Nationalpark Kongernes Nordsjælland
Nördlich von Kopenhagen erstreckt sich ein Landstrich, den die dänischen Könige über Jahrhunderte als ihr persönliches Jagdrevier beanspruchten. Heute ist dieses Gebiet der Nationalpark Kongernes Nordsjælland, der jüngste und zugleich geschichtsträchtigste der fünf dänischen Nationalparks. Seit seiner Gründung 2018 schützt er eine Landschaft, in der sich uralte Buchenwälder, stille Seen und prachtvolle Schlösser zu einem Gesamtbild fügen.
Der Name „Kongernes" bedeutet „der Könige" und verweist auf die enge Verbindung zwischen der dänischen Monarchie und diesem Landstrich. Schloss Frederiksborg, Schloss Fredensborg und die zahlreichen Jagdhütten in den Wäldern zeugen von einer höfischen Kultur, die über Jahrhunderte das Gesicht der Region prägte. Die königlichen Wälder wurden gepflegt und vor Abholzung geschützt, was dazu führte, dass hier heute einige der ältesten Buchenwälder Dänemarks stehen.
Für Besucher aus Deutschland liegt der Reiz des Parks in seiner Vielseitigkeit. Du kannst an einem Tag durch einen Wald wandern, der zum UNESCO Weltkulturerbe gehört, an einem See picknicken und ein Renaissanceschloss besichtigen. Und das alles weniger als eine Stunde von Kopenhagen entfernt.
Lage und Überblick
Der Nationalpark liegt im Norden der Insel Seeland, zwischen dem Øresund im Osten und dem Roskilde Fjord im Westen. Er erstreckt sich über eine Fläche von rund 263 Quadratkilometern, was ihn zum drittgrößten Nationalpark Dänemarks macht. Die wichtigsten Orte in der Umgebung sind Hillerød, Fredensborg und Helsingør.
Drei Landschaftstypen prägen den Park: ausgedehnte Wälder, die etwa die Hälfte der Fläche ausmachen, offene Agrarlandschaften mit Wiesen und Feldern sowie Seen und Feuchtgebiete. Der Esrum Sø ist mit einer Fläche von über 17 Quadratkilometern der zweitgrößte See Dänemarks und bildet das Kern des Parks.
Das Besondere am Nationalpark Kongernes Nordsjælland ist seine Verbindung von Natur und Kulturerbe. Während andere Nationalparks in Dänemark vor allem Naturlandschaften schützen, vereint dieser Park alte Wälder, historische Gebäude und eine Landschaft, die durch Jahrhunderte menschlicher Nutzung geformt wurde. Teile der Buchenwälder wurden 2015 als „Buchenwälder der par force Jagdlandschaft Nordseeland" in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen.
Gribskov: Dänemarks viertgrößter Wald
Der Gribskov ist mit seinen rund 5.600 Hektar der viertgrößte Wald Dänemarks und das Kernstück des Nationalparks. Für dänische Verhältnisse ist er geradezu riesig, denn das flache Land hat insgesamt wenig zusammenhängende Waldflächen. Der Gribskov besteht überwiegend aus Buchen und Eichen, dazu kommen Fichten und Birken in den feuchteren Bereichen.
Was den Gribskov von anderen dänischen Wäldern unterscheidet, ist sein hohes Alter. Viele Buchen sind über 200 Jahre alt, einige erreichen Stammumfänge von mehr als vier Metern. In den Kernzonen des Waldes wird seit Jahrzehnten keine Forstwirtschaft mehr betrieben, sodass sich hier eine natürliche Dynamik entwickeln konnte. Umgestürzte Bäume bleiben liegen und werden zu Lebensräumen für Pilze, Insekten und Flechten.
Ein Netz aus Waldwegen und Pfaden durchzieht den Gribskov. Die Wege sind gut ausgeschildert und führen durch verschiedene Waldtypen. Im Frühling, wenn das Buschwindröschen den Waldboden bedeckt und die Buchen ihr erstes zartes Grün austreiben, zeigt sich der Wald von seiner schönsten Seite. Im Herbst färben sich die Buchen golden, und der Waldboden ist mit Pilzen übersät.
Die sternförmig angelegten Schneisen im Wald gehen auf die par force Jagd zurück, eine höfische Jagdform, bei der die Beute von Reitern und Hunden in ein Sternzentrum getrieben wurde. Die acht geraden Schneisen, die in einem Punkt zusammenlaufen, sind auch heute noch im Gelände erkennbar und bilden die Grundlage des UNESCO Weltkulturerbes.
Esrum Sø und das Kloster Esrum
Der Esrum Sø ist ein Ort, der Ruhe ausstrahlt. Der tiefblaue See, umgeben von Wald und sanften Hügeln, erreicht eine maximale Tiefe von 22 Metern und bietet Lebensraum für Hechte, Barsche und Aale. An seinen Ufern nisten Seeadler, Fischadler und Eisvögel. Baden ist an ausgewiesenen Stellen erlaubt, wobei das Wasser wegen der Tiefe auch im Hochsommer erfrischend kühl bleibt.
Am Nordufer des Sees steht das Kloster Esrum, eines der am besten erhaltenen Zisterzienserklöster Skandinaviens. Gegründet 1151, war es über Jahrhunderte das reichste und einflussreichste Kloster Dänemarks. Die Mönche bewirtschafteten die umliegenden Ländereien, legten Fischteiche an und betrieben eine Kräutermedizin, die weit über die Region hinaus bekannt war.
Heute beherbergt das Kloster eine Ausstellung zur Geschichte des Zisterzienserordens und einen Kräutergarten, der nach mittelalterlichen Vorbildern angelegt wurde. Die Klosterscheune dient als Veranstaltungsort für Konzerte und Märkte. Im Klosterladen gibt es lokal hergestellte Produkte wie Honig, Kräutertee und Seifen. Der Eintritt in Kloster und Ausstellung kostet 90 DKK (ca. 12 Euro).
Jagdschlösser und königliche Geschichte
Nordsjælland war über Jahrhunderte das bevorzugte Jagdgebiet der dänischen Könige. Christian V. führte im 17. Jahrhundert die par force Jagd ein, eine aus Frankreich stammende Jagdform, bei der das Wild mit Hunden und Reitern über sternförmig angelegte Schneisen gehetzt wurde. Für diese Jagdform wurde die Landschaft systematisch umgestaltet: Schneisen wurden durch die Wälder geschlagen, Wege gepflastert und Jagdpavillons errichtet.
Schloss Frederiksborg in Hillerød ist das prächtigste Bauwerk im Parkgebiet. Christian IV. ließ das Renaissanceschloss zwischen 1600 und 1620 auf drei Inseln im Schlosssee errichten. Heute beherbergt es das Museum der dänischen Nationalgeschichte mit Porträts, Möbeln und Kunstgegenständen aus über 500 Jahren. Der Barockgarten hinter dem Schloss wurde nach historischen Plänen originalgetreu restauriert.
Schloss Fredensborg, die Frühjahrs und Herbstresidenz der Königsfamilie, liegt am Esrum Sø. Der weitläufige Schlosspark mit seinen Alleen und dem Skulpturengarten ist ganzjährig zugänglich und einer der schönsten Orte zum Spazierengehen in der Region. Im Sommer, wenn die Königsfamilie nicht in Residenz ist, werden Führungen durch das Schloss angeboten.
Verstreut in den Wäldern stehen zahlreiche kleinere Jagdpavillons und Sternhäuser, die als Treffpunkte während der par force Jagd dienten. Einige von ihnen sind verfallen, andere wurden restauriert und können besichtigt werden. Das Sternhaus im Gribskov, an dem acht Schneisen zusammenlaufen, ist das bekannteste und am besten erhaltene Beispiel.
Tierwelt im Nationalpark
Der Nationalpark ist Heimat einer für dänische Verhältnisse artenreichen Tierwelt. In den Wäldern leben Rothirsche, Damhirsche und Rehe in großen Populationen. Die Hirschbrunft im September und Oktober ist ein Naturschauspiel, das viele Besucher in den Gribskov lockt. Das tiefe Röhren der Hirsche hallt frühmorgens und abends durch den Wald, und mit etwas Geduld lassen sich die Tiere aus sicherer Entfernung beobachten.
Am Esrum Sø und an den kleineren Seen des Parks brüten über 150 Vogelarten. Der Seeadler, der in Dänemark lange als ausgestorben galt, hat sich in der Region wieder angesiedelt. Auch der Eisvogel, der Schwarzspecht und die Waldschnepfe sind hier zu finden. In den Feuchtgebieten am Seeufer rasten während der Zugzeit Kraniche und Wildgänse.
In den alten Buchenwäldern leben Fledermäuse, Baummarder und Dachse. Der Waldboden beherbergt eine Vielfalt an Insekten und Käfern, darunter den seltenen Hirschkäfer. In den Bereichen, in denen Totholz liegen bleibt, hat sich die Artenvielfalt in den letzten Jahrzehnten merklich erhöht. Im Frühjahr blühen seltene Orchideenarten auf den Feuchtwiesen entlang der Seeufer.
Wandern und Radfahren
Der Nationalpark bietet ein gut ausgebautes Wegenetz für Wanderer und Radfahrer. Die markierten Wanderwege haben Längen zwischen 3 und 25 Kilometern und führen durch alle Landschaftstypen des Parks.
Der Gribskov Rundweg (12 km) führt durch das Herz des Waldes, vorbei an den Sternschneisen der par force Jagd und alten Forstarbeiterhäusern. Der Weg ist flach und auch für Familien mit Kindern geeignet. Die reine Gehzeit beträgt etwa drei Stunden, mit Pausen und Stopps an den Aussichtspunkten solltest du einen halben Tag einplanen.
Die Esrum Sø Umrundung (25 km) ist die längste Wanderung im Park und führt einmal um den gesamten See. Der Weg wechselt zwischen Waldpassagen, offenen Wiesen und Uferbereichen. An mehreren Stellen gibt es Rastplätze mit Bänken und Tischen. Die Tour eignet sich auch sehr gut als Radtour und lässt sich in vier bis fünf Stunden bewältigen.
Für Radfahrer gibt es mehrere ausgewiesene Routen, die teilweise auf dem nationalen Radwegenetz basieren. Die Nordseeland Radroute verbindet die wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Parks und kann in Etappen aufgeteilt werden. Fahrräder lassen sich in Hillerød und Helsingør ausleihen, die Tagesmiete beträgt zwischen 120 und 200 DKK (ca. 16 bis 27 Euro).
Reiten ist in ausgewiesenen Bereichen des Gribskov erlaubt. Es gibt mehrere Reiterhöfe in der Umgebung, die geführte Ausritte durch den Wald anbieten. Eine zweistündige Tour kostet etwa 500 DKK (ca. 67 Euro) pro Person.
Anreise und praktische Tipps
Von Kopenhagen aus erreichst du den Nationalpark in 30 bis 50 Minuten. Die S Bahn Linie E fährt bis Hillerød, von dort sind es noch wenige Kilometer zum Gribskov. Alternativ bringt dich der Zug nach Helsingør, von wo du den östlichen Teil des Parks erkunden kannst. Mit dem Auto folgst du der Autobahn E47 Richtung Norden und biegst bei Hillerød ab.
Der Eintritt in den Nationalpark ist frei, es gibt keine Eintrittsgebühren oder Zugangsbeschränkungen. Parkplätze stehen an mehreren Stellen am Waldrand zur Verfügung, auch diese sind kostenlos. Das Nationalparkzentrum in Hillerød bietet Karten, Informationen und Ausstellungen zur Natur und Geschichte der Region.
Die beste Zeit für einen Besuch ist von April bis Oktober. Im Frühling blühen Buschwindröschen und Anemonen im Waldboden, im Sommer laden die Seen zum Baden ein, und im Herbst verfärben sich die Buchenwälder golden. Die Hirschbrunft im September und Oktober lockt Naturfotografen aus ganz Dänemark an.
Zelten ist im Nationalpark an ausgewiesenen Shelterplätzen erlaubt. Diese einfachen Überdachungen sind kostenlos und stehen nach dem Prinzip „wer zuerst kommt" zur Verfügung. Ein Ferienhaus in der Umgebung von Hillerød oder Fredensborg ist eine komfortable Alternative.
Hunde sind im Nationalpark willkommen, müssen aber ganzjährig an der Leine geführt werden. In der Brut und Setzzeit von März bis September gilt dies besonders streng. Mülleimer gibt es an den Parkplätzen und Rastplätzen, im Wald selbst nimmst du deinen Abfall mit.
Häufig gestellte Fragen
Ist der Nationalpark Kongernes Nordsjælland kostenpflichtig?
Nein, der Eintritt in den Nationalpark ist völlig frei. Es gibt keine Zugangsgebühren, auch das Parken an den offiziellen Parkplätzen ist kostenlos. Nur für die Museen und Schlösser innerhalb des Parks werden separate Eintrittsgelder erhoben, etwa für Schloss Frederiksborg (90 DKK / ca. 12 Euro) oder das Kloster Esrum (90 DKK / ca. 12 Euro).
Wie komme ich von Kopenhagen zum Nationalpark?
Mit der S Bahn Linie E fährst du in etwa 40 Minuten bis Hillerød. Von dort sind es wenige Kilometer zum Waldgebiet Gribskov. Alternativ fährt der Zug nach Helsingør für den östlichen Teil des Parks. Mit dem Auto brauchst du über die E47 Richtung Norden etwa 30 bis 50 Minuten, je nach Ziel im Park.
Kann man im Nationalpark übernachten?
Ja, an mehreren Stellen im Nationalpark gibt es kostenlose Shelterplätze, einfache Überdachungen mit Schlafmöglichkeit für bis zu sechs Personen. Wildcampen ist nicht erlaubt. In der Umgebung von Hillerød und Fredensborg gibt es Hotels und Ferienhäuser. Im Sommer ist eine Voranmeldung für die Shelterplätze empfehlenswert.
Wann ist die beste Reisezeit für den Nationalpark?
Von Mai bis Oktober zeigt sich der Park am schönsten. Im Mai blüht der Waldboden, im Sommer locken die Seen zum Baden, und im September und Oktober beeindruckt die Hirschbrunft. Der Winter hat seinen eigenen Reiz mit Raureif auf den Buchen, aber viele Einrichtungen sind dann geschlossen.
Welche Tiere kann man im Nationalpark beobachten?
Rothirsche, Damhirsche und Rehe sind die auffälligsten Bewohner. Am Esrum Sø leben Seeadler und Eisvögel. Über 150 Vogelarten brüten im Parkgebiet. In den alten Wäldern kommen Fledermäuse, Baummarder und der seltene Hirschkäfer vor. Während der Zugzeit rasten Kraniche an den Seen.
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026