Baumhaus-Hotels Norwegen
Es gibt eine bestimmte Sorte Unterkunft, die jeden sofort zum Grinsen bringt. Das Baumhaus gehört dazu. Egal, wie alt man ist, ob man mit dem Partner reist oder mit Kindern: Wenn man über eine Holztreppe in ein Haus klettert, das zwischen den Bäumen hängt, wird man für einen Moment wieder acht Jahre alt. In Norwegen gibt es mehrere Anbieter, die dieses Kindheitsgefühl mit erwachsenem Komfort verbinden. Beheizte Baumhäuser mit Glasfronten, mit Blick auf Fjorde, Berge oder endlose Wälder.
Ich habe eine Nacht in einem Baumhaus in Ostnorwegen verbracht, Anfang September. Der Wald war schon leicht herbstlich gefärbt, die Birken zeigten erste goldene Blätter, und die Luft roch nach Harz und feuchtem Moos. Das Baumhaus hing etwa fünf Meter über dem Waldboden, getragen von vier Kiefern. Durch das Panoramafenster sah ich den Wald in alle Richtungen, und nachts, als die Wolken aufrissen, die Sterne. Kein Straßenlärm, kein Nachbar, kein Handyempfang. Nur der Wind in den Bäumen und ab und zu der Ruf einer Eule. Es war großartig.
Warum Baumhäuser in Norwegen gut funktionieren
Norwegen hat Wald. Viel Wald. Rund 37 Prozent der Landfläche sind bewaldet, überwiegend mit Fichten, Kiefern und Birken. Die Bäume sind robust, groß genug, um Lasten zu tragen, und stehen oft weit genug auseinander, um Platz für ein Baumhaus zu bieten. Die natürlichen Voraussetzungen sind also gegeben.
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Dazu kommt die norwegische Tradition des Naturerlebens. Friluftsliv, das Leben in der freien Natur, ist in Norwegen kein Hobby, sondern ein Lebensprinzip. Die Norweger wandern, zelten, angeln und verbringen ihre Freizeit draußen. Ein Baumhaus passt in diese Kultur, weil es die Natur nicht aussperrt, sondern einschließt. Man schläft im Wald, nicht neben dem Wald. Man hört die Tiere, spürt den Wind, riecht die Bäume. Das ist Friluftsliv mit Komfort.
Der Trend zu ungewöhnlichen Unterkünften hat in Norwegen in den letzten zehn Jahren zugenommen. Neben Baumhäusern gibt es Glaskuppeln, schwimmende Hotels, umgebaute Leuchttürme und Vogelhäuser in Menschengröße. Die Norwegische Tourismusbehörde fördert solche Konzepte, weil sie Besucher in Regionen bringen, die sonst wenig Tourismus haben. Ein Baumhaus im Wald von Telemark oder Hedmark lockt Gäste an, die sonst nur nach Bergen oder auf die Lofoten fahren würden.
Die besten Baumhaus-Hotels in Norwegen
Treetop Fiddan, Steinkjer
Treetop Fiddan liegt in Trøndelag, etwa eine Stunde nördlich von Trondheim. Die Anlage besteht aus mehreren Baumhäusern in einem alten Fichtenwald, die über Hängebrücken und Treppen miteinander verbunden sind. Jedes Baumhaus hat eine eigene Terrasse, ein Doppelbett, eine kleine Küche und ein Bad mit Dusche. Die Glasfront zeigt auf den Wald, und von der Terrasse aus sieht man den Beitstadfjord.
Was Treetop Fiddan von anderen unterscheidet, ist die Höhe. Die Häuser hängen zwischen acht und zehn Metern über dem Boden. Man ist wirklich in den Wipfeln, nicht knapp über dem Boden. Der Aufstieg über die Wendeltreppe ist für Leute mit Höhenangst eine Herausforderung, aber oben angekommen vergisst man das schnell. Preise: ab 2800 NOK pro Nacht für zwei Personen, Frühstück inklusive.
Treetop Lofoten, Stamsund
Ja, es gibt Baumhäuser auf den Lofoten. Treetop Lofoten in Stamsund bietet eine Handvoll Baumhäuser, die zwischen den Birken über dem Fjord hängen. Die Lage ist der Hauptgrund, hier zu buchen: Durch die Glasfront sieht man das Meer und die Berge der Lofoten. Bei Mitternachtssonne ist das Licht in den Baumhäusern goldgelb und weich, und man kann stundenlang im Bett liegen und den Himmel beobachten, ohne aufzustehen.
Die Ausstattung ist einfacher als bei Treetop Fiddan. Kein eigenes Bad, die Sanitäreinrichtungen sind in einem separaten Gebäude am Boden. Dafür ist der Preis niedriger: ab 1800 NOK pro Nacht. Die Baumhäuser sind von Mai bis September geöffnet. Reservierung mehrere Monate im Voraus empfohlen.
Gjøvik Glasstreehyttene
In der Nähe von Gjøvik am Mjøsa-See, dem größten Binnensee Norwegens, gibt es Glashütten in den Bäumen. Diese Unterkünfte sind keine klassischen Baumhäuser, sondern transparente Kapseln, die zwischen den Stämmen aufgehängt sind. Drei Wände und das Dach bestehen aus Glas, die vierte Wand ist Holz mit Tür und Heizung. Man schläft im Glas und sieht den Wald von allen Seiten. Im Herbst sieht man die fallenden Blätter, im Winter den Schnee, der sich auf den Ästen sammelt.
Die Glashütten sind ganzjährig buchbar und beheizt. Im Winter kann man von hier aus Nordlichter sehen, wenn man Glück hat, denn Gjøvik liegt nahe genug am Norden. Preise: ab 3200 NOK pro Nacht, Frühstückskorb wird morgens an die Tür gehängt.
Øyna Kulturlandskapshotell, Inderøy
Øyna liegt in Trøndelag und ist weniger ein Baumhaus im klassischen Sinne als ein Hotel, das in die Landschaft eingebettet ist. Die Zimmer sind auf Stelzen gebaut, mit Grasdächern, die sich in den Hang einfügen. Manche Einheiten stehen so nah an den Bäumen, dass die Äste ans Fenster reichen. Der Blick geht über den Trondheimsfjord, und das Restaurant serviert lokale Zutaten von den umliegenden Höfen.
Øyna ist die luxuriöseste Option auf dieser Liste. Die Zimmer haben Fußbodenheizung, eigene Terrassen und eine Ausstattung, die man eher in einem Designhotel erwartet. Preise: ab 3500 NOK pro Nacht mit Frühstück. Das Restaurant (Abendessen ab 600 NOK) ist einen Besuch wert, auch wenn man nicht übernachtet.
Was erwartet einen im Baumhaus
Die Vorstellung, in einem Baumhaus zu schlafen, ist romantisch. Die Realität ist es meistens auch, aber es gibt ein paar Dinge, auf die man vorbereitet sein sollte.
Geräusche: Baumhäuser sind keine schalldichten Hotelzimmer. Man hört den Wind, den Regen, die Vögel, und manchmal auch das Knarren der Bäume. Das ist für die meisten Gäste Teil des Reizes, aber wer nur bei absoluter Stille schlafen kann, wird eine unruhige Nacht haben. Ohrstöpsel mitnehmen, falls nötig.
Bewegung: Manche Baumhäuser schwanken leicht im Wind. Das ist normal und ungefährlich, die Konstruktionen sind auf Windlasten ausgelegt. Aber wer seekrank wird, sollte darauf vorbereitet sein. Bei starkem Wind kann die Bewegung spürbar sein, besonders in höher gelegenen Häusern.
Platz: Baumhäuser sind klein. Die meisten haben 15 bis 25 Quadratmeter, das reicht für ein Bett, einen kleinen Tisch und ein Bad. Wer Platz gewohnt ist, wird sich umstellen müssen. Dafür ist alles durchdacht und platzsparend eingebaut. Es fühlt sich an wie ein gut geplantes Boot, wo jeder Zentimeter eine Funktion hat.
Zugang: Der Weg zum Baumhaus führt über Treppen, Leitern oder Hängebrücken. Das ist Teil des Erlebnisses, aber nicht für jeden geeignet. Menschen mit eingeschränkter Mobilität sollten vorab klären, wie der Zugang aussieht. Große Koffer nach oben zu tragen, ist unpraktisch. Rucksäcke und leichtes Gepäck sind besser.
Baumhaus im Winter
Einige Baumhaus-Hotels in Norwegen sind ganzjährig geöffnet, und der Winter ist die romantischste Jahreszeit. Schnee auf den Ästen, Eiszapfen am Dach, der Wald in Weiß. Durch die Glasfront sieht man die Schneeflocken fallen, und wenn man Glück hat, auch Nordlichter. Die Heizung läuft, drinnen ist es warm, draußen minus zehn. Der Kontrast macht den Reiz aus.
Allerdings gibt es praktische Herausforderungen. Der Weg zum Baumhaus kann vereist sein. Gutes Schuhwerk ist Pflicht. Manche Betreiber streuen Sand oder legen Antirutschmatten aus, aber Vorsicht ist trotzdem geboten. Das Bad im separaten Gebäude bei minus fünfzehn zu erreichen, erfordert Überwindung. Baumhäuser mit eigenem Bad sind im Winter die deutlich angenehmere Variante.
Die Wintermonate (Dezember bis Februar) sind bei den meisten Anbietern weniger nachgefragt als der Sommer, was niedrigere Preise bedeutet. Einige bieten spezielle Winterpakete an, die Schneeschuhwanderungen, Fackeltouren oder ein Abendessen im Wald beinhalten. Das kann den Aufenthalt von einer Nacht zu einem richtigen Erlebnis aufwerten.
Mit Kindern im Baumhaus
Baumhäuser sind für Kinder das Größte. Punkt. Es gibt keinen Achtjährigen auf der Welt, der bei einem Baumhaus nicht die Augen aufreißt. Das allein macht die Übernachtung lohnenswert, auch wenn der Komfort etwas eingeschränkt ist. Die Erinnerung bleibt länger als die an jedes Fünfsternehotel.
Allerdings gibt es Sicherheitshinweise. Die Treppen und Hängebrücken sind für Erwachsene gebaut. Kleine Kinder unter drei Jahren sollte man nicht unbeaufsichtigt lassen, und manche Betreiber haben ein Mindestalter. Die Geländer sind in der Regel ausreichend hoch, aber wer ein Kind hat, das gern klettert, sollte besonders aufpassen. Die meisten Baumhäuser haben keine Kinderbetten. Babys und Kleinkinder schlafen bei den Eltern im Bett oder in einem mitgebrachten Reisebett.
Treetop Fiddan bei Steinkjer ist für Familien besonders gut geeignet. Die Anlage hat einen Spielplatz im Wald, markierte Wanderwege und Tiere in der Umgebung (Rehe, Hasen, Eichhörnchen). Die größeren Baumhäuser haben Platz für vier Personen. Auf den Lofoten ist die Lage am Meer ein zusätzlicher Anreiz: Morgens im Baumhaus aufwachen, nachmittags am Strand spielen.
Preise und Buchung
Baumhäuser in Norwegen sind keine Schnäppchen. Die Preise liegen zwischen 1800 und 4000 NOK pro Nacht, je nach Ausstattung, Lage und Saison. Zum Vergleich: Ein normales Hotelzimmer in Norwegen kostet 1000 bis 1500 NOK. Man zahlt also einen Aufpreis für das Erlebnis, und meiner Meinung nach ist dieser Aufpreis gerechtfertigt.
Die Hochsaison ist von Juni bis August und über Weihnachten/Neujahr. In diesen Zeiträumen sind die beliebtesten Baumhäuser Monate im Voraus ausgebucht. Wer im Juli oder Dezember buchen will, sollte spätestens im März reservieren. In der Nebensaison (April/Mai, September/Oktober) sind die Preise niedriger und die Verfügbarkeit besser.
Die meisten Anbieter haben eigene Webseiten mit Buchungssystem. Einige sind auch über Booking.com oder Airbnb zu finden. Ich empfehle die Buchung direkt beim Anbieter, weil man dort oft Zusatzleistungen (Frühstückskorb, Sauna, geführte Wanderung) hinzubuchen kann, die auf den Plattformen nicht angeboten werden.
Stornierung: Die meisten Baumhaus-Hotels haben eine Stornierungsfrist von 14 bis 30 Tagen. Bei Stornierung innerhalb der Frist wird oft der volle Betrag oder eine Gebühr von 50 Prozent fällig. Reiserücktrittsversicherung ist bei diesen Preisen überlegenswert.
Alternativen zum Baumhaus
Wer die Idee des ungewöhnlichen Übernachtens mag, aber kein Baumhaus findet oder sich etwas anderes wünscht, hat in Norwegen weitere Optionen.
Glaskuppeln und Iglus: Mehrere Anbieter in Nordnorwegen bieten Glasiglus an, die speziell für die Nordlichtbeobachtung gebaut sind. Man liegt im warmen Bett und sieht die Aurora Borealis durch die Glasdecke. Preise ab 3000 NOK pro Nacht. Die bekanntesten stehen in Tromsø und auf den Lofoten.
Leuchttürme: Einige der historischen Leuchttürme Norwegens wurden zu Unterkünften umgebaut. Man schläft im Turm, umgeben von Meer, und hört die Wellen an die Felsen schlagen. Die Leuchttürme auf Lindesnes und Ryvarden gehören zu den beliebtesten. Preise ab 1500 NOK pro Nacht.
Schwimmende Häuser: Am Hardangerfjord und am Sognefjord gibt es Häuser, die auf dem Wasser schwimmen. Man ankert in einer Bucht und hat den Fjord vor der Tür. Die Häuser haben Küche, Bad und Terrasse. Preise ab 2000 NOK pro Nacht. Eine gute Alternative für alle, die Wasser dem Wald vorziehen.
Rorbu: Die traditionellen Fischerhütten auf den Lofoten stehen auf Stelzen über dem Wasser und haben ihren eigenen Charme. Sie sind nicht so außergewöhnlich wie ein Baumhaus, aber preiswerter und authentischer. Ab 800 NOK pro Nacht.
Häufige Fragen
Haben die Baumhäuser ein eigenes Bad?
Nicht alle. Die hochpreisigeren Anbieter (Treetop Fiddan, Gjøvik Glasstreehyttene) haben eigene Bäder im Baumhaus. Bei günstigeren Varianten sind die Sanitäreinrichtungen in einem separaten Gebäude am Boden. Bei der Buchung auf die Beschreibung achten.
Sind die Baumhäuser beheizt?
Die ganzjährig geöffneten Baumhäuser sind beheizt, meist mit Elektroheizung oder Fußbodenheizung. Im Sommer ist eine Heizung selten nötig, aber in Frühling und Herbst kann es nachts kalt werden. Im Winter ist die Heizung laut Betreibern ausreichend, um es auch bei minus 20 Grad drinnen warm zu halten.
Gibt es Strom und WLAN im Baumhaus?
Strom ist in allen hier genannten Baumhäusern vorhanden. WLAN ist bei einigen Anbietern verfügbar, aber nicht überall und oft mit schwachem Signal. Manche Betreiber verzichten bewusst auf WLAN, um das Naturerlebnis zu betonen. Wer dringend Internet braucht, sollte vorab fragen.
Wie weit im Voraus muss man buchen?
Für die Hochsaison (Juli/August, Weihnachten) mindestens drei bis vier Monate im Voraus. Wochenenden sind generell schneller ausgebucht als Wochentage. In der Nebensaison reichen oft zwei bis drei Wochen Vorlauf. Last-Minute-Verfügbarkeit gibt es selten.
Ist ein Baumhaus auch für ältere Menschen geeignet?
Das hängt von der Unterkunft ab. Baumhäuser mit Wendeltreppen und Leitern sind für Menschen mit eingeschränkter Mobilität nicht geeignet. Einige Anbieter haben barriereärmere Varianten mit flachen Rampen oder breiten Stufen. Beim Anbieter direkt nachfragen, um die beste Option zu finden.
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Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026