Folgefonna Nationalpark
Skifahren im Juli klingt nach einem schlechten Witz. In Norwegen ist es Realität. Der Folgefonna-Gletscher, einer der größten in Südnorwegen, hat genug Schnee und Eis, um mitten im Sommer Abfahrtspisten zu betreiben. Und drumherum liegt ein Nationalpark, der zu den am wenigsten besuchten des Landes gehört.
Der Folgefonna Nationalpark wurde 2005 gegründet und schützt eine Fläche von 545 Quadratkilometern rund um den gleichnamigen Gletscher. Die Landschaft wechselt zwischen ewigem Eis, grünen Tälern, stillen Bergseen und steilen Fjordufern. Wer die Region Hardanger besucht, sollte dem Folgefonna mindestens einen Tag widmen.
In diesem Artikel beschreibe ich, was es im Park zu sehen und zu tun gibt, von Gletscherwanderungen bis Sommerskifahren, und was die Reiseplanung angeht.
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Der drittgrößte Gletscher Norwegens
Der Folgefonna ist nach dem Jostedalsbreen und dem Svartisen der drittgrößte Gletscher Norwegens. Er besteht aus drei Teilen: Nordre Folgefonna, Midtre Folgefonna und Søndre Folgefonna. Zusammen bedecken sie etwa 207 Quadratkilometer, wobei der Søndre Folgefonna mit 168 Quadratkilometern der bei weitem größte ist.
Der Gletscher liegt auf der Folgefonna-Halbinsel zwischen dem Hardangerfjord im Osten und dem Sørfjord im Westen. Seine höchste Stelle erreicht 1.662 Meter. Das Eis ist an der dicksten Stelle über 300 Meter stark.
Wie alle Gletscher Norwegens schrumpft auch der Folgefonna. Seit den 1990er Jahren hat er deutlich an Fläche verloren. Wissenschaftler der Universität Bergen messen die Veränderungen jährlich. Der Rückzug ist sichtbar: Wo vor 30 Jahren noch Eis lag, wächst heute Gras. Das ist ernüchternd, aber es macht einen Besuch nicht weniger lohnend. Im Gegenteil.
Was den Folgefonna von anderen norwegischen Gletschern unterscheidet: die Nähe zur Küste. Das maritime Klima sorgt für massive Schneefälle im Winter (bis zu 10 Meter pro Saison), was den Gletscher trotz steigender Temperaturen relativ stabil hält. Zumindest bisher.
Sommerskifahren auf dem Folgefonna
Das Fonna Glacier Ski Resort ist das einzige Ganzjahres-Skigebiet auf dem norwegischen Festland. Es liegt auf 1.200 bis 1.600 Metern Höhe auf dem Søndre Folgefonna und bietet Pistenskifahren von Mai bis Oktober. Ja, im Oktober. Auf einem Gletscher. In Norwegen.
Das Skigebiet ist klein: zwei Schlepplifte, drei Pisten, insgesamt 400 Höhenmeter. Kein Vergleich mit einem Alpen-Resort. Aber darum geht es hier nicht. Es geht darum, im T-Shirt auf einem Gletscher Ski zu fahren, während unten im Hardangerfjord die Obstbäume blühen. Diesen Kontrast gibt es nicht oft.
Die Pisten sind präpariert und für alle Könnensstufen geeignet. Im Sommer trainieren hier auch norwegische und internationale Ski-Nationalteams. Man fährt also buchstäblich auf der gleichen Piste wie die Weltcup-Stars. Das hat schon was.
Fonna Glacier Ski Resort
- Saison: Mai bis Oktober (wetterabhängig)
- Lifte: 2 Schlepplifte
- Höhe: 1.200 bis 1.600 m
- Tagespass: 480 NOK (Erwachsene), 350 NOK (Kinder 7 bis 15)
- Ski-Verleih: ab 500 NOK pro Tag
- Anfahrt: 30 km Bergstraße ab Jondal
Die Anfahrt zum Skigebiet ist ein Erlebnis für sich. Von Jondal am Hardangerfjord führt eine 30 Kilometer lange, teils schmale Bergstraße hinauf zum Gletscher. Die letzten Kilometer gehen durch eine Mondlandschaft aus Geröll und Schmelzwasserbächen. Im Mai und Juni liegt noch Schnee am Straßenrand, obwohl es am Fjord schon warm ist.
Oben gibt es ein Servicegebäude mit Cafeteria, Toiletten und Verleih. Die Auswahl ist überschaubar, aber alles Nötige ist vorhanden. Ein warmes Mittagessen kostet 180 bis 250 NOK.
Gletscherwanderungen
Wer den Gletscher nicht von der Piste, sondern zu Fuß erleben will, kann geführte Gletscherwanderungen buchen. Diese Touren führen auf das Eis des Folgefonna und zeigen Gletscherspalten, Schmelzwasserkanäle, die verschiedenen Eisschichten.
Der Hauptanbieter ist „Folgefonni Breførarlag", ein Zusammenschluss lokaler Gletscherführer, der seit über 50 Jahren Touren anbietet. Die Guides kennen den Gletscher genau und können Spalten und brüchige Stellen einschätzen.
Halbtages-Tour (Blåis-Tour)
Dauer: 4 bis 5 Stunden, davon 2 bis 3 Stunden auf dem Eis. Start ab Fonna Glacier Lodge oder ab dem Parkplatz am Buerbreen. Die Tour führt über das blaue Eis des Gletschers, vorbei an Gletschermühlen und Spalten. Steigeisen und Seile werden gestellt. Geeignet für alle ab 7 Jahren mit normaler Fitness. Kosten: 850 NOK pro Erwachsenen, 500 NOK pro Kind.
Ganztages-Tour (Hochplateau)
Dauer: 7 bis 8 Stunden. Man steigt vom Tal auf den Gletscher und überquert das Hochplateau. Bei klarem Wetter sieht man bis zum Hardangerfjord und den Bergen von Rosendal. Diese Tour erfordert gute Kondition (ca. 800 Höhenmeter Aufstieg). Kosten: 1.400 NOK pro Person. Minimum 4 Teilnehmer.
Buerbreen-Tour
Der Buerbreen ist ein Gletscherarm des Folgefonna, der in ein steiles Tal hinabfließt. Die Tour zum Buerbreen beginnt am Parkplatz Buer (erreichbar ab Odda) und führt über einen gut markierten Wanderweg bis an die Gletscherzunge. Der Weg ist 3 Kilometer lang, mit 400 Höhenmetern. Ohne Guide möglich, aber nicht auf das Eis selbst gehen. Die Gletscherzunge ist instabil und kann kalben.
Die Wanderung zum Buerbreen gehört zu den schönsten kurzen Wanderungen in Westnorwegen, meiner Meinung nach. Der Weg führt durch Wald, über Felsen und vorbei an Wasserfällen. Am Ende steht man vor einer Wand aus Eis, die mehrere Stockwerke hoch ist. Respekteinflößend.
Wanderungen im Nationalpark
Neben den Gletschertouren bietet der Nationalpark ein Netz von Wanderwegen, die durch die Landschaft rund um den Gletscher führen.
Bondhusdalen
Das Bondhustal führt zum Bondhusvatnet, einem türkisfarbenen Gletschersee. Die Wanderung ab dem Parkplatz ist 4 Kilometer lang (einfach), relativ flach und auch für Familien geeignet. Der See am Ende des Tals wird von Schmelzwasser des Bondhusbreen gespeist und hat eine Farbe, die man sonst nur aus Kanada kennt. Kein Eintritt, Parkplatz kostenlos.
Melderskin (1.426 m)
Für erfahrene Bergwanderer. Der Aufstieg beginnt in Sunndal und führt über 1.200 Höhenmeter zum Gipfel. Von oben hat man einen Rundumblick: Gletscher, Fjord, Nordsee. Die Tour dauert 8 bis 10 Stunden (hin und zurück). Trittsicherheit ist erforderlich, die letzten 200 Höhenmeter sind felsig und steil.
Rosendal und die Baroniet
Am Fuß des Folgefonna liegt das Dorf Rosendal mit dem einzigen Baronat Norwegens. Die Baroniet Rosendal ist ein Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert mit einem Rosengarten und einem Landschaftspark. Der Eintritt kostet 130 NOK. Nach einer anstrengenden Gletscherwanderung ist das ein netter Kontrast: von Eisspalten zum Rosengarten.
Die Gletscherseen
Der Folgefonna speist mehrere Seen, die durch ihr milchig-türkises Wasser auffallen. Die Farbe entsteht durch fein gemahlenes Gesteinsmehl, das der Gletscher beim Fließen erzeugt und das im Schmelzwasser schwebt.
Der bekannteste ist der Bondhusvatnet im Bondhustal. Aber auch der Røldalsvvatnet und der Sandvinvatnet im Süden des Parks sind sehenswert. Am Sandvinvatnet bei Odda kann man im Sommer sogar schwimmen, wobei die Wassertemperatur selten 15 Grad übersteigt. Erfrischend, um es diplomatisch auszudrücken.
Für Angler sind die Gletscherseen interessant, weil sie Forellen beherbergen. Das kalte, saubere Wasser schafft gute Bedingungen. Eine Angelkarte (Fiskekort) bekommt man in den lokalen Touristeninformationen ab 100 NOK pro Tag.
Flora und Fauna
Die Vegetation im Park ist stark höhenabhängig. In den Tälern wachsen Eichen, Buchen und weiter oben Haselsträucher. Auf der Fjordseite stehen sogar Obstbäume (Hardanger ist bekannt für seinen Apfelanbau). Weiter oben dominieren Birken, darüber kommt die Zwergstrauchzone, und ab 1.200 Metern nur noch Flechten und Moose.
Rothirsche sind in den Tälern häufig, Steinadler kreisen über den Gletschern. Gelegentlich werden Vielfraße gesichtet, die aber extrem scheu sind. In den Bächen leben Lachse und Forellen.
Die Kombination aus Gletscher und Fjordklima auf engem Raum macht die biologische Vielfalt des Parks ungewöhnlich groß. Vom arktischen Eis bis zum milden Küstenwald liegen manchmal nur 10 Kilometer Luftlinie.
Anreise und Ausgangspunkte
Der Folgefonna Nationalpark liegt östlich von Bergen und ist von mehreren Seiten zugänglich.
Von Bergen
Ab Bergen fährt man über die E16 und dann die Rv7 Richtung Hardanger. Bis Jondal (Zugang zum Skigebiet) sind es 3 Stunden inklusive einer Fährfahrt über den Hardangerfjord. Bis Odda (Zugang zum Buerbreen) sind es 2,5 Stunden über die E134.
Von Oslo
Ab Oslo über die E134 nach Odda: ca. 5 Stunden. Über Voss nach Jondal: ca. 6 Stunden. Ein Mietwagen ist notwendig, denn öffentliche Verkehrsmittel in die Seitentäler des Parks sind selten.
Ausgangsorte
Odda im Süden ist der größte Ort in der Nähe (ca. 7.000 Einwohner) und hat die beste Infrastruktur: Supermärkte, Tankstellen, Hotels. Von Odda aus sind der Buerbreen und der Bondhusvatnet schnell erreichbar. Odda hat in den letzten Jahren einen Aufschwung erlebt, seit die Trolltunga (35 km südlich) Massen an Wanderern anzieht.
Jondal im Norden ist kleiner, liegt aber näher am Skigebiet. Von hier fährt man 30 Kilometer die Bergstraße hinauf zum Gletscher. Der Ort hat einen kleinen Laden und einige Ferienhäuser.
Rosendal im Westen ist der charmanteste Ausgangspunkt. Klein, ruhig, mit der Baroniet als Sehenswürdigkeit. Erreichbar mit der Schnellfähre von Bergen (2 Stunden).
Unterkunft und Versorgung
Im Nationalpark selbst gibt es keine bewirtschafteten Hütten. Übernachten kann man in den umliegenden Orten oder wild zelten (Jedermannsrecht, mindestens 150 Meter von bewohnten Gebäuden entfernt).
In Odda gibt es das Hardanger Hotel (ab 1.200 NOK pro Nacht) und mehrere Ferienwohnungen. Die Fonna Glacier Lodge nahe dem Skigebiet bietet Hütten ab 1.500 NOK pro Nacht (4 Personen). In Rosendal kostet ein Doppelzimmer im Rosendal Fjordhotel ab 1.400 NOK.
Camping ist günstig und sinnvoll, wenn man mehrere Tage im Park unterwegs sein will. Der Campingplatz in Odda (Odda Camping) liegt direkt am See und kostet 250 bis 350 NOK pro Nacht für einen Stellplatz. Hytter (Holzhütten) gibt es ab 600 NOK.
Lebensmittel kauft man am besten in Odda. Im Nationalpark und im Skigebiet sind die Auswahlmöglichkeiten beschränkt. Wasser kann man aus den Gebirgsbächen trinken, es ist saüber und kalt.
Kosten und Planung
Kostenübersicht Folgefonna
- Skipass Sommerskigebiet: 480 NOK (Erwachsene), 350 NOK (Kinder)
- Ski-Verleih (Sommer): ab 500 NOK pro Tag
- Gletscherwanderung (halber Tag): 850 NOK (Erw.), 500 NOK (Kind)
- Gletscherwanderung (ganzer Tag): 1.400 NOK pro Person
- Baroniet Rosendal Eintritt: 130 NOK
- Angelkarte (pro Tag): ab 100 NOK
- Camping: 250 bis 350 NOK pro Nacht
- Hotel Odda: ab 1.200 NOK pro Nacht
- Fonna Glacier Lodge (4 Pers.): ab 1.500 NOK pro Nacht
Ein dreitägiger Besuch mit einer Gletscherwanderung, einem Tag Sommerskifahren und der Buerbreen-Wanderung kostet etwa 5.000 bis 8.000 NOK pro Person (ohne Anreise), abhängig von der Unterkunftsart.
Die beste Reisezeit ist Juni bis September. Für Sommerskifahren ist Mai bis Juli ideal (danach kann die Schneedecke dünn werden). Gletscherwanderungen laufen von Juni bis September. Im Oktober schließen die meisten Angebote.
Wer den Besuch mit einer Hardanger-Rundreise verbinden will: Die Region bietet neben dem Folgefonna auch den Vøringsfossen (Norwegens bekanntester Wasserfall), die Trolltunga-Wanderung und die Obstgärten des Hardangerfjords. Eine Woche lässt sich hier leicht füllen.
Häufige Fragen
Kann man auf dem Folgefonna wirklich im Sommer Ski fahren?
Ja, das Fonna Glacier Ski Resort betreibt zwei Schlepplifte auf dem Gletscher, normalerweise von Mai bis Oktober. Die Schneelage ist wetterabhängig, aber in den meisten Jahren ist Skifahren bis mindestens August möglich.
Brauche ich einen Guide für die Gletscherwanderung?
Ja, dringend empfohlen. Gletscher haben verborgene Spalten, die lebensgefährlich sein können. Die geführten Touren beinhalten Steigeisen, Seil und Sicherungsausrüstung. Ohne Guide sollte man nicht auf das Eis gehen.
Ist der Bondhusvatnet eine schwere Wanderung?
Nein, die 4 Kilometer lange Wanderung zum Bondhusvatnet ist relativ flach und auch für Familien mit Kindern ab 6 Jahren machbar. Man braucht etwa 1 bis 1,5 Stunden pro Richtung. Festes Schuhwerk ist empfehlenswert.
Wie komme ich zum Folgefonna ohne Auto?
Mit dem Bus von Bergen nach Odda (ca. 3,5 Stunden). Von Odda aus gibt es im Sommer Shuttles zum Buerbreen-Parkplatz. Zum Skigebiet auf dem Gletscher braucht man allerdings ein Auto, da es keinen öffentlichen Nahverkehr dorthin gibt.
Wann ist die beste Zeit für den Folgefonna Nationalpark?
Juni bis September für Wanderungen und Gletschertouren. Mai bis Juli für Sommerskifahren. Im Hochsommer (Juli/August) sind die Tage am längsten und die Temperaturen am angenehmsten (15 bis 20 Grad in den Tälern).
Gibt es im Nationalpark Hütten zum Übernachten?
Im Park selbst gibt es keine bewirtschafteten Hütten. Die nächsten Unterkünfte befinden sich in Odda, Jondal und Rosendal. Wildes Zelten ist im Park erlaubt (mindestens 150 Meter Abstand zu Gebäuden).
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Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026