Nakskov
Nakskov ist die größte Stadt auf der Insel Lolland und liegt am Ende des gleichnamigen Fjords im Westen der Insel. Mit rund 12.500 Einwohnern ist sie überschaubar, aber ihre Geschichte ist größer, als die Einwohnerzahl vermuten lässt. Über ein Jahrhundert lang war Nakskov das Zentrum der dänischen Zuckerindustrie, und die Überreste dieser Ära prägen das Stadtbild bis heute. Dazu kommen ein mittelalterlicher Stadtkern, ein lebhafter Hafen und ein Fjord, der zu den schönsten Gewässern Südostdänemarks gehört.
Wer nach Nakskov kommt, sollte keine Großstadthektik erwarten. Die Stadt hat den Rhythmus eines Ortes, in dem man sich Zeit nimmt. Das Tempo ist langsamer hier als in Kopenhagen oder Odense, und genau darin liegt der Reiz. Man schlendert durch die Altstadt, trinkt Kaffee am Hafen, fährt mit dem Rad zum Fjord und lässt den Tag am Wasser ausklingen.
Lolland selbst ist eine flache, fruchtbare Insel südlich von Seeland, die über die Storstrømsbroen und die geplante Fehmarnbelt-Querung auch für deutsche Reisende immer besser erreichbar wird. Nakskov ist der westlichste Punkt der Insel und damit ein natürlicher Ausgangspunkt für die Erkundung der gesamten Region.
Tipp: Berechne dein persönliches Reisebudget mit unserem Dänemark-Reisekostenrechner.
Nakskov im Überblick
Nakskov erhielt sein Kaufstadtrecht bereits im Mittelalter und war über Jahrhunderte eine der bedeutendsten Hafenstädte im südlichen Dänemark. Die strategische Lage am Fjord ermöglichte den Handel mit dem Ostseeraum, und die fruchtbaren Böden Lollands machten die Landwirtschaft zum wirtschaftlichen Motor der Region.
Im 19. Jahrhundert veränderte die Zuckerindustrie die Stadt grundlegend. Die Nakskov Sukkerfabrik wurde 1882 gegründet und entwickelte sich zum größten Arbeitgeber der Region. Zuckerrüben aus dem ganzen westlichen Lolland wurden hierher transportiert und zu Zucker verarbeitet. Die Fabrik prägte die Wirtschaft, und auch das Sozialgefüge der Stadt. Arbeitersiedlungen entstanden, Gewerkschaften organisierten sich, und Nakskov wurde zu einer Hochburg der dänischen Arbeiterbewegung.
- Einwohner: ca. 12.500
- Kommune: Lolland Kommune
- Region: Sjælland
- Währung: Dänische Krone (DKK), ca. 1 EUR = 7,46 DKK
- Postleitzahl: 4900
Geschichte der Zuckerstadt
Die Geschichte von Nakskov und dem Zucker ist untrennbar miteinander verbunden. Als die Sukkerfabrik im späten 19. Jahrhundert ihren Betrieb aufnahm, veränderte sich das Gesicht der Stadt innerhalb weniger Jahrzehnte. Hunderte von Arbeitern zogen zu, Wohnviertel wurden aus dem Boden gestampft, und der Hafen wurde erweitert, um den Zucker per Schiff in die Welt zu exportieren.
In den besten Zeiten beschäftigte die Fabrik über 1.000 Menschen und verarbeitete jährlich Hunderttausende Tonnen Zuckerrüben. Die Kampagne, wie die Erntezeit der Rüben im Herbst genannt wurde, bestimmte den Jahresrhythmus der gesamten Stadt. Schwere Lastwagen brachten die Rüben aus dem Umland, der süßliche Geruch der Verarbeitung lag über der Stadt, und in den Kneipen und Geschäften herrschte Hochbetrieb.
Die Zuckerproduktion in Nakskov endete 2007, als die Fabrik im Zuge der EU-Zuckerreform geschlossen wurde. Der Verlust traf die Stadt hart, aber Nakskov hat sich seither neu orientiert. Das Fabrikgelände wird teilweise umgenutzt, und die Geschichte der Zuckerindustrie wird im Sukkermuseet dokumentiert, das in den ehemaligen Fabrikgebäuden untergebracht ist.
Nakskov war auch ein bedeutender Werftstandort. Die Nakskov Skibsværft baute über Jahrzehnte Handelsschiffe und Fähren und war neben der Zuckerfabrik der zweite große Arbeitgeber. Die Werft schloss 1986, aber die Trockendocks und Kräne am Hafen erinnern noch an diese Zeit. Zusammen mit der Zuckerfabrik bilden sie ein industrielles Erbe, das Nakskov von den meisten anderen dänischen Kleinstädten unterscheidet.
Sehenswürdigkeiten in Nakskov
Die Altstadt
Der mittelalterliche Grundriss der Altstadt ist noch heute erkennbar. Enge Gassen führen vom Marktplatz (Axeltorv) zum Hafen hinunter, und an vielen Ecken stehen Fachwerkhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die sorgfältig restauriert wurden. Die Sankt Nikolai Kirke, eine gotische Backsteinkirche aus dem 14. Jahrhundert, überragt den Stadtkern und ist mit ihrem markanten Turm das Wahrzeichen Nakskovs.
Am Axeltorv steht das alte Rathaus, das heute als Kulturzentrum genutzt wird. In den Seitenstraßen finden sich kleine Geschäfte, Antiquitätenläden und Cafés, die zum Stöbern und Verweilen einladen. Im Sommer gibt es auf dem Marktplatz regelmäßig Veranstaltungen, vom Flohmarkt bis zum Musikfestival.
Der Wasserturm
Der Nakskov Vandtårn, ein markanter Wasserturm aus dem Jahr 1908, ist eines der auffälligsten Gebäude der Stadt. Er wurde im Jugendstil errichtet und dient heute als Aussichtsturm. Von der Plattform bietet sich ein Rundblick über die gesamte Stadt, den Fjord und die flache Landschaft Lollands bis zum Horizont. An klaren Tagen kann man die Inseln im Nakskov Fjord und die Küste von Langeland erkennen.
Theisens Gård
Mitten in der Altstadt liegt Theisens Gård, ein historischer Kaufmannshof aus dem 17. Jahrhundert, der zu den besterhaltenen Gebäudeensembles seiner Art in Dänemark gehört. Die weiß gekalkten Fachwerkhäuser gruppieren sich um einen gepflasterten Innenhof und geben einen Einblick in das Leben der wohlhabenden Kaufleute, die den Handel auf Lolland über Jahrhunderte dominierten.
Der Nakskov Fjord
Der Nakskov Fjord erstreckt sich über rund 30 Quadratkilometer westlich der Stadt und ist eines der ökologisch wertvollsten Gewässer in ganz Dänemark. Der flache Fjord mit seinen zahlreichen kleinen Inseln und Holmen bietet Lebensraum für eine bemerkenswerte Vielfalt an Vögeln, darunter Seeadler, Austernfischer und verschiedene Entenarten.
Für Kajakfahrer ist der Fjord ein Traum. Das geschützte Wasser, die zahlreichen Inseln und die geringe Strömung machen ihn auch für Anfänger geeignet. Mehrere Anbieter in Nakskov vermieten Kajaks und bieten geführte Touren an. Eine beliebte Route führt von Nakskov aus zu den Inseln Enehøje und Slotø, wo man an Land gehen und picknicken kann.
Im südlichen Teil des Fjords liegt die Insel Albuen, eine schmale Landzunge, die wie ein gebeugter Arm ins Meer ragt und dem Ort seinen Namen gegeben hat. Albuen ist über einen Damm erreichbar und bietet einen der abgelegensten Strände der Region. Hier ist man oft ganz allein mit dem Meer und den Vögeln.
Der Fjord ist auch zum Angeln beliebt. Meerforellen, Hechte und Barsche tummeln sich in den flachen Gewässern, und an den Zuflüssen finden sich gute Stellen für Fliegenfischer. Angelscheine (Fisketegn) können online oder in den Touristeninformationen erworben werden und kosten etwa 40 DKK (ca. 5 EUR) für einen Tag.
Kultur und Museen
Das Sukkermuseet
Das Sukkermuseet (Zuckermuseum) ist in den ehemaligen Gebäuden der Zuckerfabrik untergebracht und erzählt die Geschichte der Zuckerindustrie auf Lolland. Die Ausstellung beginnt bei den Zuckerrübenfeldern und folgt dem Weg des Rohstoffs durch die Fabrik bis zum fertigen Produkt. Originale Maschinen, Fotografien und persönliche Berichte der ehemaligen Arbeiter machen die Vergangenheit lebendig.
Besonders eindrucksvoll ist die Abteilung über die sozialen Auswirkungen der Zuckerindustrie. Man erfährt, wie die Fabrik das Leben der gesamten Stadt bestimmte, wie die Arbeiterbewegung in Nakskov entstand und warum die Schließung der Fabrik einen so tiefen Einschnitt bedeutete. Der Eintritt kostet etwa 60 DKK (ca. 8 EUR).
Das Postboot und die Fjordfahrt
Im Sommer verkehrt das historische Postboot M/S Doktor Holm auf dem Nakskov Fjord. Die etwa zweistündige Fahrt führt durch die Inselwelt des Fjords und bietet Gelegenheit, die Landschaft vom Wasser aus zu erleben. Der Kapitän erzählt dabei Geschichten über die Inseln und ihre früheren Bewohner. Die Fahrt kostet etwa 150 DKK (ca. 20 EUR) für Erwachsene.
Kunst und Galerien
Nakskov hat eine kleine, aber aktive Kunstszene. In der Altstadt gibt es mehrere Galerien, die Werke lokaler und regionaler Künstler zeigen. Das Byens Hus (Haus der Stadt) im ehemaligen Rathaus veranstaltet regelmäßig Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen. Im Sommer finden Freiluftkonzerte am Hafen statt, die Einheimische und Besucher gleichermaßen anziehen.
Essen und Einkaufen
Die kulinarische Szene in Nakskov ist bodenständig und ehrlich. Die Restaurants setzen auf frische Zutaten aus der Region: Fisch aus dem Fjord, Gemüse von den fruchtbaren Feldern Lollands und Fleisch von lokalen Bauernhöfen. In der Fußgängerzone und am Hafen finden sich Restaurants und Cafés für unterschiedliche Anlässe.
Am Hafen servieren Imbissbuden und kleine Restaurants fangfrischen Fisch. Geräucherte Scholle, Heringsfilets und Fischfrikadellen gehören zu den lokalen Spezialitäten, die man hier probieren sollte. Im Sommer kann man direkt am Wasser sitzen und den Blick über den Fjord genießen.
Zum Einkaufen bietet die Fußgängerzone in der Altstadt eine Mischung aus inhabergeführten Geschäften und Ketten. Besonders empfehlenswert sind die Delikatessenläden, die lokale Produkte anbieten, darunter Honig von lolländischen Imkern, handgemachte Marmeladen und natürlich Zucker in verschiedenen Formen. Am Rande der Stadt gibt es einen größeren Supermarkt für den täglichen Bedarf.
Tipp: Im Herbst, wenn früher die Zuckerrübenkampagne lief, veranstaltet Nakskov das Sukker-Festival mit Markttagen, Führungen durch die ehemalige Fabrik und kulinarischen Veranstaltungen rund um das Thema Zucker.
Ausflüge und Natur
Die Umgebung von Nakskov bietet zahlreiche Möglichkeiten für Tagesausflüge. Die flache Landschaft Lollands eignet sich sehr gut zum Radfahren. Mehrere ausgeschilderte Radrouten führen durch die Felder und entlang der Küste, darunter der Ostseeradweg, der die gesamte Insel umrundet.
Im Osten der Insel liegt der Knuthenborg Safaripark, einer der größten Safariparks Europas. Auf über 600 Hektar leben Giraffen, Zebras, Tiger und viele andere Tiere in weitläufigen Gehegen. Der Park ist besonders für Familien mit Kindern ein lohnenswertes Ziel und liegt etwa 30 Autominuten von Nakskov entfernt.
Südlich von Nakskov erstreckt sich die Küste bis zum Fischerort Langø, von wo aus man per Fähre auf die kleine Insel Fejø übersetzen kann. Fejø ist bekannt für seine Obstplantagen, insbesondere die Apfelgärten, aus deren Früchten preisgekrönter Apfelsaft und Cidre hergestellt werden. Die Insel lässt sich bequem an einem Tag mit dem Fahrrad erkunden.
Der Naturpark Lolland umfasst weite Teile der Westküste und bietet Wandermöglichkeiten durch Feuchtgebiete, Wälder und entlang der Deiche, die das flache Land vor Sturmfluten schützen. Die Deiche selbst sind begehbar und bieten weite Blicke über die Ostsee und die vorgelagerten Inseln.
Tipp: Von Tårs, etwa 20 Kilometer südlich von Nakskov, verkehrt eine Fähre nach Langeland. Die Überfahrt dauert etwa 45 Minuten und ermöglicht einen Tagesausflug auf die langgestreckte Insel.
Praktische Tipps und Anreise
Nakskov liegt im Westen Lollands und ist über die Primärrute 9 erreichbar, die von Roskilde über die Storstrømsbroen nach Lolland führt. Von Kopenhagen braucht man mit dem Auto etwa zwei Stunden. Von der deutsch-dänischen Grenze bei Flensburg sind es über die Fährverbindung Puttgarden-Rødby etwa zweieinhalb Stunden, oder über die Storebælt-Brücke und die Landroute etwas länger.
Per Bahn ist Nakskov über die Lokalbahn Maribo-Nakskov erreichbar, die an die Hauptstrecke Kopenhagen-Nykøbing Falster angebunden ist. Die gesamte Fahrt von Kopenhagen dauert etwa zweieinhalb Stunden mit Umsteigen in Maribo.
In Nakskov selbst ist alles fußläufig erreichbar. Für Ausflüge in die Umgebung empfiehlt sich ein Auto oder Fahrrad. Mieträder gibt es bei verschiedenen Anbietern in der Stadt ab etwa 80 DKK (ca. 11 EUR) pro Tag.
Übernachtungsmöglichkeiten finden sich im Stadtzentrum und in der Umgebung. Das Hotel Harmonien am Marktplatz bietet zentrale Zimmer ab etwa 700 DKK (ca. 94 EUR) pro Nacht. In der Umgebung gibt es zahlreiche Ferienhäuser, die besonders für Familienurlaube beliebt sind. Campingplätze liegen am Fjord und an der Küste.
Häufig gestellte Fragen
Kann man die ehemalige Zuckerfabrik in Nakskov besichtigen?
Ja, Teile der ehemaligen Fabrik sind als Sukkermuseet zugänglich. Die Ausstellung zeigt den Weg vom Rübenfeld bis zum fertigen Zucker und dokumentiert die soziale Geschichte der Zuckerindustrie auf Lolland.
Wie erkundet man den Nakskov Fjord am besten?
Den Fjord kann man per Kajak, mit dem historischen Postboot M/S Doktor Holm oder vom Uferweg aus erleben. Kajakverleih gibt es am Hafen, das Postboot verkehrt im Sommer regelmäßig.
Lohnt sich Nakskov als Ausgangspunkt für einen Lolland-Urlaub?
Nakskov liegt zentral im Westen Lollands und ist ein guter Ausgangspunkt für die Erkundung der gesamten Insel. Knuthenborg Safaripark, die Insel Fejø und die Küste sind in weniger als einer halben Stunde erreichbar.
Ist Nakskov mit dem Zug erreichbar?
Ja, über die Lokalbahn Maribo-Nakskov. Die Anreise von Kopenhagen dauert etwa zweieinhalb Stunden mit einmaligem Umsteigen in Maribo.
Was kann man von Nakskov aus mit der Fähre erreichen?
Von Tårs südlich von Nakskov verkehrt eine Fähre nach Spodsbjerg auf Langeland. Von Langø aus kann man per Fähre die Insel Fejø besuchen. Beide Verbindungen verkehren regelmäßig, besonders im Sommer.
Weitere Städte in Dänemark
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026
Lokale Tipps
Gut zu wissen
Dagens Ret: Fast jedes Restaurant bietet werktags ein Tagesgericht (Dagens Ret) für 80-130 DKK an, oft mit Salat und Kaffee. Das ist die günstigste Art, in Dänemark warm zu essen.
Lokale Bäckereien: Vergiss die Ketten und geh in die Bageri um die Ecke. Ein frisches Rugbrød (Roggenbrot) und Wienerbrød (Plundergebäck) kosten einen Bruchteil der Touristencafés.
Spartipp: Die Too Good To Go App ist in Dänemark riesig. Überraschungstüten von Bäckereien und Restaurants ab 29 DKK. Und: Leitungswasser im Restaurant ist immer kostenlos.