Kreuzfahrt-Anbieter für Norwegen
Wer eine Kreuzfahrt nach Norwegen plant, steht vor einer überraschend großen Auswahl. Mindestens zehn Reedereien fahren regelmäßig norwegische Fjorde an, und jede davon verspricht das ultimative Fjord-Erlebnis. Die Wahrheit ist: Die Fjorde sehen von jedem Schiff gleich aus. Der Unterschied liegt in dem, was drumherum passiert. Im Bordleben, in der Küche, in den Kabinen, im Service und im Preis.
Ich habe mit Leuten gesprochen, die auf AIDA, TUI, Costa und Hurtigruten unterwegs waren. Manche mehrfach, manche auf verschiedenen Anbietern hintereinander. Ihre Erfahrungen und meine eigenen fließen hier zusammen. Kein Ranking, keine Werbung, sondern ein sachlicher Überblick, der bei der Entscheidung helfen soll.
Der norwegische Kreuzfahrtmarkt
Norwegen gehört zu den beliebtesten Kreuzfahrtzielen Europas. Im Jahr 2024 liefen über 3.500 Kreuzfahrtschiffe norwegische Häfen an, davon allein 350 in Bergen und fast 300 in Geiranger. Die Saison läuft von Mai bis September, mit einem Höhepunkt im Juni und Juli. Im Winter fahren nur Hurtigruten und Havila die Küstenroute, während die großen Kreuzfahrtanbieter ihre Schiffe in die Karibik oder ans Mittelmeer verlegen.
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Die Nachfrage wächst seit Jahren, und das hat Folgen. Geiranger diskutiert seit 2019 über Beschränkungen für Kreuzfahrtschiffe, weil an Spitzentagen fünf Schiffe mit zusammen 15.000 Passagieren im Fjord liegen. Bergen hat 2025 eine Liegegebühr für Schiffe mit Schweröl-Antrieb eingeführt. Flåm begrenzt die tägliche Schiffszahl auf drei. Die Branche verändert sich, und wer heute bucht, sollte prüfen, ob der gewünschte Hafen noch angefahren wird.
AIDA Cruises
AIDA ist der größte deutschsprachige Kreuzfahrt-Anbieter und setzt in der Norwegen-Saison drei bis vier Schiffe ein. Die AIDAnova und die AIDAcosma fahren mit LNG-Antrieb, was sie in den Nachhaltigkeitsauflagen der norwegischen Fjorde besser dastehen lässt. Die AIDAbella und AIDAdiva sind ältere Schiffe, aber gut gepflegt und günstiger im Preis.
Die typische AIDA-Norwegenroute startet in Hamburg oder Kiel und dauert sieben bis vierzehn Tage. Die Kurzroute (7 Tage) fährt Bergen, Geiranger, Ålesund und Stavanger an. Die Langstrecke (12 bis 14 Tage) geht bis Tromsø, zum Nordkap und manchmal nach Spitzbergen. Preise beginnen bei 7.500 NOK pro Person in der Innenkabine für die Kurzroute und bei 14.000 NOK für die Langstrecke.
Das AIDA-Konzept setzt auf Selbstbedienung und lockere Atmosphäre. Es gibt keine festen Tischzeiten im Restaurant, keine Kleiderordnung beim Abendessen, dafür ein Buffet, das rund um die Uhr geöffnet hat. Das spricht Familien und jüngere Reisende an, während klassisch orientierte Kreuzfahrer manchmal den Stil vermissen. Die Kinderbetreuung auf AIDA ist gut organisiert, mit separaten Clubs für verschiedene Altersgruppen und eigenem Poolbereich.
Stärken von AIDA: günstiger Einstiegspreis und familienfreundlicher Service auf modernen LNG-Schiffen. Schwächen: volle Schiffe (bis 5.200 Passagiere auf der AIDAnova), kurze Liegezeiten in den Häfen, Massenabfertigung bei Landgängen.
TUI Mein Schiff
TUI Mein Schiff positioniert sich als Premium-Anbieter im deutschsprachigen Markt. Die Schiffe sind etwas kleiner als AIDA (2.500 bis 2.900 Passagiere) und setzen auf ein All-inclusive-Konzept, bei dem Getränke, Eis und Spezialitätenrestaurants ohne Aufpreis enthalten sind.
Die Norwegen-Routen starten ab Kiel oder Bremerhaven. TUI fährt eine klassische Fjordroute (8 Tage) mit Bergen, Eidfjord, Ålesund und Stavanger sowie eine Nordland-Route (11 bis 14 Tage) mit Tromsø, Honningsvåg und Hammerfest. Die Mein Schiff 4 und die Mein Schiff 7 sind regelmäßig in Norwegen im Einsatz.
Das Bord-Erlebnis auf TUI liegt zwischen AIDA und klassischer Kreuzfahrt. Es gibt feste Restaurantzeiten, aber auch flexible Alternativen. Die Außendecks sind großzügig gestaltet, mit einer 25-Meter-Laufbahn unter freiem Himmel und einer Außen-Alm, die auf Norwegenrouten besonders beliebt ist. Das Spa hat eine eigene Saunalandschaft mit Meerblick.
Preislich liegt TUI über AIDA. Die Kurzroute startet bei 10.000 NOK pro Person in der Innenkabine, dafür sind Getränke und mehr Leistungen enthalten. Wer auf AIDA alles einzeln dazubucht, kommt auf ähnliche Gesamtkosten. Stärken von TUI: das All-inclusive-Konzept und die ruhigere Atmosphäre mit grosszügigen Aussendecks. Schwächen: höherer Grundpreis und weniger Häfen pro Route als AIDA.
Costa Kreuzfahrten
Costa ist ein italienischer Anbieter, der seit einigen Jahren verstärkt in Nordeuropa aktiv ist. Die Schiffe (Costa Toscana, Costa Smeralda) fahren mit LNG und bedienen Norwegen-Routen ab Kiel oder Amsterdam. Das Publikum ist international, die Bordsprache Englisch und Italienisch, wobei auf den nordeuropäischen Routen auch deutschsprachiges Personal an Bord ist.
Costa unterscheidet sich von AIDA und TUI durch die italienische Küche an Bord. Pasta, Pizza und Espresso sind ausgezeichnet, während die skandinavische Küche weniger im Vordergrund steht. Für Reisende, die in Norwegen norwegisch essen wollen, ist das ein Minuspunkt. Für alle, die gutes Essen unabhängig von der Region schätzen, kann es ein Pluspunkt sein.
Die Preise liegen unter AIDA und TUI. Eine Woche Norwegenkreuzfahrt mit Costa beginnt bei 5.500 NOK pro Person in der Innenkabine. Das All-inclusive-Paket kostet 250 NOK pro Tag extra und deckt Getränke und Spezialitätenrestaurants ab. Stärken: günstiger Preis bei gutem Essen und LNG-Antrieb. Schwächen: internationales Publikum (weniger Deutsch an Bord) und ein kleineres Ausflugsangebot als bei AIDA oder TUI.
MSC Cruises
MSC ist der weltweit am schnellsten wachsende Kreuzfahrt-Anbieter und setzt seit 2022 verstärkt auf Norwegen-Routen. Die MSC Euribia fährt mit LNG und bedient eine Route ab Kiel über Bergen, Flåm, Geiranger und Molde. Die Schiffe sind groß (4.800 Passagiere auf der Euribia), modern und bieten ein breites Unterhaltungsangebot.
MSC richtet sich an ein internationales Publikum. An Bord werden fünf Sprachen gesprochen, darunter Englisch, Deutsch und Italienisch. Die Buffets sind multikulturell, die Unterhaltung international. Für deutschsprachige Reisende, die das nicht stört, bietet MSC ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Eine Woche ab Kiel kostet ab 6.000 NOK pro Person.
Die Kabinen auf MSC sind modern eingerichtet, die Balkonkabinen gehören zu den besten in dieser Preisklasse. Das Yacht Club-Konzept (Schiff im Schiff) bietet einen exklusiven Bereich mit eigenem Restaurant, Pool und Butler-Service für Passagiere, die bereit sind, den drei- bis vierfachen Preis zu zahlen. Stärken: modernes Schiff mit LNG und gutem Preis. Schwächen: sehr groß und weniger persönlich als kleinere Anbieter.
Havila Kystruten
Havila Kystruten ist seit 2021 auf der Küstenroute Bergen-Kirkenes-Bergen unterwegs und teilt sich die Strecke mit Hurtigruten. Vier Schiffe fahren die 34 Häfen in elf Tagen ab. Die Schiffe sind neu, mit Hybrid-Antrieb aus LNG und Batterie, und durchqueren Teile der Strecke im emissionsfreien Batteriebetrieb.
Die Kabinen sind größer als auf den meisten Hurtigruten-Schiffen und in einem modernen skandinavischen Stil eingerichtet. Helle Hölzer und große Fenster mit klaren Linien. Das Restaurant Havblikk setzt auf regionale Zutaten aus den Häfen entlang der Route. Die Passagierzahl liegt bei 600 bis 700, was für eine persönliche Atmosphäre sorgt.
Die volle Rundreise kostet ab 17.000 NOK in der Innenkabine. Teilstrecken sind möglich, etwa Bergen-Trondheim oder Tromsø-Kirkenes. Havila ist ideal für Reisende, die die authentische Küstenroute fahren wollen, aber Wert auf ein modernes Schiff legen. Das Ausflugsprogramm ist kleiner als bei Hurtigruten, wird aber stetig ausgebaut.
Hurtigruten
Hurtigruten ist kein klassischer Kreuzfahrt-Anbieter, aber da viele Reisende die Postschiffe als Kreuzfahrt-Alternative betrachten, gehört die Reederei in diesen Vergleich. Die Flotte besteht aus sieben Schiffen auf der Küstenroute, darunter die MS Trollfjord und die MS Nordnorge. Dazu kommen Expeditionsschiffe für Spitzbergen und die Antarktis.
Das Erlebnis auf Hurtigruten unterscheidet sich fundamental von einer klassischen Kreuzfahrt. Es gibt kein Unterhaltungsprogramm und keinen Pool. Dafür gibt es 34 Häfen, regionale Küche und Vorträge über Land und Leute. Vor allem aber gibt es die Landschaft. Hurtigruten ist für Reisende, die Norwegen sehen wollen, keine schwimmende Ferienanlage suchen.
Die volle Rundreise kostet ab 18.000 NOK in der Innenkabine mit Halbpension. Teilstrecken sind ab 3.000 NOK möglich. Die Schiffe sind älter als die Havila-Flotte, aber gepflegt und mit einer Geschichte verbunden, die über 130 Jahre zurückreicht. Für viele Stammgäste macht genau das den Reiz aus.
Kleine Anbieter und Expeditionen
Neben den großen Reedereien gibt es Anbieter, die Norwegen mit kleineren Schiffen befahren. Ponant setzt Luxusyachten mit 200 Passagieren ein, die in kleine Fjorde einfahren können, die für große Schiffe gesperrt sind. Eine Woche auf Ponant kostet ab 30.000 NOK, dafür gibt es Butler-Service und Zodiac-Ausflüge in abgelegene Buchten.
Hurtigruten Expeditions fährt mit der MS Fridtjof Nansen und der MS Roald Amundsen nach Spitzbergen. Diese Hybrid-Expeditionsschiffe bieten Platz für 530 Passagiere und kombinieren Komfort mit Abenteuer. Die Reisen dauern 10 bis 14 Tage und kosten ab 35.000 NOK.
Albatros Expeditions und Oceanwide Expeditions bieten Spitzbergen-Reisen auf Schiffen mit 100 bis 200 Passagieren an. Diese Anbieter richten sich an Naturliebhaber und Fotografen, die Eisbären und Walrosse in kleinen Gruppen erleben wollen. Die Preise liegen bei 40.000 bis 80.000 NOK für 10 bis 14 Tage.
Routen und Reisezeiten
Die meisten Anbieter fahren zwischen Mai und September nach Norwegen. Wer Nordlichter sehen will, muss auf Hurtigruten oder Havila ausweichen, die ganzjährig fahren. Die Mitternachtssonne erlebt man auf Routen nördlich des Polarkreises zwischen Mitte Mai und Ende Juli.
Die klassische Fjordroute (7 bis 10 Tage) deckt Südnorwegen und die westlichen Fjorde ab: Bergen, Stavanger, Eidfjord, Geiranger, Ålesund. Für Nordnorwegen mit Lofoten, Tromsø und Nordkap braucht man mindestens 12 Tage. Die längsten Routen (14 bis 21 Tage) verbinden Norwegen mit Island, Spitzbergen oder Schottland.
Für Erstbesucher empfehle ich die Fjordroute im Juni. Das Wetter ist am stabilsten, die Tage sind lang, die Fjorde zeigen sich von ihrer besten Seite. Wer Nordlichter und arktische Stimmung sucht, fährt mit Hurtigruten im Januar oder Februar. Wer beides will, braucht zwei Reisen.
Häufige Fragen
Welcher Anbieter ist für Erstkreuzfahrer am besten geeignet?
AIDA oder TUI, wenn Sie deutschsprachigen Service und ein breites Unterhaltungsangebot bevorzugen. AIDA ist lockerer und günstiger, TUI eleganter und mit besserem All-inclusive-Paket. Für Erstkreuzfahrer, die Norwegen in den Vordergrund stellen wollen, ist Havila die bessere Wahl.
Kommen große Kreuzfahrtschiffe in den Geirangerfjord?
Ja, aber mit Einschränkungen. Seit 2026 gelten verschärfte Emissionsvorschriften für den Geirangerfjord (UNESCO-Welterbe). Nur Schiffe mit LNG- oder Hybrid-Antrieb dürfen einfahren. Schiffe mit Schweröl oder Marinediesel werden umgeleitet. Das betrifft ältere Schiffe von AIDA, Costa und MSC, während die neueren Flotten bereits LNG nutzen.
Lohnt sich eine Balkonkabine für Norwegen?
Absolut. Die Fjorde sind das Haupterlebnis, und wer sie vom eigenen Balkon beobachten kann, hat einen erheblichen Vorteil gegenüber Innenkabinen-Gästen. Besonders bei der Einfahrt in den Geirangerfjord oder den Naerøyfjord ist der Balkon Gold wert. Auf Hurtigruten und Havila reicht auch eine Außenkabine mit Fenster, weil man jederzeit an Deck gehen kann.
Brauche ich für eine Norwegen-Kreuzfahrt einen Reisepass?
Deutsche Staatsbürger benötigen einen gültigen Personalausweis oder Reisepass. Norwegen ist kein EU-Mitglied, gehört aber zum Schengenraum. Bei Kreuzfahrten, die auch Spitzbergen, Island oder die Färöer-Inseln anlaufen, wird oft ein Reisepass verlangt. Prüfen Sie die Einreisebestimmungen beim Anbieter.
Gibt es Kreuzfahrten nach Norwegen im Winter?
Von den großen Anbietern nicht. AIDA, TUI, Costa und MSC fahren ausschließlich in der Sommersaison (Mai bis September). Im Winter decken nur Hurtigruten und Havila die norwegische Küste ab. Einzelne Luxusanbieter wie Ponant oder Seabourn bieten gelegentlich Winter-Nordlichtkreuzfahrten an, allerdings zu hohen Preisen ab 45.000 NOK.
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026