Steuern in Dänemark
Inhaltsverzeichnis
- 1 Das dänische Steuersystem im Überblick
- 2 Die Steuerkarte (Skattekort)
- 3 Forskudsopgørelse: Die Steuervorausberechnung
- 4 Steuerarten und Steuersätze
- 5 Personfradrag und weitere Freibeträge
- 6 Die jährliche Steuererklärung (Årsopgørelse)
- 7 Forskerskatteordningen: Die Forscher-Steuer
- 8 Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland
- 9 Häufig gestellte Fragen
Dänemark hat eines der höchsten Steuerniveaus der Welt. Das klingt erst einmal abschreckend, aber dafür bekommst du als Steuerzahler auch einiges zurück: kostenlose Gesundheitsversorgung, kostenlose Bildung bis zum Universitätsabschluss, ein starkes soziales Sicherungsnetz und eine Infrastruktur, die in vielen Bereichen vorbildlich ist. Wer nach Dänemark auswandert, sollte das Steuersystem verstehen, bevor der erste Gehaltszettel im Briefkasten liegt.
Die zentrale Steuerbehörde heißt Skattestyrelsen, im Volksmund immer noch SKAT genannt. Über die Website skat.dk erledigst du fast alles digital: Steuerkarte beantragen, Freibeträge anpassen, Steuererklärung abgeben. Die Plattform ist übersichtlich und teilweise auf Englisch verfügbar, was den Einstieg für Neuankömmlinge erleichtert.
Das dänische Steuersystem im Überblick
Das dänische Steuersystem ist progressiv aufgebaut. Wer mehr verdient, zahlt prozentual mehr Steuern. Die Gesamtbelastung setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen: dem Arbeitsmarktbeitrag (AM-bidrag), der Kommunalsteuer (kommuneskat), der Landessteuer (bundskat) und gegebenenfalls der Spitzensteuer (topskat). Diese Bestandteile werden zusammengerechnet, aber einzeln berechnet.
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Der erste Abzug vom Bruttogehalt ist der AM-bidrag (Arbeitsmarktbeitrag) von 8 Prozent. Er wird auf das gesamte Bruttoeinkommen erhoben, ohne Freibeträge. Erst nach diesem Abzug greift die eigentliche Einkommensteuer. Dieses System bedeutet, dass die effektive Steuerbelastung etwas anders ausfällt, als man auf den ersten Blick vermuten würde.
Die Kommunalsteuer variiert je nach Wohnort zwischen 22,5 und 27,8 Prozent. Sie ist die größte einzelne Steuerkomponente. Dazu kommt die Landessteuer (bundskat) von 12,09 Prozent und die Kirchensteuer (kirkeskat) von 0,4 bis 1,3 Prozent, falls du Mitglied der dänischen Volkskirche (Folkekirken) bist. Die Kirchensteuer kannst du abwählen, wenn du kein Mitglied bist.
Einkommen über 588.900 DKK (ca. 78.950 EUR) im Jahr 2026 wird zusätzlich mit der Spitzensteuer (topskat) von 15 Prozent belastet. Diese Grenze wird jährlich angepasst. Die maximale Grenzsteuerbelastung auf Arbeitseinkommen darf laut Gesetz 52,07 Prozent nicht überschreiten (skattloft).
Die Steuerkarte (Skattekort)
Die dänische Steuerkarte ist kein physisches Dokument, sondern ein digitaler Datensatz. Dein Arbeitgeber ruft die Steuerkarte automatisch über ein elektronisches System ab und berechnet darauf basierend deinen Steuerabzug. Als Auswanderer bekommst du deine erste Steuerkarte, sobald du eine CPR-Nummer und eine Anstellung hast.
Es gibt zwei Arten von Steuerkarten: die Hauptkarte (hovedkort) und die Nebenkarte (bikort). Die Hauptkarte enthält deinen monatlichen Freibetrag und wird für deinen Hauptarbeitgeber verwendet. Wenn du einen Nebenjob hast, kommt die Nebenkarte zum Einsatz, auf der kein Freibetrag hinterlegt ist. Das bedeutet: Auf das Einkommen aus dem Nebenjob zahlst du vom ersten Krone an Steuern.
Wenn du keiner Steuerkarte zugeordnet bist, zieht dein Arbeitgeber automatisch 55 Prozent Steuer ab. Das passiert zum Beispiel, wenn du anfängst zu arbeiten, bevor deine CPR-Nummer und deine Steuerkarte fertig bearbeitet sind. Dieses Geld bekommst du bei der nächsten Steuerabrechnung zurück, aber es kann einige Monate dauern. Deshalb lohnt es sich, die Steuerkarte so schnell wie möglich zu beantragen.
Forskudsopgørelse: Die Steuervorausberechnung
Die Forskudsopgørelse ist ein zentrales Element des dänischen Steuersystems. Es handelt sich um eine Vorausberechnung deiner erwarteten Einnahmen und Ausgaben für das kommende Jahr. Auf dieser Grundlage wird dein monatlicher Steuerabzug berechnet. Du findest die Forskudsopgørelse auf skat.dk, nachdem du dich mit deiner MitID angemeldet hast.
Im November jedes Jahres erstellt SKAT automatisch eine Forskudsopgørelse für das Folgejahr. Sie basiert auf deinen Daten des laufenden Jahres. Wenn du weißt, dass sich dein Einkommen ändert (weil du zum Beispiel einen neuen Job antrittst oder weniger Zinsen auf Sparkonten erwartest), solltest du die Forskudsopgørelse manuell anpassen. So vermeidest du, dass am Jahresende eine hohe Nachzahlung fällig wird oder du unnötig viel Steuer vorauszahlst.
Typische Posten, die du in der Forskudsopgørelse anpassen kannst, sind dein erwartetes Gehalt, Zinserträge, der Betreuungsfreibetrag (beskæftigelsesfradrag), die Fahrtkosten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz (befordringsfradrag) und Gewerkschaftsbeiträge. Je genauer du die Angaben machst, desto näher liegt dein monatlicher Steuerabzug am tatsächlichen Jahresergebnis.
Steuerarten und Steuersätze
Die dänische Einkommensteuer setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. Hier eine Übersicht der Steuersätze für 2026:
Steuerkomponenten 2026
- AM-bidrag (Arbeitsmarktbeitrag): 8,0 % auf das Bruttoeinkommen
- Kommuneskat (Kommunalsteuer): 22,5 bis 27,8 % je nach Kommune
- Bundskat (Landessteuer): 12,09 %
- Topskat (Spitzensteuer): 15 % auf Einkommen über 588.900 DKK
- Kirkeskat (Kirchensteuer): 0,4 bis 1,3 % (nur für Folkekirken-Mitglieder)
Ein Rechenbeispiel: Angenommen, du verdienst 40.000 DKK brutto pro Monat (ca. 5.360 EUR) und wohnst in einer Kommune mit einem Steuersatz von 25 Prozent. Zuerst werden 8 Prozent AM-bidrag abgezogen, das sind 3.200 DKK. Vom verbleibenden Betrag (36.800 DKK) wird dein monatlicher Freibetrag abgezogen. Die Steuern auf den Rest berechnen sich aus Kommunalsteuer plus Landessteuer, also etwa 37 Prozent. Unter dem Strich bleiben dir rund 24.500 DKK netto (ca. 3.285 EUR).
Die Grundsteuer (ejendomsværdiskat) fällt an, wenn du eine Immobilie in Dänemark besitzt. Der Satz liegt bei 0,51 Prozent des geschätzten Immobilienwerts bis 3.040.000 DKK und 1,4 Prozent für den darüber liegenden Betrag. Dazu kommt die Grundsteuer der Kommune (grundskyld), die zwischen 1,6 und 3,4 Prozent des Grundstückswerts beträgt.
Auf Kapitalerträge (Zinsen, Dividenden, Kursgewinne) werden gesonderte Steuern erhoben. Aktiengewinne bis 61.000 DKK (ca. 8.180 EUR) werden mit 27 Prozent besteuert, darüber hinaus mit 42 Prozent. Zinserträge fließen in dein reguläres Einkommen ein und werden zum persönlichen Steuersatz besteuert.
Personfradrag und weitere Freibeträge
Der wichtigste Freibetrag ist der Personfradrag (Grundfreibetrag). Er beträgt 2026 voraussichtlich 49.700 DKK (ca. 6.660 EUR) pro Jahr, also rund 4.140 DKK pro Monat. Einkommen bis zu dieser Grenze ist steuerfrei. Der Freibetrag wird automatisch in deine Steuerkarte eingetragen.
Darüber hinaus gibt es den Beskæftigelsesfradrag (Erwerbstätigenfreibetrag). Er beträgt 10,65 Prozent des Arbeitseinkommens, maximal 44.800 DKK pro Jahr. Dieser Freibetrag wird automatisch berechnet und reduziert deine Steuerlast zusätzlich. Beide Freibeträge zusammen sorgen dafür, dass die effektive Steuerbelastung bei niedrigen Einkommen deutlich geringer ausfällt als die nominalen Steuersätze vermuten lassen.
Fahrtkosten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz kannst du als Befordringsfradrag absetzen, wenn die einfache Strecke mehr als 12 Kilometer beträgt. Für die ersten 120 Kilometer täglich gibt es 1,98 DKK pro Kilometer, darüber 0,99 DKK. Dieser Abzug gilt unabhängig davon, ob du mit dem Auto, Bus oder Fahrrad fährst. Er wird anhand der kürzesten Strecke berechnet.
Gewerkschaftsbeiträge und Beiträge zur A-kasse (Arbeitslosenversicherung) sind bis zu einem Maximalbetrag steuerlich absetzbar. Auch Zinsen auf Immobilienkredite und bestimmte Versicherungsbeiträge können deine Steuerlast senken. Spenden an anerkannte gemeinnützige Organisationen sind bis zu 17.600 DKK pro Jahr absetzbar.
Die jährliche Steuererklärung (Årsopgørelse)
Die Årsopgørelse ist die dänische Steuererklärung. Im März jedes Jahres erstellt SKAT automatisch einen Entwurf basierend auf den gemeldeten Daten deines Arbeitgebers, deiner Bank und anderer Institutionen. Du musst diesen Entwurf prüfen und gegebenenfalls korrigieren. Die Frist für Korrekturen endet am 1. Mai.
Im Vergleich zur deutschen Steuererklärung ist die Årsopgørelse unkompliziert. Die meisten Daten sind bereits vorausgefüllt. Du musst nur prüfen, ob die Angaben stimmen, und fehlende Abzüge nachtragen. Falls du zu viel Steuer gezahlt hast, bekommst du den Überschuss im Sommer automatisch überwiesen. Falls du zu wenig gezahlt hast, musst du den Differenzbetrag nachzahlen, entweder als Einmalbetrag oder verteilt über die monatlichen Steuerabzüge des Folgejahres.
Die sogenannte Restskat (Steuernachzahlung) fällt häufig an, wenn du im Laufe des Jahres einen Jobwechsel hattest, Einkünfte aus mehreren Quellen hattest oder deine Forskudsopgørelse nicht aktualisiert hast. Um böse Überraschungen zu vermeiden, empfiehlt SKAT, die Forskudsopgørelse mindestens einmal jährlich zu überprüfen.
Forskerskatteordningen: Die Forscher-Steuer
Die Forskerskatteordningen ist ein Steuermodell für hochqualifizierte ausländische Arbeitnehmer und Forscher. Wer sich dafür qualifiziert, zahlt für bis zu sieben Jahre einen festen Steuersatz von 27 Prozent plus 8 Prozent AM-bidrag, also insgesamt 32,84 Prozent. Das ist deutlich weniger als der reguläre Steuersatz und macht Dänemark für Fachkräfte finanziell attraktiv.
Die Voraussetzungen: Du musst ein Bruttomonatsgehalt von mindestens 75.100 DKK (ca. 10.070 EUR) nachweisen, du darfst in den letzten zehn Jahren nicht in Dänemark steuerlich ansässig gewesen sein, und du musst von einem dänischen Arbeitgeber angestellt werden. Selbstständige können die Forskerskatteordningen nicht nutzen.
Während der Laufzeit der Forschersteuerkarte darfst du keine der üblichen Freibeträge und Abzüge geltend machen. Trotzdem lohnt sich das Modell für die meisten Hochverdiener, weil die Steuerersparnis erheblich ist. Ein Ingenieur mit 55.000 DKK Monatsgehalt spart durch die Forskerskatteordningen nicht genug, um sich zu qualifizieren. Aber ein IT-Spezialist mit 80.000 DKK Monatsgehalt zahlt effektiv rund 8.000 DKK weniger Steuern pro Monat als im regulären System.
Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland
Zwischen Deutschland und Dänemark besteht ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA). Es regelt, welches Land das Besteuerungsrecht hat, wenn du in beiden Ländern Einkünfte erzielst oder wenn du in einem Land lebst und im anderen arbeitest. Das DBA verhindert, dass du auf das gleiche Einkommen in beiden Ländern Steuern zahlen musst.
Grundregel: Du zahlst dort Steuern, wo du deinen Wohnsitz hast. Wenn du in Dänemark wohnst und arbeitest, bist du in Dänemark steuerpflichtig. Deutsche Einkünfte (zum Beispiel Mieteinnahmen aus einer Immobilie in Deutschland) werden in Deutschland besteuert, aber in Dänemark bei der Berechnung deines Steuersatzes berücksichtigt (Progressionsvorbehalt).
Für Grenzpendler (zum Beispiel Personen, die in Flensburg wohnen und in Sønderborg arbeiten) gelten besondere Regelungen. Als Grenzpendler zahlst du in der Regel im Tätigkeitsland Steuern. Das zuständige Finanzamt in Deutschland stellt auf Antrag eine Freistellung aus, damit keine doppelte Besteuerung erfolgt.
Die deutsche Rente wird grundsätzlich in Deutschland besteuert, auch wenn du in Dänemark wohnst. Betriebsrenten und private Renten können je nach Vertrag und Situation unterschiedlich behandelt werden. Hier lohnt sich eine Beratung durch einen Steuerberater, der mit dem DBA zwischen Deutschland und Dänemark vertraut ist.
Häufig gestellte Fragen
Wie bekomme ich meine erste Steuerkarte in Dänemark?
Nach der Anmeldung beim International Citizen Service und dem Erhalt deiner CPR-Nummer kannst du auf skat.dk deine Steuerkarte beantragen. Du brauchst deinen Arbeitsvertrag und die CPR-Nummer. Der Prozess dauert in der Regel eine bis zwei Wochen. Bis dahin zieht dein Arbeitgeber den Höchststeuersatz von 55 Prozent ab, den du später zurückbekommst.
Kann ich die Kirchensteuer vermeiden?
Ja. Die Kirchensteuer (kirkeskat) fällt nur an, wenn du Mitglied der dänischen Volkskirche (Folkekirken) bist. Als Ausländer wirst du in der Regel nicht automatisch Mitglied. Falls du versehentlich als Mitglied geführt wirst, kannst du den Austritt bei deiner Kommune beantragen. Die Ersparnis liegt bei 0,4 bis 1,3 Prozent deines Einkommens.
Wann bekomme ich meine Steuererstattung?
Die Årsopgørelse wird im März veröffentlicht. Wenn du zu viel Steuern gezahlt hast, wird der Betrag in der Regel im Juni oder Juli auf dein NemKonto (Standardkonto bei SKAT) überwiesen. Falls du zu wenig gezahlt hast, wird die Nachzahlung ab September fällig.
Muss ich in Dänemark einen Steuerberater beauftragen?
Für Angestellte mit einem einzigen Einkommen ist die Steuererklärung in Dänemark so einfach, dass du keinen Steuerberater brauchst. Wenn du Einkünfte aus mehreren Ländern hast, selbstständig bist oder die Forskerskatteordningen nutzen willst, ist eine professionelle Beratung sinnvoll. Rechne mit Kosten von 3.000 bis 8.000 DKK (400 bis 1.070 EUR) für eine Beratung.
Was ist das NemKonto?
Das NemKonto ist ein dänisches Bankkonto, das du bei SKAT als Standardkonto hinterlegst. Alle staatlichen Zahlungen (Steuererstattungen, Kindergeld, Zuschüsse) werden auf dieses Konto überwiesen. Du kannst jedes dänische Bankkonto als NemKonto registrieren. Ohne NemKonto funktionieren viele behördliche Prozesse nicht.
Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026