskjellodden (18 km hin und zurück, 5 bis 7 Stunden) bringt dich zum tatsächlich nördlichsten Punkt Europas, ganz ohne Eintritt und ohne andere Touristen. Die Wanderung ist nicht schwierig, aber das Gelände ist steinig und bei Nässe rutschig.

Wer noch weiter nördlich will, fliegt nach Svalbard (Spitzbergen). Die arktische Inselgruppe liegt auf 78 Grad Nord, deutlich nördlicher als das Nordkap. Longyearbyen, die Hauptstadt, ist per Flug ab Oslo oder Tromsø erreichbar. Allerdings ist Svalbard eine ganz andere Art von Reise: Eisbären, Gletscher und Expeditionsausrüstung statt eines asphaltierten Parkplatzes.

Für eine ruhigere Nordkap-Erfahrung empfehle ich, am späten Abend oder frühen Morgen zu kommen. Die Reisebusse und Kreuzfahrt-Ausflügler sind zwischen 10 und 18 Uhr da. Danach leert sich das Plateau, und man hat die Klippe und die Mitternachtssonne oft fast für sich allein.

Der Hafen von Honningsvåg mit bunten Häusern und Fischerbooten
Honningsvåg ist der Ausgangspunkt für die meisten Nordkap-Besuche und hat einen eigenen ruhigen Charme. (KI-generiert)

Häufig gestellte Fragen

Wie lange sollte man für einen Besuch am Nordkap einplanen?

Für das Nordkap selbst reichen 2 bis 3 Stunden: Plateau besichtigen, Halle anschauen, Fotos machen. Aber die Anreise ist der halbe Spaß. Ich empfehle mindestens 2 Nächte in der Region, um auch Honningsvåg, Gjesværstappan (Papageientaucher) und eventuell die Wanderung zum Knivskjellodden einzubauen.

Ist die Straße zum Nordkap im Winter befahrbar?

Die E69 zum Nordkap ist ganzjährig geöffnet, kann aber bei starkem Schneefall oder Sturm kurzfristig gesperrt werden. In den Wintermonaten (November bis April) gibt es eine Kolonnenkjøring: Fahrzeuge werden in Gruppen hinter einem Schneepflug zum Nordkap geführt. Aktuelle Straßenverhältnisse prüft man auf vegvesen.no. Winterreifen sind Pflicht von November bis April.

Kann man am Nordkap übernachten?

Direkt am Nordkap gibt es keine Unterkunft. Die Nordkaphalle schließt abends (außer in der Mitternachtssonnen-Saison, dann ist sie bis 1 Uhr geöffnet). Auf dem Parkplatz darf man nicht über Nacht parken. Die nächsten Unterkünfte sind in Skarsvåg (14 km) oder Honningsvåg (34 km). In Skarsvåg gibt es ein kleines Hotel und einen Campingplatz.

Ist das Nordkap wirklich der nördlichste Punkt Europas?

Nein, nicht ganz. Die Landzunge Knivskjellodden auf derselben Insel liegt 1.457 Meter weiter nördlich. Das Nordkap ist aber der nördlichste Punkt, den man mit dem Auto erreichen kann. Wenn man überseeische Gebiete mitzählt, liegen Svalbard (Norwegen) und Franz-Josef-Land (Russland) noch deutlich weiter im Norden.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026