Baumhaushotels in Schweden
Ein Hotelzimmer zwischen Baumkronen, zehn Meter über dem Waldboden, mit Blick auf den Luleälv. Das klingt nach einer Kindheitsidee. In Nordschweden ist es ein richtiges Hotel. Das Treehotel in Harads hat sieben Zimmer in den Kiefern hängen, jedes von einem anderen Architekten entworfen.
Ich war skeptisch, als ich das erste Mal davon gehört habe. Baumhäuser, Designarchitektur, Lappland, das klang nach Hochglanzmagazin und Instagram-Kulisse. Dann bin ich hingefahren. Und es hat mich überzeugt. Nicht wegen des Designs, obwohl das seinen Reiz hat. Sondern weil es dort oben so still ist. Die Kiefern, das Licht im Winter. Man hängt da oben in seinem Zimmer und hört: nichts. Nur Wind in den Nadeln.
Schweden hat mittlerweile mehrere Baumhaus-Unterkünfte, aber Harads bleibt das Original. Hier geht es um alle sieben Zimmer des Treehotel, die Preise, wann man am besten bucht, was man vor Ort machen kann und welche Alternativen es gibt.
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Warum ausgerechnet ein Baumhaus?
Kent und Britta Lindvall haben das Treehotel 2010 eröffnet. Kent war Berater, Britta hatte eine Pension. Die Idee kam ihnen, als sie den schwedischen Dokumentarfilm „Trädälskaren" (Der Baumliebhaber) sahen. Ein Mann, der Baumhäuser baut. Kent dachte sich: Warum nicht ein Hotel daraus machen? In Harads, seinem Heimatort, 60 Kilometer südlich von Luleå.
Der Ort war richtig gewählt. Harads liegt am Luleälv, umgeben von dichtem Kiefernwald. 600 Einwohner, eine Tankstelle, ein kleiner Laden. Tourismus gab es hier vorher kaum. Das nächste Hotel war in Boden, 40 Kilometer entfernt.
Die Lindvalls beauftragten skandinavische Architekten, jeder sollte sein eigenes Baumhaus entwerfen. Keine Vorgaben außer: es muss in den Bäumen hängen, und es muss bewohnbar sein. Das Ergebnis sind sieben komplett unterschiedliche Zimmer, die alle zwischen vier und zehn Metern über dem Boden schweben.
Das Treehotel in Harads: Alle 7 Zimmer
Jedes Zimmer hat einen eigenen Charakter. Hier die Übersicht, mit meinen Eindrücken wo ich sie habe.
The Mirrorcube
Der Mirrorcube ist das bekannteste Zimmer und das Bild, das die meisten Leute vom Treehotel kennen. Ein 4x4x4 Meter großer Würfel, komplett mit Spiegelglas verkleidet. Er reflektiert den umgebenden Wald, sodass er fast verschwindet. Von innen sieht man durch die halbdurchlässigen Fenster nach draußen. Platz für zwei Personen. Bett, kleines Bad, eine Terrasse auf dem Dach. Die Außenwände sind mit UV-sichtbarer Folie beklebt, damit Vögel nicht dagegen fliegen.
Mein Eindruck: Klein, aber durchdacht. Morgens aufwachen und direkt in die Baumkronen schauen, das bleibt hängen.
The Bird's Nest
Von außen sieht es aus wie ein riesiges Vogelnest. Die Fassade besteht aus einem Geflecht aus Ästen und Brettern, das ein natürliches Nest nachahmt. Im Inneren ist es überraschend geräumig: ein bis zwei Schlafplätze, ein kleines Bad mit Dusche und Fußbodenheizung. Durch Fenster in verschiedenen Richtungen fällt Licht ein. Für Vogelbeobachter gibt es ein Fernrohr.
The UFO
Eine Kapsel aus leichtem Verbundmaterial, die aussieht wie eine fliegende Untertasse zwischen den Kiefern. Zwei Schlafplätze, ein kleines Bad. Die Idee stammt von den Stockholmer Designern Inredningsgruppen. Das Innere erinnert an eine Raumkapsel: runde Formen, weiße Oberflächen, runde Fenster. Kinder lieben es. Erwachsene auch, wenn sie ein Faible für Science-Fiction haben.
The Dragonfly
Das größte Zimmer im Treehotel. Eigentlich eher eine Wohnung. 52 Quadratmeter, verteilt auf zwei Schlafzimmer, ein Wohnzimmer mit Panoramafenstern und ein Bad. Platz für vier Erwachsene oder eine Familie mit Kindern. Das Dragonfly eignet sich als einziges Zimmer gut für längere Aufenthalte oder Gruppen. Es liegt etwas abseits der anderen Häuser und hat seine eigene Terrasse mit Blick auf den Wald.
The Cabin
Die Cabin ist das schlichteste Zimmer. Eine einfache Holzkonstruktion mit großen Fenstern, Platz für zwei. Kein Designstatement, sondern ein Rückzugsort. Wer weniger Architektur und mehr Natur will, ist hier richtig. Die Cabin hat den besten Blick auf den Fluss.
The Blue Cone
Eine rote Holzkonstruktion in Kegelform, die an ein traditionelles schwedisches Holzhaus erinnert, nur eben in den Bäumen. Vier Schlafplätze auf zwei Ebenen. Die untere Ebene hat ein Wohnzimmer mit Tisch, die obere das Schlafzimmer. Ein Zimmer mit Humor: von außen sieht es ein bisschen aus wie ein umgedrehter Trichter. Der Name „Blue Cone" kommt von der ursprünglichen Farbplanung, die dann in Rot geändert wurde. Der Name blieb.
The 7th Room
Das neueste und größte Zimmer. 2017 eröffnet, entworfen vom norwegischen Architekturbüro Snøhetta. 55 Quadratmeter, zehn Meter über dem Boden, mit einer Netzterrasse, auf der man draußen liegen kann, über dem Nichts, mit Blick durch die Baumkronen. Zwei Schlafzimmer, ein geräumiges Bad, Fußbodenheizung überall. Die Unterseite des Gebäudes zeigt ein großformatiges Foto des Himmels über Harads, sodass es von unten betrachtet mit dem Himmel verschmilzt.
Das 7th Room ist das teuerste Zimmer und auch das gefragteste. Wer es buchen will, muss früh dran sein. Monate im Voraus ist normal.
Preise und Buchung
Das Treehotel ist kein Budget-Hotel. Die Preise pro Nacht (Stand 2026) liegen je nach Zimmer und Saison zwischen 5.500 und 15.000 SEK (ca. 480 bis 1.300 Euro). Im Preis enthalten: Frühstück, Sauna-Zugang und geführte Wanderung oder Kajakfahrt (je nach Saison).
- Mirrorcube, Bird's Nest, UFO, Cabin: ab ca. 5.500 SEK/Nacht (Nebensaison) bis 8.500 SEK (Hauptsaison)
- Blue Cone: ab ca. 6.000 SEK/Nacht
- Dragonfly: ab ca. 8.000 SEK/Nacht (das größere Zimmer für Familien)
- The 7th Room: ab ca. 12.000 SEK/Nacht, in der Nordlicht-Saison bis 15.000 SEK
Gebucht wird direkt über die Website des Treehotel (treehotel.se). Die Zimmer sind auch über Booking.com gelistet, aber direkte Buchung ist meist günstiger und bietet mehr Flexibilität bei Stornierung. Mein Tipp: Unter der Woche buchen. Freitag und Samstag sind fast immer ausgebucht, Dienstag bis Donnerstag hat man bessere Chancen.
Für die Nordlicht-Saison (September bis März) sollte man drei bis sechs Monate vorher buchen. Das 7th Room und der Mirrorcube sind die beliebtesten Zimmer, da geht es manchmal noch schneller. Im Sommer ist die Buchungslage etwas entspannter, aber Juli und August füllen sich ebenfalls früh.
Spar-Tipp
Wer das Treehotel erleben will, ohne das volle Budget aufzubringen: Die Lindvalls betreiben neben dem Treehotel auch das Britta's Pensionat im Ort Harads. Dort kostet die Nacht ab 900 SEK. Man kann trotzdem eine geführte Tour durch das Treehotel buchen und die Sauna nutzen.
Weitere Baumhaushotels in Schweden
Das Treehotel ist nicht die einzige Möglichkeit, in Schweden in den Bäumen zu schlafen. Hier sind einige Alternativen.
Granö Beckasin, Västerbotten
In Granö, etwa 90 Kilometer nordwestlich von Umeå, stehen fünf Baumhütten in den Birken. Schlichter als das Treehotel, dafür mitten in der Wildnis. Die Hütten hängen in fünf Metern Höhe, haben Betten, Strom und Heizung, aber kein eigenes Bad, das ist im Hauptgebäude unten. Im Winter bietet Granö Beckasin Schneeschuhwanderungen, Hundeschlittentouren und Nordlicht-Safaris an. Preis: ab ca. 1.800 SEK pro Nacht.
Urnatur, Ödeshög (Småland)
Im südlicheren Schweden, nahe dem Vättern-See, liegt Urnatur. Hier geht es weniger um Architektur und mehr um Nachhaltigkeit. Mehrere Unterkünfte, darunter Baumhütten und Erdhäuser, alle ohne Strom. Beleuchtung kommt von Kerzen, Wärme vom Holzofen. Die Toilette ist ein Plumpsklo. Wer vom Handy loskommen will und mit Einfachheit klarkommt, ist hier richtig. Preis: ab ca. 1.500 SEK pro Nacht.
Trädkojan, Dalarna
In der Gegend um Dalarna gibt es mehrere private Baumhaus-Angebote, die über Airbnb oder lokale Tourismusseiten buchbar sind. Die Qualität schwankt. Manche sind liebevoll gebaute Holzhütten in vier Metern Höhe, andere eher aufgemotzte Gartenhäuser auf Stelzen. Vor der Buchung die Bewertungen genau lesen und nach Fotos fragen, die nicht vom Betreiber stammen.
Beste Reisezeit
Das Treehotel ist ganzjährig geöffnet. Welche Jahreszeit die richtige ist, hängt davon ab, was man erleben will.
Winter (November bis März): Die Hauptsaison für das Treehotel. Schnee auf den Kiefern, Dunkelheit am Nachmittag, dafür Nordlichter am Himmel. Harads liegt auf 66° Nord, kurz unter dem Polarkreis. Von September bis März hat man gute Chancen auf Aurora Borealis, wenn das Wetter mitspielt. Temperaturen im Winter: minus 10 bis minus 25 Grad. Die Zimmer sind beheizt, aber der Weg dorthin ist kalt. Warme Kleidung einpacken.
Frühling (April bis Mai): Der Schnee schmilzt langsam, die Tage werden schnell länger. Im April hat man bereits 14 bis 16 Stunden Tageslicht. Die Luft ist klar, der Wald riecht nach Nadeln und Erde. Weniger Touristen als im Winter, niedrigere Preise.
Sommer (Juni bis August): Mitternachtssonne. In Harads geht die Sonne im Juni gar nicht unter. Man sitzt nachts um elf auf der Terrasse seines Baumhauses und liest ein Buch im Tageslicht. Das ist schon ziemlich gut. Dazu kommen Mücken. Viele Mücken. Von Mitte Juni bis Ende Juli braucht man ein gutes Mückenspray. Im August wird es besser.
Herbst (September bis Oktober): Die beste Zeit, finde ich. Die Birken färben sich gelb, die Mücken sind weg, die ersten Nordlichter zeigen sich. Es ist noch nicht richtig kalt, aber die Nächte sind dunkel genug für Polarlichter. September bringt alles zusammen: noch genug Licht, angenehme Temperaturen, erste Nordlichter.
Aktivitäten rund ums Treehotel
Das Treehotel organisiert Aktivitäten für seine Gäste, je nach Jahreszeit unterschiedlich. Vieles ist im Zimmerpreis enthalten, anderes kostet extra.
Winter
- Nordlicht-Touren: Mit Guide raus aus dem Ort, weg von den wenigen Lichtern. Warme Getränke am Lagerfeuer, Stativ aufbauen, warten. Keine Garantie, aber Harads hat gute Bedingungen
- Hundeschlittentouren: Halbtages- oder Ganztagestouren mit Huskys. Ab ca. 2.500 SEK pro Person
- Schneeschuhwanderungen: Durch den Kiefernwald, oft mit Halt an einem Lagerfeuer für Kaffee und gegrilltes Brot
- Schneemobil: Geführte Touren auf dem zugefrorenen Luleälv. Laut, schnell, nichts für Naturpuristen, aber macht Spaß
- Sauna: Die Treehotel-Sauna liegt am Flussufer. Nach der Sauna in den Schnee rollen gehört dazu
Sommer
- Kajak auf dem Luleälv: Im Zimmerpreis enthalten. Der Fluss ist ruhig, das Wasser klar. Abends Kajak fahren unter der Mitternachtssonne ist mein stärkster Eindruck vom Sommer dort
- Wandern: Mehrere Wanderwege direkt ab Harads. Nichts Schwieriges, aber schöne Routen durch Birken- und Kiefernwald
- Angeln: Im Luleälv kann man auf Äsche und Forelle angeln. Angelkarte (Fiskekort) braucht man, gibt es lokal
- Mitternachtssonne: Ab Mitte Juni. Einfach draußen sitzen und staunen, dass es um Mitternacht hell ist
Anreise nach Harads
Harads liegt 60 Kilometer südlich von Luleå in Norrbotten, Schwedisch-Lappland. Es ist abgelegen, aber erreichbar.
- Flug: Nächster Flughafen ist Luleå (LLA). Direktflüge ab Stockholm (1 Stunde 15 Minuten) mit SAS und Norwegian. Ab Luleå sind es 60 Kilometer auf der E45 nach Süden. Mietwagen am Flughafen gibt es bei Europcar, Avis und Hertz
- Zug: SJ-Nachtzug ab Stockholm nach Boden (ca. 13 Stunden). Ab Boden mit Bus oder Taxi nach Harads (30 Kilometer). Der Nachtzug ist eine gute Option, wenn man sich das Zugfahren in Schweden nicht entgehen lassen will
- Auto: Ab Stockholm rund 900 Kilometer auf der E4 nach Norden (ca. 9 bis 10 Stunden). Im Winter Winterreifen Pflicht, die Straßen sind gut geräumt. Zur Autofahrt in Schweden habe ich einen eigenen Artikel
- Transfer: Das Treehotel organisiert auf Anfrage einen Transfer vom Flughafen Luleå oder vom Bahnhof Boden. Kostet extra, aber spart Mietwagengebühren
Wer die Reise nach Nordschweden mit weiteren Zielen verbinden will: Das Eishotel in Jukkasjärvi liegt 200 Kilometer nördlich von Harads. Beide Unterkünfte in einer Tour zu kombinieren ist eine beliebte Route. Zwei Nächte Treehotel, eine Nacht Eishotel, das ist machbar und lohnt sich.
Häufige Fragen
Haben die Baumhäuser ein eigenes Badezimmer?
Ja, alle sieben Zimmer haben ein eigenes Bad mit Dusche und WC. Fußbodenheizung ist überall vorhanden. Die Bäder sind klein, aber funktional. Fließendes Wasser, warme Dusche, alles da.
Ist es im Winter nicht zu kalt?
Die Zimmer sind isoliert und beheizt. Drinnen hat man 20 bis 22 Grad. Kalt wird es nur auf dem Weg zum Baumhaus, über Treppen und Brücken bei minus 20 Grad. Warme Jacke, Mütze und Handschuhe für den Weg einpacken. Im Zimmer selbst braucht man das nicht.
Gibt es WLAN?
Ja, in allen Zimmern gibt es WLAN. Die Verbindung ist stabil genug für E-Mails und leichtes Surfen. Streaming oder Videokonferenzen können je nach Wetter und Auslastung schwierig sein. Aber ehrlich: Man fährt dorthin, um offline zu sein.
Können Kinder im Treehotel übernachten?
Ja, es gibt kein Mindestalter. Das Dragonfly und der Blue Cone haben Platz für Familien mit bis zu vier Personen. Die Treppen und Brücken zu den Zimmern sind gesichert, aber mit Kleinkindern muss man aufpassen. Für Kinder ab sechs oder sieben Jahren kein Problem.
Wie weit im Voraus muss ich buchen?
Für die Nordlicht-Saison (Oktober bis Februar) mindestens drei bis sechs Monate vorher. Für das 7th Room oft noch mehr. Im Sommer reichen zwei bis drei Monate meistens aus. Unter der Woche ist es einfacher als am Wochenende.
Lohnt sich nur eine Nacht?
Eine Nacht reicht, um das Baumhaus zu erleben. Zwei Nächte empfehle ich trotzdem: Am ersten Abend kommt man an, richtet sich ein, erkundet. Am zweiten Tag hat man Zeit für Aktivitäten und kann das Tempo selbst bestimmen. Wer für Nordlichter kommt, hat mit zwei Nächten auch bessere Chancen auf klaren Himmel.
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026