Schlösser in Dänemark
Dänemark besitzt über 600 Schlösser, Burgen und Herrenhäuser. Für ein Land dieser Größe ist das eine bemerkenswerte Zahl. Von der mittelalterlichen Festung bis zum barocken Prachtbau erzählen diese Gebäude Geschichten von Königen, Adligen und manchmal auch von Geistern, die angeblich noch immer durch die Gänge wandeln.
Die dänische Schlösserlandschaft unterscheidet sich von der in anderen europäischen Ländern. Hier stehen weniger martialische Trutzburgen als vielmehr elegante Residenzen, die inmitten gepflegter Gärten und Parks liegen. Viele von ihnen sind eng mit der Geschichte des dänischen Königshauses verwoben, das zu den ältesten Monarchien der Welt gehört.
In diesem Artikel stelle ich dir die Schlösser vor, die mich bei meinen Reisen durch Dänemark am meisten beeindruckt haben. Von Shakespeares Hamlet Schloss in Helsingør bis zum Wasserschloss auf Fünen ist die Bandbreite enorm.
Königliche Schlösser in Seeland
Schloss Kronborg (Helsingør)
Am schmalsten Punkt des Öresunds, wo nur vier Kilometer Wasser Dänemark von Schweden trennen, thront Kronborg. Shakespeare machte das Schloss unter dem Namen „Elsinore" zum Schauplatz seiner Tragödie Hamlet, doch die reale Geschichte des Bauwerks ist kaum weniger dramatisch. Ursprünglich als Burg Krogen zur Kontrolle des Sundzolls errichtet, ließ Friedrich II. sie zwischen 1574 und 1585 zum Renaissanceschloss umbauen.
In den Kasematten des Schlosses ruht der Sage nach Holger Danske, ein schlafender Held, der erwachen soll, wenn Dänemark in höchster Not ist. Die Statue des Helden in den unterirdischen Gewölben gehört zu den am häufigsten fotografierten Motiven. Kronborg gehört seit 2000 zum UNESCO Weltkulturerbe. Der Eintritt kostet 155 DKK (ca. 21 Euro). Jeden Sommer finden auf dem Schlossgelände Aufführungen von Hamlet statt.
Schloss Frederiksborg (Hillerød)
Wenn ich ein einziges Schloss in Dänemark empfehlen müsste, wäre es Frederiksborg. Auf drei Inseln im Schlosssee gelegen, ist es das größte Renaissanceschloss Skandinaviens und beherbergt das Museum der Nationalgeschichte. Christian IV. ließ es zwischen 1600 und 1620 errichten, und die Pracht des Gebäudes sollte die Macht der dänischen Krone in ganz Europa bekannt machen.
Die Schlosskirche mit ihrer Originalausstattung aus der Erbauungszeit überstand den verheerenden Brand von 1859 und gilt als einer der besterhaltenen Kirchenräume der Renaissance in Nordeuropa. Der Rittersaal im zweiten Stock beeindruckt mit seinen Wandteppichen und der kunstvollen Holzdecke. Der Barockgarten hinter dem Schloss wurde nach historischen Plänen originalgetreu wiederhergestellt.
Der Eintritt beträgt 90 DKK (ca. 12 Euro). Von Kopenhagen erreichst du Hillerød in etwa 40 Minuten mit der S Bahn.
Schloss Fredensborg
Fredensborg, das „Schloss des Friedens", dient der dänischen Königsfamilie als Frühjahrs und Herbstresidenz. Es liegt am Esrum See in Nordseeland und wurde 1722 nach dem Ende des Großen Nordischen Krieges erbaut. Der Name erinnert an den Frieden von Frederiksborg. Die Schlosskirche und Teile des Gebäudes sind im Sommer für Besucher zugänglich.
Der weitläufige Schlosspark mit seinen Alleen und dem Skulpturengarten ist ganzjährig geöffnet und einen ausgiebigen Spaziergang wert. In der „Nordmannsdalen" stehen 70 Sandsteinskulpturen, die Bauern und Fischer aus Norwegen und den Färöer Inseln darstellen. Der Eintritt in den Park ist frei, Schlossführungen kosten 100 DKK (ca. 13 Euro).
Schloss Rosenborg (Kopenhagen)
Inmitten des Kongens Have, des ältesten Parks in Kopenhagen, steht dieses Renaissancejuwel, das Christian IV. ab 1606 als Sommerresidenz errichten ließ. Heute beherbergt Rosenborg die Kronjuwelen und die königlichen Insignien Dänemarks, die in einer Schatzkammer im Kellergeschoss ausgestellt werden. Die Prunkräume im Obergeschoss zeigen Mobiliar und Kunstgegenstände von der Renaissance bis zum 19. Jahrhundert.
Die Kronjuwelen, darunter die Krone Christians IV. und die Krone der Absolutmonarchie, ziehen jährlich Hunderttausende Besucher an. Der Eintritt kostet 130 DKK (ca. 17 Euro). Der umgebende Kongens Have ist Kopenhagens beliebtester Park und besonders im Sommer ein wunderbarer Ort zum Verweilen.
Kopenhagens Paläste
Schloss Amalienborg
Die offizielle Winterresidenz der dänischen Königsfamilie besteht aus vier identischen Rokokopalästen, die sich um einen achteckigen Platz gruppieren. In der Mitte steht die Reiterstatue von Frederik V. Die tägliche Wachablösung um 12 Uhr mittags gehört zu den beliebtesten Attraktionen in Kopenhagen. Die Leibgarde mit ihren Bärenfellmützen marschiert von der Rosenborg Kaserne durch die Innenstadt zum Schloss.
Im Christian VIII. Palais ist das Amalienborg Museum untergebracht, das Einblicke in das Leben der königlichen Familie von 1863 bis heute gewährt. Die Ausstellung zeigt private Salons und Arbeitszimmer verschiedener Monarchen. Der Eintritt beträgt 120 DKK (ca. 16 Euro).
Schloss Christiansborg
Christiansborg auf der Insel Slotsholmen ist weltweit anders als alles andere: Es beherbergt alle drei Gewalten der dänischen Demokratie unter einem Dach. Das Parlament (Folketing), der Oberste Gerichtshof und das Büro des Ministerpräsidenten teilen sich das Gebäude. Gleichzeitig nutzt die Königin die Repräsentationsräume für Staatsempfänge und Bankette.
Die königlichen Empfangsräume sind prachtvoll ausgestattet und können besichtigt werden. Besonders stark ist der Große Saal mit den 17 Wandteppichen von Bjørn Nørgaard, die 1.000 Jahre dänische Geschichte darstellen. Die Ruinen unter dem Schloss, Reste der ursprünglichen Bischofsburg von 1167, sind ebenfalls zugänglich. Der Eintritt in die Königlichen Empfangsräume kostet 175 DKK (ca. 23 Euro).
Schlösser auf Fünen und den Inseln
Schloss Egeskov (Fünen)
Egeskov auf Fünen ist Europas besterhaltenes Wasserschloss aus der Renaissance. Erbaut 1554 auf Eichenpfählen inmitten eines Sees, wirkt das rote Backsteingebäude mit seinen spitzen Türmen und dem Wassergraben wie aus einem Märchenbuch. Der Legende nach wurde ein ganzer Eichenwald für das Fundament gefällt, was dem Schloss seinen Namen gab: Egeskov bedeutet „Eichenwald".
Die Parkanlagen gehören zu den schönsten in ganz Skandinavien. Ein barocker Garten, ein Kräutergarten, ein Fuchsiengarten und ein Labyrinth aus mannshohen Hecken laden zum Flanieren ein. In den Nebengebäuden befinden sich Sammlungen historischer Fahrzeuge, Oldtimer, Motorräder und landwirtschaftlicher Geräte. Egeskov wurde mehrfach als einer der schönsten Schlossgärten Europas ausgezeichnet.
Der Eintritt inklusive Park und Ausstellungen kostet 235 DKK (ca. 31 Euro) für Erwachsene. Von Odense sind es etwa 30 Minuten mit dem Auto.
Schloss Valdemars (Tåsinge)
Auf der kleinen Insel Tåsinge, südlich von Fünen, steht Valdemars Slot, ein Schloss, das Christian IV. für seinen Sohn Valdemar Christian errichten ließ. Das Gebäude aus dem 17. Jahrhundert beherbergt heute ein maritimes Museum und eine Spielzeugsammlung. Der angeschlossene Schlosspark mit seinem alten Baumbestand grenzt direkt ans Wasser und bietet einen herrlichen Ausblick über den Svendborgsund.
Im Schlossrestaurant kannst du dänische Küche in historischem Ambiente genießen. Der Eintritt in Schloss und Park beträgt 115 DKK (ca. 15 Euro).
Schloss Gavnø (Seeland)
Gavnø liegt auf einer kleinen Insel im Præstø Fjord in Südseeland und ist vor allem für seine Gartenanlage und seine Gemäldesammlung bekannt. Mit über 1.000 Gemälden besitzt das Schloss eine der größten privaten Kunstsammlungen Skandinaviens. Im Frühling verwandeln Millionen von Tulpen und Narzissen den Schlossgarten in ein Farbenmeer, das jährlich Tausende Besucher anzieht.
Burgen und Herrenhäuser in Jütland
Schloss Spøttrup (Limfjord)
Die besterhaltene mittelalterliche Burg Dänemarks steht am Limfjord in Nordjütland. Spøttrup wurde im 15. Jahrhundert als Bischofsburg errichtet und ist von einem doppelten Wassergraben umgeben. Die dicken Mauern, der Wehrgang und die Schießscharten vermitteln ein authentisches Bild mittelalterlicher Verteidigungsarchitektur.
Im Kräutergarten wachsen über 200 verschiedene Pflanzen, die im Mittelalter als Heilmittel verwendet wurden. Der Eintritt in die Burg und den Garten ist frei. Spøttrup ist ein ruhiger Ort abseits der Touristenströme, der besonders für geschichtsinteressierte Besucher lohnt.
Schloss Voergaard (Nordjütland)
Voergaard bei Dronninglund in Nordjütland beherbergt eine der bedeutendsten Privatsammlungen Dänemarks. Gemälde von Raffael, El Greco und Goya hängen in den Prunkräumen, ergänzt durch Möbel, Silber und Porzellan von höchster Qualität. Das Renaissanceschloss selbst wurde im 16. Jahrhundert erbaut und ist von einem breiten Wassergraben umgeben.
Die Geschichte des Hauses ist mit einigen dunklen Legenden verknüpft. So soll die ehemalige Besitzerin Ingeborg Skeel als Geist durch die Gänge wandeln. Der Eintritt kostet 140 DKK (ca. 19 Euro).
Schloss Koldinghus
Die ehemalige Königsburg in Kolding hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Im Jahr 1808 brannte das Schloss durch die Fahrlässigkeit spanischer Soldaten, die dort einquartiert waren, bis auf die Grundmauern nieder. Die Ruine stand 150 Jahre lang offen, bevor sie in den 1990er Jahren auf ganz eigene Weise restauriert wurde: Moderne Architekturelemente wurden in die historische Substanz eingefügt, ohne den Charakter der Ruine zu zerstören.
Heute beherbergt Koldinghus ein Museum für Kulturgeschichte mit Sammlungen zu Kunsthandwerk, Silber und Möbeln. Der Eintritt beträgt 100 DKK (ca. 13 Euro).
Schloss Dragsholm (Odsherred)
Dragsholm in der Region Odsherred in Westseeland gilt als eines der ältesten Schlösser Dänemarks. Um 1215 als Bischofsburg errichtet, diente es später als Staatsgefängnis. Zu den prominentesten Gefangenen gehörte James Hepburn, der Earl of Bothwell und dritte Ehemann von Maria Stuart, der hier 1578 starb. Sein Geist soll noch immer durch die Gewölbe irren.
Heute ist Dragsholm ein Schlosshotel mit einem preisgekrönten Restaurant. Die Küche verwendet Zutaten aus der eigenen Landwirtschaft und aus den umliegenden Gewässern. Dragsholm wurde zum besten Schlosshotel Skandinaviens gekürt.
Schlösser mit Übernachtung
Einige der schönsten Schlösser Dänemarks lassen sich besichtigen, und auch bewohnen. Schlosshotels bieten eine Übernachtungserfahrung, die über den normalen Hotelaufenthalt weit hinausgeht. Die Preise variieren stark: Eine Nacht im Dragsholm Slot beginnt bei etwa 2.200 DKK (ca. 295 Euro), im Kokkedal Slot bei Kopenhagen bei rund 2.800 DKK (ca. 375 Euro).
Weitere empfehlenswerte Schlosshotels sind Hindsgavl Slot bei Middelfart, Gl. Vraa Slot in Nordjütland und Broholm Slot auf Fünen. Viele dieser Häuser bieten Packages an, die Abendessen und Frühstück einschließen. Eine Reservierung mehrere Wochen im Voraus ist in der Hochsaison ratsam.
Praktische Hinweise
Die beste Reisezeit für Schlossbesuche ist von Mai bis September, wenn alle Häuser geöffnet haben und die Gärten in voller Blüte stehen. Einige Schlösser, insbesondere Egeskov und Gavnø, veranstalten im Frühling und Sommer besondere Gartenausstellungen und Mittelaltermärkte.
Mit der Copenhagen Card sind Kronborg, Rosenborg, Christiansborg und Frederiksborg im Preis inbegriffen. Wenn du diese vier Schlösser besuchst, sparst du gegenüber dem Einzeleintritt erheblich. Die Schlösser auf Fünen und in Jütland sind nicht in der Karte enthalten.
Die meisten Schlösser sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Für eine Rundtour durch die jütländischen und fünischen Herrenhäuser empfiehlt sich allerdings ein Mietwagen. Viele Schlösser liegen abseits der großen Bahnstrecken, und mit dem Auto bist du deutlich flexibler.
Fotografieren ist in den meisten Schlössern erlaubt, allerdings oft nur ohne Blitz. In einigen Prunkräumen, besonders bei Kronborg und Christiansborg, gelten während Sonderausstellungen Einschränkungen. Frag am besten an der Kasse nach den aktuellen Regeln.
Häufig gestellte Fragen
Welches ist das schönste Schloss in Dänemark?
Das ist Geschmackssache, aber Schloss Frederiksborg in Hillerød wird am häufigsten genannt. Es verbindet eine starke Renaissancearchitektur mit einer sehr guten Museumssammlung und einem wunderschönen Barockgarten. Für Romantiker ist das Wasserschloss Egeskov auf Fünen ein Favorit.
Kann man in dänischen Schlössern übernachten?
Ja, mehrere Schlösser wurden zu Hotels umgebaut. Dragsholm Slot in Westseeland, Kokkedal Slot bei Kopenhagen und Broholm Slot auf Fünen bieten Übernachtungen an. Die Preise beginnen bei etwa 1.500 DKK (ca. 200 Euro) pro Nacht und reichen bis über 4.000 DKK (ca. 535 Euro) für Suiten.
Welche Schlösser sind mit der Copenhagen Card kostenlos?
Die Copenhagen Card deckt Kronborg in Helsingør, Frederiksborg in Hillerød, Rosenborg und Christiansborg in Kopenhagen ab. Auch das Amalienborg Museum ist enthalten. Die Karte beinhaltet zudem den öffentlichen Nahverkehr, sodass du die Schlösser bequem mit S Bahn und Zug erreichen kannst.
Gibt es Spukschlösser in Dänemark?
Dragsholm Slot gilt als das Schloss mit den meisten Geistergeschichten. Drei Geister sollen dort spuken, darunter der Earl of Bothwell. Auch Voergaard Slot und Gavnø haben ihre Spuklegenden. Einige Schlosshotels bieten Geisterführungen an, insbesondere um Halloween herum.
Sind die Schlösser für Kinder geeignet?
Egeskov auf Fünen bietet einen großen Spielplatz, ein Baumkronenweg und Oldtimerausstellungen, die auch Kinder begeistern. In Kronborg können Kinder die Kasematten erkunden. Rosenborg hat im Sommer ein spezielles Kinderprogramm. Den Gamle By in Aarhus ist zwar kein Schloss, aber für geschichtsinteressierte Familien besonders gut geeignet.
Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026