Geheimtipps Norwegen
Inhaltsverzeichnis
- 1 Warum abseits der Touristenpfade reisen?
- 2 Helgelandsküste: 12.000 Inseln für dich allein
- 3 Setesdal: Das vergessene Tal
- 4 Valdres: Berge ohne Massen
- 5 Senja: Die kleine Schwester der Lofoten
- 6 Vega und der Vegaoyan-Archipel
- 7 Ryfylke: Fjorde ohne Kreuzfahrtschiffe
- 8 Namdal: Norwegens wildes Herz
- 9 Hallingdal und Hemsedal im Sommer
- 10 Finnmark jenseits des Nordkaps
- 11 Haeufige Fragen
Geiranger. Lofoten. Trolltunga. Bergen. Wer "Norwegen" googelt, landet immer bei denselben Orten. Alle schön, keine Frage. Aber im Juli stehen am Preikestolen 600 Menschen Schlange, und in Reine auf den Lofoten blockieren Selfie-Stücke den Fussweg. Es geht auch anders.
Norwegen hat Tausende Kilometer Küste, Hunderte Taeler und Dutzende Regionen, die kein Reisefuehrer erwaehnt. Ich habe in den letzten Jahren gezielt Orte aufgesucht, die nicht in den Top-10-Listen stehen. Manche davon waren die besten Erlebnisse, die ich in Skandinavien je hatte. Hier sind sie.
Warum abseits der Touristenpfade reisen?
Die bekannten Orte in Norwegen sind aus gutem Grund bekannt. Aber der Massentourismus veraendert sie. In Geiranger legen taeglich bis zu fuenf Kreuzfahrtschiffe an. In Reine auf den Lofoten parken im Sommer Wohnmobile auf Privatgrundstücken, weil die offiziellen Parkplaetze voll sind. Die Bewohner von Henningsvaer kaempfen mit Muell und Laerm.
Tipp: Berechne dein persönliches Reisebudget mit unserem Norwegen-Reisekostenrechner.
Wer abseits dieser Hotspots reist, erlebt ein anderes Norwegen. Ruhiger und echter. In kleinen Orten wird man noch als Gast behandelt, nicht als Tourist. Die Landschaft ist genauso schön, die Fjorde genauso tief, die Berge genauso hoch. Nur die Selfie-Stücke fehlen.
Helgelandsküste: 12.000 Inseln für dich allein
Die Helgelandsküste erstreckt sich zwischen Trondheim und Bodo über 500 Kilometer. Vor der Küste liegen mehr als 12.000 Inseln, Holme und Schaeren. Die meisten sind unbewohnt. Manche haben weisse Sandstraende, die man im Mittelmeer erwarten würde, aber nicht in Norwegen. Und im Sommer hat man sie für sich allein.
Die Küste laesst sich am besten mit dem Auto auf der Küstenstrasse (Fv17, Kystriksveien) erkunden. Die Strecke fuehrt über sechs Faehren, vorbei an kleinen Fischerdoerfern und durch eine Landschaft, die sich staendig veraendert. Im Sueden ist sie sanft und huegelig, im Norden wird sie wilder.
Besonders lohnenswert: Die Insel Donna mit ihrer Bergkette "De Syv Sostre" (Die sieben Schwestern). Von der Spitze des Bovaerfjellet (710 m) blickt man über das Meer auf eine endlose Inselwelt. Die Wanderung dauert drei bis vier Stunden und ist mittelschwer. Ich habe dort an einem Samstag im Juli genau vier andere Wanderer getroffen.
Auch Sandnessjoen ist einen Stopp wert. Die kleine Stadt ist der Ausgangspunkt für Bootstouren in den Schaerengarten. Lokale Fischer bieten Fahrten zu abgelegenen Inseln an, wo man für den Tag anlegen, wandern und picknicken kann.
Setesdal: Das vergessene Tal
Setesdal liegt im Sueden Norwegens, nördlich von Kristiansand. Das Tal zieht sich 150 Kilometer von der Küste bis zur Hochebene der Hardangervidda. Und obwohl es nur zwei Stunden von der Faehrstadt Kristiansand entfernt ist, verirren sich hierhin kaum Touristen.
Setesdal ist ein lebendiges Museum. Alte Stabhauser und traditionelle Silberschmiedekunst gehören hier noch zum Alltag. Auch die Setesdal-Tracht sieht man hier noch. Im Setesdalsmuseet in Rysstad kann man historische Bauernhoefe besichtigen, die teilweise aus dem 13. Jahrhundert stammen. Der Eintritt kostet 100 NOK und ist jeden Krone wert.
Der Fluss Otra durchfliesst das gesamte Tal und bietet sehr gute Möglichkeiten zum Kanufahren und Angeln. Im Sommer ist das Wasser warm genug zum Baden. Mehrere natürliche Badestellen liegen direkt an der Strasse. Am Brokke-Badeland gibt es sogar einen kostenlosen Badeplatz mit Sandstrand am Fluss.
Für Wanderer lohnt sich der Aufstieg zum Presthus Nosi (1.075 m). Von dort überblickt man das gesamte Tal. Die Wanderung startet in Valle und dauert vier Stunden hin und zurück. Im Herbst, wenn sich die Birkenwaelder faerben, ist die Aussicht besonders lohnenswert.
Valdres: Berge ohne Massen
Jotunheimen kennt jeder. Valdres, das direkt nebenan liegt, kennt fast niemand. Dabei sind die Berge hier genauso hoch, die Taeler genauso tief und die Wanderwege genauso gut markiert. Nur die Besucherzahlen sind deutlich niedriger.
Valdres liegt zwischen Oslo und Jotunheimen und ist in drei Stunden von der Hauptstadt erreichbar. Die Region bietet eine Mischung aus weichen Almwiesen im Talboden und schroffen Gipfeln in der Hoehe. Mehrere historische Setergrend (Almhuettensiedlungen) sind noch in Betrieb und verkaufen selbst gemachten Kaese und Butter.
Der Valdresflye, eine Passstrasse auf 1.400 Metern Hoehe, bietet Ausblicke, die man sonst nur auf den Aussichtsplattformen an Touristenstrassen findet. Aber ohne Parkplaetze voller Reisebusse. Von der Strasse aus starten mehrere kurze Wanderungen zu Bergseen, die zum Baden einladen. Das Wasser ist kalt (maximal 10 Grad im Sommer), aber erfrischend.
Fagernes, der Hauptort von Valdres, ist kein Touristenmagnet. Genau das macht ihn sympathisch. Ein paar Geschaefte, ein gutes Cafe. Dazu ein Museum für Volkskunst. Und rundum nichts als Berge und Waelder. Wer hier eine Woche verbringt, kommt erholt zurück.
Senja: Die kleine Schwester der Lofoten
Senja ist Norwegens zweitgrößte Insel und liegt nördlich der Lofoten. Die Westseite hat steile Berge und weisse Straende mit tuerkisfarbenem Wasser. Die Ostseite ist sanfter, mit Waeldern und geschuetzten Buchten. Zusammen ergibt das eine Insel, die alles bietet, was die Lofoten haben, nur ohne die Menschenmassen.
Die Norwegische Landschaftsroute über Senja fuehrt 40 Kilometer entlang der Westküste. Unterwegs passiert man Aussichtspunkte, von denen man bis zu den Lofoten sehen kann. Bei Tungeneset ragt eine Plattform über das Meer hinaus, und der Blick auf die Felszaehne (Okstindane) ist gewaltig.
Husoy ist ein kleines Fischerdorf, das auf einer winzigen Insel liegt und über einen Damm mit Senja verbunden ist. Rund 30 Menschen leben hier, umgeben von Wasser und Bergen. Es gibt eine Pension und ein kleines Restaurant, das frischen Fisch serviert. Mehr braucht man nicht.
Wanderer sollten den Segla (639 m) besteigen. Die Wanderung dauert drei bis vier Stunden und fuehrt zu einem Gipfel, der wie ein Hai-Zahn in den Himmel ragt. Die Aussicht von oben ist einer der besten Panoramablicke, die ich in Norwegen je hatte. Und im Gegensatz zum Reinebringen auf den Lofoten steht man hier oft ganz allein.
Vega und der Vegaoyan-Archipel
Die Insel Vega liegt an der Helgelandsküste und gehört seit 2004 zum UNESCO-Welterbe. Nicht wegen eines Gebaeudes, sondern wegen der traditionellen Lebensweise: Seit über 1.000 Jahren sammeln die Menschen hier Eiderenten-Daunen von Hand. Diese Tradition wird bis heute fortgefuehrt.
Vega erreicht man per Faehre von Brones (eine Stunde Fahrt). Auf der Insel gibt es wenige Autos, keine Ampeln und vielleicht 1.200 Einwohner. Die Landschaft ist flach, aber die Aussicht auf die umliegenden Inseln und Berge des Festlands ist grossartig. Man kann die Insel per Rad erkunden; Fahrraeder vermietet die Touristeninformation am Faehranleger.
Das Vegaoyan-Welterbe umfasst auch die umliegenden Inseln, auf denen die Eiderenten-Haeuser (E-hus) stehen. In gefuehrten Bootstouren kann man diese besuchen und lernen, wie die Daunenernte funktioniert. Ein Kilo Eiderenten-Daunen kostet über 3.000 Euro auf dem Weltmarkt.
Ryfylke: Fjorde ohne Kreuzfahrtschiffe
Der Lysefjord ist bekannt (Preikestolen!), aber direkt nebenan liegt Ryfylke, eine Region aus Fjorden, Inseln und Bergen, die kaum jemand kennt. Der Sandsfjord, der Hylsfjord und der Suldalsvatnet bieten die gleiche Dramatik wie der Lysefjord, nur ohne die Ausflugsboote.
Sand, der Hauptort von Ryfylke, ist ein verschlafenes Städtchen am Sandsfjord. Von hier aus kann man Tagesausfluege in alle Richtungen unternehmen. Der Wasserfall Svandalsfossen (180 Meter) liegt direkt an der Strasse und ist frei zugaenglich. Ein Treppenweg fuehrt bis zum oberen Rand.
Wer will, kann von Sand aus den Preikestolen von der Rueckseite besteigen. Die Route über den Solbakk dauert laenger als der Standardweg, ist aber deutlich ruhiger. Man wandert durch Wald und über Felsen, trifft kaum andere Menschen und erreicht den Preikestolen von einer Seite, die die meisten Besucher nie sehen.
Namdal: Norwegens wildes Herz
Namdal liegt in Troendelag, nordoestlich von Trondheim. Die Region ist duenn besiedelt und von dichten Waeldern, Fluessen und Bergseen gepraegt. Der Namsen, Norwegens drittlaengster Fluss, ist einer der besten Lachsfluesse des Landes. Angler aus der ganzen Welt kommen hierher, aber abseits des Flusses ist die Region fast menschenleer.
Im Namdal kann man noch echte Wildnis erleben. Baerenspuren an Flussufern, Elche am Straßenrand. Adler kreisen über den Waeldern. Der Boergefjell-Nationalpark im Osten der Region ist einer der abgelegensten Orte in ganz Suednorwegen. Hier kann man tagelang wandern, ohne einem anderen Menschen zu begegnen.
Namsos, die größte Stadt der Region, hat rund 13.000 Einwohner und ein überraschend gutes Kulturangebot. Das Rock City-Museum dokumentiert die Geschichte der norwegischen Rockmusik. Der Oasen-Badpark bietet tropische Temperaturen für Regentage.
Hallingdal und Hemsedal im Sommer
Hemsedal kennen die meisten als Skigebiet. Im Winter ist der Ort voll, die Pisten überlaufen, die Preise hoch. Im Sommer sieht die Sache anders aus. Dann sind die Lifte aus, die Hotels halb leer und die Berge gehören den Wanderern und Mountainbikern.
Das gesamte Hallingdal, das Tal zwischen Oslo und Bergen, ist im Sommer ein Paradies für Outdooraktivitaeten. Forellen angeln im Hemsila, Mountainbike auf den Skipisten, Klettern an den Felswaenden bei Gol. Die Campingplaetze sind guenstig und gut ausgestattet. Ein Zeltplatz kostet 150 bis 200 NOK pro Nacht.
Gol hat einen der größten Stave-Nachbauten Norwegens, die Gol Stavkirke, die urspruenglich im 13. Jahrhundert gebaut und im 19. Jahrhundert nach Oslo versetzt wurde. Eine Nachbildung steht heute im Ort und kann besichtigt werden.
Finnmark jenseits des Nordkaps
Alle fahren zum Nordkap. Kaum jemand faehrt weiter. Dabei liegt das wirklich interessante Finnmark jenseits der Touristenmagneten. Die Halbinsel Varangerhalvoya im Osten ist Norwegens wildester und entlegenster Ort. Arktische Tundra, soweit man sehen kann. Im Winter Temperaturen bis minus 30 Grad. Im Sommer endlose Helligkeit.
Batsfjord, die oestlichste Stadt auf dem norwegischen Festland, fuehlt sich an wie das Ende der Welt. Etwa 2.300 Menschen leben hier, hauptsaechlich vom Fischfang. Touristen sind selten. Wer hierherkommt, findet eine Ehrlichkeit und Direktheit, die man in den Touristenorten vermisst.
Tana Bru am Tanaelv ist ein Zentrum samischer Kultur. Das Samische Museum zeigt die Geschichte und Gegenwart der samischen Bevoelkerung. Der Tanaelv selbst ist einer der besten Lachsfluesse der Welt. Im Sommer sieht man Samen und finnische Angler Seite an Seite am Ufer stehen.
Haeufige Fragen
Kommt man ohne Auto zu den Geheimtipps?
Einige Orte wie Setesdal und Hemsedal sind per Bus erreichbar. Für die Helgelandsküste, Senja und Finnmark braucht man aber ein Auto oder Wohnmobil. Die oeffentliche Anbindung in abgelegenen Regionen ist duenn.
Sind die Geheimtipps guenstiger als die bekannten Orte?
Meistens ja. Unterkuenfte in Valdres, Setesdal und am Namdal kosten 20 bis 40 Prozent weniger als auf den Lofoten oder in Bergen. Auch Campingplaetze und Restaurants sind in weniger touristischen Regionen guenstiger.
Wann ist die beste Reisezeit für diese Orte?
Juni bis September für die meisten Regionen. Für Senja und Finnmark sind Juni bis August ideal, weil dann die Mitternachtssonne scheint. Setesdal und Valdres sind auch im Mai und Oktober gut bereisbar.
Gibt es Handyempfang in den abgelegenen Gebieten?
In den Dörfern und Städten ja. Im Hinterland und in den Bergen oft nicht. Offline-Karten herunterladen und eine aktuelle Straßenkarte mitnehmen. In der Finnmark kann es auf langen Strecken 50 bis 100 Kilometer ohne Netz geben.
Kann man die Geheimtipps in eine Rundreise einbauen?
Die suedlichen Tipps (Setesdal, Valdres, Ryfylke, Hallingdal) lassen sich gut zu einer Rundreise ab Oslo oder Kristiansand kombinieren. Die nördlichen (Helgeland, Senja, Finnmark) passen zu einer Nordnorwegen-Tour ab Trondheim oder Bodo.
Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026