Bikepacking in Schweden
Schweden ist eines der besten Bikepacking-Länder der Welt. Das Jedermannsrecht erlaubt Wildcamping fast überall, die Straßen sind leer, die Natur ist gewaltig und die Infrastruktur ist gerade so gut, dass man nie komplett abgeschnitten ist. Man kann tagelang durch Wälder radeln, ohne eine Stadt zu durchqueren, und trotzdem jeden Abend frisches Wasser und einen Zeltplatz am See finden.
Mein erstes Bikepacking-Abenteuer in Schweden war eine spontane Entscheidung. Ich hatte mein Gravelbike im Zug von Stockholm nach Mora mitgenommen, ohne festen Plan, ohne gebuchte Unterkunft, nur mit einem Zelt, einem Schlafsack und dem vagen Vorhaben, „irgendwie nach Norden" zu fahren. Fünf Tage und 400 Kilometer später stand ich in Gävle an der Küste, sonnenverbrannt, muskelkater und so glücklich wie selten in meinem Leben. Ich hatte an drei verschiedenen Seen gezeltet, in einem Fluss gebadet, mit einem alten Schweden in seinem Sommerhaus Kaffee getrunken und ein Elchkalb aus zehn Metern Entfernung beobachtet.
Seitdem bin ich jedes Jahr in Schweden zum Bikepacking, und jede Tour ist anders. Dieser Artikel fasst zusammen, was ich gelernt habe: die besten Routen, die richtige Ausrüstung, das Jedermannsrecht in der Praxis und alles, was man als deutscher Bikepacker in Schweden wissen sollte.
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Warum Schweden perfekt für Bikepacking ist
Bikepacking lebt davon, dass man unabhängig ist: kein Hotel buchen, keinen Campingplatz reservieren, einfach fahren und dort schlafen, wo es schön ist. Das Jedermannsrecht (Allemansrätten) macht Schweden zum idealen Land dafür. Man darf fast überall zelten, solange man nicht auf bebautem Land steht und keine Schäden hinterlässt. An Seen, im Wald, auf Lichtungen: Man wählt seinen Platz aus, baut das Zelt auf und bleibt bis zu zwei Nächte. Das ist in den meisten europäischen Ländern undenkbar.
Schweden hat außerdem ein dichtes Netz von Schotter- und Waldwegen, die wie gemacht sind für Gravelbikes und Mountainbikes. Die „Skogsbilvägar" (Waldstraßen) wurden ursprünglich für die Forstwirtschaft angelegt und durchziehen das ganze Land. Sie sind meistens in gutem Zustand, wenig befahren und führen durch Landschaften, die man von der Hauptstraße aus nie sehen würde. Auf den Hauptstraßen gibt es wenig Verkehr, vor allem im Norden, wo man stundenlang fahren kann, ohne ein Auto zu sehen.
Das Wasser ist ein weiterer Pluspunkt. Schweden hat über 100.000 Seen, und das Wasser in den meisten davon ist Trinkwasserqualität. Man füllt seine Flasche direkt am See oder Bach auf, ohne Filter, ohne Tabletten. In Norrland kann man bedenkenlos aus fast jedem Gewässer trinken. Im Süden, wo die Landwirtschaft intensiver ist, sollte man vorsichtiger sein und im Zweifelsfall filtern.
Die Sicherheit ist ebenfalls ein Faktor. Schweden hat eine extrem niedrige Kriminalitätsrate, und auf dem Land ist es noch sicherer. Man lässt sein Rad nachts am Zelt stehen, ohne es abzuschließen. Man trifft im Wald Menschen, die freundlich grüßen und weiterziehen. Die Tierwelt ist friedlich: Elche sind scheu, Bären (ja, es gibt Braunbären in Schweden) meiden Menschen. Das einzige echte Ärgernis sind die Mücken im Norden im Juli.
Die besten Bikepacking-Routen
Cykelleden Dalarna (Dalarna, ca. 300 km)
Eine der schönsten Radwanderrouten Schwedens, die rund um den Siljansee und durch die Kulturlandschaft Dalarnas führt. Die Route verbindet rote Holzhäuser, Seen, Wälder und die Heimatdörfer der Dalapferd-Tradition. Der Großteil verläuft auf asphaltierten Nebenstraßen und Schotterwegen, mit wenig Verkehr. Die Steigungen sind moderat. Ideal für Einsteiger und Familien, die drei bis fünf Tage einplanen sollten. Man übernachtet wild oder auf einem der vielen Campingplätze entlang der Route.
Banvallsleden (Småland, ca. 250 km)
Eine ehemalige Bahntrasse, die von Karlshamn an der Südküste bis nach Ulricehamn im Landesinneren führt. Stillgelegte Bahntrassen sind ideal zum Radfahren: flach, gleichmäßige Oberfläche, keine Autos. Der Banvallsleden führt durch die hügelige Landschaft Smålands, vorbei an Seen, durch dichte Wälder und kleine Ortschaften. Die Oberfläche ist meistens Schotter, stellenweise Asphalt. Eine entspannte Tour, die man in vier bis fünf Tagen schafft, mit genug Campingplätzen und kleinen Cafés entlang der Strecke.
Kattegattleden (Westkuste, ca. 390 km)
Schwedens erster nationaler Radweg, von Göteborg nach Helsingborg entlang der Westküste. Die Route führt über Strandpromenaden, Küstenwege und ruhige Nebenstraßen. Man fährt durch die Badeorte Varberg, Falkenberg und Båstad, vorbei an Sandstränden, Fischerdörfern und Leuchtturmen. Die Strecke ist überwiegend flach und asphaltiert, perfekt für Rennräder und Tourenräder. Für Bikepacker gibt es viele Wildcamping-Möglichkeiten direkt am Meer. Rechne mit fünf bis sieben Tagen für die gesamte Strecke, mit Badetagen eingeplant.
Sydostleden (Südosten, ca. 270 km)
Von Växjö im Inland bis Simrishamn an der Ostsee. Die Route durchquert Smålands Glasreich, die Wälder von Blekinge und die Küste von Skåne. Abwechslungsreich: Man fährt durch Industriegeschichte (Glashütten), über Heidefelder und entlang von Klippen. Oberfläche gemischt: Asphalt, Schotter und Waldwege. Für Gravelbikes ideal. Drei bis fünf Tage.
Norra Skandinavien Divide (Nordschweden, ca. 1.200 km)
Die Königsroute für erfahrene Bikepacker. Von Gävle an der Küste bis nach Karesuando an der finnischen Grenze, durch das komplette Norrland. Die Route folgt Waldstraßen, alten Saumpfaden und Schotterpisten durch eine Landschaft, die immer wilder wird, je weiter man nach Norden kommt. In der zweiten Hälfte durchquert man Schwedisch-Lappland, wo man tagelang keinem anderen Radfahrer begegnet. Die Tour erfordert volle Selbstversorgung, ein robustes Rad und die Bereitschaft, zwei bis drei Wochen im Sattel zu verbringen. Nur im Hochsommer (Juni bis August) machbar.
Wildcamping und Jedermannsrecht
Das Jedermannsrecht ist der große Vorteil des Bikepackings in Schweden gegenüber fast allen anderen europäischen Ländern. Aber es gibt Regeln, die man kennen und respektieren muss.
Wo man zelten darf: Im Wald, an Seen, auf offenen Flächen, die nicht bewirtschaftet werden. Man darf maximal zwei Nächte am gleichen Ort bleiben (eine Nacht in der Nähe von Wohnhäusern). Der Mindestabstand zu bewohnten Häusern sollte 150 Meter betragen. Nicht auf Äckern, Wiesen mit hohem Gras oder in Naturschutzgebieten mit Campingverbot zelten.
Feuer: Offenes Feuer ist erlaubt, aber nur wenn keine Brandgefahr besteht. Im Sommer gibt es regelmäßig Feuerverbote (Eldningsförbud), die man unbedingt beachten muss. Die aktuellen Verbote findet man auf der Website der jeweiligen Gemeinde oder der Rettungsdienste. Bei Trockenheit keinen Kocher mit offener Flamme benutzen, sondern einen Gaskocher mit kontrollierter Flamme.
Müll und Spuren: Alles mitnehmen, was man mitgebracht hat. Keine Spuren hinterlassen. Der Zeltplatz sollte nach dem Abbau genauso aussehen wie vorher. Das klingt selbstverständlich, aber leider halten sich nicht alle daran. Die Schweden beobachten das genau, und wenn Bikepacker einen schlechten Ruf bekommen, könnte das Jedermannsrecht eingeschränkt werden.
Wasser: Man darf Wasser aus Seen und Bächen nehmen, und in Nordschweden ist das Wasser meistens saüber genug zum Trinken. Im Süden und in der Nähe von Landwirtschaft sollte man einen Wasserfilter benutzen. Auf Campingplätzen und an vielen Raststätten gibt es kostenloses Trinkwasser.
Beste Zeltplätze: Die besten Wildcamping-Spots findet man an Seen. Man fährt einen kleinen Waldweg zum Ufer, sucht eine flache Stelle mit weichem Boden, baut das Zelt auf und springt vor dem Abendessen in den See. In Schweden gibt es Tausende solcher Plätze, und die meisten sind komplett menschenleer. Nach ein paar Tagen entwickelt man ein Auge dafür, wo gute Spots sind: Waldlichtungen am Wasser, erhöhte Stellen mit Aussicht, windgeschützte Buchten.
Ausrüstung und Packliste
Bikepacking in Schweden erfordert eine andere Ausrüstung als eine Wochenend-Radtour in Deutschland. Man ist tagelang unterwegs, campt wild und muss auf wechselndes Wetter vorbereitet sein. Hier die wichtigsten Punkte.
Fahrrad
Das ideale Bikepacking-Rad für Schweden ist ein Gravelbike oder ein Mountainbike mit gutem Gepäcksystem. Rennräder funktionieren auf den asphaltierten Radwegen (Kattegattleden, Banvallsleden), aber sobald man auf Schotterwege oder Waldstraßen abbiegt, braucht man breitere Reifen. Reifen ab 40 mm sind empfehlenswert, für Nordrouten mit rauem Untergrund eher 45 bis 50 mm. Tubeless ist Pflicht, weil Schotterstraßen gnadenlos sind mit Schläuchen. Eine Kettenschaltung mit breitem Übersetzungsbereich hilft bei den Anstiegen im Fjäll.
Taschen und Gepäck
Klassisches Bikepacking nutzt Rahmentasche, Satteltasche und Lenkertasche statt Gepäckträger und Packtaschen. Das spart Gewicht und macht das Rad wendiger. Für Schweden braucht man genug Stauraum für Zelt, Schlafsack, Isomatte, Kocher, Essen, Kleidung und Werkzeug. Gesamtgewicht des Gepäcks: 8 bis 12 Kilogramm, je nachdem wie komfortabel man es haben will. Wer mit Gepäckträger und Lowrider unterwegs ist, kann mehr mitnehmen, ist aber langsamer und weniger wendig auf rauem Terrain.
Zelt und Schlafsystem
Ein leichtes 1-Personen-Zelt (1,5 bis 2 kg) reicht für die meisten Touren. Wichtig: ein Innenzelt mit Mückennetz, weil die Mücken in Nordschweden im Sommer brutal sein können. Ohne Mückennetz ist Schlafen unmöglich. Der Schlafsack sollte für Temperaturen bis 5 Grad ausgelegt sein, weil die Nächte selbst im Sommer kalt werden können, besonders im Fjäll und an Seen. Eine aufblasbare Isomatte mit R-Wert 3 oder höher sorgt für Isolation vom kalten Boden.
Kleidung
Das Wetter in Schweden wechselt schnell. Morgens Sonne, mittags Regen, abends wieder Sonne. Kleidung nach dem Zwiebelschalen-Prinzip: eine Basisschicht aus Merinowolle, eine wärmende Mittelschicht (Fleece oder leichte Daune), eine wind- und wasserdichte Jacke. Radhose mit Polster für lange Tage im Sattel. Eine warme Mütze für die Abende am See. Regenhose für Dauerregen. Handschuhe für kalte Morgen. Alles zusammen passt in eine Satteltasche.
Kocher und Essen
Ein Gaskocher mit Schraubkartusche ist Standard. Die Kartuschen bekommt man in Schweden in Outdoor-Geschäften (Naturkompaniet, XXL Sport), in Baumärkten und manchmal an Tankstellen. Für eine Woche braucht man eine 230g-Kartusche. Kochtopf, Tasse, Löffel, ein leichtes Messer. Essen: Haferflocken zum Frühstück, Knäckebrot und Käse für Mittag, Trekkingnahrung oder Pasta für Abend. In schwedischen Supermärkten (ICA, Coop) findet man alles, was man braucht, auch in kleinen Orten.
Küstenrouten
Schweden hat über 3.000 Kilometer Küstenlinie, und ein großer Teil davon ist per Rad erfahrbar. Die Küstenrouten sind flacher als die Inlandsrouten, haben weniger Schotter und bieten die Möglichkeit, zwischendurch schwimmen zu gehen.
Der Kattegattleden (Göteborg bis Helsingborg, 390 km) ist die bekannteste und bestausgeschilderte Küstenroute. Die Strecke ist fast komplett asphaltiert und eignet sich auch für Tourenräder ohne Offroad-Reifen. Man fährt durch die Badeorte der schwedischen Westküste, isst frische Garnelen in den Fischerdörfern und zeltet an windgeschützten Buchten. Die Infrastruktur ist sehr gut: Campingplätze, Restaurants, Fahrradwerkstätten und Supermärkte alle 20 bis 30 Kilometer.
Die Ostseeküste von Kalmar bis Härnösand ist weniger bekannt, aber ebenso schön. Man fährt durch die Landschaft Smålands und Östergötlands, vorbei an der Insel Öland (Tagestrip per Brücke), durch die Schärenlandschaft vor Stockholm und weiter die Höga Kusten (Hohe Küste, UNESCO-Welterbe) entlang. Die Höga Kusten ist hügelig und anstrengend, aber die Aussichten auf das Meer und die Granitfelsen sind die Mühe wert.
Die Küste Gotlands ist eine Inselumrundung, die man in drei bis fünf Tagen schaffen kann. Gotland hat wenig Verkehr, flache Straßen und eine Küste, die zwischen Sandstränden, Kalksteinklippen und den berühmten Raukar (Kalksteinsäulen) wechselt. Man nimmt die Fähre von Nynäshamn oder Oskarshamn und radelt einmal um die ganze Insel. In Visby, der mittelalterlichen Hauptstadt, legt man einen Pausentag ein und erkundet die Stadtmauer.
Fjällrouten für Fortgeschrittene
Das schwedische Fjäll bietet Bikepacking-Erlebnisse, die es in Europa sonst kaum gibt. Baumlose Hochebenen, Gletscherbäche, Rentierherden und eine Stille, die fast körperlich spürbar ist. Aber Fjäll-Bikepacking ist anspruchsvoll: Die Wege sind rau, das Wetter unberechenbar und die nächste Hilfe oft weit weg.
Fjällvägen (Strömsund nach Gäddede, ca. 150 km): Eine Route durch das Fjäll Jämtlands, auf Schotter- und Waldwegen. Die Landschaft wechselt zwischen Birkenwäldern und offener Tundra. Die Steigungen sind moderat, aber der Untergrund ist manchmal rau. Drei bis vier Tage, mit Übernachtungen in Fjällstationen oder im Zelt.
Rallarvegen (Nordkalottleden-Abschnitt, ca. 100 km): Im äußersten Norden Schwedens, entlang der norwegischen Grenze. Diese Route folgt alten Saumpfaden und Minenwegen durch arktische Landschaft. Man durchquert Gebiete, in denen die Sámi seit Jahrhunderten ihre Rentiere weiden. Der Untergrund ist stellenweise so rau, dass man schieben muss. Nur im Juli und August machbar, und nur für erfahrene Bikepacker mit robuster Ausrüstung.
Vildmarksvägen (Wilderness Road, ca. 500 km): Die berühmte Wildnisstraße in Jämtland und Lappland, von Strömsund über Gäddede und Vilhelmina nach Dorotea. Ein Teil der Strecke ist asphaltiert, aber die interessanteren Abschnitte sind Schotter. Man durchquert einige der menschenleersten Gebiete Schwedens, mit unglaublichen Ausblicken auf Seen und Berge. Eine Woche einplanen, mit Versorgungsstopps in den kleinen Orten entlang der Route.
Bei allen Fjällrouten gilt: Das Wetter kann jederzeit umschlagen. Schnee ist selbst im Juli möglich, und Wind mit Regen kann die Temperaturen schnell auf fünf Grad drücken. Warme Kleidung, eine sturmfeste Unterkunft (stabiles Zelt oder Biwaksack) und genug Essen für Reservetage sind Pflicht. Handyempfang ist im Fjäll lückenhaft, und Rettungsdienste brauchen lange. Selbstständigkeit und Erfahrung in der Wildnis sind Voraussetzung.
Essen und Versorgung unterwegs
Die Versorgungslage in Schweden hängt stark von der Region ab. Im Süden und entlang der Küsten gibt es alle 20 bis 30 Kilometer einen Ort mit Supermarkt, Tankstelle und manchmal einem Café. In Norrland können die Abstände zwischen Versorgungspunkten 80 bis 100 Kilometer betragen. Das muss man bei der Planung berücksichtigen.
Supermarkt-Ketten: ICA und Coop sind die großen Ketten und haben auch in kleinen Orten Filialen. Die „ICA Nära" Minimärkte in Dörfern haben ein überraschend gutes Sortiment. Dort bekommt man Haferflocken, Knäckebrot, Käse, Wurst, Nudeln, Tütensuppen und frisches Obst. Trekkingnahrung gibt es in Outdoor-Geschäften (Naturkompaniet, XXL Sport), aber die sind nur in größeren Städten zu finden.
Schwedische Bikepacker-Klassiker: Haferflocken mit Milchpulver und Beeren zum Frühstück. Knäckebrot (Wasa, das schwedische Nationalnahrungsmittel) mit Kaviartuben (Kalles Kaviar, ein schwedischer Klassiker) und Käse zum Mittag. Pasta mit Tütensoße oder Trekkingnahrung zum Abendessen. Schokolade und Nüsse als Snacks für den Tag. Kaffee ist in Schweden kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit: Schweden trinken mehr Kaffee als fast jedes andere Land der Welt.
Tankstellen: In abgelegenen Gebieten sind Tankstellen oft die einzige Versorgungsmöglichkeit. Schwedische Tankstellen (OKQ8, Circle K, Preem) haben kleine Shops mit Grundnahrungsmitteln, Snacks und Getränken. Die Preise sind höher als im Supermarkt, aber in einer Notsituation rettet einem eine Tankstellen-Tube Kaviar und ein Paket Knäckebrot den Tag.
Praktische Tipps
Beste Reisezeit
Die Bikepacking-Saison in Schweden geht von Mai bis September. Im Süden kann man ab Ende April und bis Mitte Oktober fahren. Im Norden ist die Saison kürzer: Mitte Juni bis August. Juli bietet die längsten Tage und die wärmsten Temperaturen, aber auch die meisten Mücken im Norden. August ist oft der beste Kompromiss: warm genug, weniger Mücken und die ersten Blaubeeren sind reif. September hat den Vorteil von Herbstfarben und mückenfreier Luft, dafür werden die Tage kürzer und die Nächte kalt.
Anreise mit dem Rad
Man kann das Rad im Flugzeug mitnehmen (die meisten Airlines verlangen 30 bis 80 Euro extra und einen Radkoffer), mit der Fähre (Kiel nach Göteborg, Rostock nach Trelleborg, kostenlos oder gegen geringe Gebühr) oder im Zug (SJ Züge in Schweden transportieren Räder, aber die Plätze sind begrenzt und müssen vorab gebucht werden). Die entspannteste Variante ist die Fähre: Rad aufs Schiff rollen, über Nacht schlafen, morgens in Schweden losfahren.
Navigation
Ein GPS-Gerät oder Smartphone mit Offline-Karten ist unverzichtbar, besonders auf Waldwegen in Norrland, wo es keine Beschilderung gibt. Komoot, Bikemap und Strava haben gute Karten für Schweden. Für die offiziellen Radwege (Kattegattleden, Banvallsleden etc.) gibt es detaillierte Karten und GPX-Tracks auf den Websites der jeweiligen Tourismusverbände. Eine Powerbank mit mindestens 10.000 mAh ist Pflicht, weil Steckdosen im Wald selten sind.
Mücken
In Südschweden sind Mücken kein großes Problem. In Nordschweden, besonders im Juli, sind sie eine Plage. Mückenspray (DEET-haltig), ein Kopfnetz und ein Zelt mit dichtem Mückennetz sind in Norrland ab Mitte Juni bis Anfang August unverzichtbar. Die Mücken sind abends und morgens am schlimmsten, und sie lieben feuchte Stellen am Wasser. Auf windigen Anhöhen sind sie weniger aktiv.
Häufig gestellte Fragen
Welches Fahrrad brauche ich für Bikepacking in Schweden?
Ein Gravelbike mit Reifen ab 40 mm ist die vielseitigste Wahl. Für reine Küstenrouten (Kattegattleden) reicht ein Tourenrad. Für Fjällrouten und raue Waldwege ist ein Mountainbike oder ein Gravelbike mit breiten Reifen (45 bis 50 mm) besser. Wichtig: Tubeless-Reifen, weil Schotterstraßen schnell Löcher verursachen.
Darf man in Schweden wirklich überall zelten?
Fast überall. Das Jedermannsrecht erlaubt Wildcamping auf nicht bewirtschaftetem Land, mindestens 150 Meter von Wohnhäusern entfernt, für maximal zwei Nächte am gleichen Ort. Ausnahmen: Naturschutzgebiete mit Campingverbot, bestellte Felder, eingezäunte Weiden und Privatgärten. In der Praxis findet man am See oder im Wald immer einen Platz.
Wie viele Kilometer schafft man pro Tag?
Auf asphaltierten Radwegen: 80 bis 120 Kilometer pro Tag, je nach Fitness und Terrain. Auf Schotterwegen: 50 bis 80 Kilometer. Im Fjäll auf rauen Pfaden: 30 bis 50 Kilometer, manchmal weniger, wenn man schieben muss. Für eine entspannte Tour mit Zeit zum Baden und Kochen sind 60 bis 80 Kilometer pro Tag auf gemischtem Terrain ein realistisches Ziel.
Kann man das Trinkwasser in Schweden aus Seen und Bächen trinken?
In Nordschweden ja, meistens ohne Bedenken. Das Wasser ist klar und sauber. In Südschweden und in der Nähe von Landwirtschaft sollte man vorsichtiger sein und das Wasser filtern oder abkochen. Ein leichter Wasserfilter (z.B. Sawyer Squeeze) wiegt wenig und gibt Sicherheit. Auf Campingplätzen und an vielen Raststätten gibt es Trinkwasserhähne.
Wie komme ich mit dem Fahrrad am besten nach Schweden?
Die einfachste Variante ist die Fähre: Kiel nach Göteborg (Stena Line, Übernachtfahrt), Rostock nach Trelleborg (TT-Line, 6 Stunden) oder Travemünde nach Malmö (Finnlines). Fahrradmitnahme ist kostenlos oder kostet wenige Euro. Alternativ per Flug mit Radkoffer oder per Zug (Nachtzug von Hamburg nach Stockholm hat Fahrradplätze, muss aber vorher gebucht werden).
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026





