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Schulsystem in Dänemark
Folkeskole bis Gymnasium

Schulsystem in Dänemark

12 Min. Lesezeit

Das dänische Schulsystem unterscheidet sich in vielen Punkten vom deutschen. Es gibt keine Aufteilung in Hauptschule, Realschule und Gymnasium nach der vierten Klasse. Stattdessen besuchen alle Kinder gemeinsam die Folkeskole, eine Gesamtschule von der Vorschulklasse bis zur neunten Klasse. Das Ziel ist Wissensvermittlung, und auch die Entwicklung von Selbstständigkeit und Gemeinschaftssinn.

Für Familien, die nach Dänemark auswandern, ist das Schulsystem ein zentrales Thema. Wie läuft die Einschulung ab? Welche Betreuung gibt es am Nachmittag? Und wie funktioniert der Übergang zum Gymnasium? Dieser Ratgeber beantwortet alle Fragen rund um Schule und Bildung in Dänemark.

Aufbau des dänischen Schulsystems

Das Bildungssystem in Dänemark gliedert sich in vier Stufen. Die Grundschule (Folkeskole) umfasst die Klassen 0 bis 9 und ist für alle Kinder Pflicht. Danach folgen die weiterführenden Schulen: das dreijährige Gymnasium (STX, HHX, HTX oder HF) für den akademischen Weg oder die Berufsausbildung (erhvervsuddannelse) für den praktischen Weg. Im Anschluss steht der Zugang zu Universitäten und Fachhochschulen offen.

Überblick: Schulstufen in Dänemark

  • Børnehaveklasse (Klasse 0): Vorschulklasse, ab 6 Jahren, Pflicht
  • Folkeskole (Klasse 1 bis 9): Grundschule, ab 7 Jahren, Pflicht
  • 10. Klasse (freiwillig): Zusatzjahr zur Orientierung
  • Gymnasium (STX, HHX, HTX, HF): 3 Jahre, akademisch
  • Erhvervsuddannelse: Berufsausbildung, 2 bis 5 Jahre
  • Højskole: Freie Bildungseinrichtung, kein Abschluss

In Dänemark herrscht Unterrichtspflicht, aber keine Schulpflicht. Das klingt nach einem feinen Unterschied, hat aber praktische Konsequenzen: Eltern können ihre Kinder auch zu Hause unterrichten oder auf eine Privatschule schicken, solange der Unterricht den staatlichen Mindestanforderungen entspricht. Etwa 17 Prozent aller dänischen Kinder besuchen Privatschulen (friskoler).

Die Schulpflicht beginnt im August des Jahres, in dem das Kind sechs Jahre alt wird, mit der Børnehaveklasse (Vorschulklasse). Sie endet nach der 9. Klasse, also mit 15 oder 16 Jahren. Die 10. Klasse ist freiwillig und wird von etwa der Hälfte aller Schüler genutzt, entweder an der Folkeskole, an einer speziellen 10.-Klasse-Schule (10. klasseskole) oder an einer Efterskole (Internat).

Die Folkeskole: Klasse 0 bis 9

Dänische Folkeskole mit spielenden Kindern auf dem Schulhof
Die Folkeskole ist eine Gesamtschule für alle Kinder von Klasse 0 bis 9 (KI-generiert)

Die Folkeskole ist das Kern des dänischen Bildungssystems. Sie ist kostenlos, wird von der Kommune betrieben und steht allen Kindern offen. In der Børnehaveklasse (Klasse 0) liegt der Schwerpunkt auf spielerischem Lernen, dem Kennenlernen der Mitschüler und dem Übergang vom Kindergarten in die Schule. Ab Klasse 1 beginnt der reguläre Unterricht in Dänisch, Mathematik und einigen weiteren Fächern.

Der Unterricht an der Folkeskole dauert in den unteren Klassen von 8 bis 13 oder 14 Uhr, in den oberen Klassen von 8 bis 15 Uhr. Seit der Schulreform von 2014 sind die Schultage länger geworden. Die Reform führte auch mehr Bewegung im Unterricht und verstärkte Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Pädagogen ein. Ob die Reform gelungen ist, wird in Dänemark kontrovers diskutiert.

Der Fächerkanon umfasst Dänisch, Mathematik, Englisch (ab Klasse 1), Geschichte, Geographie, Biologie, Physik/Chemie, Musik, Bildende Kunst, Sport und Hauswirtschaft. Ab Klasse 5 kommt Deutsch oder Französisch als zweite Fremdsprache dazu. Die meisten Schulen bieten Deutsch an, was für Kinder aus deutschsprachigen Familien ein Vorteil ist.

Pausenhof einer dänischen Schule mit Spielgeräten
Dänische Schulhöfe sind oft großzügig gestaltet mit viel Platz für Bewegung (KI-generiert)

Der Unterrichtsstil an der Folkeskole ist deutlich weniger formell als an deutschen Schulen. Lehrer werden mit Vornamen angesprochen, die Atmosphäre ist offen und dialogorientiert. Gruppenarbeit, Projektwochen und fächerübergreifende Projekte sind feste Bestandteile des Schulalltags. Am Ende der 9. Klasse legen die Schüler die Folkeskolens afgangsprøve ab, eine Abschlussprüfung in mehreren Fächern.

Für Kinder, die kein Dänisch sprechen, bieten die meisten Kommunen spezielle Sprachklassen (modtagelsesklasser) an. Hier lernen die Kinder intensiv Dänisch, bevor sie in eine reguläre Klasse wechseln. Die Dauer hängt vom Alter und den Vorkenntnissen ab, typischerweise sind es sechs Monate bis zwei Jahre. In dieser Zeit sind die Kinder parallel in einigen Fächern wie Sport und Musik in die Regelklasse integriert.

SFO und Fritidsordning: Betreuung nach der Schule

Kinder in einer dänischen SFO bei Nachmittagsaktivitäten
Die SFO bietet Betreuung vor und nach dem Unterricht mit vielfältigen Aktivitäten (KI-generiert)

Die SFO (Skolefritidsordning) ist die Nachmittagsbetreuung an dänischen Schulen. Sie steht Kindern der Klassen 0 bis 3 zur Verfügung und ist in der Regel von 6:30 bis 8:00 Uhr (vor dem Unterricht) und von Schulschluss bis 17:00 Uhr geöffnet. In den Schulferien bietet die SFO Ganztagesbetreuung an.

Die SFO ist nicht kostenlos. Die Elternbeiträge variieren je nach Kommune und liegen bei 1.200 bis 2.500 DKK (161 bis 335 EUR) pro Monat. Geringverdiener können einen Zuschuss (fripladstilskud) beantragen, der die Kosten teilweise oder vollständig übernimmt. Die SFO befindet sich in der Regel im Schulgebäude, was den Übergang zwischen Unterricht und Betreuung nahtlos macht.

In der SFO wird gespielt, gebastelt, Sport getrieben und manchmal auch Hausaufgabenhilfe angeboten. Es gibt keine verschulte Struktur, die Kinder sollen sich erholen und ihre Freizeit gestalten. Pädagogen (pædagoger) betreuen die Gruppen. In Dänemark haben Pädagogen einen eigenen Studiengang (pædagoguddannelsen) und sind keine Hilfskräfte, sondern qualifizierte Fachleute.

Für ältere Kinder (ab Klasse 4) gibt es die Fritidsklub oder Ungdomsklub, die Jugendfreizeiteinrichtungen mit Sport, Musik und sozialen Aktivitäten anbieten. Diese sind deutlich günstiger als die SFO (oft unter 500 DKK pro Monat) oder kostenlos. Nicht alle Kinder nutzen diese Angebote, weil der Schultag in den oberen Klassen ohnehin länger ist.

Gymnasium und Berufsausbildung

Dänisches Gymnasium mit modernem Gebäude
Das Gymnasium bereitet in drei Jahren auf das Studium vor (KI-generiert)

Nach der Folkeskole stehen mehrere Wege offen. Etwa 72 Prozent aller Schüler entscheiden sich für eine gymnasiale Ausbildung (ungdomsuddannelse). Es gibt vier gymnasiale Richtungen, die sich im Schwerpunkt unterscheiden:

Die vier Gymnasialformen

  • STX (Studentereksamen): Allgemeinbildend, vergleichbar mit dem deutschen Gymnasium
  • HHX (Højere Handelseksamen): Wirtschaftlich orientiert
  • HTX (Højere Teknisk Eksamen): Technisch-naturwissenschaftlich orientiert
  • HF (Højere Forberedelseseksamen): Zweijähriger Abschluss, oft für ältere Schüler

Das Gymnasium dauert drei Jahre (HF nur zwei). Der Abschluss berechtigt zum Studium an Universitäten und Fachhochschulen. Die Aufnahme erfolgt nach Bewertung der Noten aus der Folkeskole und einem Aufnahmegespräch. Ein bestimmter Notendurchschnitt ist nicht vorgeschrieben, aber die Schule muss einschätzen, dass der Bewerber das Gymnasium erfolgreich abschließen kann.

Die Berufsausbildung (erhvervsuddannelse, kurz EUD) folgt dem dualen Prinzip mit Schulphasen und praktischen Phasen im Betrieb. Die Ausbildung dauert je nach Beruf zwei bis fünf Jahre. Der Ausbildungslohn liegt bei 7.000 bis 14.000 DKK (938 bis 1.877 EUR) pro Monat, je nach Branche und Lehrjahr. Das System ähnelt der deutschen dualen Ausbildung, weshalb deutsche Jugendliche sich hier oft gut zurechtfinden.

Eine Besonderheit ist die Möglichkeit, eine sogenannte EUX-Ausbildung zu machen. Dabei kombinierst du eine Berufsausbildung mit dem gymnasialen Abschluss und hast danach sowohl einen Berufsabschluss als auch die Studienberechtigung. Diese Option wird immer beliebter und dauert rund vier Jahre.

Højskole: Eine dänische Besonderheit

Dänische Højskole in ländlicher Umgebung
Die Højskole ist eine ganz eigene dänische Bildungstradition seit 1844 (KI-generiert)

Die Folkehøjskole (Volkshochschule) ist eine dänische Erfindung, die auf den Pädagogen N.F.S. Grundtvig zurückgeht. Seit 1844 gibt es diese Internatsschulen, an denen junge Erwachsene ab 17,5 Jahren für vier bis zehn Monate gemeinsam leben und lernen. Es gibt keine Prüfungen und keine formalen Abschlüsse. Im Mittelpunkt stehen persönliche Entwicklung, Gemeinschaft und vertiefte Auseinandersetzung mit einem Thema.

Die Themen reichen von Sport und Outdoor über Kunst und Design bis hin zu Journalismus, Musik, Philosophie oder nachhaltigem Leben. Dänemark hat rund 70 Højskoler, die über das ganze Land verteilt sind. Die Kosten liegen bei 1.500 bis 2.500 DKK (201 bis 335 EUR) pro Woche, inklusive Unterkunft und Verpflegung. Der Staat subventioniert die Højskoler erheblich, sodass die tatsächlichen Kosten für die Teilnehmer deutlich unter dem realen Preis liegen.

Viele Dänen besuchen eine Højskole zwischen Gymnasium und Universität, um sich zu orientieren und soziale Kontakte zu knüpfen. Auch Ausländer sind willkommen. Für Auswanderer kann ein Højskole-Aufenthalt eine gute Möglichkeit sein, die dänische Sprache und Kultur intensiv kennenzulernen. Die Unterrichtssprache ist in der Regel Dänisch, einige Schulen bieten aber auch englischsprachige Programme an.

Noten und Bewertungssystem

Das dänische Notensystem verwendet die 7-Trins-Skala (7-Stufen-Skala) mit den Noten -3, 00, 02, 4, 7, 10 und 12. Die beste Note ist 12, die schlechteste -3. Bestanden ist eine Prüfung ab der Note 02. Dieses System wurde 2007 eingeführt, um die Kompatibilität mit dem europäischen ECTS-System zu verbessern.

Notenvergleich: Dänemark und Deutschland

  • 12 (sehr gut) = 1,0 in Deutschland
  • 10 (ausgezeichnet) = 1,3 bis 1,7
  • 7 (gut) = 2,0 bis 2,7
  • 4 (angemessen) = 3,0 bis 3,3
  • 02 (ausreichend) = 3,7 bis 4,0
  • 00 (mangelhaft) = 5,0
  • -3 (ungenügend) = 6,0

In der Folkeskole gibt es in den unteren Klassen keine formalen Noten. Stattdessen erhalten die Kinder regelmäßig Rückmeldungen (elevsamtaler) in Form von Gesprächen zwischen Lehrer, Schüler und Eltern. Ab Klasse 8 werden Noten vergeben. Am Ende der 9. Klasse steht die Abschlussprüfung (Folkeskolens Afgangsprøve) mit Prüfungen in Dänisch, Mathematik, Englisch und weiteren Fächern.

Im Gymnasium werden regelmäßig Noten vergeben, sowohl als Jahresstandnoten (standpunktskarakterer) als auch als Prüfungsnoten (prøvekarakterer). Das Abschlusszeugnis (studentereksamen) enthält einen Gesamtdurchschnitt, der für die Bewerbung an Universitäten relevant ist. Für besonders nachgefragte Studiengänge wie Medizin oder Psychologie ist ein hoher Durchschnitt erforderlich.

Privatschulen (Friskoler) und internationale Schulen

Etwa 17 Prozent aller dänischen Schüler besuchen Privatschulen. Diese heißen in Dänemark Friskoler (Freischulen) oder Privatskoler. Sie folgen eigenen pädagogischen Konzepten und können religiös, reformpädagogisch oder anderweitig ausgerichtet sein. Der Staat finanziert etwa 75 Prozent der Kosten, den Rest tragen die Eltern über Schulgebühren. Diese liegen typischerweise bei 1.000 bis 3.000 DKK (134 bis 402 EUR) pro Monat.

Für Auswandererfamilien gibt es in Kopenhagen und einigen größeren Städten internationale Schulen, an denen der Unterricht auf Englisch stattfindet. Die Copenhagen International School, die International School of Hellerup und die Rygaards International School sind die bekanntesten. Die Gebühren sind deutlich höher als bei Friskoler und liegen bei 5.000 bis 12.000 DKK (670 bis 1.609 EUR) pro Monat.

Die deutsche Schule in Nordschleswig (Deutsche Schule Apenrade, Deutsche Schule Sonderburg) bietet Unterricht auf Deutsch und Dänisch. Sie wird von der deutschen Minderheit in Süddänemark getragen und steht auch Kindern von Auswanderern offen. Die Schulgebühren sind moderat (rund 1.500 DKK pro Monat), und die Kinder lernen beide Sprachen parallel.

Tipps für Auswandererfamilien

Der Schulstart in einem neuen Land ist für Kinder eine große Umstellung. Hier einige praktische Hinweise, die den Übergang erleichtern:

Kontaktiere die Schule so früh wie möglich. Sobald du weißt, in welcher Kommune ihr wohnen werdet, melde dich bei der zuständigen Schule. Die meisten Schulen haben Erfahrung mit zugewanderten Kindern und können euch beraten, welche Sprachförderung verfügbar ist.

Die Modtagelsesklasse (Empfangsklasse) ist für die meisten Kinder der richtige Einstieg. Hier lernen sie intensiv Dänisch und werden schrittweise in den regulären Unterricht integriert. Die Kinder verbringen typischerweise ein halbes bis ein ganzes Jahr in der Modtagelsesklasse, je nach Alter und Fortschritt.

Dänische Schulen legen Wert auf Elternbeteiligung. Du wirst regelmäßig zu Elternabenden (forældremøder) und Entwicklungsgesprächen (skole-hjem-samtaler) eingeladen. Wenn du noch kein Dänisch sprichst, frage nach der Möglichkeit eines Dolmetschers. In den meisten Kommunen wird das organisiert.

Ermutige dein Kind, an außerschulischen Aktivitäten teilzunehmen. In Dänemark sind Sportvereine (fodbold, håndbold, svømning) und Jugendklubs zentrale Orte, um Freundschaften zu schließen. Die Mitgliedsbeiträge sind mit 200 bis 600 DKK (27 bis 80 EUR) pro Quartal überschaubar. Viele Kommunen bieten Zuschüsse für Familien mit geringem Einkommen.

Häufig gestellte Fragen

Kostet die Folkeskole etwas?

Nein, die öffentliche Folkeskole ist komplett kostenlos. Es fallen keine Schulgebühren an. Auch Schulbücher und Unterrichtsmaterialien werden von der Schule gestellt. Lediglich die Nachmittagsbetreuung (SFO) kostet einen monatlichen Beitrag, der je nach Kommune bei 1.200 bis 2.500 DKK (161 bis 335 EUR) liegt.

In welche Klasse kommt mein Kind, wenn es kein Dänisch spricht?

Kinder, die kein Dänisch sprechen, werden in der Regel zunächst in eine Modtagelsesklasse (Empfangsklasse) eingestuft. Dort lernen sie intensiv Dänisch und werden schrittweise in den Regelunterricht integriert. Die Einstufung orientiert sich am Alter des Kindes, nicht an den Sprachkenntnissen.

Gibt es Schuluniformen in Dänemark?

Nein, an dänischen Schulen gibt es keine Schuluniformen. Die Kinder kommen in Freizeitkleidung zur Schule. Auch für Lehrer gibt es keinen Dresscode. Die informelle Atmosphäre spiegelt die dänische Kultur wider, in der äußerliche Hierarchiezeichen wenig Bedeutung haben.

Wann beginnt und endet das Schuljahr?

Das Schuljahr beginnt Mitte August und endet Ende Juni. Die Sommerferien dauern sechs Wochen (Ende Juni bis Anfang August). Weitere Ferien sind die Herbstferien (eine Woche im Oktober), Weihnachtsferien (zwei Wochen), Winterferien (eine Woche im Februar) und Osterferien (eine Woche).

Werden deutsche Schulabschlüsse in Dänemark anerkannt?

Ja, deutsche Schulabschlüsse werden grundsätzlich anerkannt. Das deutsche Abitur berechtigt zum Studium an dänischen Universitäten. Für die Bewerbung musst du deine Noten ins dänische System umrechnen lassen. Die Umrechnung erfolgt über die Danish Agency for Higher Education and Science.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026