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Nationalfeiertag Schweden
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Nationalfeiertag Schweden

14 Min. Lesezeit

Am 6. Juni feiert Schweden seinen Nationalfeiertag, den „Sveriges nationaldag". Was nach einem selbstverständlichen Feiertag klingt, ist in Wirklichkeit eine ziemlich junge Tradition. Erst seit 2005 ist der 6. Juni ein arbeitsfreier Tag, und bis heute tun sich viele Schweden schwer damit, ihren Nationalfeiertag so richtig zu feiern. Das liegt an der schwedischen Mentalität: Zu viel Patriotismus ist den meisten Schweden unangenehm.

Trotzdem hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Immer mehr Gemeinden organisieren Feiern, in Skansen in Stockholm gibt es eine große Zeremonie mit der Königsfamilie, und die schwedische Flagge weht an diesem Tag an jedem zweiten Haus. In diesem Artikel erzähle ich dir, was hinter dem 6. Juni steckt, wie die Schweden feiern und wie du den Tag als Tourist am besten erlebst.

Warum der 6. Juni?

Der 6. Juni wurde aus historischen Gründen gewählt, die allerdings nicht ganz einfach sind. Es gibt zwei Ereignisse, die mit diesem Datum verbunden werden:

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1523: Am 6. Juni wurde Gustav Vasa zum König von Schweden gewählt. Das markiert das Ende der Kalmarer Union (in der Schweden, Norwegen und Dänemark unter dänischer Krone vereint waren) und den Beginn Schwedens als unabhängiger Staat. Gustav Vasa gilt als Gründer des modernen Schweden, und sein Wahltermin am 6. Juni ist der wichtigere der beiden Gründe.

1809: Am 6. Juni wurde Schwedens neues Grundgesetz (Regeringsformen) verabschiedet, das die Macht des Königs einschränkte und dem Land eine konstitutionelle Monarchie gab. Dieses Grundgesetz wurde später mehrfach überarbeitet, aber das Datum blieb als Symbol für die schwedische Verfassungstradition bestehen.

Zusammen ergeben diese beiden Daten eine Art doppelte Begründung für den 6. Juni: die nationale Unabhängigkeit und die demokratische Verfassung. In der Praxis ist es aber vor allem Gustav Vasa, an den die meisten Schweden denken, wenn sie den 6. Juni hören.

Schwedische Flagge weht an einem weißen Fahnenmast vor blauem Himmel
Am 6. Juni weht die schwedische Flagge an Häusern, Schulen und öffentlichen Gebäuden (KI-generiert)

Der schwierige Weg zum Feiertag

Was viele nicht wissen: Schweden hat seinen Nationalfeiertag erst sehr spät eingeführt. Bis 2005 war der 6. Juni zwar offiziell „Svenska flaggans dag" (Tag der schwedischen Flagge), aber kein arbeitsfreier Tag. Man ging ganz normal zur Arbeit, und außer ein paar Flaggen an öffentlichen Gebäuden passierte nicht viel.

Die Diskussion um einen Nationalfeiertag lief über Jahrzehnte. Viele Schweden hatten Bedenken, dass ein solcher Feiertag nationalistischen Tendenzen Vorschub leisten könnte. In einem Land, das sich stark über Werte wie Gleichheit, Offenheit und Internationalität definiert, war die Idee eines patriotischen Feiertags nicht unumstritten.

Als der 6. Juni 2005 schließlich zum arbeitsfreien Feiertag erklärt wurde, geschah das im Tausch gegen Pfingstmontag, der dafür als Feiertag gestrichen wurde. Das sorgte für Unmut: Viele Schweden ärgerten sich weniger über den neuen Feiertag als darüber, dass sie dafür den Pfingstmontag verloren hatten, der als Brückentag wesentlich praktischer lag.

Noch heute ist das Verhältnis vieler Schweden zu ihrem Nationalfeiertag etwas verhalten. Verglichen mit dem 17. Mai in Norwegen, an dem das ganze Land in einem Meer aus Flaggen und Kinderzügen versinkt, ist der schwedische 6. Juni eher ein ruhiger Feiertag. Aber das ändert sich langsam, und besonders bei jüngeren Schweden wächst die Bereitschaft, den Tag aktiv zu feiern.

So feiern die Schweden ihren Nationalfeiertag

Einen typischen Ablauf für den 6. Juni gibt es eigentlich nicht, zumindest nicht so, wie man ihn von anderen Nationalfeiertagen kennt. Es gibt keine großen Paraden durch die Innenstädte, keine Militärvorführungen und keine Feuerwerke. Stattdessen ist der Tag eher eine Mischung aus Familienfest, Volksfest und offizieller Zeremonie.

Viele Gemeinden organisieren Feiern in Parks oder auf öffentlichen Plätzen. Dort gibt es Reden von lokalen Politikern, Musikauftritte, Kinderprogramm und oft ein gemeinsames Kaffeetrinken. Ein wichtiger Teil vieler Feiern ist die Einbürgerungszeremonie: Neue schwedische Staatsbürger werden am Nationalfeiertag offiziell willkommen geheißen und erhalten ihre Einbürgerungsurkunde. Das ist ein schönes Symbol und gibt dem Tag eine eigene Note.

Im Fernsehen wird die große Feier in Skansen in Stockholm übertragen, bei der die Königsfamilie anwesend ist. Ansonsten nutzen viele Schweden den freien Tag schlicht als zusätzlichen Sommertag: Grillen im Garten, Ausflug ans Wasser oder einfach in der Sonne sitzen. Das klingt nach wenig, aber für Schweden, die im Sommer jede Stunde Sonnenlicht auskosten wollen, ist ein freier Tag Anfang Juni ein echtes Geschenk.

Kinder mit schwedischen Flaggen bei einer Nationaldags-Feier
Kinder feiern den Nationalfeiertag mit Fähnchen und guter Laune (KI-generiert)

Die große Feier in Skansen

Die zentrale Feier zum Nationalfeiertag findet jedes Jahr im Freilichtmuseum Skansen in Stockholm statt. Skansen, das weltweit älteste Freilichtmuseum, ist für diesen Anlass genau der richtige Ort: Es repräsentiert die schwedische Kultur und Geschichte auf eine Art, die weder steif noch übertrieben patriotisch wirkt.

Feier zum Nationalfeiertag im Freilichtmuseum Skansen in Stockholm
In Skansen findet die offizielle Feier mit der Königsfamilie statt (KI-generiert)

Die Feier in Skansen beginnt am Nachmittag und hat einen festen Ablauf. Der König und die Königin treffen ein, es gibt Reden, Musikdarbietungen und Volkstänze. Höhepunkt ist der Moment, in dem die Königin (oder eine andere Person aus der Königsfamilie) die schwedische Flagge an Vertreter verschiedener Organisationen übergibt. Das Ganze wird live im schwedischen Fernsehen (SVT) übertragen.

Die Stimmung in Skansen ist feierlich, aber entspannt. Tausende Menschen sitzen auf den Hügeln, essen Eis, hören Musik und klatschen höflich bei den Reden. Es ist kein Massenspektakel, sondern eher ein großes Gartenfest. Die Kinder sind oft in Trachten gekleidet, und überall sieht man kleine schwedische Fähnchen.

Wenn du am 6. Juni in Stockholm bist, ist ein Besuch in Skansen sehr empfehlenswert. Der Eintritt ist an diesem Tag oft reduziert oder kostenlos für bestimmte Gruppen. Komm allerdings früh, denn der Park füllt sich am Nachmittag schnell, und die besten Plätze mit Blick auf die Bühne sind begehrt.

Die schwedische Flagge

Die blau-gelbe schwedische Flagge ist am 6. Juni allgegenwärtig. Sie weht an Privathäusern, öffentlichen Gebäuden, Geschäften und Schulen. Viele Schweden haben einen Fahnenmast im Garten (das ist in Schweden weit verbreitet), und am Nationalfeiertag wird die Flagge feierlich gehisst.

Die schwedische Flagge mit dem gelben Kreuz auf blauem Grund gehört zu den ältesten Nationalflaggen Europas. Ihre genaue Herkunft ist umstritten, aber sie wird traditionell mit dem Wappen der Folkung-Dynastie in Verbindung gebracht, die im 13. Jahrhundert über Schweden herrschte. Die Farben Blau und Gelb sind seit dem 15. Jahrhundert als schwedische Nationalfarben belegt.

Interessant: Der „Tag der schwedischen Flagge" wurde bereits 1916 eingeführt und war damit deutlich älter als der eigentliche Nationalfeiertag. Bis 2005 war er die einzige offizielle Feier am 6. Juni. Die Idee eines eigenen Flaggentags kam von dem Maler und Schriftsteller Artur Hazelius, der auch Skansen gegründet hat. Ein Mann, der offensichtlich ein Gespür für schwedische Traditionen hatte.

Schwedische Trachten am 6. Juni

Am Nationalfeiertag sieht man auffällig viele Menschen in traditioneller schwedischer Kleidung. Die bekannteste Tracht ist die „Sverigedräkten" (Schwedentracht), die 1903 von Märta Palme entworfen wurde und als eine Art nationale Einheitstracht gedacht war. Sie besteht bei Frauen aus einem blauen Rock, einer gelben Schürze, einer weißen Bluse und einem bestickten Mieder, also den Farben der schwedischen Flagge.

Frauen in traditionellen schwedischen Trachten am Nationalfeiertag
Schwedische Trachten am 6. Juni: Die Sverigedräkten in Blau und Gelb (KI-generiert)

Neben der Sverigedräkten tragen viele Schweden am 6. Juni die Folkdräkt ihrer jeweiligen Heimatprovinz. Jede der 25 schwedischen Provinzen hat eine eigene traditionelle Tracht, und manche Familien vererben ihre Folkdräkter über Generationen. Besonders die Trachten aus Dalarna, mit ihren leuchtenden Farben und aufwendigen Stickereien, sind weithin bekannt.

Für Männer gibt es entsprechende Trachtenanzüge, die aber seltener getragen werden als die Frauentrachten. Die meisten Männer tragen am 6. Juni einfach ein weißes Hemd und eine dunkle Hose, vielleicht mit einer kleinen schwedischen Flagge am Revers.

Die Königsfamilie geht mit gutem Beispiel voran: Kronprinzessin Victoria und ihre Tochter Estelle tragen bei der Skansen-Feier regelmäßig die Sverigedräkten, und die Bilder davon gehen durch alle schwedischen Medien. Das hat sicher dazu beigetragen, dass Trachten am Nationalfeiertag wieder beliebter geworden sind.

Nationaldagsfirande: Feiern im ganzen Land

Nicht nur in Stockholm wird gefeiert. In vielen Städten und Gemeinden gibt es eigene Nationaldagsfiranden (Nationalfeierlichkeiten). Hier ein paar Beispiele, was in verschiedenen Teilen des Landes am 6. Juni passiert:

Göteborg: Im Slottsskogen, dem großen Stadtpark, gibt es ein Familienfest mit Musik, Essen und Kinderprogramm. Die Feier ist kostenlos und zieht jedes Jahr mehrere tausend Besucher an.

Malmö: Im Pildammsparken wird gefeiert, oft mit einem Schwerpunkt auf Multikulturalität und Integration. Malmö nutzt den Nationalfeiertag gerne, um die Vielfalt der Stadt zu zeigen.

Dalarna: In der Region rund um den Siljan-See wird der 6. Juni besonders traditionsbewusst gefeiert, mit Volkstänzen, Musik und Trachten. Hier ist der Nationalfeiertag fast so stimmungsvoll wie Mittsommar.

Luleå und der Norden: Im Norden Schwedens ist der 6. Juni oft der erste richtig sommerliche Tag des Jahres. Die Feiern finden draußen statt, und die Menschen genießen die langen Abende und das Licht der Mitternachtssonne, die um diese Zeit bereits scheint.

Menschen feiern den schwedischen Nationalfeiertag in einem Park mit Flaggen
Gemeinsam feiern im Park: So sieht der Nationalfeiertag in vielen schwedischen Städten aus (KI-generiert)

Den Nationalfeiertag als Tourist erleben

Wenn du am 6. Juni in Schweden bist, hast du Glück: Es ist einer der schönsten Tage, um das Land zu erleben. Das Wetter ist Anfang Juni meistens gut (keine Garantie, es ist immer noch Schweden), die Tage sind lang, und die Stimmung ist sommerlich.

Hier ein paar Tipps, wie du den Tag am besten nutzt:

  • Stockholm: Besuche Skansen am Nachmittag. Die Feier mit der Königsfamilie ist der Höhepunkt, aber auch das Museum selbst ist an diesem Tag besonders lebendig.
  • Kleinere Städte: Frag im Touristenbüro oder an der Hotelrezeption, wo die lokale Feier stattfindet. Die kleineren Veranstaltungen sind oft persönlicher als die großen Feste.
  • Einkaufen: Beachte, dass viele Geschäfte am 6. Juni geschlossen haben oder verkürzte Öffnungszeiten haben. Supermärkte sind aber meistens geöffnet.
  • Essen: Es gibt kein typisches Nationaltags-Essen, aber viele Restaurants bieten schwedische Spezialitäten an. Erdbeeren mit Sahne sind im Juni ein Klassiker.

Was den Nationalfeiertag für Touristen interessant macht, ist die Möglichkeit, Schweden in einer eher ungewöhnlichen Situation zu erleben. Die sonst eher zurückhaltenden Schweden zeigen an diesem Tag eine Seite, die man im Alltag selten sieht: Sie tragen Trachten, singen Volkslieder und hissen feierlich ihre Flagge. Es ist nicht laut oder überschwänglich, aber es hat etwas Aufrichtiges, das man als Besucher zu schätzen weiß.

Und noch ein praktischer Hinweis: Da der 6. Juni ein Feiertag ist, haben Museen und Sehenswürdigkeiten oft besondere Öffnungszeiten. Manche sind geschlossen, andere haben Sonderprogramme. Informiere dich am Vortag, damit du keine böse Überraschung erlebst.

Häufige Fragen zum Nationalfeiertag

Ist der 6. Juni in Schweden ein Feiertag?

Ja, seit 2005 ist der 6. Juni ein gesetzlicher, arbeitsfreier Feiertag in Schweden. Davor war er nur als „Tag der schwedischen Flagge" bekannt, aber kein freier Tag. Im Tausch wurde der Pfingstmontag als Feiertag gestrichen.

Gibt es am 6. Juni ein Feuerwerk?

Nein, ein Feuerwerk gehört nicht zur Tradition. Im Juni ist es in Schweden so hell, dass ein Feuerwerk ohnehin kaum zu sehen wäre. Die Feiern finden tagsüber und am frühen Abend statt, hauptsächlich mit Musik, Reden und Volkstänzen.

Haben Geschäfte und Restaurants am 6. Juni geöffnet?

Viele kleinere Geschäfte und Boutiquen sind geschlossen. Supermärkte haben in der Regel geöffnet, oft mit verkürzten Öffnungszeiten. Restaurants und Cafés sind meistens offen, besonders in Touristengebieten. Systembolaget (der staatliche Alkoholladen) ist am 6. Juni geschlossen.

Was hat der 6. Juni mit Gustav Vasa zu tun?

Am 6. Juni 1523 wurde Gustav Vasa zum König von Schweden gewählt. Er befreite Schweden von der dänischen Vorherrschaft in der Kalmarer Union und gilt als Begründer des modernen schwedischen Staates. Dieses Datum ist der Hauptgrund, warum der 6. Juni als Nationalfeiertag gewählt wurde.

Ist der 6. Juni vergleichbar mit dem deutschen Tag der Einheit?

In gewisser Weise ja: Beide Feiertage haben eine eher nüchterne Atmosphäre und werden von vielen Bürgern hauptsächlich als freier Tag geschätzt. Der große Unterschied: Während der 3. Oktober ein relativ junges Datum feiert (1990), geht der 6. Juni auf das Jahr 1523 zurück. Und während in Deutschland die Feiern eher offiziell sind, haben die schwedischen Feiern oft einen volksfestartigen Charakter.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026