Tromsø Seilbahn: Fjellheisen
Manche Seilbahnfahrten sind Transportmittel. Andere sind Erlebnisse. Die Fahrt mit dem Fjellheisen in Tromsø gehört zur zweiten Kategorie. In vier Minuten schwebt man von der Talstation am Ufer des Tromsøsunds auf 421 Meter Höhe, und mit jedem Meter wird der Blick weiter, die Stadt kleiner und das Staunen größer. Oben angekommen steht man auf einer Plattform und hat einen 360-Grad-Blick auf Tromsø, die umliegenden Berge, die Fjorde und das Meer. Im Sommer mit der Mitternachtssonne am Horizont, im Winter mit Nordlichtern über dem Kopf.
Ich war dreimal oben, zu drei verschiedenen Jahreszeiten, und jedes Mal war es ein anderes Erlebnis. Im Juli, als die Sonne um Mitternacht über das Meer rollte und die ganze Landschaft in goldenes Licht tauchte. Im Oktober, als plötzlich Nordlichter auftauchten und der halbe Himmel grün wurde. Und im Februar, als die Stadt unter einer Schneedecke lag und die blaue Stunde der Polarnacht den Fjord in unwirkliches Licht tauchte. Drei Besuche, drei völlig verschiedene Welten.
Die Fahrt nach oben
Die Talstation des Fjellheisen liegt auf der Festlandseite von Tromsø, am Fuß des Berges Storsteinen. Man erreicht sie zu Fuß oder mit dem Auto über die Tromsøbrücke (die große Brücke, die die Insel mit dem Festland verbindet). Von der Talstation in der Sollivegen sind es nur wenige Gehminuten bis zur Eismeerkathedrale, und von dort sieht man die Gondel bereits auf und ab fahren.
Die Gondel fasst 28 Personen und fährt alle 30 Minuten (in der Hochsaison häufiger). Die Fahrt dauert vier Minuten und überwindet 421 Höhenmeter. Durch die großen Fenster der Gondel hat man schon während der Fahrt einen immer besseren Blick auf die Stadt, den Hafen und die umliegenden Inseln. In den letzten Metern, wenn die Gondel über die steilste Passage gleitet, wird es ganz still in der Kabine. Alle schauen nach unten und nach draußen.
Die Bergstation liegt auf dem Storsteinen auf 421 Metern über dem Meeresspiegel. Das klingt nicht besonders hoch, aber weil man direkt vom Meeresspiegel startet und die Stadt auf einer flachen Insel liegt, reichen diese 421 Meter für einen Blick, der weit über die Stadt hinausgeht. Bei klarer Sicht kann man bis zu den Lyngenalpen im Osten sehen, 70 Kilometer entfernt.
Oben angekommen
Von der Bergstation tritt man auf eine Aussichtsplattform, und dann liegt Tromsø unter einem wie auf einer Modellbahnanlage. Die Insel mit der Altstadt, dem Hafen, den bunten Holzhäusern. Die beiden Brücken, die die Insel mit dem Festland verbinden. Die Eismeerkathedrale mit ihrem dreieckigen Profil, direkt am Fuß des Berges. Die Fjorde links und rechts, die sich zwischen den Bergen hindurchwinden. Und ringsum die Berge, im Sommer grün und braun, im Winter weiß und blau.
Was mich bei meinem ersten Besuch am meisten überrascht hat, ist die Größe der Landschaft. Tromsø ist eine Kleinstadt mit rund 77.000 Einwohnern, und von oben sieht man, wie winzig die Siedlung ist im Verhältnis zur Natur ringsum. Die Stadt nimmt vielleicht ein Zehntel des Blickfeldes ein. Der Rest ist Wasser, Berge, Himmel. Es ist ein guter Ort, um ein Gefühl für die Proportionen Nordnorwegens zu bekommen.
Auf dem Plateau gibt es ein Restaurant (Fjellstua), das schon seit den 1960er Jahren hier oben betrieben wird. Die Terrasse bietet Platz für mehrere Dutzend Gäste und ist im Sommer ein beliebter Treffpunkt. Man bekommt Kaffee, Kuchen, Waffeln und einfache warme Gerichte. Die Preise sind, nun ja, norwegisch. Aber die Aussicht ist im Preis inbegriffen, und die ist unbezahlbar.
In der Nähe des Restaurants gibt es eine Informationstafel, die die umliegenden Berge und Inseln benennt. Kvaløya (die Walinsel) im Westen, Tromsøya (die Stadtinsel) direkt unten, das Festland im Osten, und im Norden die offene See, die sich bis Spitzbergen erstreckt. Tromsø wird oft als "Tor zur Arktis" bezeichnet, und von hier oben versteht man warum.
Mitternachtssonne vom Fjellheisen
Zwischen dem 20. Mai und dem 22. Juli geht die Sonne in Tromsø nicht unter. Sie kreist am Himmel, sinkt gegen Mitternacht zum Horizont, berührt ihn fast und steigt dann wieder auf. Und der beste Ort, um dieses Schauspiel zu beobachten, ist der Storsteinen.
Der Fjellheisen bietet in den Sommermonaten Spätfahrten an, die letzte Gondel fährt gegen 1 Uhr nachts. Das bedeutet, man kann um 23 Uhr hochfahren, sich mit einer Jacke und einer Thermoskanne Kaffee auf die Plattform setzen und zuschauen, wie die Sonne über dem Meer tanzt. Es ist kein Sonnenuntergang im klassischen Sinn, weil die Sonne nicht wirklich untergeht. Es ist eher ein Sonnenstreifzug, ein langes, goldenes Gleiten am Horizont entlang.
Das Licht ist um Mitternacht weicher als tagsüber, wärmer, goldener. Es fällt schräg über die Berge und den Fjord und erzeugt lange Schatten und tiefe Kontraste. Fotografen kommen hier auf ihre Kosten, denn dieses Licht gibt es nirgendwo sonst. Es ist das Licht, von dem die norwegischen Maler des 19. Jahrhunderts so besessen waren, dieses endlose, warme Abendlicht, das sich stundenlang nicht verändert.
An einem klaren Mitternachtssonnenabend sind auf dem Storsteinen Dutzende von Menschen, Einheimische und Touristen gleichermaßen. Die Stimmung ist gelöst und fröhlich. Manche picknicken, manche grillen (es gibt Grillplätze in der Nähe), manche sitzen einfach da und schauen. Es ist einer dieser Momente, in denen man versteht, warum die Norweger ihr Land lieben, trotz des langen Winters und der hohen Preise.
Nordlichter vom Fjellheisen
Tromsø ist einer der besten Orte der Welt, um Nordlichter zu sehen. Die Stadt liegt auf 69 Grad Nord, mitten im Nordlichtoval, und die Saison dauert von September bis März. Der Fjellheisen bietet in den Wintermonaten Abendfahrten an, speziell für Nordlichtbeobachter, und die Bergstation ist einer der wenigen Orte in Stadtnähe, an denen man die Lichter gut sehen kann.
Der Vorteil des Fjellheisen für die Nordlichtbeobachtung ist die Höhe. Auf 421 Metern ist man über dem Dunst und dem Nebel, der im Winter oft über dem Fjord liegt. Man hat freie Sicht nach Norden, wo die Nordlichter am häufigsten auftreten, und die Lichtverschmutzung der Stadt stört auf dieser Höhe deutlich weniger als unten am Boden.
Mein Nordlichterlebnis am Fjellheisen war im Oktober. Wir fuhren um 21 Uhr hoch, es war bewölkt, und ich war skeptisch. Aber gegen 22 Uhr riss der Himmel auf, und innerhalb von Minuten erschien ein grünes Band am Nordhimmel, das sich langsam über die ganze Stadt zog. Es wurde immer heller, begann zu pulsieren und zu tanzen, und dann kamen violette und rosa Streifen dazu. Unter uns lag Tromsø mit seinen Lichtern, über uns das Nordlicht, und dazwischen standen wir auf dem Storsteinen und vergaßen zu atmen.
Eine Sache muss man wissen: Nordlichter sind nicht planbar. Man kann die Sonnenaktivität überwachen und die Wettervorhersage prüfen, aber am Ende braucht man Glück. Wer nur eine Nacht in Tromsø ist, hat vielleicht Pech. Wer drei oder vier Nächte bleibt, hat gute Chancen. Und wer vom Fjellheisen aus Nordlichter sieht, hat ein Erlebnis, das sich ins Gedächtnis brennt.
Wandern am Storsteinen
Wer nicht mit der Seilbahn fahren möchte (oder wer Geld sparen will), kann den Storsteinen auch zu Fuß besteigen. Der Sherpa-Weg (Sherpatrappa) ist ein gut ausgebauter Wanderweg, der in Serpentinen von der Talstation bis zur Bergstation führt. Die Strecke ist etwa zwei Kilometer lang und hat einen Höhenunterschied von 421 Metern. Man braucht je nach Kondition zwischen 45 und 90 Minuten.
Der Weg ist im Sommer gut begehbar und wird von vielen Einheimischen als Trainingsroute genutzt. Morgens und abends sieht man Jogger und Wanderer, die den Berg hoch und runter laufen, manche mit Gewichtswesten, manche mit Kindertragen. Es ist die beliebteste Feierabendwanderung der Stadt, und an schönen Sommertagen ist auf dem Weg genauso viel los wie auf dem Plateau.
Von der Bergstation des Fjellheisen kann man auch weiter wandern. Ein Pfad führt entlang des Grates zum Fløya (656 Meter), dem nächsthöheren Gipfel. Die Wanderung dauert etwa eine Stunde und bietet noch bessere Aussichten als der Storsteinen. Der Weg ist im Sommer problemlos begehbar, im Winter sollte man Grödeln (Spikes für die Schuhe) mitnehmen, weil der Pfad oft vereist ist.
Für erfahrene Wanderer gibt es noch ambitioniertere Optionen: die Überschreitung des gesamten Kamms von Tromsøen, die über mehrere Gipfel führt und einen ganzen Tag in Anspruch nimmt. Aber auch der einfache Spaziergang vom Fjellheisen zum nächsten Aussichtspunkt lohnt sich. Die Vegetation auf dieser Höhe ist karg, Zwergbirken und Moose, und der Blick in alle Richtungen ist frei.
Tromsø von oben im Winter
Im Winter verwandelt sich der Blick vom Fjellheisen in etwas ganz Besonderes. Die Stadt liegt unter einer Schneedecke, die Lichter der Häuser und Straßen leuchten warm in der Dunkelheit, und der Fjord spiegelt den blauen Himmel der Polarnacht wider. Zwischen Mitte November und Mitte Januar geht die Sonne in Tromsø nicht auf, und der Himmel bleibt den ganzen Tag in einem Zustand der Dämmerung: tiefblau, violett, manchmal rosa.
Die "blaue Stunde" ist das Lichtphänomen, für das Tromsø im Winter berühmt ist. Um die Mittagszeit, wenn die Sonne knapp unter dem Horizont steht, taucht sie den Himmel und die Landschaft in ein intensives, tiefes Blau. Es ist ein Blau, das man in südlicheren Breiten nie sieht, weil dort die Sonne zu schnell auf- und untergeht. Hier in Tromsø hält dieses Blau stundenlang an, und vom Storsteinen aus sieht man es in seiner ganzen Pracht.
Die Kälte auf dem Storsteinen ist im Winter ernst zu nehmen. Auf 421 Metern Höhe, ohne Windschutz, mit dem arktischen Wind vom Meer, können die Temperaturen auf gefühlte minus 25 bis minus 30 Grad fallen. Warme Kleidung in Schichten ist Pflicht. Der Wind ist oft stärker als unten in der Stadt, und wer sich länger auf der Plattform aufhalten möchte, sollte eine Sturmhaube und winddichte Handschuhe dabeihaben.
Das Restaurant Fjellstua ist auch im Winter geöffnet und bietet einen warmen Rückzugsort. Von drinnen hat man durch die großen Fenster fast den gleichen Blick wie von der Plattform, nur ohne Wind und Kälte. Ein heißer Kakao mit Blick auf die beleuchtete Stadt ist einer der schönsten Genüsse, die Tromsø im Winter zu bieten hat.
Die Geschichte des Fjellheisen
Der Fjellheisen wurde 1961 eröffnet und war von Anfang an ein Projekt der Begeisterung. Die Idee, eine Seilbahn auf den Storsteinen zu bauen, gab es seit den 1950er Jahren, als Tromsø nach dem Krieg wuchs und die Einwohner einen besseren Zugang zu ihrem Hausberg wollten. Die Finanzierung war schwierig, aber am Ende kam das Geld zusammen, und 1961 wurde die erste Gondel eingeweiht.
Die ursprüngliche Anlage hatte kleine Gondeln für acht Personen und war technisch einfach. 2012 wurde der Fjellheisen komplett modernisiert. Neue Gondeln für 28 Personen, neue Seile, neue Stationen. Die Kapazität vervierfachte sich, und die Fahrt wurde komfortabler und sicherer. Die Talstation wurde umgebaut und bietet jetzt einen Souvenirshop und einen Wartebereich.
Seit der Modernisierung ist der Fjellheisen Tromsøs meistbesuchte Attraktion. Über 200.000 Menschen fahren jedes Jahr hoch, und die Zahl steigt. Besonders der Nordlichttourismus hat in den letzten Jahren für einen Besucheranstieg gesorgt. Im Winter kommen Touristen aus aller Welt nach Tromsø, um Nordlichter zu sehen, und der Fjellheisen ist oft der erste Anlaufpunkt.
Die Seilbahn ist auch für Tromsø selbst von Bedeutung. Viele Einheimische nutzen sie regelmäßig, nicht als Touristen, sondern als Freizeitanlage. Im Sommer zum Wandern und Grillen, im Winter zum Skifahren und Rodeln. Der Storsteinen ist Tromsøs Hausberg, und der Fjellheisen macht ihn für alle zugänglich, auch für diejenigen, die den steilen Aufstieg zu Fuß nicht schaffen.
Praktische Tipps
Der Fjellheisen befindet sich auf der Festlandseite von Tromsø, in der Sollivegen 12, direkt neben der Eismeerkathedrale. Von der Tromsø-Insel (Stadtzentrum) erreicht man die Talstation zu Fuß über die Tromsøbrücke (15 Minuten) oder mit dem Stadtbus Linie 26. Parkplätze gibt es an der Talstation, die im Sommer aber schnell voll sind.
Die Preise für die Hin- und Rückfahrt liegen bei 250 NOK für Erwachsene, Kinder (4 bis 15 Jahre) zahlen 120 NOK. Kinder unter 4 Jahren fahren kostenlos. Es gibt Familientickets und Gruppenrabatte. Wer nur hinauffahren und zu Fuß absteigen möchte, kann ein Einzelticket für etwa 170 NOK kaufen.
Die Öffnungszeiten variieren stark je nach Jahreszeit. Im Sommer (Mai bis August) ist der Fjellheisen von 10 bis 1 Uhr nachts geöffnet, mit Spätfahrten für die Mitternachtssonne. Im Winter (November bis März) sind die Zeiten kürzer, in der Regel von 10 bis 22 Uhr, mit verlängerten Öffnungszeiten bei guter Nordlichtprognose. Die aktuellen Zeiten findet man auf der Website des Fjellheisen.
Für die Nordlichtbeobachtung empfehle ich, gegen 20 Uhr hochzufahren und bis 23 oder 24 Uhr zu bleiben. Die Nordlichtaktivität ist erfahrungsgemäß zwischen 21 und 24 Uhr am stärksten. Eine warme Jacke, Handschuhe und eine Thermoskanne heißen Tee sind unverzichtbar. Wer fotografieren möchte, braucht ein Stativ und eine Kamera mit manuellen Einstellungen (30 Sekunden Belichtung, ISO 1600 bis 3200, Blende 2.8).
Tromsø selbst ist per Flugzeug gut erreichbar. Der Flughafen Tromsø Langnes wird von Oslo, Bergen, Trondheim und mehreren europäischen Städten direkt angeflogen. Von der Innenstadt sind es nur 15 Minuten mit dem Taxi oder 30 Minuten mit dem Bus zum Fjellheisen.
Häufige Fragen zum Fjellheisen
Was kostet die Fahrt mit dem Fjellheisen?
Die Hin- und Rückfahrt kostet 250 NOK für Erwachsene und 120 NOK für Kinder (4 bis 15 Jahre). Kinder unter 4 Jahren fahren kostenlos. Es gibt Familientickets, die etwas günstiger sind als Einzeltickets.
Kann man vom Fjellheisen Nordlichter sehen?
Ja, der Storsteinen ist einer der besten Plätze in Tromsø für die Nordlichtbeobachtung. Die Höhe von 421 Metern und die freie Sicht nach Norden bieten gute Bedingungen. Im Winter gibt es spezielle Abendfahrten für Nordlichtbeobachter.
Ist der Fjellheisen im Winter geöffnet?
Ja, der Fjellheisen ist ganzjährig geöffnet. Im Winter sind die Öffnungszeiten kürzer (etwa 10 bis 22 Uhr), aber bei guter Nordlichtprognose werden die Zeiten verlängert. Bei extremem Wetter oder Sturm kann die Bahn vorübergehend geschlossen werden.
Kann man den Storsteinen auch zu Fuß besteigen?
Ja, der Sherpa-Weg führt von der Talstation in Serpentinen zum Gipfel. Die Wanderung dauert 45 bis 90 Minuten und ist im Sommer gut begehbar. Im Winter braucht man Grödeln oder Spikes, weil der Weg oft vereist ist.
Wann ist die beste Zeit für die Mitternachtssonne am Fjellheisen?
Die Mitternachtssonne scheint in Tromsø vom 20. Mai bis zum 22. Juli. Der schönste Moment ist gegen Mitternacht, wenn die Sonne den Horizont berührt. Der Fjellheisen bietet in dieser Zeit Spätfahrten bis 1 Uhr nachts an.
Gibt es oben ein Restaurant?
Ja, das Restaurant Fjellstua auf der Bergstation bietet Kaffee, Kuchen, Waffeln und einfache warme Gerichte. Es ist ganzjährig geöffnet und hat eine Panoramaterrasse mit Blick auf die Stadt. Im Winter ist es ein willkommener Rückzugsort vor der Kälte.
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026