Næstved
Næstved liegt im Herzen Südseelands und ist die grösste Stadt der Region, ohne dabei ihre Überschaubarkeit zu verlieren. Zwischen mittelalterlichen Kirchen, dem gewundenen Lauf der Suså und einer langen Tradition des Kunsthandwerks hat sich hier eine Atmosphäre erhalten, die weder hektisch noch verschlafen ist.
Mit rund 43.000 Einwohnern ist Næstved gross genug für Museen, Restaurants und ein lebendiges Kulturleben, aber klein genug, um alles zu Fuss zu erkunden. Die Stadt dient vielen Urlaubern als Ausgangspunkt für Ausflüge nach Südseeland, zu den Kreidefelsen von Møns Klint oder auf die Inseln Falster und Lolland. Wer sich die Zeit nimmt, in der Stadt selbst zu bleiben, wird feststellen, dass sie mehr zu bieten hat, als der erste Blick vermuten lässt.
Eine Stadt mit Geschichte
Næstved wurde erstmals im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt, doch die Besiedlung reicht weiter zurück. Archäologische Funde belegen, dass bereits in der Wikingerzeit eine Siedlung am Ufer der Suså bestand. Die günstige Lage am Fluss und in der Nähe der Ostseeküste machte den Ort zu einem natürlichen Handelszentrum.
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Im Mittelalter wuchs Næstved zu einer der wichtigsten Städte Seelands heran. Das Benediktinerkloster Skovkloster, das später zum Herlufsholm-Internat umgebaut wurde, wurde 1135 gegründet und zog Gelehrte und Handwerker an. Zwei große Pfarrkirchen entstanden, Märkte und Gilden blühten, und die Stadt erhielt ein Rathaus, das zu den ältesten in Dänemark gehört.
Die Reformation im 16. Jahrhundert veränderte Næstved tiefgreifend. Das Kloster wurde geschlossen und in eine Schule umgewandelt, die bis heute besteht. Die Herlufsholm Kostskole ist eine der renommiertesten Internatsschulen Skandinaviens, und ihr Park und ihre Gebäude prägen das Stadtbild im Osten von Næstved. Die Klosterkirche aus dem 12. Jahrhundert kann besichtigt werden und enthält Grabmäler dänischer Adliger aus mehreren Jahrhunderten.
Die mittelalterliche Altstadt
Die Altstadt von Næstved hat sich ihren mittelalterlichen Grundriss bewahrt. Enge Gassen winden sich zwischen Fachwerkhäusern und Backsteingebäuden hindurch, und an vielen Ecken stösst man auf Gebäude, die 400 oder 500 Jahre alt sind. Der Axeltorv, der zentrale Marktplatz, ist seit dem Mittelalter der Mittelpunkt der Stadt. Hier findet jeden Mittwoch und Samstag ein Wochenmarkt statt, auf dem Bauern aus der Umgebung Obst, Gemüse, Blumen und Käse verkaufen.
Das Alte Rathaus am Axeltorv stammt aus dem 15. Jahrhundert und ist eines der besterhaltenen mittelalterlichen Rathäuser in Dänemark. Die gotischen Fenster und das Backsteinmauerwerk zeugen von der Bedeutung, die Næstved im Mittelalter hatte. Heute beherbergt das Gebäude eine Ausstellung zur Stadtgeschichte.
In der Fussgängerzone und den angrenzenden Gassen reihen sich Geschäfte, Cafés und Boutiquen aneinander. Næstved hat sich seinen eigenständigen Charakter bewahrt und ist nicht von den gleichen Ketten dominiert wie viele andere dänische Mittelstädte. Kleine Handwerkerläden, Antiquitätenhändler und unabhängige Modeläden geben der Innenstadt einen individuellen Charakter.
Das Næstved Museum im ehemaligen Heiliggeisthaus erzählt die Geschichte der Stadt von der Urzeit bis zur Gegenwart. Besonders sehenswert sind die mittelalterlichen Fliesen aus der Sankt Peders Kirke, die zu den ältesten erhaltenen Bodenfliesen Dänemarks gehören. Der Eintritt beträgt 80 DKK (ca. 11 EUR).
Sankt Peders Kirke und Apostelhaus
Næstved besitzt zwei mittelalterliche Pfarrkirchen, die beide einen Besuch wert sind. Die Sankt Peders Kirke ist die grössere und eindrucksvollere der beiden. Die gotische Backsteinkirche wurde im 13. Jahrhundert errichtet und im 15. Jahrhundert erweitert. Im Inneren haben sich Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert erhalten, die biblische Szenen in kräftigen Farben zeigen. Die Kalkmalereien wurden im 19. Jahrhundert wiederentdeckt, nachdem sie jahrhundertelang unter Putz verborgen waren.
Besonders bemerkenswert sind die glasierten Bodenfliesen im Chor der Kirche, die im 14. Jahrhundert in einer lokalen Werkstatt hergestellt wurden. Sie zeigen Ritter, Drachen und geometrische Muster und gehören zu den ältesten erhaltenen Keramikfliesen in Nordeuropa. Kopien der Fliesen sind im Næstved Museum ausgestellt.
Gegenüber der Kirche steht das Apostelhaus (Apostelhuset), ein Fachwerkhaus aus dem Jahr 1510, das mit geschnitzten Holzfiguren der zwölf Apostel verziert ist. Die Figuren stehen in Nischen an der Fassade und geben dem Haus seinen Namen. Es ist eines der am besten erhaltenen Fachwerkhäuser Dänemarks und kann von außen jederzeit betrachtet werden.
Die zweite Pfarrkirche, Sankt Mortens Kirke, ist kleiner und schlichter, aber nicht weniger alt. Sie wurde ebenfalls im 13. Jahrhundert erbaut und hat einen romanischen Kern, der unter den späteren gotischen Umbauten noch erkennbar ist. Der Friedhof um die Kirche ist ein ruhiger Ort im Zentrum der Stadt.
Die Suså und das Flusstal
Die Suså ist mit 87 Kilometern der längste Fluss auf Seeland und fliesst mitten durch Næstved. Oberhalb der Stadt windet sich der Fluss durch ein breites Tal mit Feuchtwiesen, Wäldern und Feldern. Das Suså-Tal ist ein Paradies für Kanuten und Kajakfahrer, die den Fluss von Tystrup-Bavelse-See bis Næstved befahren können.
Die Paddelstrecke von Tystrup Sø nach Næstved ist etwa 25 Kilometer lang und führt durch eine Landschaft, die fast unberührt wirkt. Der Fluss schlängelt sich in weiten Mäandern durch das Tal, und am Ufer stehen Erlen und Weiden, die ihre Zweige ins Wasser tauchen. Reiher stehen reglos am Ufer, Eisvögel huschen über die Wasseroberfläche, und gelegentlich taucht ein Fischotter auf. Kanus und Kajaks kann man an mehreren Stellen entlang des Flusses mieten, eine Tagestour kostet ab 350 DKK (ca. 47 EUR) pro Boot.
In Næstved selbst wurde das Flussufer in den letzten Jahren aufgewertet. Ein Uferweg führt vom Stadtzentrum entlang der Suså bis zum Hafen, gesäumt von Bänken und kleinen Grünflächen. Im Sommer sitzen die Einheimischen am Flussufer, essen Eis und beobachten die Enten und Schwäne. Der Kontrast zwischen der ruhigen Flusslandschaft und der geschäftigen Altstadt nur wenige Schritte entfernt macht den Reiz aus.
Holmegaards Glasværk
Holmegaards Glasværk wurde 1825 gegründet und ist die bekannteste Glasmanufaktur Dänemarks. Die Fabrik liegt in Fensmark, etwa zehn Kilometer südlich von Næstved, und hat über zwei Jahrhunderte Gebrauchsglas und Kunstglas produziert, das in dänischen Haushalten allgegenwärtig ist. Die klaren Linien und funktionalen Formen des Holmegaard-Designs sind zu Klassikern des skandinavischen Designs geworden.
Das Glasmuseum am alten Fabrikgelände zeigt die Geschichte der Glasherstellung von den Anfängen bis zur Gegenwart. Historische Stücke stehen neben zeitgenössischen Entwürfen, und man kann die Entwicklung des dänischen Glasdesigns über 200 Jahre verfolgen. Besonders stark sind die mundgeblasenen Kunstgläser aus den 1950er und 1960er Jahren, als Designer wie Per Lütken und Jacob Bang die Formen schufen, die Holmegaard weltbekannt machten.
In der Werkstatt kann man Glasbläsern bei der Arbeit zusehen. Die Hitze des Ofens, das Drehen der Glasmasse auf der Pfeife und die geschickten Handbewegungen, mit denen ein Glasmacher aus einem glühenden Klumpen ein filigranes Gefäss formt, sind packend. Der Fabrikverkauf bietet Glaswaren zu reduzierten Preisen, und viele Besucher nehmen Vasen, Gläser oder Schalen als Souvenir mit. Eintritt Museum: 90 DKK (ca. 12 EUR).
Gavnø Slot und Tulpenblüte
Gavnø Slot liegt auf einer kleinen Insel südlich von Næstved, die über eine Brücke erreichbar ist. Das Schloss aus dem 18. Jahrhundert gehört seit Generationen der Familie Reedtz-Thott und beherbergt eine der grössten privaten Gemäldesammlungen Skandinaviens. Über 1.000 Gemälde hängen in den prachtvoll ausgestatteten Räumen, darunter Werke dänischer und europäischer Meister vom 16. bis zum 19. Jahrhundert.
Der Schlosspark ist das eigentliche Highlight für die meisten Besucher. Im April und Mai verwandelt sich der Park in ein Meer aus Tulpen. Über 500.000 Blumenzwiebeln werden jedes Jahr gepflanzt, und die Tulpenblüte lockt Tausende von Besuchern an. Zwischen den Tulpenbeeten stehen alte Bäume, und der Blick über den Fjord rundet das Bild ab. Der Eintritt zum Schlosspark kostet 160 DKK (ca. 21 EUR), Kinder zahlen 60 DKK (ca. 8 EUR).
Im Sommer finden auf Gavnø verschiedene Veranstaltungen statt, darunter ein Mittelalterfest und ein Gartenmarkt. Der Schlossshop verkauft Blumenzwiebeln, Samen und Gartenzubehör, und im Schlosscafé kann man Kaffee und Kuchen mit Blick auf den Park geniessen.
Hafen und Karrebæk Fjord
Der Hafen von Næstved liegt am Karrebæk Fjord, einem geschützten Gewässer zwischen Seeland und der kleinen Insel Enø. Der Fjord ist flach und windgeschützt, was ihn zu einem beliebten Revier für Segler und Kajakfahrer macht. Am Hafen liegen Sportboote neben Fischerkuttern, und in den alten Lagerhäusern haben sich Restaurants und Galerien angesiedelt.
Von Næstved aus kann man mit dem Boot nach Karrebæksminde fahren, einem kleinen Badeort an der Mündung des Fjords. Die Fahrt dauert etwa 30 Minuten und führt durch die flache Fjordlandschaft mit ihren Schilfgürteln und Vogelinseln. In Karrebæksminde gibt es einen Sandstrand, Fischrestaurants und einen kleinen Hafen. Die Rückfahrt kann man mit dem Bus antreten oder den Radweg entlang des Fjords nehmen.
Die Insel Enø, die über eine Brücke mit dem Festland verbunden ist, bietet einen langen Sandstrand an der Südseite und Wanderwege entlang der Küste. Im Sommer ist der Strand bei Familien beliebt, und am Campingplatz auf der Insel kann man Stellplätze oder Hütten mieten. Die Wassertemperatur im Fjord erreicht im Juli und August 20 bis 22 Grad.
Praktische Tipps
Næstved ist von Kopenhagen aus per Regionalzug in etwa 70 Minuten erreichbar. Die Züge fahren stündlich vom Hauptbahnhof, und der Bahnhof in Næstved liegt nur wenige Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt. Mit dem Auto dauert die Fahrt über die E47 und E55 etwa eine Stunde.
In Næstved selbst lässt sich alles bequem zu Fuss oder mit dem Fahrrad erkunden. Ferienhäuser gibt es in der Umgebung zahlreich, besonders an der Küste bei Karrebæksminde und auf der Insel Enø. Hotels und Pensionen befinden sich auch im Stadtzentrum. Eine Übernachtung im Doppelzimmer kostet ab etwa 700 DKK (ca. 94 EUR).
Næstved eignet sich gut als Standort für Tagesausflüge in die gesamte Region Südseeland. Møns Klint, Stevns Klint, Vordingborg und die Inseln Møn und Falster sind alle in weniger als einer Stunde erreichbar.
Die beste Reisezeit liegt zwischen April und September. Die Tulpenblüte auf Gavnø Slot im April und Mai ist ein Höhepunkt, und die Sommermonate bieten die besten Bedingungen für Kajaktouren auf der Suså und Strandbesuche in Karrebæksminde. Im Herbst ist Næstved ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen im Suså-Tal und Fossiliensuche an den Kreidefelsen.
Häufig gestellte Fragen
Wie kommt man von Kopenhagen nach Næstved?
Der Regionalzug fährt stündlich vom Kopenhagener Hauptbahnhof und braucht etwa 70 Minuten. Mit dem Auto dauert die Fahrt über die E47 und E55 rund eine Stunde. Der Bahnhof liegt zentral, und die Altstadt ist in wenigen Minuten zu Fuss erreichbar.
Wann ist die Tulpenblüte auf Gavnø Slot?
Die Tulpenblüte auf Gavnø Slot findet in der Regel von Mitte April bis Mitte Mai statt. Der genaue Zeitpunkt hängt vom Wetter ab. Aktuelle Informationen gibt es auf der Webseite des Schlosses. In der Blütezeit ist der Park auch an Wochentagen gut besucht.
Kann man auf der Suså Kanu fahren?
Ja, die Suså ist ein beliebtes Kanu- und Kajakrevier. Boote kann man an mehreren Stellen mieten, unter anderem am Tystrup Sø und in Næstved. Die Strecke von Tystrup Sø nach Næstved ist etwa 25 Kilometer lang und für Anfänger geeignet. Eine Tagestour kostet ab 350 DKK (ca. 47 EUR) pro Boot.
Lohnt sich das Glasmuseum in Holmegaard?
Wer sich für Design und Handwerk interessiert, wird das Museum schätzen. Die Ausstellung zeigt über 200 Jahre dänische Glaskunst, und man kann Glasbläsern bei der Arbeit zusehen. Der Fabrikverkauf bietet Glaswaren zu günstigen Preisen. Der Besuch lohnt sich besonders in Kombination mit einem Stadtbummel durch Næstved.
Gibt es in Næstved gute Restaurants?
In der Altstadt gibt es mehrere gute Restaurants und Cafés. Das Mormors am Axeltorv serviert dänische Klassiker zu fairen Preisen. Am Hafen bieten einige Restaurants Fischgerichte mit Blick auf den Fjord. Ein Hauptgericht kostet zwischen 130 und 220 DKK (17 bis 29 EUR).
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Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026
Lokale Tipps
Gut zu wissen
Dagens Ret: Fast jedes Restaurant bietet werktags ein Tagesgericht (Dagens Ret) für 80-130 DKK an, oft mit Salat und Kaffee. Das ist die günstigste Art, in Dänemark warm zu essen.
Lokale Bäckereien: Vergiss die Ketten und geh in die Bageri um die Ecke. Ein frisches Rugbrød (Roggenbrot) und Wienerbrød (Plundergebäck) kosten einen Bruchteil der Touristencafés.
Spartipp: Die Too Good To Go App ist in Dänemark riesig. Überraschungstüten von Bäckereien und Restaurants ab 29 DKK. Und: Leitungswasser im Restaurant ist immer kostenlos.