Fjorde in Skandinavien
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Fjorde sind das geologische Markenzeichen Skandinaviens. Über 1.000 davon zerschneiden die norwegische Westküste, manche nur wenige Kilometer lang, andere wie der Sognefjord über 200 Kilometer tief ins Landesinnere. Die steilen Felswände steigen teils 1.000 Meter und höher direkt aus dem Wasser auf. Wasserfälle stürzen hunderte Meter in die Tiefe. Kleine Bauernhöfe kleben an den Hängen, erreichbar nur per Boot oder über steile Treppen.
Norwegen hat die meisten und tiefsten Fjorde, aber auch Schweden, Island und Grönland haben Fjordlandschaften. Zwei norwegische Fjorde gehören zum UNESCO-Welterbe. Dieser Ratgeber stellt die 10 schönsten Fjorde vor, erklärt, wie man sie am besten erlebt, und gibt praktische Tipps zu Anreise und Bootstouren.
Wie Fjorde entstehen
Ein Fjord ist ein ehemaliges Gletschertal, das vom Meer geflutet wurde. Während der Eiszeiten (die letzte endete vor etwa 10.000 Jahren) bedeckten kilometerdicke Eismassen Skandinavien. Die Gletscher fraßen sich durch das Gestein und schufen U-förmige Täler mit steilen Wänden und flachen Böden. Als das Eis schmolz, stieg der Meeresspiegel, und das Wasser floss in die Täler ein.
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Die Tiefe eines Fjords hängt davon ab, wie mächtig der Gletscher war, der ihn geformt hat. Der Sognefjord ist an seiner tiefsten Stelle 1.308 Meter tief, tiefer als die Nordsee. Am Eingang zum Meer sind die Fjorde oft flacher, weil der Gletscher dort an Kraft verlor und Geröll ablagerte. Diese Schwelle (norwegisch: terskel) ist typisch und sorgt dafür, dass das Wasser im Inneren des Fjords ruhig bleibt.
Die Fjordlandschaft Westnorwegens ist weltweit die am besten ausgeprägte. Fjorde gibt es auch in Chile, Neuseeland, Alaska und Schottland, aber nirgends sind sie so zahlreich und so tief wie in Norwegen. Das liegt an der Kombination aus hartem Gestein (Gneis, Granit) und mächtigen Gletschern, die über Millionen Jahre hinweg das Gebirge bearbeiteten.
Geirangerfjord: Der berühmteste Fjord der Welt
Der Geirangerfjord in der Region Møre og Romsdal ist 15 Kilometer lang und seit 2005 UNESCO-Welterbe. Er ist der meistfotografierte Fjord Norwegens und ein fester Stopp auf den Kreuzfahrtrouten durch die norwegischen Gewässer. Im Sommer liegen manchmal drei oder vier Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig vor dem Dorf Geiranger.
Was den Geirangerfjord auszeichnet, sind die Wasserfälle. Die "Sieben Schwestern" (De syv søstrene) stürzen in sieben Kaskaden von bis zu 250 Metern Höhe in den Fjord. Auf der gegenüberliegenden Seite liegt der Wasserfall "Der Freier" (Friaren), der angeblich die Schwestern umwirbt. Von der Fjordstraße oberhalb des Dorfs hat man den besten Blick auf beide Seiten.
Der Aussichtspunkt Flydalsjuvet liegt oberhalb von Geiranger und bietet den klassischen Postkartenblick auf den Fjord mit den Kreuzfahrtschiffen. Noch höher liegt der Dalsnibba (1.476 m), erreichbar über eine mautpflichtige Straße (Maut: 12 Euro). Von dort oben sieht man den gesamten Fjord und bei klarer Sicht bis zu den Gletschern des Jostedalsbreen.
Tipp: Im Juli und August ist Geiranger überlaufen. Die besten Monate sind Juni (wenn der Schnee auf den Bergen noch liegt und die Wasserfälle am stärksten sind) und September (weniger Touristen, goldenes Herbstlicht). Die Trollstigen-Straße, die von Norden nach Geiranger führt, ist eine der dramatischsten Straßen Europas.
Sognefjord: Der längste Fjord Norwegens
Der Sognefjord ist mit 204 Kilometern der längste Fjord Norwegens und der zweitlängste der Welt (nach dem Scoresby-Sund in Grönland). Er beginnt bei Solund an der Küste und reicht bis Skjolden im Landesinneren, wo die Berge des Jotunheimen-Gebirges aufragen. An seiner tiefsten Stelle misst er 1.308 Meter.
Der Sognefjord verzweigt sich in zahlreiche Seitenarme. Der bekannteste ist der Nærøyfjord, ein nur 250 Meter breiter Seitenarm, der ebenfalls zum UNESCO-Welterbe gehört. Die Felswände ragen hier fast senkrecht 1.700 Meter aus dem Wasser. Eine Bootsfahrt durch den Nærøyfjord ist eines der intensivsten Naturerlebnisse, die Norwegen zu bieten hat. Im Sommer fährt ein Expressboot von Gudvangen nach Flåm durch den Fjord (Dauer: 2 Stunden, Preis: ca. 50 Euro).
Am inneren Ende des Sognefjords liegt Flåm, Endstation der Flåmsbana. Die Bahnstrecke von Myrdal nach Flåm überwindet auf 20 Kilometern 866 Höhenmeter und führt durch 20 Tunnel und vorbei an Wasserfällen. Sie gilt als eine der steilsten Normalspur-Bahnstrecken der Welt. Die Fahrt dauert eine Stunde und kostet etwa 55 Euro für eine einfache Fahrt.
Weitere Highlights am Sognefjord: Die Stabkirche von Urnes (UNESCO-Welterbe, erbaut um 1130), das Gletschermuseum in Fjærland und die Wanderung zum Aussichtspunkt Stegastein bei Aurland, einer Plattform, die 30 Meter über den Fjord hinausragt.
Hardangerfjord: Obstblüte über dem Wasser
Der Hardangerfjord ist mit 179 Kilometern der zweitlängste Fjord Norwegens. Er liegt südlich von Bergen und unterscheidet sich von den anderen großen Fjorden durch seine sanfteren Hänge. An den geschützten Südhängen wachsen Apfel-, Kirsch- und Pflaumenbäume. Im Mai, wenn die Obstblüte mit den schneebedeckten Bergen dahinter zusammentrifft, gehört der Hardangerfjord zu den fotogensten Orten Skandinaviens.
Das Dorf Ulvik am inneren Hardangerfjord ist das Zentrum des Obstanbaus. Im Herbst kann man Cidre und Apfelsaft direkt bei den Bauern kaufen. Die Hardanger-Cidre-Route verbindet mehrere Höfe, die Verkostungen anbieten. Preise: 10 bis 20 Euro für ein Tasting mit fünf bis sechs Sorten.
Die bekannteste Wanderung am Hardangerfjord ist Trolltunga (die Trollzunge), ein Felsvorsprung, der 700 Meter über dem Ringedalsvatnet-See in die Luft ragt. Die Wanderung ist lang (27 km hin und zurück, 8 bis 12 Stunden) und anspruchsvoll. Seit einem tödlichen Unfall 2015 wird sie nur noch mit angemessener Ausrüstung empfohlen. Im Winter ist eine geführte Tour mit Schneeschuhen die einzige sichere Option.
Weitere Fjorde der Top 10
4. Lysefjord: 42 Kilometer lang, berühmt für den Preikestolen (Kanzelstein), eine flache Felsplattform 604 Meter über dem Fjord. Die Wanderung dauert 4 Stunden (hin und zurück) und ist mittelschwer. Am Ende des Fjords liegt der Kjeragbolten, ein Felsbrocken, der zwischen zwei Klippen eingeklemmt ist.
5. Nordfjord: 106 Kilometer lang, Heimat des Jostedalsbreen, des größten Gletschers auf dem europäischen Festland. Der Gletscherarm Briksdalsbreen reicht fast bis ins Tal herunter und lässt sich auf einer leichten Wanderung (45 Minuten) erreichen.
6. Aurlandsfjord: Ein Seitenarm des Sognefjords, ruhiger und weniger touristisch als der Nærøyfjord. Am Ufer liegt das Dorf Undredal mit 100 Einwohnern und einer der kleinsten Stabkirchen Norwegens (Platz für 40 Personen).
7. Hjørundfjord: Ein Geheimtipp in der Region Sunnmøre. Steile Berge (die Sunnmøre-Alpen) ragen über 1.500 Meter aus dem Fjord. Kaum Kreuzfahrtschiffe, wenig Touristen. Erreichbar per Auto über die Fähre von Leknes nach Sæbø.
8. Trollfjord (Lofoten): Nur 2 Kilometer lang und 100 Meter breit, aber von 1.000 Meter hohen Bergen umgeben. Die Hurtigruten-Schiffe fahren im Sommer in den Fjord hinein und drehen dort. Vom Wasser aus sieht man Seeadler über den Klippen kreisen.
9. Romsdalsfjord: 88 Kilometer lang, weniger bekannt als seine Nachbarn, aber mit dem Romsdalshorn (1.550 m) und der Trollveggen (Europas höchste senkrechte Felswand mit 1.100 Metern) am Ufer.
10. Ísafjörður (Island): Nicht in Norwegen, sondern in den Westfjorden Islands. Ein tief eingeschnittener Fjord mit einem kleinen Fischerdorf am Ende. Weit entfernt von den Touristenströmen der Südküste, mit Papageientauchern auf den Klippen und heißen Quellen am Ufer.
Fjorde erleben: Bootstouren, Wandern und Kajak
Bootstouren: Die klassischste Art, einen Fjord zu sehen. Expressbote und Fähren verbinden die Orte entlang der Fjorde und bieten gleichzeitig eine Sightseeing-Tour. Die bekannteste Route ist die Fahrt durch den Nærøyfjord (Gudvangen-Flåm, ca. 50 Euro). Im Geirangerfjord verkehren Ausflugsboote ab Geiranger (1,5 Stunden, ca. 40 Euro). Die Hurtigruten-Postschiffroute fährt die gesamte norwegische Küste ab und passiert dabei zahlreiche Fjorde.
Kajakfahren: Wer einen Fjord auf Augenhöhe erleben will, paddelt im Kajak. Geführte Touren gibt es am Geirangerfjord, Nærøyfjord und Lysefjord (ab 80 Euro pro Person, 3 bis 5 Stunden). Das Wasser in den Fjorden ist meist ruhig, weil die hohen Felswände den Wind abhalten. Vorkenntnisse sind nicht nötig, die Anbieter stellen Ausrüstung und Einweisung.
Wandern: Die besten Fjord-Wanderungen sind der Preikestolen (Lysefjord, 4 Stunden), Trolltunga (Hardangerfjord, 10 Stunden), Reinebringen (Lofoten, 3 Stunden) und die Wanderung von Geiranger zum verlassenen Bauernhof Skageflå (2,5 Stunden). Für alle Wanderungen gilt: Festes Schuhwerk und Regenjacke Wasser mitnehmen. Das Wetter kann sich in den Bergen schnell ändern.
Beste Reisezeit und Anreise
Die beste Zeit für die norwegischen Fjorde ist Juni bis September. Im Juni sind die Wasserfälle am stärksten (Schneeschmelze), die Tage am längsten (Mitternachtssonne nördlich des Polarkreises) und die Temperaturen angenehm (15 bis 22 Grad). Im Juli und August ist Hochsaison mit den höchsten Preisen und den meisten Touristen. September bringt Herbstfarben und weniger Betrieb.
Anreise: Die meisten Fjord-Reisen starten in Bergen oder Oslo. Bergen liegt am Rand des Hardangerfjords und ist Ausgangspunkt für Sognefjord und Nordfjord. Direktflüge von Deutschland nach Bergen gibt es ab Frankfurt und Hamburg (2 bis 2,5 Stunden). Oslo ist der beste Startpunkt für Roadtrips durch die Fjordregion. Die Fähre von Kiel nach Oslo (Color Line) dauert 20 Stunden und eignet sich für die Anreise mit dem eigenen Auto.
Für den Geirangerfjord fliegt man am besten nach Ålesund (Widerøe ab Oslo) und fährt von dort eine Stunde zum Fjord. Für den Lysefjord und den Preikestolen ist Stavanger der nächste Flughafen. Die Hurtigruten-Route ab Bergen erreicht den Geirangerfjord, den Trollfjord und den Hjørundfjord auf ihrem Weg nach Kirkenes.
Häufig gestellte Fragen
Welcher Fjord in Norwegen ist der schönste?
Das hängt davon ab, was man sucht. Der Geirangerfjord ist der dramatischste mit seinen Wasserfällen. Der Nærøyfjord (ein Arm des Sognefjords) ist der engste und wildeste. Der Hardangerfjord ist der sanfteste mit Obstgärten an den Hängen. Der Hjørundfjord ist der ruhigste ohne Massentourismus. Wer nur einen Fjord sehen kann, sollte den Nærøyfjord wählen, weil die Bootsfahrt dort das intensivste Erlebnis bietet.
Kann man in den Fjorden schwimmen oder baden?
Grundsätzlich ja, aber das Wasser ist kalt. Die Oberflächentemperatur liegt im Sommer bei 12 bis 16 Grad, in den inneren Fjordarmen etwas wärmer. Mutige springen trotzdem rein, viele Campingplätze am Fjord haben Badestege. Am wärmsten wird das Wasser im Hardangerfjord und in den flachen inneren Armen des Sognefjords. Eine Badeleiter oder ein Steg macht den Ein- und Ausstieg einfacher als Felsufer.
Gibt es Fjorde auch in Schweden und Finnland?
Schweden hat keine klassischen Fjorde wie Norwegen, aber die Westküste bei Göteborg hat fjordähnliche Meeresarme (z.B. den Gullmarsfjord). Finnland hat keine Fjorde, dafür über 188.000 Seen, die durch Gletscher geformt wurden. Island hat ausgeprägte Fjorde in den Westfjorden (Vestfirðir) und den Ostfjorden, die weniger bekannt sind als die norwegischen, aber ebenso wild und einsam.
Was kostet eine Bootstour auf einem Fjord?
Die regulären Fähren und Expressboote kosten 20 bis 55 Euro pro Person für eine einfache Fahrt. Beispiel: Die Fahrt durch den Nærøyfjord (Gudvangen-Flåm) kostet ca. 50 Euro. Spezielle Ausflugsboote im Geirangerfjord liegen bei 35 bis 50 Euro für eine 1,5-stündige Rundfahrt. Kajaktouren kosten 80 bis 150 Euro pro Person für 3 bis 5 Stunden. Die Flåmsbana (Zug, kein Boot) kostet ca. 55 Euro einfach.
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Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026