Ostsee mit Hund
Die Ostsee ist eines der hundefreundlichsten Urlaubsziele in Deutschland. Breite Strände, ausgedehnte Küstenwanderwege, kaum Gezeiten und eine dichte Auswahl an Ferienwohnungen, in denen Hunde willkommen sind. Von Schleswig-Holstein über Mecklenburg-Vorpommern bis zu den dänischen Inseln gibt es an fast jedem Küstenort ausgewiesene Hundestrände, an denen Vierbeiner frei laufen und ins Wasser gehen können.
Was Hundebesitzer an der Ostsee schätzen: Die Anreise mit dem Auto ist kurz genug, dass auch empfindliche Hunde sie gut vertragen. Es gibt keinen Flug, keine lange Fähre und keine Hitze, die dem Tier zu schaffen macht. Die Temperaturen im Sommer liegen bei 20 bis 25 Grad, im Frühling und Herbst bei 10 bis 15 Grad. Beides ist für Hunde angenehmer als 35 Grad am Mittelmeer.
Warum die Ostsee mit Hund funktioniert
Die Ostsee hat fast keine Gezeiten. Das ist für Hunde ein Vorteil, weil der Strand nicht plötzlich unter Wasser steht und der Bereich zum Spielen und Laufen den ganzen Tag gleich bleibt. Auch die Strömungen sind schwächer als an der Nordsee. Hunde, die gerne ins Wasser gehen, können hier auch an tieferen Stellen sicher schwimmen.
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Der Sand an den meisten Ostseestränden ist fein und weich, was für die Pfoten angenehmer ist als Kiesel oder Felsküste. Muschelsplitter kommen vor, sind aber seltener als an der Nordsee. Nach einem Strandtag sollte man die Pfoten trotzdem auf Verletzungen prüfen, besonders an steinigeren Abschnitten.
Die Küstenwälder hinter den Stränden bieten weitere Vorteile. Kiefernwälder, Buchenwälder und Dünenlandschaften eignen sich sehr gut für Spaziergänge. Der Schatten der Bäume ist an heißen Tagen willkommen, und die Wege sind meistens breit genug, dass man anderen Spaziergängern problemlos ausweichen kann.
Ein oft unterschätzter Punkt: Die Ostseeluft hat einen niedrigeren Salzgehalt als die Nordsee (7 bis 15 Promille gegenüber 35 Promille). Das bedeutet weniger Salzrückstände im Fell und weniger gereiztes Maul, falls der Hund Meerwasser trinkt. Ganz verhindern lässt sich das Trinken von Meerwasser selten, aber an der Ostsee sind die Folgen milder.
Die besten Hundestrände
Schleswig-Holstein: Der Hundestrand in Laboe (bei Kiel) ist 300 Meter lang und liegt abseits des Hauptstrandes. Hunde dürfen hier ganzjährig ohne Leine laufen. In Scharbeutz gibt es einen eigenen Hundeabschnitt am südlichen Ende des Strandes, der durch Schilder markiert ist. Fehmarn hat gleich mehrere Hundestrände: am Grünen Brink (Nordküste, 500 Meter lang), in Meeschendorf und in Flügge. Auf Fehmarn herrscht außerhalb der Hauptbadestrände eine lockere Haltung gegenüber Hunden.
Mecklenburg-Vorpommern: Kühlungsborn hat einen ausgewiesenen Hundestrand am östlichen Ortsende (Kühlungsborn Ost). Der Abschnitt ist etwa 400 Meter lang und bietet feinen Sand. In Zingst liegt der Hundestrand westlich des Hauptzugangs, ruhig und weitläufig. Auf Rügen gibt es Hundestrände in Binz (Strandabschnitt 1a, südlich der Seebrücke), in Baabe und in Glowe. Der Hundestrand in Glowe ist besonders beliebt, weil er weitläufig und selten überfüllt ist.
Usedom: Auf Usedom hat jedes Seebad einen eigenen Hundestrand. In Trassenheide liegt er am westlichen Ortsausgang, in Karlshagen am nördlichen Ende. Der Hundestrand in Zempin ist einer der ruhigsten der Insel, weil Zempin selbst ein kleiner Ort ohne viel Tourismus ist. Zwischen Oktober und März dürfen Hunde auf Usedom an allen Strandabschnitten ohne Leine laufen.
Dänische Ostseeinseln: In Dänemark gelten von April bis September Leinenpflicht an allen Stränden. Von Oktober bis März dürfen Hunde an den meisten dänischen Stränden frei laufen, solange sie unter Kontrolle sind. Bornholm hat wenige ausgewiesene Hundestrände, aber die Insel ist so dünn besiedelt, dass man an vielen Küstenabschnitten allein ist. Die Strände bei Dueodde und Balka eignen sich gut.
Schwedische Küste: In Schweden gibt es keine generelle Leinenpflicht am Strand, aber zwischen dem 1. März und dem 20. August müssen Hunde in der Natur angeleint sein (Schutz für Wildtiere und brütende Vögel). Außerhalb dieser Zeit können Hunde an den meisten schwedischen Stränden frei laufen. Auf Öland und Gotland sind die Strände oft so leer, dass man selbst in der Saison ungestört ist.
Regeln und Leinenpflicht
Die Regeln für Hunde am Strand unterscheiden sich je nach Bundesland, Gemeinde und Jahreszeit. In Schleswig-Holstein legen die Gemeinden die Regeln selbst fest. An den meisten Stränden sind Hunde vom 1. Mai bis 30. September nur an ausgewiesenen Hundestrandabschnitten erlaubt, dort aber ohne Leine. Außerhalb der Saison (Oktober bis April) dürfen Hunde an vielen Stränden frei laufen.
In Mecklenburg-Vorpommern gilt ein ähnliches System: Hundestrände im Sommer, freier Zugang im Winter. Die Gemeinden können zusätzliche Einschränkungen erlassen. In Naturschutzgebieten (Nationalpark Jasmund auf Rügen, Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft) herrscht ganzjährig Leinenpflicht, und manche Bereiche sind für Hunde komplett gesperrt.
Kotbeutel sind an allen Stränden Pflicht. An den meisten Strandzugängen stehen Spender mit kostenlosen Beuteln. Wer beim Nicht-Aufräumen erwischt wird, zahlt je nach Gemeinde 20 bis 150 Euro Bußgeld. Die Akzeptanz von Hunden am Strand steht und fällt mit dem Verhalten der Besitzer, und Kotbeutel sind der einfachste Weg, keinen Ärger zu bekommen.
Strandkörbe und Hunde: In den meisten Seebädern dürfen Hunde nicht in die Strandkörbe. Die Vermieter verweisen auf Hygienevorschriften und Allergiker. An den Hundestrandabschnitten gibt es teilweise eigene Strandkörbe, die als hundefreundlich gekennzeichnet sind. Im Zweifelsfall beim Vermieter nachfragen.
Hundefreundliche Unterkünfte
Ferienwohnungen und Ferienhäuser sind für Hundebesitzer die erste Wahl. Rund 60 Prozent der Ferienhäuser an der Ostsee erlauben Hunde, viele davon ohne Aufpreis. Bei den großen Portalen (Novasol, Atraveo, FeWo-direkt) kann man nach dem Filter "Haustiere erlaubt" suchen. Die meisten Anbieter erlauben einen Hund kostenlos, ab dem zweiten Hund fällt manchmal ein Zuschlag von 5 bis 10 Euro pro Nacht an.
Worauf man bei der Buchung achten sollte: Eingezäunter Garten ist der wichtigste Faktor für Hundebesitzer. Wenn der Hund morgens in den Garten gelassen werden kann, ohne dass jemand aufstehen und ihn anleinen muss, spart das viel Stress. Viele Ferienhäuser auf Rügen und Usedom haben eingezäunte Grundstücke. In den Anzeigen steht das nicht immer, es lohnt sich, direkt nachzufragen.
Campingplätze erlauben fast durchgehend Hunde. Auf den meisten Plätzen an der Ostsee herrscht Leinenpflicht, aber der Strand ist oft nur wenige Minuten entfernt. Empfehlenswerte Campingplätze für Hundebesitzer: Ostseecamp Rostocker Heide (direkter Strandzugang, Hundestrand in 5 Minuten), Campingpark Kühlungsborn (großzügige Stellplätze, Hundewiese), Camping Drewoldke auf Rügen (ruhig gelegen, eingezäunter Hundebereich).
Hotels sind an der Ostsee unterschiedlich hundefreundlich. Die großen Ketten (wie Steigenberger in Heringsdorf oder Upstalsboom auf Usedom) erlauben Hunde gegen einen Aufpreis von 15 bis 25 Euro pro Nacht. Kleine Pensionen und Gasthöfe sind oft flexibler. In der Hochsaison sollte man die Hundeerfahrung des Hotels vorher telefonisch klären, denn "Haustiere auf Anfrage" kann vieles bedeuten.
Ausflüge und Wanderungen
Die Ostseeküste bietet hunderte Kilometer an Wanderwegen, die sich mit Hund gut gehen lassen. Der Hochuferweg auf Rügen führt von Sassnitz nach Lohme entlang der Kreideküste (12 km, 3-4 Stunden). Der Weg verläuft durch den Buchenwald des Nationalparks Jasmund. Hunde müssen hier an der Leine bleiben, aber der Weg ist breit und gut begehbar.
Der Darßer Urwald auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst ist ein naturbelassener Küstenwald mit umgestürzten Bäumen, Sumpfgebieten und einem Netz aus Wanderwegen. Hunde müssen im Nationalpark angeleint sein, aber die Wege sind abwechslungsreich genug, dass auch angeleinte Hunde auf ihre Kosten kommen. Der Weg zum Leuchtturm am Darßer Ort (2,5 km ab dem Parkplatz) ist ein guter Einstieg.
Auf Usedom eignet sich die Strecke von Ückeritz nach Koserow entlang der Steilküste (6 km, 1,5 Stunden). Der Weg bietet Abschnitte durch Wald und über Strandabschnitte, die außerhalb der Saison menschenleer sind. In Koserow steht der Streckelsberg, die höchste Erhebung Usedoms (58 Meter), mit einem Aussichtspunkt über die Insel.
In Boltenhagen führt ein Klippenweg entlang der Steilküste nach Redewisch (4 km, 1 Stunde). Der Weg ist schmal, aber gut begehbar und bietet Blicke über die Mecklenburger Bucht. Am Ende wartet ein ruhiger Strandabschnitt, an dem Hunde auch im Sommer frei laufen dürfen.
Die richtige Jahreszeit
Frühling (März bis Mai): Die beste Zeit für Hundebesitzer. Die Strände sind leer, die Temperaturen angenehm für Hunde (8-15 Grad), und die Nebensaison-Regelungen erlauben freies Laufen an fast allen Stränden. Ab Mai beginnt in vielen Gemeinden die Saison, dann gelten die Hundestrand-Regeln. Der Nachteil: Das Wasser ist mit 8 bis 12 Grad noch kalt, was die meisten Hunde allerdings wenig stört.
Sommer (Juni bis August): Die wärmste Zeit, aber mit Einschränkungen. Hunde dürfen nur an die ausgewiesenen Hundestrände, und die Temperaturen können für Hunde mit dichtem Fell unangenehm werden. Wer im Sommer reist, sollte die Mittagshitze meiden und den Hund nicht im Auto lassen (auch nicht für fünf Minuten). Morgendliche und abendliche Strandspaziergänge sind angenehmer als die Mittagszeit.
Herbst (September bis November): Viele Hundebesitzer schwören auf den Herbst. Ab Oktober fallen die Strand-Beschränkungen weg, die Temperaturen sind für Hunde ideal (8-15 Grad), und die Herbststürme sorgen für hohe Wellen und angespültes Strandgut, das zum Stöbern einlädt. Die Unterkünfte sind 30 bis 50 Prozent günstiger als im Sommer.
Winter (Dezember bis Februar): Kalt, windig, aber für winterfeste Hunde und Besitzer reizvoll. Die Strände sind komplett leer, die Luft klar, und bei Frost bilden sich Eisformationen am Strand. Die Unterkunftspreise sind am niedrigsten. Man braucht aber warme Kleidung und sollte wissen, dass manche Ferienhausanlagen im Winter geschlossen haben. Restaurants und Cafés sind in den Urlaubsorten ebenfalls teilweise zu.
Praktische Tipps für den Hundeurlaub
Tierarzt-Versorgung: Entlang der gesamten Ostseeküste gibt es Tierarztpraxen. In den größeren Orten (Rostock, Stralsund, Greifswald, Kiel, Lübeck) gibt es Tierkliniken mit Notdienst. Auf Rügen praktizieren mehrere Tierärzte in Bergen und Sassnitz. Auf Usedom gibt es Praxen in Heringsdorf und Wolgast. Die Nummer des nächsten Tiernotdienstes sollte man vor der Abreise im Handy speichern.
Zeckenvorsorge: Die Ostseeküste liegt in einem Zeckengebiet. Von März bis Oktober sind Zecken aktiv, besonders in Wäldern und hohem Gras. Ein aktueller Zeckenschutz (Spot-on, Tablette oder Halsband) ist vor der Reise aufzufrischen. Nach jedem Waldspaziergang den Hund absuchen, vor allem an Ohren und Achseln.
Blaualgen-Warnung: Im Hochsommer (Juli, August) treten an der Ostsee gelegentlich Blaualgen (Cyanobakterien) auf. Diese sind für Hunde giftig, wenn sie das Wasser trinken. Anzeichen für Blaualgen: grünliche Schlieren auf der Wasseroberfläche, trübes Wasser mit Algenteppichen. Die Gemeinden hängen Warnhinweise an den Strandzugängen aus. Im Zweifelsfall den Hund nicht ins Wasser lassen. Die aktuellen Badewasserqualitäten kann man auf den Webseiten der Landesämter prüfen.
Trinkwasser: Immer frisches Wasser mitnehmen. Meerwasser trinken schadet Hunden, auch wenn der Salzgehalt der Ostsee niedriger ist als an der Nordsee. Ein faltbarer Wassernapf und eine Flasche Leitungswasser im Rucksack lösen das Problem. Die meisten Restaurants und Cafés an der Küste geben Hunden auf Nachfrage einen Napf Wasser.
Hundefreundliche Restaurants: An der Ostsee sind Hunde in den meisten Außenbereichen von Restaurants willkommen. In der Innenbestuhlung gelten unterschiedliche Regeln. Fischrestaurants und Räuchereien haben oft Terrassen mit Meerblick, auf denen Hunde unter dem Tisch liegen können. In den dänischen und schwedischen Küstenorten ist die Akzeptanz von Hunden in Restaurants generell hoch.
Häufige Fragen
Dürfen Hunde ganzjährig an den Strand an der Ostsee?
Im Winter (Oktober bis März) ja, an den meisten Stränden ohne Einschränkungen. Im Sommer (Mai bis September) nur an ausgewiesenen Hundestrandabschnitten. Die genauen Zeiträume variieren je nach Gemeinde. Manche Orte starten die Saison am 15. Mai, andere erst am 1. Juni. Die Informationen hängen an den Strandzugängen aus und stehen auf den Webseiten der Kurverwaltungen.
Gibt es Kurtaxe für Hunde an der Ostsee?
In den meisten Seebädern in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein fällt eine Kurtaxe für Hunde an. Sie liegt zwischen 1 und 3 Euro pro Tag. In einigen Orten ist der Hund in der Kurtaxe des Besitzers enthalten. Die Kurtaxe wird entweder beim Vermieter oder an den Kurkarten-Automaten an den Strandzugängen bezahlt. Dänemark und Schweden erheben keine Kurtaxe.
Welcher Ort an der Ostsee ist am hundefreundlichsten?
Zingst auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst gilt als einer der hundefreundlichsten Orte an der Ostsee. Der Hundestrand ist groß, die Wandermöglichkeiten im Nationalpark vielfältig, und viele Restaurants haben sich auf Gäste mit Hund eingestellt. Ähnlich gut sind Boltenhagen, Glowe auf Rügen und Trassenheide auf Usedom. Wer es ruhiger mag, findet auf Hiddensee oder an der Steilküste zwischen Warnemünde und Kühlungsborn Strände, an denen man oft allein ist.
Kann man mit dem Hund auch auf die dänischen oder schwedischen Ostseeinseln?
Ja. Für die Einreise nach Dänemark und Schweden braucht der Hund einen EU-Heimtierausweis mit gültiger Tollwutimpfung und einen Mikrochip. Auf den Fähren nach Bornholm und Öland sind Hunde erlaubt, müssen aber meist auf dem Autodeck bleiben oder in einer Kabine untergebracht werden (Aufpreis 10-30 Euro). In Dänemark gilt von April bis September Leinenpflicht an allen Stränden. In Schweden gilt die Leinenpflicht in der Natur vom 1. März bis 20. August. Außerhalb dieser Zeiten haben Hunde auf beiden Seiten deutlich mehr Freiheit.
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Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.