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Haga Göteborg
Göteborgs charmantestes Viertel mit Holzhäusern, Cafés und den größten Zimtschnecken des Landes

Haga Göteborg

13 Min. Lesezeit

Haga ist das Viertel, das Göteborg sein Gesicht gibt. Nicht die Avenyn, nicht der Hafen, nicht Liseberg. Haga. Wer hier durch die Haga Nygata läuft, an einem Mittwochvormittag, wenn die Sonne auf die Holzfassaden scheint und aus jedem zweiten Laden der Geruch von Zimtschnecken kommt, der versteht, warum die Göteborger ihre Stadt lieben.

Ich bin zum ersten Mal durch Zufall in Haga gelandet. Ich wollte eigentlich zur Feskekörka, bin falsch abgebogen und stand plötzlich in einer Gasse mit bunten Holzhäusern, Kopfsteinpflaster und einem Café, das roch, als hätte jemand ein ganzes Kilo Zimt in den Ofen geworfen. Ich bin geblieben. Drei Stunden. Und bei jedem Göteborg-Besuch seitdem fängt mein Tag in Haga an.

Das Viertel ist klein. Man kann es in 20 Minuten durchlaufen. Aber das ist nicht der Punkt. Haga ist ein Ort zum Bleiben, nicht zum Durchlaufen. Man setzt sich hin, trinkt Kaffee, beobachtet Leute, stöbert in Läden, kauft eine Kerze, die man nicht braucht, und isst die größte Zimtschnecke seines Lebens. Danach fühlt man sich wie ein Göteborger. Zumindest für einen Nachmittag.

Überblick

Haga liegt südwestlich des Göteborger Zentrums, am Fuß des Hügels, auf dem die Festung Skansen Kronan thront. Die Hauptstraße ist die Haga Nygata, eine Fußgängerzone mit Cafés, Boutiquen, Antiquitätenläden und Buchhandlungen. Parallel verläuft die Husargatan, eine ruhigere Straße mit Wohnhäusern. Das Viertel grenzt an Linnéstaden im Westen und an die Vallgatan im Osten.

Man erreicht Haga am besten zu Fuß (10 Minuten vom Järntorget, 15 Minuten vom Hauptbahnhof). Mit der Straßenbahn: Haltestelle Hagakyrkan (Linien 3, 9) oder Järntorget (Linien 1, 3, 6, 9, 11). Es gibt keine Parkplätze in Haga selbst. Das nächste Parkhaus ist Grönsakstorget, fünf Gehminuten entfernt.

Blick durch die Haga Nygata in Göteborg mit Kopfsteinpflaster und bunten Holzhäusern
Haga Nygata: Kopfsteinpflaster, Holzfassaden und die Atmosphäre eines anderen Jahrhunderts. (KI-generiert)

Geschichte

Haga wurde 1648 als Vorstadt Göteborgs gegründet. Hier lebten Handwerker und Hafenarbeiter in einfachen Holzhäusern, weil die Mieten innerhalb der Stadtmauern zu hoch waren. Im 19. Jahrhundert wuchs das Viertel, es entstanden die typischen "Landshövdingehus": dreistöckige Häuser mit Erdgeschoss aus Stein und den beiden oberen Stockwerken aus Holz. Diese Bauweise war anders als alles andere für Göteborg und entstand aus Feuerschutzvorschriften, die reine Holzhäuser ab einer bestimmten Höhe verboten.

In den 1960er und 70er Jahren wurde Haga zum Problemviertel. Die alten Häuser waren verfallen, die Bewohner zogen in moderne Wohnungen am Stadtrand. Die Stadtverwaltung plante den Abriss und den Bau von Betonblocks. Was folgte, war einer der größten Bürgerproteste in der schwedischen Stadtgeschichte. Aktivisten besetzten Häuser, Künstler zogen ins Viertel, Studenten organisierten Demonstrationen. Am Ende gewannen die Bürger. Haga wurde renoviert statt abgerissen.

Heute ist Haga gentrifiziert. Die Handwerker sind längst weg, die Häuser gehören jetzt Anwälten und Architekten, und die Läden verkaufen Bio-Seife und handgemachte Keramik statt Werkzeug. Manche finden das schade. Ich finde, die Alternative (Abriss) wäre schlimmer gewesen. Und die Atmosphäre stimmt immer noch. Haga hat seinen Charakter behalten, auch wenn sich die Bewohner verändert haben.

Haga Nygata

Die Haga Nygata ist eine der wenigen Fußgängerzonen Göteborgs und das Herz des Viertels. Etwa 400 Meter lang, gesäumt von Holzhäusern und Landshövdingehus, mit Kopfsteinpflaster unter den Füßen. Die Straße ist schmal genug, dass man von einer Seite zur anderen rufen kann, und breit genug, dass man nicht in einen Stau aus Fußgängern gerät (außer an Samstagen im Dezember, da wird es voll).

Historische Landshövdingehus in Haga mit Steinsockeln und Holzfassaden in verschiedenen Farben
Landshövdingehus: Stein unten, Holz oben. Göteborg hat diesen Baustil erfunden. (KI-generiert)

Entlang der Haga Nygata findet man: Cafés (Husaren, Kringlan, Brogyllen), Buchhandlungen (Antikvariat, Secondhand), Kleidung (skandinavisches Design, Vintage), Dekoläden (Kerzen, Keramik, Textilien), einen Gewürzladen, einen Teeladen und diverse Antiquitätengeschäfte. Die meisten Läden öffnen um 10:00 oder 11:00 Uhr und schließen um 18:00 Uhr. Sonntags haben einige kürzere Öffnungszeiten.

Was mir an der Haga Nygata besonders gefällt: Es gibt keine Ketten. Kein H&M, kein Starbucks, kein McDonald's. Jeder Laden ist individuell, von einem Menschen mit einer Idee eröffnet. Das macht das Stöbern spannend. Man weiß nie, was hinter der nächsten Tür wartet. Im Sommer stehen Tische und Stühle auf dem Kopfsteinpflaster, und die ganze Straße fühlt sich an wie ein einziges langes Café.

Café Husaren

Die berühmte riesige Zimtschnecke Hagabulle im Café Husaren in Göteborg
Die Hagabulle: Schwedens berühmteste Zimtschnecke, größer als ein Handteller. (KI-generiert)

Café Husaren ist das bekannteste Café in ganz Göteborg und der Grund, warum viele Besucher überhaupt nach Haga kommen. Seit 1996 serviert das Café die "Hagabulle", eine Zimtschnecke von der Größe eines Kinderkopfs. Das ist keine Übertreibung. Die Dinger sind riesig, butterig, warm und mit einer Kruste aus Perlzucker, die beim Reinbeißen knackt. Eine Hagabulle kostet 65 SEK, und sie reicht für zwei, ehrlich gesagt.

Neben der Zimtschnecke gibt es im Husaren auch Kardamom-Schnecken, Cheesecake, Torten und belegte Brote. Der Kaffee kostet 40 SEK, und es gibt kostenlosen Nachschlag (Påtår), wie in vielen schwedischen Cafés. Das Interieur ist gemütlich: alte Möbel, Kronleuchter, Bücherregale, Sofas. Im Sommer sitzt man draußen auf der Haga Nygata und schaut den Passanten zu.

Mein Tipp: Unter der Woche vormittags kommen. Am Wochenende steht man leicht 15 bis 20 Minuten an. Und die Hagabulle am besten warm essen, frisch aus dem Ofen. Wenn man Glück hat, kommt man genau dann, wenn ein neues Blech rauskommt. Der Geruch verrät es einem schon draußen auf der Straße.

Cafés und Fika

Kanelbulle (Zimtschnecke) und Kaffee auf einem Holztisch in einem Göteborger Café
Fika auf Schwedisch: Kaffee und Kanelbulle, und die Welt kann warten. (KI-generiert)

Husaren ist nicht das einzige gute Café in Haga. Das Viertel hat auf 400 Metern Straße mindestens sechs Cafés, und jedes hat seinen eigenen Charakter.

Café Kringlan: Mein persönlicher Favorit. Kleiner, ruhiger, weniger touristisch als Husaren. Die Kardamom-Schnecken hier (55 SEK) sind nach meinem Geschmack sogar besser als die Zimtschnecken nebenan. Der Käsekuchen (Ostkaka) ist hausgemacht und kostet 60 SEK. Das Café hat einen kleinen Innenhof, der im Sommer zum Sitzen einlädt.

Brogyllen Café: Am östlichen Ende der Haga Nygata. Bekannt für seine Torten und Sahne-Gebäcke in der schwedischen Konditorei-Tradition. Hier bekommt man Prinsesstårta (die grüne schwedische Torte mit Marzipan, 75 SEK pro Stück) und Napoleonbakelse (Blätterteig mit Vanillecreme). Das Café selbst hat den Charme einer Großmutter-Wohnung: Spitzendeckchen, Porzellan, gedämpftes Licht. Sehr schön, wenn es draußen regnet.

Hagabion Café: Etwas anders als die klassischen Fika-Cafés. Das Hagabion ist ein Kulturcafé, angeschlossen an ein Programmkino. Die Speisekarte ist vollständig vegetarisch, der Kaffee ist fair gehandelt, und die Atmosphäre erinnert an ein Berliner Kiez-Café. Tagesgericht für 135 SEK, Kaffee und Kuchen 70 bis 85 SEK. Hier sitzen Studenten mit Laptops, junge Eltern mit Kinderwagen und Künstler mit Skizzenbüchern. Ein guter Kontrast zu den gemütlich-traditionellen Cafés.

Fika ist in Schweden kein optionaler Luxus, sondern ein fester Bestandteil des Tages. Die meisten Schweden trinken mindestens zwei Mal am Tag Kaffee mit etwas Süßem. In Haga lässt sich das Ritual am besten erleben, weil hier die Auswahl groß ist und die Qualität durchgehend hoch. Mein Vorschlag: Morgens Husaren für die Hagabulle, nachmittags Kringlan für Kardamom und Ruhe.

Shopping und Läden

Haga ist kein Shoppingviertel im Sinne von Massenkonsum. Hier gibt es keine Ketten und keine Einkaufszentren. Stattdessen kleine, spezialisierte Läden, die von ihren Besitzern geführt werden. Das macht das Einkaufen teurer, aber auch persönlicher. Man bekommt eine Empfehlung, eine Geschichte, manchmal sogar einen Kaffee zum Stöbern.

Kränku Te & Kaffehandel: Ein Tee- und Kaffeeladen, der seit den 1990ern existiert. Über 200 Teesorten, losen Kaffee aus eigener Röstung und Zubehör. Eine Dose losen Tee (100g) kostet 85 bis 120 SEK. Der Laden riecht so gut, dass man ihn schon von der Straße aus bemerkt. Perfekt als Mitbringsel.

Torget Antik: Der größte Antiquitätenladen in Haga. Auf zwei Etagen: schwedische Keramik, Glasvasen (Kosta Boda, Orrefors), alte Kupfertöpfe, Schallplatten, Bücher, Postkarten, Schmuck. Die Preise sind fair für Antiquitäten. Eine Kosta-Boda-Vase aus den 1960ern für 250 SEK, eine handbemalte Holzpuppe für 120 SEK. Man kann stundenlang stöbern.

Sjöstrand: Skandinavisches Design, modern. Geschirr, Textilien, Kerzen, Taschen. Die Sachen sind hochwertig und nicht billig (eine Leinenserviette 95 SEK, eine Keramikschale 180 SEK), aber es sind Dinge, die man lange behält. Der Laden hat eine klare Ästhetik: Weiß, Grau, Naturtöne. Wer skandinavisches Design mag, verlässt Sjöstrand nicht ohne Tüte.

Flohmärkte und Vintage

Flohmarkt in Haga Göteborg mit Ständen voller Vintage-Kleidung und Antiquitäten
Flohmarkt in Haga: Hier findet man Schätze, die in keinem Geschäft stehen. (KI-generiert)

Schweden hat eine ausgeprägte Secondhand-Kultur. Das Wort "loppis" (Flohmarkt) kennt jedes Kind. In Haga und Umgebung gibt es gleich mehrere Möglichkeiten, Vintage-Kleidung, alte Möbel und Trödel zu finden.

Der Haga Julmarknad (Weihnachtsmarkt) findet jedes Jahr am ersten Advent statt und ist der schönste Markt der Stadt. Handgemachte Kerzen, Wolle, Holzspielzeug, Glögg (schwedischer Glühwein), Pepparkakor (Pfefferkuchen). Die Haga Nygata wird dann zur Weihnachtsgasse, und die Stimmung ist magisch. Unbedingt warm anziehen, der Dezember in Göteborg ist feucht und kalt.

Emmaus Secondhand: In der Husargatan, der Parallelstraße zur Haga Nygata. Ein großer Secondhand-Laden mit Kleidung, Büchern, Geschirr und Möbeln. Die Preise sind niedrig (T-Shirt 30 SEK, Jeans 60 SEK, Bücher 15 bis 30 SEK). Emmaus ist eine Wohltätigkeitsorganisation, der Erlös geht an soziale Projekte. Also gut für den Geldbeutel und das Gewissen.

Retro Etc: Vintage-Kleidung aus den 60ern bis 90ern. Hier findet man Lederjacken, Jeanshemden, Hawaiihemden und Kleidung, die heute wieder modern ist. Preise: 100 bis 400 SEK für die meisten Stücke. Der Laden ist klein, kuratiert und hat Charakter. Definitiv einen Blick wert, auch wenn man nicht auf Vintage steht.

Skansen Kronan

Über Haga thront die Festung Skansen Kronan auf dem Risåsberget. Das Gebäude wurde 1697 fertiggestellt und war Teil der Göteborger Verteidigungsanlagen. Heute ist die Festung ein Aussichtspunkt und Veranstaltungsort. Der Aufstieg dauert 10 Minuten ab der Haga Nygata und führt über steile Treppen durch einen kleinen Park.

Von oben hat man einen der besten Blicke über Göteborg. Man sieht die Innenstadt, den Hafen, die Schären am Horizont und die roten Ziegeldächer von Haga unter sich. Besonders schön bei Sonnenuntergang, wenn die Stadt in warmes Licht getaucht wird. Im Sommer sitzen hier Göteborger mit Picknickdecken und Weinflaschen. Es gibt kein Café oben, also eigenen Proviant mitbringen.

Die Festung selbst kann von außen besichtigt werden. Innen finden gelegentlich Ausstellungen und Events statt, aber es gibt keine regelmäßigen Öffnungszeiten für Besucher. Der Eintritt zum Hügel und zum Aussichtspunkt ist kostenlos. Der Weg ist nicht barrierefrei und bei Regen etwas rutschig. Feste Schuhe empfohlen.

Praktische Infos

Beste Besuchszeit: Unter der Woche, vormittags. Dann sind die Cafés leer, die Läden ruhig, und man hat die Straße fast für sich. Am Wochenende ist Haga deutlich voller, besonders Samstagnachmittag. Im Dezember (Weihnachtsmarkt, Julbelysning) ist das Viertel am stimmungsvollsten, aber auch am vollsten.

Haga lässt sich gut mit dem Besuch der Feskekörka kombinieren (10 Gehminuten südlich) und mit dem Stadtteil Linné (direkt westlich angrenzend, gute Restaurants). Ein typischer Haga-Halbtag: 10:00 Uhr Hagabulle im Husaren, Stöbern in den Läden, 12:00 Uhr Mittagessen in der Feskekörka, Aufstieg zur Skansen Kronan, 14:00 Uhr zweite Fika im Kringlan. Fertig, und man hat einen perfekten Vormittag gehabt.

Toiletten: Es gibt keine öffentlichen Toiletten in Haga. Die Cafés haben Toiletten für Gäste. Im Sommer stellt die Stadt manchmal mobile WCs auf, aber darauf sollte man sich nicht verlassen. Tipp: Vor dem Haga-Besuch im Nordstan-Einkaufszentrum oder am Hauptbahnhof gehen, dort gibt es öffentliche Toiletten (10 SEK Eintritt).

Häufige Fragen

Wie groß sind die Zimtschnecken im Café Husaren wirklich?

Groß. Die Hagabulle hat einen Durchmesser von etwa 20 Zentimetern und wiegt rund 400 Gramm. Zum Vergleich: eine normale schwedische Kanelbulle wiegt 80 bis 100 Gramm. Die Hagabulle kostet 65 SEK. Wer nicht so viel Appetit hat, teilt sich eine zu zweit. Das machen auch viele Schweden so.

Wann findet der Weihnachtsmarkt in Haga statt?

Der Haga Julmarknad findet traditionell am Wochenende des ersten Advents statt (Ende November/Anfang Dezember). Samstag und Sonntag, ganztags. Die Haga Nygata wird zur Marktstraße mit Ständen, Glögg, Pepparkakor und Kunsthandwerk. Früh kommen, es wird gegen Mittag sehr voll.

Kommt man mit dem Kinderwagen durch Haga?

Grundsätzlich ja, die Haga Nygata ist eine Fußgängerzone. Allerdings ist der Boden Kopfsteinpflaster, was mit kleinen Rädern holprig sein kann. Die meisten Cafés haben Platz für Kinderwagen, Schweden sind da sehr unkompliziert. Zum Skansen Kronan hoch geht es mit Kinderwagen nicht gut, die Treppen sind zu steil.

Lohnt sich Haga auch bei Regen?

Ja, sogar besonders. Die Cafés sind bei Regen am gemütlichsten, die Läden bieten Unterschlupf, und die nassen Holzfassaden haben ihren eigenen Charme. Göteborg liegt an der Westküste und hat viele Regentage, besonders im Herbst und Winter. Die Göteborger lassen sich davon nicht beeindrucken, und Besucher sollten es auch nicht.

Kann man in Haga parken?

In Haga selbst gibt es keine Parkplätze. Die Straßen sind Fußgängerzone oder Anwohnerparken. Das nächste Parkhaus ist am Grönsakstorget, 5 Gehminuten entfernt (ca. 30 SEK pro Stunde). Am besten mit der Straßenbahn kommen, Haltestelle Hagakyrkan oder Järntorget.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026