Hundeschlitten in Skandinavien
Sechs Huskys vor dem Schlitten, Schnee unter den Kufen und sonst nichts als Stille. Hundeschlittenfahren in Skandinavien ist eines der intensivsten Wintererlebnisse, das man im Norden haben kann. In Finnisch-Lappland, Schwedisch-Lappland, bei Tromsø in Norwegen und auf Svalbard bieten Dutzende Anbieter Touren an, die von einer Stunde bis zu mehrtägigen Expeditionen durch die Wildnis reichen.
Meine erste Hundeschlittentour war in Muonio in Finnisch-Lappland. Es war Januar, minus 22 Grad, und die Sonne ging den ganzen Tag nicht über den Horizont. Die sechs Huskys vor meinem Schlitten waren so aufgeregt, dass sie jaulten und an der Leine zerrten, bevor der Guide das Startsignal gab. Dann löste er die Bremse, und die Hunde schossen los. Innerhalb von Sekunden war es still. Kein Motor, kein Verkehr, nur das Hecheln der Hunde und das Knirschen der Kufen auf dem Schnee. Zwei Stunden lang fuhren wir durch verschneiten Wald, über zugefrorene Seen und an Rentierherden vorbei. Als wir zurückkamen, war mein Gesicht taub, aber ich grinste wie ein Kind.
Unterwegs mit Schlittenhunden
Die Schlittenhunde in Skandinavien sind überwiegend Alaskan Huskys, eine Kreuzung verschiedener nordischer Rassen, die auf Ausdauer und Geschwindigkeit gezüchtet wurden. Daneben gibt es Siberian Huskys (die klassischen blauäugigen Huskys, etwas langsamer, aber gleichmäßiger) und vereinzelt Grönlandhunde (schwerer, für extreme Kälte gebaut, vor allem auf Svalbard). Ein Gespann besteht typischerweise aus 4 bis 8 Hunden, die paarweise vor dem Schlitten laufen.
Die Hunde laufen in einer Hierarchie. Vorne stehen die Lead Dogs, die den Weg kennen und auf Kommandos reagieren. Dahinter kommen die Swing Dogs, die das Gespann in Kurven lenken. Hinten laufen die Wheel Dogs, die stärksten Tiere, die den Schlitten aus dem Stand ziehen. Ein gut eingespieltes Gespann erreicht Geschwindigkeiten von 15 bis 25 km/h, auf geraden Strecken auch 30 km/h.
Der Fahrer steht hinten auf dem Schlitten und steuert mit Gewichtsverlagerung und einer Fußbremse. Bei Touristentouren bekommt jeder Gast in der Regel seinen eigenen Schlitten. Die Einweisung dauert 15 bis 20 Minuten und deckt das Bremsen, Lenken und die Grundkommandos ab. Vorkenntnisse braucht man keine. Die Hunde wissen, was sie tun, und folgen dem Gespann des Guides.
Was viele überrascht: Die Hunde lieben ihre Arbeit. Bevor es losgeht, bellen und jaulen sie vor Aufregung. Während der Fahrt laufen sie konzentriert und mit offensichtlicher Freude. Die meisten Hundeschlittenbetriebe in Skandinavien halten 30 bis 200 Hunde und unterliegen strengen Tierschutzvorschriften. In Finnland und Schweden kontrollieren Veterinärämter die Betriebe regelmäßig.
Hundeschlittentouren in Finnisch-Lappland
Finnisch-Lappland ist das Zentrum des Hundeschlittenfahrens in Skandinavien. Die Region hat die höchste Dichte an Husky-Farmen in Europa, und die Saison dauert von Dezember bis April, manchmal bis Anfang Mai. Die beliebtesten Standorte sind Rovaniemi, Levi, Muonio, Inari und Saariselkä.
In Rovaniemi bieten etwa 10 Anbieter Hundeschlittentouren an. Die kürzesten dauern eine Stunde und kosten 80 bis 120 Euro pro Person. Man fährt durch den verschneiten Wald rund um die Stadt und bekommt eine Einführung in die Husky-Haltung. Für ein intensiveres Erlebnis gibt es Halbtagestouren (3 bis 4 Stunden, 180 bis 250 Euro), bei denen man über zugefrorene Seen fährt und am Lagerfeuer Tee trinkt.
Muonio und Hetta im Nordwesten sind der Ausgangspunkt für längere Touren. Hier liegt mehr Schnee als in Rovaniemi, und die Landschaft ist wilder. Der Anbieter Harriniva bietet mehrtägige Safaris an: zwei Tage mit einer Übernachtung in einer Wildnishütte kosten ab 600 Euro, fünf Tage mit vier Übernachtungen ab 1.500 Euro. Man fährt 30 bis 50 Kilometer pro Tag und übernachtet in beheizten Holzhütten mitten im Wald.
In Inari ganz im Norden bietet der Anbieter Inari Husky mehrtägige Touren in die Wildnis der Sámi-Region an. Die Landschaft ist hier noch karger, die Entfernungen größer und die Chancen auf Nordlichter höher als weiter südlich. Eine dreitägige Tour mit zwei Nächten in Wildnishütten kostet ab 900 Euro inklusive Verpflegung.
Schwedisch-Lappland und Nordschweden
In Schwedisch-Lappland konzentrieren sich die Hundeschlittenanbieter auf die Region um Kiruna, Jokkmokk und Gällivare. Die Landschaft ist ähnlich wie in Finnisch-Lappland, aber weniger touristisch erschlossen. Wer es ruhiger mag, findet hier Touren mit deutlich weniger anderen Teilnehmern.
In der Nähe von Kiruna bieten Anbieter wie Kiruna Dogsled und Nutti Sámi Siida Touren von zwei Stunden bis zu einer Woche an. Eine zweistündige Tour kostet ab 1.400 SEK (120 Euro). Die längeren Expeditionen führen in die Wildnis Richtung Kebnekaise, Schwedens höchstem Berg. Man fährt durch Birkenwälder, über gefrorene Flüsse und durch offene Tundra.
Bei Jokkmokk liegt der Betrieb Jokkmopp Hundspann, der sich auf ruhige Touren für kleine Gruppen spezialisiert hat. Maximal vier Gäste fahren gleichzeitig, jeder mit eigenem Gespann. Eine Tagestour (6 Stunden, 40 km) kostet 2.800 SEK (240 Euro) inklusive Mittagessen am Lagerfeuer. In Jokkmokk findet jedes Jahr im Februar der Jokkmokk-Markt statt, der älteste Wintermarkt Schwedens seit 1605. Wer die Hundeschlittentour mit dem Markt verbindet, erlebt zwei Höhepunkte in einer Reise.
Weiter südlich, in der Region Ångermanland, bieten einige kleinere Farmen Hundeschlittentouren an, die weniger arktisch und dafür waldiger ausfallen. Die Schneesicherheit ist hier ab Januar gegeben, die Temperaturen milder als in Lappland. Für Reisende, die nicht ganz in den hohen Norden wollen, eine gute Alternative.
Tromsø und Nordnorwegen
Tromsø ist der wichtigste Standort für Hundeschlittentouren in Norwegen. Die Stadt liegt 350 Kilometer nördlich des Polarkreises und hat eine gut entwickelte touristische Infrastruktur. Mehrere Husky-Farmen befinden sich im Umkreis von 30 Minuten Fahrzeit.
Die bekanntesten Anbieter sind Tromsø Villmarkssenter (gegründet von der Abenteurerin Tove Sørensen), Tromsø Arctic Reindeer und Arctic Adventure of Norway. Eine zweistündige Tour kostet 1.800 bis 2.500 NOK (155 bis 215 Euro). Man fährt durch die verschneite Landschaft der Insel Kvaløya mit Blick auf die umliegenden Berge und Fjorde. Bei vielen Anbietern ist ein warmes Getränk in einem Lavvu (Sámi-Zelt) danach inklusive.
Der Vorteil von Tromsø gegenüber Lappland: Die Stadt ist gut erreichbar (Direktflüge aus Oslo, Stockholm und mehreren europäischen Städten) und bietet die Möglichkeit, Hundeschlittenfahren mit anderen Winteraktivitäten zu kombinieren. Nordlicht-Touren, Walsafaris (November bis Januar) und Rentierbesuche bei Sámi-Familien lassen sich an den Tagen vor oder nach der Hundeschlittentour einplanen.
Auch in Alta, weiter östlich in Finnmark, gibt es Hundeschlittenanbieter. Alta hat den Vorteil einer noch kälteren, schneereicheren Winterlandschaft und weniger Touristen als Tromsø. Der Anbieter Holmen Husky Lodge bietet Halbtages- und Ganztagestouren sowie mehrtägige Expeditionen in die Finnmark-Vidda an.
Svalbard: Hundeschlitten in der Arktis
Svalbard (Spitzbergen) ist die extremste Variante des Hundeschlittenfahrens in Skandinavien. Die Inselgruppe liegt auf 78 Grad nördlicher Breite, auf halbem Weg zwischen Norwegens Festland und dem Nordpol. Von November bis Februar herrscht durchgehende Polarnacht, von April bis August Mitternachtssonne. Hundeschlittentouren werden von Februar bis Mai angeboten, wenn genug Tageslicht vorhanden ist.
Auf Svalbard werden traditionell Grönlandhunde eingesetzt, die schwerer und robuster sind als die Alaskan Huskys auf dem Festland. Die Touren starten von Longyearbyen aus. Der Anbieter Green Dog Svalbard bietet Halbtagestouren (4 Stunden, ab 2.500 NOK / 215 Euro) und Ganztagestouren (8 Stunden, ab 4.500 NOK / 390 Euro) an. Mehrtägige Expeditionen mit Übernachtung in Trapperhütten kosten ab 12.000 NOK (1.030 Euro) für drei Tage.
Das Besondere an Svalbard: Man fährt durch eine arktische Landschaft aus Gletschern, verschneiten Tälern und gefrorenen Fjorden. Die Stille ist hier noch intensiver als in Lappland, weil es keine Straßen und keinen Baumbestand gibt. Dafür muss der Guide immer ein Gewehr mitführen, denn auf Svalbard leben Eisbären. Die Wahrscheinlichkeit einer Begegnung ist gering, aber die Vorsichtsmaßnahme ist Pflicht.
Was eine Tour kostet und wie man bucht
Die Kosten für Hundeschlittentouren in Skandinavien variieren nach Land, Dauer und Anbieter. Hier ein Überblick:
Kurze Touren (1 bis 2 Stunden): 80 bis 215 Euro pro Person. Man fährt eine festgelegte Route durch die nähere Umgebung. Gut als Einstieg oder für Familien mit Kindern.
Halbtagestouren (3 bis 4 Stunden): 180 bis 300 Euro. Längere Strecke, oft mit Pause am Lagerfeuer und heißem Getränk. Genug Zeit, um ein Gefühl für das Fahren zu bekommen.
Ganztagestouren (6 bis 8 Stunden): 250 bis 400 Euro. Man legt 30 bis 50 Kilometer zurück und bekommt ein Mittagessen unterwegs. Die Erfahrung verändert sich, weil man nach der ersten Stunde aufhört, sich auf die Technik zu konzentrieren, und anfängt, die Landschaft wahrzunehmen.
Mehrtägige Touren (2 bis 7 Tage): 600 bis 3.000 Euro inklusive Unterkunft und Verpflegung. Man übernachtet in Wildnishütten, hilft beim Versorgen der Hunde und lernt, das Gespann selbstständig zu führen. Diese Touren sind das intensivste Hundeschlittenerlebnis.
Gebucht wird am besten über die Websites der Anbieter. In der Hochsaison (Februar und März) sind beliebte Touren schnell ausgebucht. Zwei bis vier Wochen Vorlaufzeit sind empfehlenswert. Die meisten Anbieter verlangen eine Anzahlung bei der Buchung, den Rest vor Ort.
Ausrüstung und Vorbereitung
Die meisten Anbieter stellen warme Overalls und Handschuhe. Das ist wichtig, denn auf dem Schlitten steht man still und erzeugt keine eigene Körperwärme. Bei minus 20 Grad und Fahrtwind wird es schnell kalt. Wer eigene Thermounterwäsche und Wollsocken mitbringt, ist komfortabler unterwegs.
Eigene Kleidung: Eine gute Basisschicht aus Merinowolle (Oberteil und Hose), darüber eine Fleecejacke und eine winddichte Außenschicht. Dicke Wollsocken, idealerweise zwei Paar übereinander. Eine eigene Skibrille oder Sonnenbrille schützt vor Schneeblendung und Fahrtwind. Die gestellten Overalls werden über der eigenen Kleidung getragen.
Vorkenntnisse braucht man keine. Jede Tour beginnt mit einer Einweisung. Man lernt, wie man bremst (Fuß auf die Metallbremse zwischen den Kufen), wie man lenkt (Gewichtsverlagerung in Kurven) und wie man sich bei einem Sturz verhält (nicht loslassen, die Hunde holen einen wieder auf die Kufen). Kinder können auf den meisten Touren ab 4 Jahren mitfahren, sitzen dann aber als Passagier im Schlitten eines Erwachsenen.
Die beste Saison für Hundeschlittentouren ist Januar bis März. Da ist der Schnee am tiefsten, die Temperaturen stabil kalt und die Tage lang genug für Halbtages- und Ganztagestouren. Im Dezember kann es in Lappland zu dunkel sein, im April wird der Schnee weich. Auf Svalbard geht die Saison bis Mai, weil dort der Schnee länger liegen bleibt.
Häufig gestellte Fragen
Werden die Schlittenhunde gut behandelt?
Die seriösen Anbieter in Skandinavien unterliegen strengen Tierschutzvorschriften und werden von Veterinärämtern kontrolliert. Die Hunde bekommen hochwertiges Futter, regelmäßige tierärztliche Versorgung und leben in großen Gehegen mit Auslauf. Schlittenhunde sind Arbeitshunde, die für das Laufen gezüchtet wurden. Man erkennt seriöse Betriebe daran, dass die Hunde gepflegt aussehen und aufgeregt reagieren, wenn es losgeht, und der Anbieter offen über die Haltungsbedingungen spricht.
Können Kinder mitfahren?
Ja. Die meisten Anbieter erlauben Kinder ab 4 Jahren als Passagiere im Schlitten eines Erwachsenen. Ab 12 bis 14 Jahren können Jugendliche bei vielen Anbietern einen eigenen Schlitten fahren. Familientouren von einer Stunde sind bei Kindern beliebt, weil die Aufmerksamkeitsspanne ausreicht und die Kälte nicht zu lange einwirkt. Die Anbieter stellen auch für Kinder warme Overalls und Stiefel.
Wie kalt wird es auf einer Hundeschlittentour?
In Lappland liegt die Temperatur im Januar und Februar zwischen minus 10 und minus 30 Grad. Mit dem Fahrtwind auf dem Schlitten fühlt es sich nochmals kälter an. Die gestellten Overalls und Stiefel halten warm, aber eigene Thermounterwäsche aus Merinowolle ist trotzdem empfehlenswert. Die kältesten Stellen sind Gesicht und Hände. Eine Balaklava und gefütterte Fäustlinge (keine Fingerhandschuhe) helfen am meisten.
Was passiert, wenn ich vom Schlitten falle?
Das kommt vor, besonders in Kurven oder auf unebenem Terrain. Die wichtigste Regel: Den Schlitten nicht loslassen. Wenn man sich an der Haltestange festhält, ziehen die Hunde einen durch den Schnee zurück auf die Kufen. Falls man doch loslässt, bleiben die Hunde des nächsten Schlittens hinter einem stehen, und der Guide sammelt das führerlose Gespann ein. Auf dem weichen Schnee tut ein Sturz selten weh.
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Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026