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Weihnachtsmärkte in Skandinavien
Glögg, Pepparkakor und Lichterglanz

Weihnachtsmärkte in Skandinavien

13 Min. Lesezeit

Skandinavische Weihnachtsmärkte sind kleiner als die deutschen, gemütlicher, und sie riechen anders. Statt Bratwurst und Glühwein gibt es Glögg, Pepparkakor und geräucherten Lachs. Die Stände verkaufen Handwerk statt Massenware, und die Beleuchtung ist zurückhaltender. Wer die überfüllten Großmärkte in Köln oder Nürnberg kennt, wird überrascht sein, wie ruhig es hier zugeht.

Ich habe in den letzten Jahren Weihnachtsmärkte in Stockholm, Kopenhagen, Bergen und Göteborg besucht. Jeder hat seinen eigenen Charakter, aber alle teilen diese typisch skandinavische Mischung aus Schlichtheit und Wärme. Hier mein Überblick mit Terminen, Preisen und Tipps.

Weihnachten in Skandinavien: anders als gedacht

In Skandinavien heißt Weihnachten "Jul" (gesprochen "Jühl" in Schweden und Dänemark, "Juhl" in Norwegen). Das Fest hat ältere Wurzeln als das christliche Weihnachten und geht auf das nordische Mittwinterfest zurück. Deshalb spielen Licht und Dunkelheit eine zentrale Rolle. Die Skandinavier stellen ab dem ersten Advent Kerzen in jedes Fenster, oft die klassischen Ljusstakar (Kerzenständer mit sieben Armen). In Schweden beginnt die Weihnachtssaison offiziell am 13. Dezember mit dem Lucia-Fest, bei dem Mädchen in weißen Gewändern mit Kerzen auf dem Kopf singen.

Die Weihnachtsmarkt-Tradition ist in Skandinavien jünger als in Deutschland. Viele der heutigen Märkte existieren erst seit den 1990er-Jahren. Dafür sind sie stärker auf Handwerk und lokale Produkte ausgerichtet. Auf einem typischen skandinavischen Julmarknad findest du Kerzen, Keramik, gestrickte Socken, Holzschnitzereien, Marmeladen und Honig von lokalen Imkern. Massenproduzierte Ware ist selten.

Glögg in Tassen auf einem skandinavischen Weihnachtsmarkt mit Lichterketten
Glögg mit Mandeln und Rosinen: Das skandinavische Gegenstück zum Glühwein, aber gewürzt mit Kardamom und Nelken. (KI-generiert)

Glögg ist das Getränk der Saison. Im Unterschied zum deutschen Glühwein wird Glögg mit Rotwein und Aquavit oder Vodka gemischt, mit Kardamom, Nelken, Zimtstangen und Orangenschale gewürzt und mit Mandeln und Rosinen serviert. Es gibt auch alkoholfreien Glögg (Julmust in Schweden, ein Malzgetränk, ist ebenfalls verbreitet). Dazu gibt es Pepparkakor (dünne Ingwerkekse), Lussekatter (Safranbrötchen) und Julskinka (Weihnachtsschinken).

Stockholm: Gamla Stan und Skansen

Stortorget Julmarknad (Gamla Stan): Der älteste und bekannteste Weihnachtsmarkt Stockholms liegt auf dem zentralen Platz der Altstadt, umgeben von den berühmten pastellfarbenen Häusern aus dem 17. Jahrhundert. Rund 40 Stände verkaufen Handwerk, Weihnachtsschmuck, Süßigkeiten, Glögg und Kunsthandwerk aus Lappland. Geöffnet von Ende November bis 23. Dezember, täglich von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Die Atmosphäre auf dem Stortorget ist dicht. Der Platz ist klein, die Stände stehen eng, und an Wochenenden wird es voll. Unter der Woche vormittags ist es ruhiger. Tipp: Nach dem Marktbesuch durch die Gassen von Gamla Stan schlendern, die in der Adventszeit mit Lichterketten geschmückt sind. Die Västerlånggatan hat die meisten Geschäfte, die Prästgatan ist ruhiger und hübscher.

Skansen Julmarknad: Das Freilichtmuseum Skansen auf Djurgården veranstaltet an den vier Adventswochenenden einen Weihnachtsmarkt im historischen Rahmen. Mitarbeiter in Trachten des 19. Jahrhunderts zeigen altes Handwerk: Schmieden, Glasblasen, Brotbacken. Es gibt etwa 150 Stände. Eintritt: 170 SEK (15 Euro) für Erwachsene, Kinder unter 4 frei. Geöffnet 10 bis 16 Uhr.

Weihnachtsmarkt auf dem Stortorget in Stockholms Gamla Stan mit beleuchteten Ständen
Der Stortorget in Gamla Stan: Stockholms Weihnachtsmarkt vor der Kulisse der pastellfarbenen Häuser. (KI-generiert)

Ein dritter Markt, der weniger bekannt ist: der Julmarknad in Rosendals Trädgård auf Djurgården. Ein Garten-Café, das im Advent Kränze und Pflanzen verkauft und selbstgemachten Glögg ausschenkt. Kein typischer Weihnachtsmarkt, eher eine Adventsausstellung in einem Gewächshaus, aber sehr stimmungsvoll und wenig touristisch.

Kopenhagen: Tivoli und Nyhavn

Tivoli Jul: Der Vergnügungspark Tivoli verwandelt sich von Mitte November bis Ende Dezember in einen Weihnachtsmarkt. Über 1.000 geschmückte Tannenbäume, Millionen Lichter, ein russisches Thema mit Zwiebelturm-Kulissen und ein Eislaufplatz. Es gibt rund 60 Stände mit dänischem Weihnachtsgebäck (Æbleskiver, runde Pfannkuchen mit Puderzucker), Gløgg und Julefrokost (traditionelles dänisches Weihnachtsessen). Eintritt: 140 DKK (19 Euro), Fahrten extra. Geöffnet täglich 11 bis 22 Uhr (freitags und samstags bis 23 Uhr).

Tivoli ist kommerzieller als die schwedischen Märkte, aber die Kulisse ist schwer zu übertreffen. Die Kombination aus historischen Fahrgeschäften und Weihnachtsbeleuchtung Geruch von Æbleskiver funktioniert, selbst wenn man weiß, dass es eine inszenierte Veranstaltung ist. Unter der Woche abends ist die beste Zeit, am Wochenende wird es sehr voll.

Nyhavn Julemarked: Entlang des berühmten Kanals stehen im Dezember rund 30 Hütten mit Kunsthandwerk und Essen. Der Markt ist kostenlos, die Stände haben von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Die bunten Giebelhäuser im Hintergrund machen Nyhavn zu einem der fotogensten Weihnachtsmärkte Skandinaviens. Dazu gibt es auf dem Kanal ein beleuchtetes Schiff und Weihnachtsmusik.

Højbro Plads Julemarked: Direkt neben dem Schloss Christiansborg, kleiner als Tivoli, aber authentischer. Regionale Produzenten verkaufen Käse und Wurst. Gut für Mitbringsel. Geöffnet Anfang bis Ende Dezember, Eintritt frei.

Bergen und Tromsø

Julemarked in Bergen: Der Weihnachtsmarkt am Festplassen im Zentrum von Bergen läuft von Ende November bis 22. Dezember. Rund 70 Holzhütten verkaufen norwegisches Handwerk: Strickwaren, Kerzen, Trollfiguren, Brunost (Braunkäse) und Aquavit. Eine große Tanne steht in der Mitte, der Geruch von Gløgg und Pinnekjøtt (getrocknete Lammrippen) liegt in der Luft. Eintritt frei. Bergen hat im Dezember viel Regen, deshalb wetterfeste Kleidung mitbringen.

Weihnachtsmarkt in Bergen vor dem historischen Bryggen-Viertel
Bergen im Advent: Der Julemarked vor den historischen Holzhäusern von Bryggen. (KI-generiert)

Ein paar Schritte weiter, am historischen Hansekai Bryggen, gibt es einen zweiten Markt in den alten Holzhäusern. Die Werkstätten und Galerien im Bryggen-Viertel öffnen ihre Türen und verkaufen Schmuck und Lederarbeiten. Das ist kein klassischer Markt mit Ständen, eher eine Art Advents-Shoppingrunde durch mittelalterliche Architektur.

Julemarked auf dem Rådhusplassen in Oslo: Vor dem Rathaus, direkt am Oslofjord, stehen ab Ende November über 100 Stände. Norwegisches Essen (Ribbe, Pinnekjøtt, Lefse), Handwerk und ein Riesenrad gehören dazu. Oslo hat oft Schnee im Dezember, was die Stimmung deutlich steigert. Der Weihnachtsbaum am Universitetsplassen wird jedes Jahr von der Stadt aufgestellt und mit Tausenden Lichtern geschmückt.

Tromsø hat einen kleinen, aber stimmungsvollen Julemarked in der Innenstadt. Hier liegt im Dezember Polarnacht, die Sonne geht gar nicht auf. Die Stände sind den ganzen Tag von künstlichem Licht umgeben, und wer Glück hat, sieht Nordlichter über dem Markt. Kombiniere den Besuch mit einer Nordlicht-Tour (ab 1.200 NOK / 105 Euro pro Person).

Helsinki und Turku

Tuomaan Markkinat (Helsinki): Auf dem Senatsplatz vor dem weißen Dom stehen ab Ende November rund 100 Stände. Finnisches Handwerk dominiert: Sauna-Zubehör, Mumin-Tassen und Rentierfelle. Es gibt einen Karussell für Kinder und einen großen Weihnachtsbaum. Geöffnet täglich 10 bis 19 Uhr, am Wochenende bis 20 Uhr. Eintritt frei. Die Temperaturen in Helsinki liegen im Dezember bei minus 2 bis minus 10 Grad.

In Finnland gibt es eine Tradition, die es sonst nirgends gibt: Am 24. Dezember wird in jeder finnischen Stadt der "Weihnachtsfrieden" ausgerufen. In Turku, der alten Hauptstadt, wird die Erklärung seit 1320 vom Balkon des Brinkkala-Hauses verlesen. Tausende Menschen versammeln sich auf dem Vanha Suurtori (Alten Marktplatz) und hören zu. Die Zeremonie wird im ganzen Land live übertragen. Turku hat auch einen eigenen Weihnachtsmarkt (Joulumarkkinat) mit 80 Ständen, geöffnet ab Ende November.

Wer mit Kindern reist: Rovaniemi am Polarkreis hat das Santa Claus Village. Das Weihnachtsmanndorf ist das ganze Jahr geöffnet, aber im Dezember am stimmungsvollsten. Der Eintritt ist frei, Fotos mit dem Weihnachtsmann kosten ab 40 Euro. Rentierschlittenfahrten und Hundeschlittentouren werden vor Ort angeboten.

Weihnachtsmarkt auf dem Senatsplatz in Helsinki vor dem weißen Dom
Tuomaan Markkinat in Helsinki: Der Senatsplatz vor dem Dom wird im Advent zum Weihnachtsmarkt. (KI-generiert)

Göteborg: Liseberg und Haga

Liseberg Jul: Der Vergnügungspark Liseberg in Göteborg gilt als einer der stimmungsvollsten Weihnachtsmärkte Europas. Über fünf Millionen Lichter schmücken den Park, dazu 80 Marktstände, ein Eislaufplatz und die Möglichkeit, einige Fahrgeschäfte auch im Winter zu nutzen. Das Essen ist gut: Julbord (schwedisches Weihnachtsbuffet) im Park-Restaurant, Glögg an jeder Ecke und Lussekatter. Eintritt: ab 150 SEK (13 Euro), Saison von Mitte November bis 30. Dezember. Geöffnet 15 bis 22 Uhr unter der Woche, am Wochenende ab 12 Uhr.

Weihnachtsbeleuchtung im Vergnügungspark Liseberg in Göteborg
Liseberg Jul in Göteborg: Fünf Millionen Lichter verwandeln den Vergnügungspark in einen Weihnachtstraum. (KI-generiert)

Haga Julmarknad: Im Stadtviertel Haga, der ältesten Wohngegend Göteborgs mit Kopfsteinpflaster und Holzhäusern, findet an den Adventswochenenden ein Straßenmarkt statt. Die Cafés in Haga sind ohnehin einen Besuch wert (Café Husaren hat die größte Zimtschnecke Schwedens), und im Advent kommen Stände mit Keramik und Textilien dazu. Eintritt frei, deutlich ruhiger als Liseberg.

Göteborg lohnt sich im Advent auch wegen der Gastronomie. Die Stadt hat die höchste Restaurantdichte Schwedens nach Stockholm und mehrere Julbord-Restaurants, die das traditionelle schwedische Weihnachtsbuffet mit Hering, Lachs, Köttbullar, Janssons frestelse und Risgrynsgröt (Milchreis) servieren. Ein Julbord kostet ab 500 SEK (44 Euro) pro Person.

Praktische Tipps für den Besuch

Reisezeit: Die meisten Weihnachtsmärkte in Skandinavien öffnen Ende November und schließen zwischen dem 22. und 30. Dezember. Das erste und zweite Adventswochenende sind die Haupttage. Unter der Woche ist es deutlich ruhiger. Das Lucia-Fest am 13. Dezember ist ein guter Zeitpunkt für eine Reise nach Schweden, weil es Umzüge und Konzerte in vielen Kirchen gibt.

Kleidung: Im Dezember liegen die Temperaturen in Stockholm und Kopenhagen bei minus 5 bis plus 3 Grad, in Helsinki bei minus 5 bis minus 15 Grad, in Tromsø bei minus 3 bis minus 10 Grad. Warme Schuhe und Handschuhe sind Pflicht. Die Märkte sind draußen, und du wirst zwei bis drei Stunden im Freien verbringen.

Bezahlen: Bargeld brauchst du auf skandinavischen Weihnachtsmärkten kaum. In Schweden und Norwegen akzeptieren fast alle Stände Kreditkarten und kontaktloses Bezahlen. In Dänemark ist MobilePay verbreitet, aber auch Kreditkarten werden genommen. In Finnland zahlst du in Euro, was den Währungswechsel spart.

Anreise: Flüge im Dezember nach Stockholm, Kopenhagen oder Helsinki gibt es ab 80 Euro einfach. Frühzeitig buchen, denn die Vorweihnachtszeit ist beliebt. Alternative: Minikreuzfahrt von Kiel nach Oslo oder von Kopenhagen nach Oslo und den Weihnachtsmarkt am Zielort besuchen.

Häufig gestellte Fragen

Welcher Weihnachtsmarkt in Skandinavien ist der schönste?

Das hängt davon ab, was du suchst. Für die größte Auswahl und das meiste Programm: Tivoli in Kopenhagen oder Liseberg in Göteborg. Für historische Atmosphäre und Handwerk: Skansen oder Stortorget in Stockholm. Für ein norwegisches Erlebnis mit Regen und Fjord-Kulisse: Bergen. Für echte Kälte und Nordlicht-Chancen: Tromsø.

Gibt es auf skandinavischen Weihnachtsmärkten Alkohol?

Ja, Glögg (mit Alkohol) wird auf allen Märkten verkauft. In Schweden gelten strenge Alkoholgesetze, aber auf Weihnachtsmärkten ist der Ausschank erlaubt. In Norwegen ist Alkohol auf Märkten nur teilweise erhältlich, manche Stände verkaufen alkoholfreien Gløgg. In Dänemark und Finnland gibt es keine Einschränkungen. Bier und Wein werden auf den meisten Märkten ebenfalls angeboten.

Lohnt sich eine Kombireise zu mehreren Weihnachtsmärkten?

Ja, besonders die Route Stockholm - Göteborg (3 Stunden mit dem Zug, ab 195 SEK) oder Kopenhagen - Malmö (35 Minuten mit dem Zug über die Öresundbrücke). Auch Kopenhagen - Oslo per DFDS-Nachtfähre ist eine gute Kombination. Für Helsinki und Turku reicht ein Tagesausflug (2 Stunden mit dem Zug, ab 12 Euro).

Was ist ein Julbord und wo kann ich eines essen?

Julbord ist das traditionelle schwedische Weihnachtsbuffet mit Hering in verschiedenen Marinaden, Lachs (gebeizt und geräuchert), Köttbullar (Fleischbällchen), Janssons frestelse (Kartoffelgratin mit Sardellen), Julskinka (Weihnachtsschinken) und Risgrynsgröt (Milchreis). Die meisten Restaurants in Schweden bieten Julbord von Ende November bis 23. Dezember an. Preise: ab 400 SEK (35 Euro) in einfachen Restaurants, ab 700 SEK (61 Euro) in gehobenen Häusern. Reservierung ist Pflicht.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026