Insel Skrova
Manchmal muss man eine Fähre nehmen, um zu verstehen, was ein Ort wirklich ausmacht. Die Überfahrt von Svolvær nach Skrova dauert nur dreißig Minuten, aber in diesen dreißig Minuten lässt man die touristischen Lofoten hinter sich. Kein Wohnmobilstau, keine Fotospots mit Menschentrauben, keine Instagram-Kulissen. Stattdessen ein Fährterminal, der aus einer Betonrampe besteht, ein Dorf mit bunten Holzhäusern, ein Fischereihafen, in dem die Boote genauso aussehen wie vor fünfzig Jahren. Und eine Stille, die sich anfühlt wie eine Umarmung.
Skrova ist winzig. Etwa 200 Menschen leben hier auf einer Inselgruppe, die im Vestfjord liegt, ein paar Kilometer südlich von Svolvær. Die Hauptinsel ist kaum drei Kilometer lang. Es gibt eine Schule, einen kleinen Laden, eine Kirche und eine Handvoll Fischverarbeitungsbetriebe. Im Winter, wenn der Skrei kommt, pulsiert das Dorf vor Aktivität. Im Sommer liegt es friedlich in der Sonne und empfängt die wenigen Besucher, die den Weg hierher finden.
Ankunft auf Skrova
Die Fähre legt in Svolvær ab, fährt durch den Sundstraumen und hält kurz in Skrova, bevor sie weiter nach Skutvik auf dem Festland fährt. Wenn man von Bord geht, steht man auf einem Kai aus grauem Beton, und vor einem öffnet sich das Dorf wie ein Bilderbuch. Weiße, rote und gelbe Häuser klettern den Hang hinauf, dazwischen Trockengestelle für Stockfisch, Netze, die zum Trocknen ausgebreitet sind, und Katzen, die zwischen den Booten herumstreifen.
Das Erste, was auffällt, ist der Geruch. Skrova riecht nach Meer, nach Fisch und nach dem Holz der alten Gebäude. Es ist kein unangenehmer Geruch, sondern einer, der sofort vermittelt, wovon dieses Dorf lebt. Fischerei war und ist die Lebensgrundlage. Die Trockengestelle, auf denen der Dorsch im Winter zu Stockfisch wird, stehen überall auf der Insel. Manche sind leer, manche hängen voller Fisch, je nach Jahreszeit.
Es gibt keine Autos auf Skrova, die man mieten könnte. Man braucht auch keine. Die gesamte Insel lässt sich in einer Stunde zu Fuß umrunden. Die Wege sind teils asphaltiert, teils Schotterpfade, die zwischen den Häusern hindurchführen. Es gibt keinen Supermarkt im herkömmlichen Sinne, nur einen kleinen Kiosk, der Grundnahrungsmittel verkauft. Wer länger bleibt, bringt Verpflegung von Svolvær mit.
Das Dorf und seine Geschichte
Skrova blickt auf eine lange Fischereigeschichte zurück. Schon im Mittelalter war die Inselgruppe ein wichtiger Stützpunkt für die Lofotfischerei, die jährliche Dorschsaison, die Fischer aus dem ganzen Norden Norwegens anzog. Im 19. Jahrhundert war Skrova zeitweise der größte Fischereihafen der Lofoten. Tausende Fischer kamen im Winter hierher, lebten in den Rorbuer am Hafen und fuhren jeden Morgen mit ihren Booten hinaus auf den Vestfjord.
Von diesem Boom zeugen noch heute die großen Lagerhäuser am Kai, die einst Stockfisch und Tran lagerten. Das alte Trangebäude beherbergt ein kleines Museum, das die Geschichte der Fischerei auf Skrova dokumentiert. Alte Fotografien zeigen den Hafen voller Boote, die Kaimauer bedeckt mit Fässern, Frauen, die den Fisch auf den Gestellen aufhängen. Diese Bilder sind keine hundert Jahre alt, und doch wirken sie wie aus einer anderen Welt.
Heute ist die Fischerei immer noch der wichtigste Wirtschaftszweig. Die Lofoten Viking AS, eine der größeren Fischverarbeitungsfirmen der Region, hat ihren Sitz auf Skrova. Hier wird Kabeljau zu Klippfisch verarbeitet und in alle Welt exportiert. Portugal, Brasilien und Nigeria gehören zu den wichtigsten Abnehmern. Wenn man durch das Dorf spaziert, sieht man die Arbeiter in ihren orangefarbenen Overalls, die Fisch in die Fabrikhallen tragen.
Walbeobachtung vor Skrova
Die Gewässer rund um Skrova gehören zu den besten Walbeobachtungsgebieten Norwegens. Im Vestfjord, der breiten Wasserstraße zwischen den Lofoten und dem Festland, tummeln sich in den Wintermonaten Orcas und Buckelwale, die den Heringsschwärmen folgen. Von Oktober bis Januar kann man die Tiere manchmal direkt vom Ufer aus sehen, wenn sie in den Gewässern vor der Insel jagen.
Mehrere Anbieter in Svolvær organisieren Walbeobachtungstouren, die in den Gewässern um Skrova operieren. Die Touren dauern zwischen vier und sechs Stunden und führen mit schnellen RIB-Booten oder größeren Katamaranen hinaus auf den Vestfjord. Die Sichtungsrate in der Hochsaison liegt bei über 90 Prozent. Orcas sind die häufigsten Besucher, aber auch Buckelwale, Finnwale und gelegentlich Pottwale werden gesichtet.
Was Skrova als Ausgangspunkt besonders macht, ist die Nähe zu den Futtergründen der Wale. Während andere Touren lange Anfahrten in Kauf nehmen müssen, sind die Gewässer vor Skrova oft schon nach wenigen Minuten Fahrt erreicht. Einige Fischer auf Skrova bieten private Touren an, bei denen man in einem traditionellen Fischerboot hinausfährt. Diese Touren sind persönlicher, man ist oft nur zu dritt oder viert an Bord, und der Fischer kennt die besten Stellen seit Jahrzehnten.
Im Sommer verlagert sich die Walaktivität weiter nach Norden Richtung Vesterålen, aber auch dann kann man von Skrova aus gelegentlich Schweinswale und Zwergwale sehen. Seeadler sind das ganze Jahr über präsent und kreisen oft über dem Hafen.
Wanderung zum Høgskrova
Der Høgskrova ist mit 258 Metern der höchste Punkt der Insel, und die Wanderung hinauf ist das sportliche Highlight eines Besuchs. Der Weg beginnt am südlichen Ende des Dorfs und führt zunächst über Wiesen, dann über Fels und Geröll nach oben. Die Tour ist kurz, kaum zwei Kilometer pro Strecke, aber steil. Man sollte etwa 45 Minuten für den Aufstieg einplanen.
Oben angekommen, öffnet sich ein Panorama, das den Atem stocken lässt. Der gesamte Vestfjord liegt vor einem, die Lofotenwand erstreckt sich von Süd nach Nord, und im Osten sieht man die Festlandküste mit ihren schneebedeckten Bergen. An klaren Tagen erkennt man Svolvær, den Trollfjord und sogar die Spitzen der Vesterålen. Direkt unter einem das Dorf, die bunten Häuser wie Spielzeug, die Fischerboote wie Streichhölzer.
Der Rückweg kann über die gleiche Route erfolgen oder über die Ostseite der Insel, wo ein steiler Pfad hinunter zu einer kleinen Bucht führt. Dieser Weg ist weniger ausgetreten und erfordert etwas Orientierungssinn. Gute Wanderschuhe sind Pflicht, denn der Fels kann bei Nässe sehr rutschig werden.
Strände und Badestellen
Skrova hat einige der schönsten kleinen Strände der Lofoten, und das Wort "klein" ist hier wörtlich zu nehmen. Der bekannteste ist der Sandstrand auf Hagbarden, einer kleinen Halbinsel im Norden der Inselgruppe. Der Sand ist weiß und fein, das Wasser erstaunlich klar. Man sieht den Boden bis in mehrere Meter Tiefe. Seesterne und Seeigel liegen auf dem Grund, als hätte jemand sie dort drapiert.
Baden kann man hier durchaus, auch wenn das Wasser selten wärmer als 12 oder 13 Grad wird. Die Einheimischen machen es vor: kurz rein, kurz raus, dann auf den warmen Felsen liegen und sich von der Sonne trocknen lassen. Im Hochsommer, wenn die Mitternachtssonne scheint und es windstill ist, fühlt es sich fast mediterran an. Fast.
Auf der Südseite der Insel gibt es weitere kleine Buchten, die nur über Trampelpfade erreichbar sind. Hier ist man garantiert allein. Das Wasser ist noch klarer als am Hauptstrand, und zwischen den Felsen kann man Krebse und kleine Fische beobachten. Schnorcheln ist möglich, sofern man einen dicken Neoprenanzug mitbringt.
Angeln rund um Skrova
Skrova ist ein Paradies für Angler. Der Vestfjord vor der Haustür ist einer der fischreichsten Meeresabschnitte Norwegens. Kabeljau, Seelachs, Heilbutt und Rotbarsch gehören zu den häufigsten Fängen. Im Winter, wenn der Skrei zum Laichen in den Vestfjord kommt, kann man von einem kleinen Boot aus kapitale Dorsche fangen, die zehn Kilogramm und mehr auf die Waage bringen.
Einige Rorbuer-Vermieter auf Skrova stellen ihren Gästen Boote und Angelausrüstung zur Verfügung. Wer kein eigenes Boot hat, kann bei den örtlichen Fischern mitfahren. Ein Angelschein ist in Norwegen für das Meeresangeln nicht erforderlich, solange man mit Handangel oder Rute fischt. Es gelten allerdings Fangbegrenzungen: Pro Person darf man bis zu 18 Kilogramm Fisch pro Tag entnehmen und aus dem Land ausführen.
Vom Ufer aus kann man ebenfalls angeln. Die Felsen am südlichen Ende der Insel eignen sich gut für das Angeln auf Seelachs und Köhler. Abends, wenn die Sonne tief steht, beißen die Fische besonders gut. Wer seinen Fang selbst zubereiten will, findet in den meisten Rorbuer eine voll ausgestattete Küche.
Übernachten auf Skrova
Die Unterkünfte auf Skrova sind einfach, aber charmant. Mehrere Anbieter vermieten Rorbuer direkt am Hafen, rote Holzhütten auf Pfählen, die früher den saisonalen Fischern als Unterkunft dienten. Heute sind sie mit Küche, Bad und gemütlichen Schlafplätzen ausgestattet. Die Preise liegen zwischen 800 und 1.500 NOK pro Nacht, deutlich günstiger als auf den touristischeren Inseln.
Das Skrova Rorbuer & Seaside Apartments bietet sowohl traditionelle Rorbuer als auch modernere Wohnungen. Die Lage direkt am Wasser ist perfekt für Angler und alle, die morgens mit Blick auf den Vestfjord aufwachen wollen. Die Gastgeber sind freundlich und geben gern Tipps zu Wanderungen und Angelstellen.
Zelten ist auf der Insel grundsätzlich möglich, aber die Flächen sind begrenzt. Am besten fragt man bei den Einheimischen nach, wo man sein Zelt aufschlagen darf. Die flachen Wiesen im Norden der Insel eignen sich am besten. Trinkwasser gibt es aus der Leitung, die Qualität ist ausgezeichnet.
Häufige Fragen zu Skrova
Wie kommt man nach Skrova?
Mit der Fähre ab Svolvær. Die Überfahrt dauert etwa 30 Minuten und verkehrt mehrmals täglich. Die Fähre transportiert auch Autos, allerdings ist ein Auto auf der kleinen Insel nicht nötig. Tickets kann man vorab über die Torghatten Nord Website buchen oder direkt am Terminal kaufen. In der Hochsaison empfiehlt sich eine Vorausbuchung.
Wann ist die beste Zeit für Walbeobachtung bei Skrova?
Die Hauptsaison für Orcas und Buckelwale ist von Oktober bis Januar, wenn die Heringsschwärme in den Vestfjord ziehen. Die höchste Sichtungsrate gibt es im November und Dezember. Im Sommer sind gelegentlich Schweinswale und Zwergwale zu sehen, die großen Wale halten sich dann weiter nördlich auf.
Gibt es auf Skrova Einkaufsmöglichkeiten?
Nur sehr eingeschränkt. Es gibt einen kleinen Kiosk, der Grundnahrungsmittel und Getränke verkauft. Für einen längeren Aufenthalt sollte man Verpflegung aus Svolvær mitbringen. Die meisten Rorbuer haben eine voll ausgestattete Küche, sodass Selbstversorgung kein Problem ist. Frischen Fisch kann man manchmal direkt am Hafen von den Fischern kaufen.
Wie lange sollte man auf Skrova bleiben?
Für einen Tagesausflug reicht die Fährverbindung aus. Man kann morgens übersetzen, die Insel erkunden, auf den Høgskrova wandern und abends zurückfahren. Wer Angeln, die Strände genießen oder einfach die Ruhe auf sich wirken lassen will, bleibt zwei bis drei Nächte. Die meisten Gäste sagen, sie hätten gern länger bleiben sollen.
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026